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„Wir haben noch eine Rechnung offen“

Es geht ja doch: In der vergangenen Englischen Woche gelangen der TSG ein Remis und zwei 3:0-Siege in Folge. Es scheint, als komme man so langsam wieder in Form. Passend dazu geht es am Samstag zum Tabellenersten nach München. Vor der Partie gegen den FC Bayern stand uns Steffen Meyer (Twitter: @DerBayernBlog), unter anderem Kolumnist bei gmx.de und Miasanrot, Rede und Antwort. Der Bayern-Fan sprach mit uns über eine ernüchternde Defensive, die Neuzugänge und wie der Rekordmeister aus dem Hinspiel lernen muss.

Steffen, nach dem Triple im vergangenen Jahr sowie den darauffolgenden Siegen im nationalen und internationalen Supercup, war die Titel-Ausbeute der Münchner nicht mehr zu toppen. Mit welchen Erwartungen bist du dennoch in die neue Spielzeit gegangen?

Steffen Meyer: Meine Erwartungen waren nicht besonders hoch. In der letzten Saison hat nach der Corona-Pause alles funktioniert. Das war phasenweise der spektakulärste Fußball den ich als Bayern-Fan jemals gesehen habe. Das hat Kraft gekostet und deshalb bin ich auf Grund des etwas fragwürdigen Transfersommers nicht mit den höchsten Erwartungen gestartet. In den Leistungen hat sich das auch eher bestätigt. In der Bundesliga-Tabelle stimmt es dagegen.

Nun ist das Triple durch ein Pokal-Aus gegen Kiel schon nicht mehr möglich. Wie verkraftbar ist das? 

Steffen: Als Bayern-Fan ist man darauf gepolt, dass jede Niederlage inakzeptabel ist. Erst recht im Pokal gegen einen Zweitligisten. Ich habe mich darüber schon sehr geärgert.

Hansi Flick betonte im Sommer, dass man zwar alles gewonnen habe, sich aber spielerisch dennoch weiterentwickeln müsse. Wieviel ist von diesem Vorhaben nach 18 Spieltagen zu sehen?

Steffen: Ich würde mir von Flick schon wünschen, dass er etwas genauer erklärt welchen Fußball der FC Bayern gerade spielen möchte. Ich werde da nicht immer ganz schlau draus. In der Hinrunde wurde lange versucht, das Spiel der Vorsaison mit hoher Viererkette und aggressivem Pressing umzusetzen. Dafür fehlte oft die Kraft und die Präzision. In den letzten Wochen war es etwas balancierter. Weiterentwicklung würde ich es bisher nicht nennen.

Verbrachte über sechs Jahre bei der TSG Hoffenheim: Hansi Flick. (Foto: Leon Kuegeler/Getty Images)

Weil dem Fußball die Belastung in Zeiten einer Pandemie noch nicht ausreicht, steht für die Bayern im Februar auch noch die Klub-WM in Katar an. Freust du dich auf den Wettbewerb und mit welcher „Belastungssteuerung“ rechnest du?

Steffen: Ich muss gestehen, dass ich an die Klub-WM in 2013 in Marokko sehr gute Erinnerungen habe. Das war der perfekte Abschluss eines großartigen Jahres. Viele Bayern-Fans waren damals vor Ort. In diesem Jahr hätte ich auf das Turnier gern verzichtet. Ich finde es richtig, dass die Bundesliga und die europäischen Wettbewerbe laufen und nach allem was ich beurteilen kann, funktioniert das Hygienekonzept im Großen und Ganzen. Bei der Belastung und der angespannten Lage, die wir derzeit in vielen Ländern haben noch ein solches Turnier durchzuziehen finde ich unnötig. Der FC Bayern wird es trotzdem extrem ernst nehmen und in Bestbesetzung spielen. Da bin ich sicher.

Der wohl prominenteste Neuzugang im Sommer war Leroy Sané. Zuletzt konnte er den Erwartungen nicht gerecht werden. Wie bewertest du die Hinrunde des Nationalspielers?

Steffen: Sané macht eine ähnliche Phase durch wie Mario Götze als er nach München kam. Seine Leistungen sind nicht schlecht. Neun Torbeteiligungen in 16 Bundesligaspielen sind absolut in Ordnung. Zumal er nur acht Mal von Anfang an spielte. Gleichzeitig macht er sich viel durch eine negative Körpersprache, zu viele Flüchtigkeitsfehler und das ein oder andere Problem in der Rückwärtsbewegung kaputt. Ich wünsche mir, dass Flick ihm dauerhaft Vertrauen schenkt, damit er richtig Rhythmus aufnehmen kann. Er braucht zudem mehr Unterstützung von der Rechtsverteidiger-Position. Pavard gefällt mir da in dieser Saison zu selten. Sarr hat leider das Niveau derzeit nicht.

