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Vorschau: Auswärtshürde anne Castroper

Über elf Jahre ist es her, als die Männer des VfL Bochum und der TSG Hoffenheim zuletzt aufeinandertrafen. Stanislav Sestak und Zlatko Dedic schossen den VfL um Trainer Heiko Herrlich am 22. Spieltag zum ersten Bundesliga-Heimsieg der Saison 2009/2010 (2:1). Trotzdem war der letzte Bochumer Abstieg aus dem Oberhaus nicht mehr zu verhindern. Am Samstag steht erstmals seit besagtem Februar 2010 wieder ein Pflichtspiel zwischen beiden Klubs an (15:30 Uhr/Sky). Gemeinsam mit VfL-Experte Moritz vom Podcast „Immer wieder VfL“ blickt Hoffenews auf das Duell zweier formverbesserter Teams.

VfL-Fans voller Euphorie

Mit zehn Punkten aus zehn Spielen stehen die Bochumer nach dem siebten Bundesliga-Aufstieg im Soll. Der aktuelle Tabellenplatz 14 würde am Saisonende den Klassenerhalt bedeuten – und das ist natürlich das vorrangige Ziel. Wortwörtlich getragen wird der VfL indes von seinen Fans. Trotz eines ausbaufähigen Saisonstarts mit nur einem Sieg aus sieben Partien ebbte die Begeisterung „im tiefen Westen“ nie ab.

„Die Euphorie des Aufstiegs ist weiterhin zu spüren und das wird bei jedem Spiel deutlich“, betont Moritz. Auch bei der zuletzt knappen 1:2-Auswärtsniederlage in Mönchengladbach sorgten tausende VfL-Fans für Gänsehautmomente. Noch bemerkbarer macht sich die Stimmung in Heimspielen. Bisher verlor die Truppe von Aufstiegs-Trainer Thomas Reis lediglich ein Spiel „anne Castroper“. Die vergangenen beiden Heimerfolge im Pokal gegen den FC Augsburg (7:6 n. E.) und gegen Eintracht Frankfurt (2:0) stellten zwei emotionale Höhepunkte dar.

„Die Fans haben bestimmt auch dafür gesorgt, dass der ein oder andere Punkt mehr in Bochum geblieben ist. Aber auch an fußballfreien Tagen merkt man die Euphorie in der Stadt. An vielen Ecken hängt irgendetwas Blau-Weißes und die VfL-Fans laufen wieder vermehrt mit Bochum-Trikots durch die Stadt“, beschreibt der Podcaster die aktuelle Situation.

In der Ruhe liegt die Kraft

Auf die Hoffenheimer wartet also eine Auswärtshürde. Zumal das Team von Trainer Sebastian Hoeneß erst vier Auswärtspunkte sammelte und gegen Aufsteiger seit vier Partien sieglos ist. „Bochum ist eine unangenehme Mannschaft, vor allem mit ihren Fans im Rücken“, weiß der Fußballlehrer. Für die TSG kommt es darauf an, vor lautstarker Kulisse die Ruhe zu bewahren und den gegnerischen Zuschauer:innen nicht allzu viele emotionale Momente zu gewähren.

Immerhin stabilisierten sich die Kraichgauer in den vergangenen Wochen. Seit der letzten Länderspielwoche verlor die TSG lediglich beim FC Bayern (0:4) und gewann alle drei Heimspiele – die Pokalpartie gegen Holstein Kiel (5:1) inklusive. Während Andrej Kramaric nach dem 2:0-Erfolg gegen Hertha BSC mit einem Europapokalplatz liebäugelte, hält Hoeneß derzeit nichts von derartigen Zielsetzungen: „Der Prozess ist im vollen Gange und geht in die richtige Richtung. Das müssen wir fortsetzen. Wenn wir in Bochum gewinnen, haben wir zur nächsten Länderspielpause wieder Anschluss zu interessanten Plätzen über uns.“

Führte den VfL nach elfjähriger Abstinenz ins Oberhaus: Trainer Thomas Reis (Foto: Lars Baron / Getty Images).

