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Vorschau: Gegen Bayern zustechen

Mit einem 5:0-Sieg der TSG-Herren gegen die eigentlich so formstarken Kölner hätte vor einer Woche wohl niemand gerechnet. Auch wenn das Ergebnis vom Freitagabendspiel vielleicht ein wenig zu hoch ausfiel, ist die Stimmung im Kraichgau vor der Kracher-Aufgabe am Wochenende merklich besser: Am Samstag (15:30 Uhr / Sky) ist Hoffenheim zu Gast beim FC Bayern München. In unserer Vorschau blicken wir gemeinsam mit Justin Kraft – Bayern-Experte und freier Autor bei MiasanrotFocus sowie n-tv – auf das Topspiel.

„Kein Sand im Getriebe“

Auch unter Ex-Hoffenheimer Julian Nagelsmann gilt in der neuen Saison: Bayern doing Bayern things. Nach acht Spieltagen stehen die Münchner mit 19 Punkten und einer Tordifferenz von 29:8 an der Tabellenspitze. Und auch in drei Partien in der Champions League ließ der Rekordmeister noch kein einziges Mal Punkte liegen. Die bisher einzige Niederlage kassierte man ausgerechnet am vorletzten Spieltag gegen Eintracht Frankfurt (1:2).

Für Justin dennoch ein fast unerwartet guter Auftakt: „Erfolgstrainer weg, eine außergewöhnlich lange Pause für die Nationalspieler nach der Europameisterschaft und dann auch noch mit Oliver Kahn der nun vollzogene Umbruch in der Führungsetage – wäre da gerade zu Beginn noch Sand im Getriebe gewesen, hätte es mich nicht überrascht. Dass es hingegen vergleichsweise geräuschlos ablief und Nagelsmann nach 13 Pflichtspielen elf Siege auf dem Konto hat, ist bemerkenswert gut.“

Auf Seiten der TSG fällt die Bewertung der bisherigen Spielzeit hingegen schwer. Mit elf Zählern steht die Mannschaft von Trainer Sebastian Hoeneß aktuell auf dem neunten Tabellenplatz, spielerisch erlebt Hoffenheim in dieser Saison jedoch eine Achterbahnfahrt. Mal erstaunliche Siege gegen Favoriten wie Wolfsburg oder Köln – mal klägliche Niederlagen gegen Gegner wie Mainz oder Stuttgart.

Und so erklärte Hoeneß auch Hoffenheims Leistung nach dem 5:0-Erfolg über Köln: „Die Jungs wussten, dass das in Stuttgart nicht so war, wie wir uns präsentieren wollen, dafür wollen wir auch nicht stehen. Wir wollen für das stehen, was wir heute gezeigt haben.“ Mit „das“ meint der 39-Jährige dabei vermutlich nicht einmal unbedingt fünf Treffer oder 51% Ballbesitz, sondern die allgemeine solide Teamleistung von Freitag. Ob man „das“ nun auch in der Allianz Arena auf den Platz bringen kann?

EPISODE IX UND DIE RÜCKKEHR DER VIREN

Wirft man einen Blick auf die personelle Situation der beiden Teams, so ist Nagelsmann wohl der prominenteste Ausfall auf Seiten der Bayern. Trotz zweifacher Impfung wurde der Coach am Donnerstag positiv auf das Corona-Virus getestet und musste sich somit in häusliche Quarantäne begeben. Schon beim Spiel gegen Benfica Lissabon in der Königsklasse stand Assistent Dino Toppmöller stellvertretend an der Seitenlinie. Taktiken, Umstellungen oder Wechsel gab Nagelsmann dennoch vom Hotelzimmer per Funkkontakt in Auftrag.

Eigentlich Assistent, aktuell mit Nagelsmann auf dem Ohr der stellvertretende Chef an der Seitenlinie: Dino Toppmöller. (Foto: Stuart Franklin/Getty Images)

Bis auf Ersatztorhüter Sven Ulreich, der noch aufgrund eines Bänderriss im Knie ausfällt, dürfte Nagelsmann fast aus dem Vollen schöpfen. Gegen Benfica fehlten Alphonso Davies und Leon Goretzka noch angeschlagen, für Samstag wären sie möglicherweise wieder eine Option.

Hoeneß‘ Verletztenliste ist wiederum gewachsen. Neben den bisherigen Ausfällen Ermin Bicakcic, Benjamin Hübner, Havard Nordtveit, und Marco John, ist auch Dauerbrenner Pavel Kaderabek laut seinem Coach „wegen einer Sprunggelenkverletzung für München kein Thema“. Erst Mitte September war der Tscheche nach Wadenproblemen wieder voll in den Kader zurückgekehrt. Darüber hinaus gab die TSG am Freitagmorgen bekannt, dass sich Christoph Baumgartner (auch hier trotz Impfung) mit dem Corona-Virus infiziert hat und sich somit ebenfalls in Quarantäne befindet.

