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Vorschau: „Es könnte wild werden“

Zum Abschluss der Pokalwoche kommt es am Samstag (15:30 Uhr / Sky) in Sinsheim zum Duell der Enttäuschten. Die Männer der TSG Hoffenheim empfangen nach dem Achtelfinalaus gegen den SC Freiburg in der Bundesliga Borussia Dortmund, das am Dienstag gegen den Zweitligist FC St. Pauli seine Segel streichen mussten. Gemeinsam mit Podcaster (u.a. BuliSpecial) und Redakteur (90plus) Julius Eid blicken wir auf die Form des BVB und das Spiel am Wochenende.

Dortmunder Wankelmütigkeit

Auf einen überzeugenden 5:1-Erfolg gegen Freiburg folgte für Dortmund im Pokal das verdiente Ausscheiden am Millerntor – ein Wechselbad der Gefühle, das symptomatisch für den BVB ist, wie Julius erklärt: „Man muss da schonungslos konstatieren, dass diese Wankelmütigkeit nicht neu und seit Jahren ein Problem ist. Weder Umbrüche im Kader noch Trainerwechsel haben da sonderlich viel geändert.“

Als Erklärungsansatz führt er die generelle Ausrichtung des Klubs an: „Die jungen Toptalente sind an guten Tagen Augenweiden, doch die Konstanz gestandener Profis fehlt ihnen logischerweise. Auch kann man sich durchaus fragen, ob ein Pokalsieg für einen Spieler, der schon mit dem nächsten Karriereschritt plant, denselben Wert wie für den gemeinen Fan hat.“

Auch die TSG musste nach sieben Spielen ohne Niederlage zuletzt wieder zwei Rückschläge hinnehmen. Während das Team von Sebastian Hoeneß bei Union Berlin trotz der 1:2-Niederlage noch auf Augenhöhe gewesen war, ließ man sich gegen Freiburg mit 1:4 gnadenlos auskontern. Dabei gelang es trotz größerer Spielanteile nicht, den Breisgauern das eigene Spiel aufzudrücken. Dass der Druck vor dem Wochenende eher auf den Schultern der Schwarz-Gelben lastet, könnte den Kraichgauern nun jedoch entgegenkommen.

Hinten Komplettaussetzer, vorne Haaland

Neben der fehlenden Konstanz lässt sich auf Seiten der Dortmunder vor allem die Defensive als Schwachstelle ausmachen. „Rund 1,5 Tore kassiert der BVB im Schnitt pro Partie und das, obwohl man meist über weite Strecken den Ball selber kontrolliert. Immer wieder kommt es entweder zu horrenden individuellen Fehlern oder gleich zu Komplettaussetzern“, konstatiert Julius und verweist dabei auf das frühe Gegentor im Pokal.

Dennoch sollte man die Borussen nicht unterschätzen, wie Hoeneß auf der Pressekonferenz vor dem Duell betonte: „Dortmund kann genau wie Freiburg mit wenigen Kontakten schnell vor unser Tor kommen. Daher werden wir die Fehler abschalten müssen.“ Zudem verfügt der BVB über eine hohe individuelle Klasse, die allen voran Stürmer Erling Haaland bereits im Hinspiel zum Leidwesen der Hoffenheimer zur Schau stellte.

Die TSG ist entsprechend vorgewarnt. „Er ist natürlich ein besonderer Stürmer. Wir werden ihn als Mannschaft verteidigen müssen. Wir müssen verhindern, dass er gut in Szene gesetzt werden kann. Vor allem in den Kontersituation ist er enorm gefährlich“, erklärte Hoeneß angesprochen auf den Norweger.

In der Liga im Soll, aber schon zwei Ziele verfehlt

Für Trainer Marco Rose verläuft seine Premierensaison bisher durchmischt. Einerseits steht der BVB in der Bundesliga gefestigt auf dem zweiten Rang und ist damit voll im Soll, andererseits wurde nach dem Aus in der Gruppenphase der Champions League mit dem Pokal-Aus bereits das zweite Saisonziel verfehlt. Ein eindeutiges Zwischenfazit möchte Julius daher noch nicht stellen.

„Am Ende dürfte für den Trainer sehr viel von der Rückrunde abhängen. Einmal weil die Euro League zumindest noch das Potential für Erfolgserlebnisse bietet, aber auch weil die Verletzungsmisere des letzten Halbjahres nicht mehr so groß ist. Nun muss er beweisen, dass er dieses Team entwickeln kann“, betont der BVB-Experte.

