Foto: imago images
MännerVorbericht

Vorschau: Mit Wut im Bauch nach Bielefeld

Nach der enttäuschenden 0:2-Heimniederlage gegen den 1. FSV Mainz 05 steht für die TSG Hoffenheim nun eine spannende Auswärtsaufgabe an: Die Elf von Trainer Sebastian Hoeneß ist am Samstag bei Arminia Bielefeld zu Gast (Sky / 15:30 Uhr). In unserer Vorschau blicken wir gemeinsam mit Arminia-Expertin Eva-Lotta Bohle (2. Bundesliga Podcast, FUMS) auf das Duell auf der Bielefelder Alm.

Klug verstärkt

Während es für die TSG ein ruhiges Transferfenster war, hat sich der Kader der Arminia im Sommer merklich verändert. Auf dem Papier zählt der Aufsteiger aus dem Vorjahr zehn Neuzugänge und drei Leihen. Darunter finden sich bekannte Namen wie der ehemalige Schalker Alessandro Schöpf oder Ex-Hoffenheimer Robin Hack. Die Liste der Abgänge ist jedoch ebenfalls lang. Seien es Spieler wie Ritsu Doan (Leih-Ende), Andreas Voglsammer oder Sven Schipplock: Auch hier sind es insgesamt zehn Bielefelder, die sich neuen Vereinen angeschlossen haben, neun davon ablösefrei. Sechs weitere wurden verliehen.

Alles in allem ist Eva aber mit dem Transferfenster zufrieden: „Gerade in der Offensive ist man jetzt um einiges vielfältiger und breiter besetzt, auch wenn mit Ritsu Doan natürlich ein Leistungsträger nicht gehalten werden konnte. Allerdings ist durch Spieler wie Patrick Wimmer, Robin Hack und Florian Krüger die Qualität dazu verpflichtet worden, die eine variablere Spielweise ermöglicht – auch wenn zu Beginn der Saison noch vieles aus der alten Saison zu sehen ist. Es wurden viele junge, günstige oder ablösefreie Spieler verpflichtet, aber auch ein, zwei erfahrene Spieler wie Alessandro Schöpf.“

Stocksauer gegen ruhig

„Stocksauer“ war Hoffenheim-Trainer Sebastian Hoeneß nach Abpfiff am vergangenen Samstag. Beim 0:2 gegen Mainz trat die TSG erstmals in dieser Spielzeit indiskutabel auf. Mit einem knappen Weiterkommen im Pokal und einem glamourösem 4:0 am ersten Spieltag gegen Augsburg war man vielversprechend in die Saison gestartet. Gegen Union Berlin trennte man sich nach einer umkämpften Partie Unentschieden und auch bei der 2:3-Niederlage in Dortmund mussten sich die Kraichgauer am Ende nur wenig vorwerfen lassen. Anders am vergangenen Spieltag: 65 Prozent Ballbesitz, dafür aber eine Zweikampfquote von 44 Prozent und kein einziger Torschuss. „Diese (stocksaure) Emotionalität haben wir auch ins Training mitgenommen“, versicherte Hoeneß auf der Pressekonferenz vor dem Spiel am Samstag.

Auch für die Arminia steht die Punkteausbeute bislang noch nicht im richtigen Verhältnis zur spielerischen Leistung. Im Pokal konnte man sich gegen Regionalligist Bayreuth durchsetzen, in der Liga wartet man nach vier Spieltagen noch auf den ersten Sieg. Am letzten Sonntag musste man trotz starken Auftritts in Gladbach die erste Niederlage der Saison hinnehmen. Doch auch wenn man auf dem vierzehnten Tabellenrang noch ohne Dreier dasteht, stellt Arminia-Coach Frank Kramer klar: „Unruhig bin ich überhaupt nicht.“ Gerade die Herangehensweise seiner Mannschaft hätte ihm trotz der überschaubaren Ergebnisse bisher gefallen.

Ähnlich schätzt es Eva ein. „Gerade auswärts haben Bielefelder*innen sehr unterschiedliche Spiele gesehen: Gegen Fürth fehlte eigentlich fast alles, da konnten alle Beteiligten mit dem Punkt sehr glücklich sein. Das letzte Spiel in Gladbach war da, zumindest spielerisch, die erhoffte Reaktion. Kramer hatte vorm Spiel mehr Mut gefordert und trotz der 1:3-Niederlage war das ein richtig gutes Auswärtsspiel. Die Punkte zu Hause waren verdient, man merkt aber auch, dass die Fans – gerade im Spiel gegen Eintracht Frankfurt – einen kleinen Einfluss auf die letzte Druckphase hatten.“

