Foto: Alex Grimm / Getty Images
AktuellesVorberichtVorschau

Vorschau: Leidfähigkeit gegen gefährliche Geißböcke?

Nach der enttäuschenden 1:3-Neiderlage beim VfB Stuttgart, wird es für die TSG Hoffenheim nach der Länderspielpause nicht leichter. Am Freitagabend empfängt die Elf von Trainer Sebastian Hoeneß den 1. FC Köln (20:30 Uhr / DAZN). Auch wenn die Geißböcke in der Vergangenheit ein gern gesehener Gast waren, dürfte es diesmal eine sehr anspruchsvolle Aufgabe werden. Gemeinsam mit Thomas Reinscheid vom Kölner Fanportal effzeh.com blicken wir auf das Flutlichtspiel.

Der Baumgart-Effekt

Viel besser hätte es für den FC in der laufenden Spielzeit noch gar nicht laufen können. Nach Weiterkommen im Pokal siegte man in bisher sieben Bundesliga-Spieltagen dreimal und trennte sich dreimal Remis. Darunter auch ein Punktgewinn gegen den Vizemeister aus dem Vorjahr RaBa Leipzig. Die einzige Niederlage, die Köln bisher hinnehmen musste, war ein 2:3 gegen den FC Bayern. Aber sogar in der Allianz Arena schlugen sich die Geißböcke beeindruckend. Damit steht der Dom-Klub aktuell auf dem sechsten Tabellenrang und ist gegen die auf elf platzierten Hoffenheimer quasi Favorit.

Mit Blick auf die vergangene Saison wirft das Fragen auf. Zum Vergleich: Zum selben Zeitpunkt in der Vorsaison stand Köln mit drei Zählern auf dem Relegationsplatz. Woran liegt das? Thomas hat eine klare Antwort: „Steffen Baumgart. Ich habe noch nicht komplett herausgefunden, was genau der neue FC-Trainer mit der Mannschaft gemacht hat, aber sie ist im Vergleich zur Vorsaison tatsächlich nicht mehr wieder zu erkennen. Der FC spielt aggressiv, offensiv, mutig, teilweise sogar attraktiv – Attribute, die ich in der jüngeren Vergangenheit so rein gar nicht mit dem FC in Verbindung gebracht habe.“

Und doch mahnt Thomas, die Leistung im Verhältnis zu sehen. Neun der zwölf Punkte auf dem Konto der Rheinländer wurden immerhin in Heimspielen gegen die beiden Aufsteiger Fürth und Bochum sowie eine schwache Hertha ergattert. Bis auf den Rekordmeister und Leipzig durchlief man bisher zudem ein eher machbares Auftaktprogramm.

Ein Königreich für eine Schiebermütze: FC-Trainer Steffen Baumgart (rechts) gemeinsam mit Ex-Hoffenheimer Mark Uth. (Foto: Matthias Hangst / Getty Images)

Eine Länderspielpause kommt selten allein

Schon bevor die Personalsituation beim FC feststand, machte Baumgart seinen Unmut über die knappe Ansetzung nach der Länderspielpause breit: „Am Ende geht es darum: Wir haben einen Freitags-Spieltag, der ist an einen Sender gegangen und dann geht es bestimmt auch darum, dass das Spiel da eben auch gezeigt wird. Da geht es dann vielleicht gar nicht mehr um die Qualität des Fußballs, sondern einfach, dass ein Spiel gezeigt wird. Was soll ich da – was möchten Sie von mir hören, bis auf, dass ich ange…, lassen wir mal, bin.“

Auf wie viele Spieler der 49-Jährige am Ende aufgrund von zu kurzer Regenerationszeit nach dem Nationalelf-Ausflug verzichten muss, wird sich erst am Freitagabend klären. Fest steht, dass er mit dem Ausfall von Ellyes Shkiri nach Knieverletzung und Dejan Ljubicic mit Erkältung auf der Pressekonferenz zwei schlechte Nachrichten überbringen musste. Der zuletzt noch angeschlagene Ondrej Duda konnte dafür wieder mit der Mannschaft trainieren.

Auf Seiten der TSG ließ sich Trainer Sebastian Hoeneß die personelle Unsicherheit nach der Länderspielpause ebenfalls anmerken. Gerade bei Spielern wie Chris Richards, der beim WM-Qualifikationsspiel der USA gegen Brasilien am gestrigen Abend noch auf der Bank saß, ist Einsatz mehr als fraglich. Neben Ermin Bicakcic muss Hoeneß zudem auf Marco John (Schulterverletzung) verzichten. Die Langzeitverletzten Benjamin Hübner und Harvard Nordtveit konnten dafür schon wieder Teile des Mannschaftstrainings absolvieren, für eine Rückkehr in den Kader benötigen beide allerdings noch mindestens eine volle Trainingswoche.

