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Vorschau: Die Tabelle lügt (nicht)

Den eigenen Negativlauf und die Serie des Gegners stoppen: So ähnlich dürfte das Motto der Herren der TSG Hoffenheim zum Abschluss des 22. Bundesliga-Spieltags lauten. Die Kraichgauer empfangen an diesem Sonntag (17:30 Uhr / DAZN) Arminia Bielefeld und wollen die kleine Ergebnisdelle nicht größer werden lassen. Gemeinsam mit Arminia-Expertin Eva Bohle (2. Bundesliga-Podcast) blicken wir auf die Partie gegen eines der formstärksten Teams der Liga.

Verkehrte Vorzeichen

Auf dem ersten Blick dürften die Rollen klar verteilt sein. Schließlich rangiert die TSG auf dem achten Tabellenplatz und hat Sichtweite auf das europäische Geschäft. Bielefeld ist mit 22 Zählern hingegen nur aufgrund der besseren Tordifferenz über dem Relegationsrang.

Doch die Serien der beiden Teams sind derzeit völlig konträr zum Tabellenbild. Während die TSG durch das unglückliche 0:2 beim 1. FSV Mainz 05 die vierte Pflichtspielpleite in Folge kassierte, ist kein Bundesliga-Team länger ungeschlagen als die Arminia. Seit sechs Partien hat die Mannschaft des ehemaligen Hoffenheimer Interimstrainers Frank Kramer nicht mehr verloren. Darunter mischten sich zwei 2:0-Auswärtssiege bei RaBa Leipzig und Eintracht Frankfurt sowie eine Aufholjagd (2:2 nach 0:2) beim SC Freiburg. Nie war die Floskel „Die Tabelle lügt nicht“ wohl unpassender als vor diesem Duell.

Hertha-Niederlage als Wendepunkt

Am 15. Spieltag lag Bielefeld jedoch sechs Punkte hinter dem ersten Rettungsanker, der Relegation. „Nach der 0:2-Niederlage gegen Hertha BSC als Mitkonkurrent um den Klassenerhalt war klar, dass man gegen Bochum siegen musste. Denn sonst wäre das Vertrauen, dass die Geschäftsführung Frank Kramer ausgesprochen hatte, ein wenig fehlgeleitet gewesen“, erzählt Eva mit Blick auf die letzte Pleite in der Hauptstadt: „Vielleicht brauchte es diese Niederlage, um vor allen den jüngeren Spielern klarzumachen, was auf dem Spiel steht. Die Siege gegen Bochum und Leipzig waren dann eine deutliche Leistungssteigerung und vor allem der Sieg in Unterzahl (in Leipzig) hat garantiert noch einige Kräfte freigesetzt.“

Mit lediglich 27 Gegentoren stellt Bielefeld die viertbeste Abwehr der Liga. Doch auch offensiv haben sich die Ostwestfalen inzwischen weiterentwickelt, erklärt die Bielefeld-Expertin: „Das Spiel ist durch die langsame Loslösung von Zielspieler Fabian Klos vorne variabler geworden, und Spieler wie Serra und Krüger kommen immer besser mit ihrer Rolle zu Recht. Gleichzeitig hat man mit Patrick Wimmer einen Spieler, den es bisher so, auf jeden Fall seit meiner Zeit als Arminia-Fan, noch nicht gegeben hat.“

Auf Hoffenheim kommt vor bis zu 10.000 Zuschauer:innen, die erstmals in diesem Jahr wieder zugelassen sind, jede Menge Arbeit zu. Selten waren die Bielefelder seit Kramers Amtsantritt komplett unterlegen. Ähnliches lässt sich im übrigen auch über Spiele der TSG behaupten. Doch trotz zumeist ansprechender Leistungen verloren die Schützlinge von Trainer Sebastian Hoeneß zuletzt vier Mal nacheinander.

„Wir müssen wieder die letzten Prozente herauskitzeln, die es braucht, um Spiele zu gewinnen. Es liegt bei uns nicht an fehlenden Torchancen, sondern an fehlender Effizienz“, konstatierte der Coach mit Blick auf die vergangenen Wochen. Zugleich sei es wichtig, „mal wieder zu Null zu spielen“, ergänzte Hoeneß.

Der Nächste, bitte!

Immerhin gehen die positiven Nachrichten abseits des Platzes nicht aus. Nach diversen Vertragsverlängerungen mit TSG-Schlüsselspielern in den letzten Wochen unterschrieb nun auch Kapitän Benjamin Hübner ein neues Arbeitspapier. Der Innenverteidiger verlängerte bis zum 30. Juni 2023 plus einer Option um ein weiteres Jahr. Der neue Vertrag dient auch als Belohnung für Hübners Kampfgeist nach langer Leidenszeit. Knapp eineinhalb Jahre fehlte der 32-Jährige aufgrund einer anhaltenden Sprunggelenksverletzung. Nach 574 Tagen feierte Hübner zuletzt sein Startelf-Comeback gegen Borussia Dortmund (2:3).

