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MännerVorbericht

Vorschau: Stoppt die TSG den Bommel-Zug?

Nach dem torlosen Remis gegen Arminia Bielefeld wartet auf die TSG Hoffenheim am Samstag (15:30 Uhr/Sky) in der Männer-Bundesliga ein echter Härtetest. In der PreZero Arena empfangen die Kraichgauer den noch ungeschlagenen VfL Wolfsburg. Gemeinsam mit Podcasterin und Wolfsburg-Expertin Rebecca „Becci“ Görmann (u.a. FRÜF) blicken wir auf das Duell mit den Wölfen voraus.

Schlüsselspieler gehalten

Nach der Qualifikation für die Champions League konnte der VfL Wolfsburg im Sommer den Kern der Mannschaft halten. Gleichzeitig wurde der Kader an entscheidenden Punkten verbreitert und so für die Dreifach-Belastung gewappnet. Becci resümiert: „Ich bin selten so zufrieden aus einem Transferfenster gegangen wie in diesem Jahr.“ Gerade der Verbleib von Spielern wie Maxence Lacroix, Ex-Hoffenheimer Koen Casteels und dem Kapitän Maximilian Arnold, der seinen Vertrag bis 2026 verlängerte, ist dabei extrem wichtig.

Auch die Neuzugänge konnten bereits ihre Qualitäten zeigen – „allen voran Rückkehrer Lukas Nmecha, der schon bei der U21-EM bewies, wie gut er und Ridle Baku zusammenspielen können. Außerdem Bornauw, Vranckx, Lukébakio und Waldschmidt, und dazu ein Trio, das aus der Zweiten hochgezogen wurde und hoffentlich auch seine Chancen bekommen wird“, wie Becci erklärt.

Der Bommel-Zug kommt in Fahrt

Die wohl größte Veränderung fand derweil auf der Trainerbank statt. So ersetzte Mark van Bommel den nach Frankfurt abgewanderten Oliver Glasner. Dabei unterscheidet sich der Niederländer vor allem in seinem Offensivansatz von seinem Vorgänger. Während das Abwehrbollwerk mit bisher nur zwei zugelassenen Gegentoren weiterhin sicher steht, legt van Bommel bei eigenem Ballbesitz ein größeres Augenmerk auf Kurzpassspiel. Becci erklärt: „Es kommt nicht mehr nur die eine Flanke auf Weghorst, die dann zum Tor verwandelt werden muss, sondern man hat verschiedene Wege, um in den Strafraum zu kommen. Da versteckt sich in meinen Augen die Spielidee von Mark van Bommel.“

Die Abläufe und auch die Chancenverwertung sitzen dabei noch nicht immer perfekt, doch die bisherige Punktausbeute spricht für sich. Vier Siege und ein Remis fuhr der VfL in dieser Bundesliga-Saison bisher ein und steht damit derzeit auf dem zweiten Tabellenplatz. „So konnte auch die absurde Wechsel-Posse aus dem DFB-Pokal-Spiel ein bisschen vergessen gemacht werden und wird jetzt für immer eine amüsante Anekdote im Leben eines VfL-Fans sein“, meint Becci.

Nach dem ordentlichen Saisonstart blieb die TSG hingegen zuletzt gegen Mainz 05 und Bielefeld hinter den eigenen Erwartungen zurück. Trainer Sebastian Hoeneß sieht dennoch einen positiven Trend, wie er auf der PK vor dem Spiel betonte: „Punktetechnisch haben wir aus meiner Sicht den ein oder anderen Zähler zu wenig. Aber wichtiger als die Platzierung ist mir der Prozess. Der ist im vollen Gange.“ Vor allem die Anfälligkeit nach langen Bällen und das Herausspielen von eigenen Chancen gegen tiefstehende Gegner bleiben jedoch eine Baustelle. Einen ähnlich schläfrigen Start wie in Bielefeld, wo man in den ersten 20 Minuten gleich drei Großchancen zuließ, sollte man sich gegen Wolfsburg zudem nicht erlauben.