„Wir werden Leidfähigkeit brauchen“

Die TSG ist sich bewusst, dass es wie zuletzt beim 1:3 gegen den VfB Stuttgart nicht weitergehen kann. Hoeneß sei klar, dass man sich so auf keinen Fall mehr präsentieren dürfe. Gegen den FC sei vor allem eins wichtig: „Wir wissen, dass wir Leidfähigkeit brauchen werden. Das haben alle Mannschaften gezeigt, die bisher gegen Köln gespielt haben.“ Gemeint sind allen voran hohe Pressingphasen zu überstehen und Ruhe im Spiel gegen den Ball zu behalten.

In puncto Offensive darf sich die TSG möglicherweise Hoffnung machen. So gelang es Köln in dieser Spielzeit noch kein einziges Mal zu null zu spielen. Zuletzt war man besonders über scharfe Hereingaben in den Sechzehner verwundbar. Thomas erklärt: „Gerade die Abwehrreihe ist in Sachen Tempo anfällig, das offensiv ausgerichtete Spielsystem offenbart so manche Lücke, der FC zeigt sich im Zweikampf oftmals etwas zu plump. Das kann durch hohe Einsatz- und Laufbereitschaft oftmals kaschiert werden, dazu ist das Spielglück den Geißböcken momentan gewogen. Geht sich das aus verschiedenen Gründen nicht aus, bekommt auch der FC seine Probleme.“

Und auch Baumgart will die TSG nicht unterschätzen: „Hoffenheim hat eine gewisse Weise, wie sie Fußball spielen. Eine technisch sehr starke Mannschaft mit viel individueller Qualität. Ich glaube, das hat gerade der FC in den letzten Spielen zu spüren bekommen.“ Spielerisch wird Köln, wie Thomas erklärt, die passive Rolle einnehmen. „In meinen Augen kommt es darauf an, ob die Geißböcke es schaffen, eine mögliche Verunsicherung bei der TSG frühzeitig herzustellen – gelingt das, kann es zum Auswärtssieg reichen. Gelingt das nicht, dann wird sich die spielerische Qualität der TSG womöglich durchsetzen können, zumal Kramaric ja gerne gegen den FC trifft.“

Viele Veränderungen?

Wie genau die beiden Teams auflaufen lässt sich angesichts der äußeren Umstände nur schwer spekulieren. Auf Seiten der TSG dürften nach der schwachen Vorstellung in Stuttgart Umstellungen in der Startelf zu erwarten sein. Der zuletzt angeschlagene Christoph Baumgartner könnte für den enttäuschenden Dennis Geiger auf den Flügel rücken, auch ein Verzicht auf den nächsten Startelfeinsatz von Sargis Adamyan wäre denkbar. Sollte Richards nach kaum Regeneration und Jetlag nicht fit genug sein, würde voraussichtlich Stefan Posch oder Kevin Akpoguma in die Startformation kommen.

Auf Seiten der Kölner sind nach dem 3:1-Erfolg gegen Fürth á la „never change a winning team”-Mentalität wenige Veränderungen zu erwarten. In Baumgarts 4-4-2 mit Raute könnte lediglich der verletzte Shkiri durch Saih Özcan ersetzt werden – sollte es bei Duda noch nicht reichen, stünde Jan Thielmann parat. 

So könnten sie spielen:

TSG: Baumann – Kaderabek, Richards, Vogt, Raum – Geiger, Samassékou – Baumgartner, Kramaric, Adamyan – Bebou

KOE: Horn – Schmitz, Meré, Czichos, Hector – Özcan – Thielmann, Kainz – Uth – Modeste, Anderson

Tipp Hoffenews: 1:1 |Tipp Thomas: 1:1 („Sinsheim liegt uns nicht, aber aus Prinzip wird nicht gegen den FC getippt. Das nächste 1:1 ist fällig – und weiterhin kein Impfstoff von Dietmar Hopp!“)

5 1 vote
Article Rating

Jakob ist seit Oktober 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Zudem ist er als freier Mitarbeiter der Sportredaktion der Rhein-Neckar-Zeitung tätig und begleitet als Blinden- und Fanradioreporter die Spiele des SV Sandhausen. Wer tagtäglich seine semi-lustigen Wortspiele und Einfälle verfolgen will, findet ihn auf Twitter unter @deruebeltaeter.

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments
Jakob Uebel
Jakob ist seit Oktober 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Zudem ist er als freier Mitarbeiter der Sportredaktion der Rhein-Neckar-Zeitung tätig und begleitet als Blinden- und Fanradioreporter die Spiele des SV Sandhausen. Wer tagtäglich seine semi-lustigen Wortspiele und Einfälle verfolgen will, findet ihn auf Twitter unter @deruebeltaeter.

Top Reviews

ANZEIGE



ANZEIGE

Video Widget

gallery

Dir gefällt was Du hier siehst?

0
Would love your thoughts, please comment.x
()
x