Der Kapitän bleibt an Board: Benjamin Hübner verlängerte seinen Vertrag vor seinem Jubiläumsspiel (Foto: Alexander Scheuber / Getty Images).

„Ich bin dankbar für die Unterstützung, die ich während der schwierigen Zeit bekommen habe. Ich habe immer das Vertrauen gespürt und daran geglaubt, dass ich zurückkomme“, betonte der Kapitän, der zudem unterstrich, „was der Verein mir bedeutet“.

Alexander Rosen, Direktor Profifußball bei der TSG, ließ sogar verlauten, dass Hübner nach seiner Karriere auf dem Platz in Hoffenheim bleiben könnte. „Er ist nicht nur wegen seiner sportlichen Fähigkeiten ein wichtiger Faktor für uns. Mit seinem Erfahrungsschatz, seinem Wissen und seiner absoluten Identifikation mit dem Klub soll Benni auch künftig die TSG-DNA an die nächste Spielergeneration weitergeben und bei der Entwicklung unserer zahlreichen Talente mithelfen“, hieß es auf der Vereinshomepage.

Die Schlüsselspieler fehlen

Am Sonntag steht Hübner erst einmal vor seinem 100. Pflichtspiel im TSG-Trikot. Außerdem könnten Pavel Kaderabek und Kevin Akpoguma ihre Comebacks auf der rechten Wingback-Position feiern. Für 90 Minuten reicht es – ähnlich wie bei Hübner – allerdings noch nicht.

Robert Skov, Ermin Bicakcic, Chris Richards, Tom Bischof und Angelo Stiller werden im Hoffenheimer Aufgebot fehlen. Am schwersten wiegt jedoch der Ausfall von Andrej Kramaric. Der TSG-Rekordtorschütze wurde positiv auf das Coronavirus getestet und befindet sich in häuslicher Quarantäne.

Auch Bielefeld muss auf einen absoluten Schlüsselspieler verzichten. Patrick Wimmer, bester Scorer der Arminia mit drei Treffern und sieben Vorlagen, kassierte im letzten Bundesliga-Spiel gegen Borussia Mönchengladbach (1:1) die fünfte Gelbe Karte und fehlt damit gesperrt. Ein schmerzlicher Verlust, meint Eva: „Ich habe die Befürchtung, dass sein Ausfall zu Unsicherheiten führen kann. Gleichzeitig war das meistens der Moment, in dem Masaya Okugawa unerwartet das Tor trifft.“

Arminias Top-Scorer fehlt: Patrick Wimmer muss eine Gelbsperre absitzen (Foto: Dean Mouhtaropoulos / Getty Images).

Für Wimmer könnte derweil der ehemalige TSG-Spieler Robin Hack in die Startelf rutschen. Fraglich ist darüber hinaus, mit welchem Personal die Ostwestfalen in der Viererkette auflaufen. „Zuletzt fehlten unter anderem Amos Pieper und Andres Andrade. Vor allem ersterer wurde durch Guilherme Ramos gegen Gladbach erstklassig vertreten. In Bezug auf die Linksverteidigerposition hat Kramer auf der Pressekonferenz ein Fragezeichen hinter Andrade gemacht. Alternativ könnte Jacob Barrett Laursen zurückkehren oder George Bello sein Startelfdebut geben“, fasst die Arminia-Expertin zusammen.

Kein Spiel für die Feinkostabteilung

0:0, 1:1, 0:0 – seit dem Bielefelder Wiederaufstieg waren die Duelle mit der TSG wahrlich keine Leckerbissen. Auch am Sonntag könnte sich eine zähe Begegnung entwickeln. „Ich hoffe, dass es auch für den:die neutrale:n Zuschauer:in interessant wird – das war im Hinspiel ja doch eher dürftig. Beide Mannschaften haben sich über die Saison positiv entwickelt. Bielefeld reist durch die Ungeschlagen-Serie natürlich mit einem gewissen Selbstvertrauen an. Dennoch wird es ein enges Spiel“, vermutet Eva.

So könnten sie spielen

TSG: Baumann – Vogt, Grillitsch, Hübner – Kaderabek, Geiger, Samassékou, Raum – Baumgartner – Bebou, Rutter

DSC: Ortega – Laursen, Nilsson, Ramos, Brunner – Vasiliadis, Kunze – Krüger, Okugawa, Hack – Serra

Tipp Eva: 1:1 | Tipp Hoffenews: 0:0

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