Einfach zustechen

Rein spielerisch hat sich mit Nagelsmann an der Säbener Straße viel getan. Vor allem die verbesserte Grundstruktur lobt Justin: „In einer Art 2-3-5-Grundordnung besetzten die Bayern vor allem das Spielfeldzentrum im Spielaufbau sehr eng, ehe sie in der Angriffslinie breiter aufgestellt sind. Damit will Nagelsmann zwei Dinge bezwecken: Erstens ist eine Verlagerung aus dem zentralen Mittelfeld auf die offensiven Außenspieler für den Gegner schwerer zu verteidigen, weil er sich zunächst auf die Spielfeldmitte konzentrieren muss. Und zweitens haben die Bayern bei Ballverlusten sofort eine Kompaktheit im Zentrum, die die Wege im Gegenpressing verkürzt und dem Gegner oft nur eine Befreiungsmöglichkeit bietet, nämlich die Außenbahn.“

Wie geht man nun also so ein Spiel in München an? Der Bayern-Experte rät auf jeden Fall nicht zu tief zu stehen. „Hoeneß weiß wohl selbst am besten, dass er mit reiner Tiefenverteidigung nur noch darauf warten kann, dass die Tormusik das erste mal ertönt. Also muss er Risiko und Mut von seiner Mannschaft einfordern. Zugleich erwarte ich keine TSG, die vorn ins offene Messer läuft und sich dann hinten so auseinanderspielen lässt wie Leverkusen. Die Balance aus einer kompakten Defensive und mutigem offensiven Umschaltspiel wird für die TSG entscheidend sein. Frankfurt hat viel Glück gehabt beim Sieg in München, aber sie haben auch gezeigt, wie man die beschriebene Struktur der Bayern etwas aufbrechen kann.“

Etwas brachialer formuliert es Hoeneß selbst auf der Pressekonferenz vor dem Duell: „Die beiden letzten Spiele (Anm. der Red.: Leverkusen und Benfica) haben gezeigt, dass es auch für den Gegner hier und da mal eine Chance gibt – nach Standards oder Umschaltsituationen. Gegen die Bayern wird es einfach wichtig sein zuzustechen. In diesen Situationen einfach extrem effizient, kaltschnäuzig zu sein, voll fokussiert und hundertprozentig da!“

Nochmal mit der Köln-Elf?

Ob die Kaltschnäuzigkeit der Elf vom letzten Freitag dabei ausreicht? Mit vielen Veränderungen ist zumindest nicht zu rechnen. Gegen vor allem im Zentrum kompakt stehende Münchner tat schon die Eintracht aus Frankfurt gut daran, eine breite Fünferkette mit einem gut besetzten Zentrum aufzustellen. Mit dem Ausfall von Kaderabek würde Kevin Akpoguma hierfür vermutlich auf die rechte Außenbahn weichen, Chris Richards könnte im Gegenzug die Zentrale rücken. Für den Ersatz von Baumgartner wären mehrere Alternativen denkbar: Mit Georginio Rutter hätte die TSG einen weiteren Kreativspieler im letzten Drittel und Kramaric dürfte auf die Zehn rücken. Jedoch könnte auch Jacob Bruun Larsen oder Sargis Adamyan die zentrale Position hinter den beiden Spitzen besetzen. Wie die Startelf am Ende wirklich aussieht, bleibt also spannend.

Der FCB hingegen könnte vor dem wichtigen Pokalspiel gegen Borussia Mönchengladbach am Mittwoch nochmal rotieren. „Vielleicht darf Marcel Sabitzer nach seinem Startelf-Debüt in Lissabon nochmal ran, vielleicht beginnt Josip Stanišić rechts hinten von Anfang an und dann gibt es vorne einen Pool aus vier Spielern, von denen wohl maximal zwei starten werden: Kingsley Coman, Serge Gnabry, Leroy Sané und Jamal Musiala.“, meint Justin.

So könnten sie spielen

FCB: Neuer – Stanisic, Süle, Upamecano, Davies – Kimmich, Sabitzer – Coman, Müller, Sané – Lewandowski

TSG: Baumann – Akpoguma, Posch, Grillitsch, Richards, Raum – Samassékou, Geiger – Bruun Larsen – Kramaric, Bebou

Tipp Justin: 3:0 |Tipp Hoffenews: 2:2

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Jakob ist seit Oktober 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Zudem ist er als freier Mitarbeiter der Sportredaktion der Rhein-Neckar-Zeitung tätig und begleitet als Blinden- und Fanradioreporter die Spiele des SV Sandhausen. Wer tagtäglich seine semi-lustigen Wortspiele und Einfälle verfolgen will, findet ihn auf Twitter unter @deruebeltaeter.

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Jakob Uebel
Jakob ist seit Oktober 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Zudem ist er als freier Mitarbeiter der Sportredaktion der Rhein-Neckar-Zeitung tätig und begleitet als Blinden- und Fanradioreporter die Spiele des SV Sandhausen. Wer tagtäglich seine semi-lustigen Wortspiele und Einfälle verfolgen will, findet ihn auf Twitter unter @deruebeltaeter.

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