Zweites Aus in textmarkergelb: Mit der Pokal-Niederlage gegen St. Pauli verfehlt der BVB bereits das zweite Saisonziel (Bild: Stuart Franklin/Getty Images).

No Dahoud?

Personell musste die TSG erneut auf ein halbes Dutzend verzichten. So fehlen Marco John, Ermin Bičakčić, Diadié Samassékou, Pavel Kadeřábek, Robert Skov und Mijat Gaćinović definitiv. Die Einsätze von Kevin Akpoguma und Christoph Baumgartner sind nach Blessuren im Pokal ebenso fraglich wie Florian Grillitsch, der nach seiner Corona-Infektion ins Mannschaftstraining zurückgekehrt ist. Sollte mit Akpoguma auch der zweite Rechtsverteidiger ausfallen, könnte Ihlas Bebou – wie bereits in Berlin und gegen Freiburg erprobt– auf die Wingbackposition rücken. Hoeneß stellt zudem einen Startelfeinsatz von Benjamin Hübner, der gegen Freiburg nach 571-tägiger Abstinenz sein Comeback feierte, in den Raum.

Positive Personalmeldungen konnte derweil erneut Direktor Profifußball, Alexander Rosen, verkünden. So verlängerte mit David Raum der nächste TSG-Akteur sein Arbeitspapier vorzeitig bis 2026. Zudem wechselt Innenverteidiger Justin Che vom FC Dallas leihweise bis Juni 2023 nach Hoffenheim, die TSG sicherte sich dabei eine Kaufoption.

Auf Seiten des BVB hält sich das Lazarett derweil im Gegensatz zu langen Teilen der Hinrunde in Grenzen. Einzig die beiden Langzeitverletzten Marcel Schmelzer und Mateu Morey sowie Emre Can stehen Rose sicher nicht zur Verfügung. Hinter Mittelfeldspieler Mahmoud Dahoud steht hingegen noch „ein schmerzhaftes Fragezeichen. Dass der Mittelfeldspieler von Axel Witsel nicht zu ersetzen ist, konnte man auch im Pokal sehr eindrücklich erleben“, findet Julius.

Wer macht weniger Fehler?

Nachdem sich die beiden Teams im Hinspiel ein attraktives Spektakel lieferten, in dem Haaland den aus TSG-Sicht schmerzhaften Schlussakkord zum 2:3 setzte, erwartet Julius auch diesmal einen ähnlichen Spielhergang: „Der BVB dürfte mehr als motiviert sein, das Ergebnis aus der Woche zumindest etwas zu kompensieren, Hoffenheim einen ähnlichen Antrieb haben.“

Dabei wird wohl die Mannschaft die Oberhand behalten, die sich weniger Fehler erlaubt. Dazu braucht es auf beiden Seiten jedoch eine Leistungssteigerung im Vergleich zu den Pokal-Auftritten. Vielversprechend ist zudem die Kombination aus der Anfälligkeit beider Defensiven und der Gefahr der Offensivspieler. Julius befürchtet: „Bei der Form, Spielanlage und Qualität der TSG rechne ich mit Gegentoren. Es könnte teils wild werden.“

Hoeneß hofft derweil auf eine konzentrierte Abwehrleistung: „Es wird aber ein anderes Spiel als am Mittwoch werden. Dortmund hat eine hohe individuelle Klasse. Da müssen wir gut strukturiert auftreten und leichte Ballverluste verhindern. Wir trauen uns zu, etwas zu holen.“

So könnten sie spielen:

TSG: Baumann – Posch, Vogt, Richards – Bebou, Geiger, Rudy, Raum – Kramaric – Dabbur, Rutter

BVB: Kobel – Meunier, Akanji, Hummels, Guerreiro – Witsel – Brandt, Bellingham – Reus, Malen – Haaland

Tipp Julius: 2:3 | Tipp Hoffenews: 2:2

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Louis ist seit August 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Neben seinem Studium schreibt er für die Onlineportale Goal und Spox. Zudem begleitet Louis als Blinden- und Fanradioreporter ehrenamtlich die Spiele des SV Sandhausen.

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Louis Loeser
Louis ist seit August 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Neben seinem Studium schreibt er für die Onlineportale Goal und Spox. Zudem begleitet Louis als Blinden- und Fanradioreporter ehrenamtlich die Spiele des SV Sandhausen.

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