Musste sich für diese Aktion sogar bei seiner Mutter entschuldigen: Paulo Otavio im „Zweikampf“ mit Munas Dabbur (Foto: imago images)

Hoffenheims drei ??? und die Wolfsburger Kreuzbandrisse

Nach der Rückkehr von Leistungsträgern wie Pavel Kaderabek, Florian Grillitsch und Ihlas Bebou soll sich bei den Hoffenheimern eine feste Achse herausbilden. Eine große Rochade wie zuletzt in Bielefeld wird es daher nicht geben, wie Hoeneß verriet: „Wir werden nicht nochmal fünf Wechsel in der Startelf sehen.“ Während die Langzeitverletzen Benjamin Hübner, Ermin Bicakcic und Havard Nordtveit weiterhin fehlen, wird sich bei drei Spielern erst kurzfristig entscheiden, ob sie eine Option sein können. „Hinter dem Einsatz von Sebastian Rudy, Munas Dabbur und Angelo Stiller steht ein Fragezeichen“, erklärte Hoeneß.

Auf Seiten der Wolfsburger schmerzt vor allem der Ausfall von Xaver Schlager, der sich beim 1:0-Erfolg gegen Leipzig einen Kreuzbandriss zuzog. Becci erklärt: „Die Doppelsechs aus ihm und Arnold war DER Dreh- und Angelpunkt unserer Mannschaft, der für Stabilität und gute Ideen nach vorne stand, außerdem für eine gewisse Unberechenbarkeit. Guilavogui, der Schlager nun ersetzt, ist ein ganz anderer Spielertyp und wir werden sehen (müssen), wie sich – auch vor dem Hintergrund, nun auf dieser Position nicht mehr wirklich rotieren zu können – das auf die Dauer auswirken wird.“

Neben Schlager fehlen auch Bartosz Bialek, William (beide Kreuzbandriss) und Paulo Otavio (Sprunggelenk) langfristig. Trotz der Ausfälle bleiben den Wolfsburgern dennoch weiterhin einige Alternativen, weshalb die Startelf zuletzt oft einige Überraschungen bereithielt. Becci wagt dennoch eine Prognose: „Ich könnte mir gut vorstellen, dass Baku diesmal wieder von Beginn an ran darf, auch wenn Lukebakio gut Feuer gemacht hat beim letzten Mal. Brooks sollte neben Lacroix wieder in der Innenverteidigung stehen; der ist ja in der Champions League ohnehin gesperrt und kann sich gerade auf die Liga konzentrieren. Ansonsten: Philipp oder Waldschmidt? Gerhardt oder Roussillon? Nmecha oder Steffen? Da werden wir uns überraschen lassen müssen.“

„Wird auf die Effektivität ankommen“

Auch die Spiele der Wolfsburger glichen zuletzt oft einer Wundertüte, eine Konstante lässt sich dennoch ausmachen: „Aktuell tut der VfL oft nicht mehr, als er muss, zumindest in der Anfangsphase der Spiele. Erst mal abwarten, wie sich der Gegner aufstellt, bevor man zu viel Kraft und Intensität in ein Spiel legt, das man auch anders gewinnen könnte.“ Das große Pfund der Wolfsburger bleibt dabei ihre Defensive, die es ihnen erlaubt, Führungen über die Zeit zu bringen. Bleibt das frühe Tor wie zuletzt in Frankfurt aus, kommt es auf die Schlussoffensive der Wölfe an. Dadurch könnten sich für die TSG Räume zum Kontern bieten.

In beiden Fällen wird aus Hoffenheimer Sicht eine gute Chancenverwertung essenziell sein, wie auch Hoeneß herausstellte: „Sie stehen sehr kompakt und können schnell umschalten nach einer Balleroberung. Die Defensive ist eine klare Wolfsburger Stärke. Wir können nicht davon ausgehen, dass wir uns viele Torchancen herausspielen können. Entsprechend wird es auf die Effektivität ankommen.“

So könnten sie spielen:

TSG: Baumann – Kaderabek, Vogt, Richards, Raum – Grillitsch, Geiger – Baumgartner, Kramaric, Bruun Larsen – Bebou

WOB: Casteels – Mbabu, Lacroix, Brooks, Roussillon – Guilavogui, Arnold – Baku, Philipp, Lukebakio – Weghorst

Tipp Rebecca Görmann: 0:1 |Tipp Hoffenews: 1:1

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Louis ist seit August 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Neben seinem Studium schreibt er für die Onlineportale Goal und Spox. Zudem begleitet Louis als Blinden- und Fanradioreporter ehrenamtlich die Spiele des SV Sandhausen.

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Louis Loeser
Louis ist seit August 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Neben seinem Studium schreibt er für die Onlineportale Goal und Spox. Zudem begleitet Louis als Blinden- und Fanradioreporter ehrenamtlich die Spiele des SV Sandhausen.

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