Geschlossenheit gegen individuelle Qualität

Mit Blick auf die individuelle Qualität ist die TSG den Bochumern sicherlich überlegen. Doch der VfL zeichnet sich ohnehin vielmehr durch Geschlossenheit aus. Auch deshalb steht die Defensive mit Ausnahme des Ausrutschers in München (0:7) weitestgehend stabil. Offensiv werden die Bochumer immer wieder über die Flügel gefährlich. Der Bochum-Experte erklärt: „Dort hat man sich im Sommer mit Christopher Antwi-Adjei und Takuma Asano nochmal verstärken können. Der VfL versucht die beiden vor allem nach gegnerischen Standards durch die präzisen Abschläge von Manuel Riemann einzusetzen.“

Auf der anderen Seite muss der VfL noch an der Chancenverwertung arbeiten. So sieht es auch Moritz: „Sebastian Polter ist bis hierhin nicht der Knipser wie man es sich vielleicht erhofft hatte. Zu häufig kommt er aufgrund des mangelnden Tempos nicht mehr in die Situationen oder zeigt krasse technische Defizite. Aber auch die anderen Offensivspieler (ausgenommen Danny Blum) nutzen ihre Torchancen nicht und werden vor dem Tor so nervös wie ich vor meinen Abiturprüfungen.“

Raum oder Skov? Hoeneß hat die Qual der Wahl

Mit Simon Zoller, Maxim Leitsch und Robert Tesche fehlen dem VfL schon seit geraumer Zeit wichtige Garanten auf allen möglichen Positionen. Auch deshalb vermutet Moritz keine großartigen Rochaden mit Blick auf das Duell am Samstag: „Im Vergleich zum Spiel gegen Gladbach erwarte ich zwei Veränderungen. Zum einen könnte Danny Blum für Gerrit Holtmann starten, welcher gegen Gladbach in den entscheidenden Situationen unglücklich wirkte. Außerdem könnte Milos Pantovic, ähnlich wie im Pokal gegen Augsburg, für Eduard Löwen beginnen.“

TSG-Coach Hoeneß kann derweil wieder auf David Raum zurückgreifen. Der Linksverteidiger hat seine Kapselreizung im Sprunggelenk auskuriert und könnte Robert Skov trotz starker Leistung gegen die Hertha aus der Anfangsformation verdrängen. Auf der Pressekonferenz vor dem Spiel sprach Hoeneß von einem „Kopf-an-Kopf-Rennen“ auf mehreren Positionen.

Ein Fragezeichen steht hinter Dennis Geiger aufgrund einer Entzündung am Fuß. Denkbar ist dafür Christoph Baumgartners Startelf-Comeback, während Sebastian Rudy nach seinem offensiven Ausflug gegen die Hertha etwas defensiver auflaufen könnte.

Bald im „Club 100“? Andrej Kramaric steht vor seinem nächsten TSG-Rekord (Foto: Matthias Hangst / Getty Images).

Kramaric vor Jubiläumstor

Kompakt, kämpferisch, dynamisch – auf die TSG wartet eine Spielweise, gegen die sich die Hoeneß-Elf in der Vergangenheit immer wieder schwer tat. Doch die erste Halbzeit gegen die Hertha bewies, dass Hoffenheim mitunter in der Lage ist, Lösungen zu finden und sich über viele Verlagerungen in den gegnerischen Strafraum zu kombinieren. Erneut wird vieles an der Personalie Andrej Kramaric hängen, der sein 100. Pflichtspieltor für die TSG erzielen könnte.

Moritz erwartet ebenfalls ein „kämpferisches Spiel vom VfL, in welchem wir defensiv stabil stehen und dann über die schnellen Außen kontern – ähnlich wie gegen Frankfurt“.

So könnten sie spielen

TSG: Baumann – Posch, Grillitsch, Richards – Akpoguma, Rudy, Stiller, Raum – Baumgartner – Kramaric, Bebou

VfL: Riemann – Gamboa, Masovic, Lampropoulos, Soares – Losilla – Pantovic, Rexhbecaj – Asano, Polter, Blum

Tipp Moritz: 2:0 | Tipp Hoffenews: 1:1

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