Zudem verpflichtete man notgedrungen am Deadline-Day noch Choupo-Moting, Sarr und Costa. Einen Tag zuvor machte man auch den Wechsel von Roca offiziell. Wie haben sich die vier Last-Minute-Transfers eingelebt?

Steffen: Ich bin grundsätzlich kein Fan von solchen Last-Minute-Transfers. Wenn man wie 2009 jemanden wie Robben oder 2014 jemanden wie Xabi Alonso dazu bekommen kann, sollte man das nutzen. Aber in diesem Sommer fehlten gefühlt noch wenige Tage vor dem Start gefühlt die komplette Reserve. Zudem fehlt Trainingszeit, um sich an das Spiel in München zu gewöhnen. Ich hoffe, dass Costa in der Rückrunde ein Faktor wird. Roca will ich langfristig auch noch nicht aufgeben. Aber bisher war das von den Neuen etwas dünn.

In den letzten beiden Spielen gegen den FCA und Schalke behielt man eine weiße Weste, zuvor war das elf Spiele in Serie nicht der Fall. Woran haperte es in der Defensive?

Steffen: Das ist schwer an einem Punkt festzumachen. Als Kimmich verletzt fehlte, ging die Balance im Mittelfeld verloren. Er läuft da viele Lücken zu und hat ein sensationelles Stellungsspiel. Nachdem er zurück war, waren es vor allem lange Bälle in den Rücken der Abwehr, die Probleme machten. Flick hat im Vorjahr mal gesagt, dass Gegentore bei der Spielweise quasi eingepreist sein. Das ist auch okay. Aber in den letzten Wochen mit acht Mal 0:1-Rückstand in Folge war es etwas viel.

Gerade gegen vermeintlich kleinere Gegner machte es der FCB in dieser Spielzeit oft spannender als nötig. Worauf müssen die Bayern achten, damit der TSG keine Überraschung glückt?

Steffen: Sie müssen vor allem konstanten, seriösen Fußball spielen. Das ist mein Thema seit Wochen. Das System ist aktuell etwas stabiler. Aber es sind immer noch zu viele Phasen im Spiel, in denen Bayern die Linie verliert oder es verpasst mal Tempo rauszunehmen. Das muss besser werden. Ich freue mich sehr auf das Duell gegen Sebastian Rudy, den ich immer sehr gern gesehen habe. Und ich rechne damit, dass Hoeneß mit Bebou einen Spieler von Anfang an bringt, der uns im Zusammenspiel mit Kramaric weh tun kann.

Wie auch im Hinspiel aktuell in guter Form: Andrej Kramaric (l.) und Ihlas Bebou. (Foto: imago images)

Im letzten Duell gewann Hoffenheim in einer attraktiven Begegnung überraschenderweise mit 4:1. Was für ein Spiel erwartet uns am Samstag?

Steffen: Auf jeden Fall haben wir nach dem 1:4 in der Hinrunde noch eine Rechnung offen. Seid sicher, dass sich die Mannschaft das ganz genau gemerkt hat und besonders motiviert sein wird. Ich kenne Hoffenheim als Team, das sich nicht versteckt. Ich erwarte ein Spiel mit vielen Toren.

Und was ist dein Tipp?

Steffen: 4:2 für Bayern.

 

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Jakob ist seit Oktober 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Zudem ist er als freier Mitarbeiter der Sportredaktion der Rhein-Neckar-Zeitung tätig und begleitet als Blinden- und Fanradioreporter die Spiele des SV Sandhausen. Wer tagtäglich seine semi-lustigen Wortspiele und Einfälle verfolgen will, findet ihn auf Twitter unter @deruebeltaeter.

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Jakob Uebel
Jakob ist seit Oktober 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Zudem ist er als freier Mitarbeiter der Sportredaktion der Rhein-Neckar-Zeitung tätig und begleitet als Blinden- und Fanradioreporter die Spiele des SV Sandhausen. Wer tagtäglich seine semi-lustigen Wortspiele und Einfälle verfolgen will, findet ihn auf Twitter unter @deruebeltaeter.

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