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Gastbeiträge

Werder Bremen: Trügerische Sicherheit

GASTBEITRAG VON Bruno Sellschopp (Jounalistik Student an der Hochschule in Hannover)


Jahr Eins nach Heidenheim. Jahr Eins nachdem der Abstieg erst im Rückspiel der Relegation abgewendet werden konnte. Für einen Umbruch im Sommer fehlte das Geld, keinen Cent investierte man in Neuzugänge. Ein Trainerwechsel hätte nicht in die Philosophie gepasst. Und so kommt es, dass der SVW mit einem Kader auffährt, der so auch in der vergangenen Seuchensaison beisammen war, zwei ablösefreie Transfers aus der 2. Bundesliga und zwei Leihrückkehrer kommen lediglich dazu, gleichwohl verlor man mit Davy Klaassen und Kevin Vogt Leistungsträger, mit Namen wie Bartels, Bargfrede, Sahin, Langkamp und Pizarro zumindest jede Menge Erfahrung. Und dennoch: Die Elf von Trainer Florian Kohfeldt reist als Tabellenelfter und mit einem Spiel weniger (Auswärts in Bielefeld, wetterbedingte Absage) nach Sinsheim. Die Lage in der Hansestadt ist ruhiger, das Tabellenbild dennoch trügerisch.

Der Grund für die bessere Positionierung in der Tabelle ist schnell gefunden: Die neu gewonnene Stabilität in der Defensive. 27 Gegentore kassierte man bisher in der laufenden Saison, eine klare Steigerung gegenüber den 69 Gegentoren der vergangenen Spielzeit. Eng verknüpft ist dieser Aufwärtstrend mit dem Namen Ömer Toprak. In seiner Debütsaison noch dauerverletzt, verpasste er in der aktuellen Saison erst vier Ligaspiele. In der 5-3-2 Grundformation Bremens gibt er den zentralen Innenverteidiger. Links von ihm spielt Marco Friedl, in dieser Saison noch ohne verpasste Minute und ein ebenso wichtiger Bestandteil. In der Beinahe-Abstiegssaison wich Friedl häufig für den verletzten Augustinsson auf die Position des Linksverteidigers aus, diese Lücke füllt nun im Verletzungsfall Neuzugang Felix Agu (VfL Osnabrück). Rechts von Toprak hat sich Milos Veljkovic festgespielt, Kapitän Niklas Moisander kommt derzeit nicht über die Rolle des Backup hinaus. Komplettiert wird die Fünferkette neben Ludwig Augustinsson durch Rechtsverteidiger und Dauerbrenner Theodor Gebre Selassie. Gegen den Ball steht die Kette sehr kompakt, im Ballbesitz zeigt sie sich variabel. Die Außenverteidiger rücken weit auf, überlassen den Spielaufbau den äußeren Innenverteidigern. Toprak bietet sich immer wieder im Sechser Raum an, einer der Mittelfeldspieler, zuletzt Kevin Möhwald, rotiert hinten rein.  Ein Muster, welches im Bremer Aufbauspiel immer wieder zu erkennen ist, um die erste Pressinglinie des Gegners zu überspielen.

Ein klar erkennbares Muster im Aufbauspiel und eine solide Defensive – der Fortschritt Werder Bremens ist offensichtlich. Ein Fortschritt, der jedoch im harmlosen Offensivspiel seinen Preis hat. 23 erzielte Tore, ein xGoals Wert von 19,57 (lt. understat.com). Der drittschlechteste Wert der Liga. Das Dreiermittelfeld, im Idealfall mit Kevin Möhwald, Maximilian Eggestein und wahlweise Romano Schmid oder Leonardo Bittencourt besetzt, operiert häufig dicht vor der Fünferkette, hohes Pressing sieht man selten bei den Bremern. Auf Konter setzt man nicht, doch auch im kontrollierten Spiel mit dem Ball mangelt es an Ideen. Der Doppelsturm sucht auch nach 20 Spieltagen nach einer Optimalbesetzung. Josh Sargent ist gesetzt, weil er stark im Anlaufen ist, Bälle fest macht und eine gute Übersicht hat – allein das Tore schießen will nicht konstant klappen, erst zwei Saisontore stehen zu Buche. Wer an seiner Seite spielt, ist oft davon abhängig, wer überhaupt fit ist. Davie Selke, Niclas Füllkrug und Milot Rashica haben und hatten in dieser Saison mit Verletzungen zu kämpfen. Letzterer hat aktuell die Nase vorn, wartet aber noch auf sein erstes Saisontor. Bezeichnend: Werders Toptorschütze ist mit vier Treffern neben Leonardo Bittencourt nach wie vor Niclas Füllkrug, der seit einer Verletzung im Hinspiel nur 23 Minuten auf dem Platz stand.

Fünf Punkte trennen Werder aktuell vom Relegationsplatz – weniger als die fünf Tabellenplätze vermuten lassen. Nicht nur deshalb ist der Blick auf die Tabelle für die Bremer trügerisch: In der Hinrunde holte man zwischen dem vierten und zwölften Spieltag keinen einzigen Sieg. Folgt in der Rückrunde eine ähnliche Serie, droht der freie Fall in der Tabelle. Schon allein aus dieser Situation erklärt sich die Relevanz des anstehenden Spiels gegen punktgleiche Hoffenheimer.

TSG & SVW: Parallelen deutlich – Unterschiede auch

Punktgleich in der Tabelle, ein gemeinsamer Gegner im Pokal, ein Remis im Hinspiel: Parallelen zwischen der TSG und dem SVW sind erkennbar – die Unterschiede aber mindestens genauso. 3,4 Tore fielen im Schnitt bisher in Spielen mit Hoffenheimer Beteiligung, knapp ein Tor mehr als bei den Spielen der Bremer. Die Punktzahl beider ist mit 23 aktuell zwar die Gleiche, der Weg dahin grundverschieden. Eine Parallele findet sich im DFB Pokal. Hoffenheims Bezwinger in der zweiten Pokalrunde, Greuter Fürth, musste sich im Achtelfinale Werder Bremen geschlagen geben. Auf ein Wiedersehen mit den alten Kollegen können sich auf Hoffenheimer Seite Florian Grillitsch und Ishak Belfodil freuen. Kevin Vogt, der jüngst dem Portal „Deichstube“ verriet, dass er weiterhin engen Kontakt nach Bremen pflegt, fehlt gesperrt. Auf Seiten der Bremer geht es für Leonardo Bittencourt an die alte Wirkungsstätte.

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Marco Ripanti
Mehr zu mir gibt es bei Google oder (sogar) auf Wikipedia ;-)

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