Kam für 1,5 Millionen Euro vom FC Nürnberg: Ex-Hoffenheimer Robin Hack (rechts) im Spiel gegen Gladbach. (Foto: imago images)

Spieltag der Rückkehrer

Personell gibt es bei der TSG sowohl gute als auch schlechte Neuigkeiten: Die Langzeitverletzten Ermin Bicakcic, Benjamin Hübner und Havard Nordtveit fallen nach wie vor aus. Auch hinter Sebastian Rudy steht wegen anhaltender Rückenprobleme noch ein Fragezeichen. Dafür kehren Ihlas Bebou sowie Kevin Akpoguma nach ihren Corona-Infektionen zurück. Die in der letzten Woche nach der intensiven Länderspielpause geschonten Pavel Kaderabek, Florian Grillitsch und Diadié Samassékou sind laut Hoeneß ebenfalls wieder Kandidaten für die Startelf.

Kramer dürfte auf Seiten der Arminia fast aus dem Vollen schöpfen können. Lediglich Neuzugang Sebastian Vasiliadis fehlt weiterhin aufgrund eines Trainingsrückstands nach einem Syndesmoseriss, der Einsatz von Innenverteidiger Amos Pieper ist noch unklar. Der U21-Nationalspieler war nach Sprunggelenksproblemen erst am Donnerstag ins Mannschaftstraining eingestiegen, zumindest im Kader dürfte er also wieder stehen.

Ein bisschen Mut muss sein

Nach der enttäuschenden Vorstellung am letzten Samstag sind bei den Kraichgauern mehrere taktische Veränderungen zu erwarten. Kaderabek wird aller Vorraussicht nach von Beginn an starten, gegebenenfalls etabliert sich dadurch eine stabilere Fünferkette. Die Sechs könnte von Grillitsch und Samassékou abgedeckt werden. Mijat Gacinovic funktionierte gegen Mainz auf dem rechten Flügel kaum, auf dieser Position wäre ein Einsatz von Baumgartner denkbar.

Hoeneß schätzt die kommende Aufgabe als ähnliche wie die gegen Mainz ein – vor allem die Spielwiese des Gegners, der TSG über hohe Balleroberungen wehzutun. Die Hoffenheimer Restverteidigung muss sich also im Vergleich zum letzten Spieltag dringend verbessern. Offensiv muss zudem im letzten Drittel mehr Mut eingefordert werden, um den knapp 180 mitgereisten Fans diesmal wenigstens wieder den ein oder anderen Torschuss bieten zu können.

Die Arminia wird hingegen versuchen, an die überwiegend überzeugende Leistung gegen Gladbach anzuknüpfen, wenn auch mit verminderter Konteranfälligkeit. Eva wünscht sich darüber hinaus im Heimspiel mehr Spielanteile – im Borussia-Park kam man am Sonntag auf gerade einmal 36 Prozent Ballbesitz. Hoffenheim war zuletzt nach Ballverlusten in der eigenen Hälfte sehr angreifbar, windige Spielmacher wie Masaya Okugawa könnten dabei am Samstag eine Waffe sein.

So könnten sie spielen:

DSC: Ortega – Brunner, de Medina, Nilsson, Laursen – Schöpf, Prietl – Wimmer, Okugawa, Hack – Klos

TSG: Baumann – Kaderabek, Vogt, Richards, Raum – Samassékou, Grillitsch – Baumgartner, Kramaric, Bruun Larsen – Bebou

Tipp Eva-Lotta Bohle: 2:1 |Tipp Hoffenews: 2:3

5 1 vote
Article Rating

Jakob ist seit Oktober 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Zudem ist er als freier Mitarbeiter der Sportredaktion der Rhein-Neckar-Zeitung tätig und begleitet als Blinden- und Fanradioreporter die Spiele des SV Sandhausen. Wer tagtäglich seine semi-lustigen Wortspiele und Einfälle verfolgen will, findet ihn auf Twitter unter @deruebeltaeter.

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments
Jakob Uebel
Jakob ist seit Oktober 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Zudem ist er als freier Mitarbeiter der Sportredaktion der Rhein-Neckar-Zeitung tätig und begleitet als Blinden- und Fanradioreporter die Spiele des SV Sandhausen. Wer tagtäglich seine semi-lustigen Wortspiele und Einfälle verfolgen will, findet ihn auf Twitter unter @deruebeltaeter.

Top Reviews

ANZEIGE



ANZEIGE

Video Widget

gallery

Dir gefällt was Du hier siehst?

0
Would love your thoughts, please comment.x
()
x