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Von Eduardo bis Kramaric – Die Top 3 Transferfenster der TSG

Einen derart hochkochenden Transfermarkt wie in diesem Sommer hat die Fußball-Welt wohl noch nicht erlebt. Auch wenn es bei den Männern der TSG Hoffenheim in diesem Transferfenster mit drei Neuzugängen noch recht unspektakulär zugegangen ist, könnte bis zur Deadline am 31. August um 18 Uhr noch etwas passieren. Hoffenews blickt derweil ein paar Jahre zurück und kürt die bis dato besten drei Transfersommer der TSG.

Mal eher ruhig, mal vogelwild: Die Transferfenster der TSG Hoffenheim haben in der Vergangenheit unterschiedliche Verläufe genommen. Wer erinnert sich nicht, als sich die Kraichgauer mit Einkäufen übernahmen und voreilig von der Champions League sprachen? Im Gedächtnis bleibt dabei vor allem der Transfersommer 2012 unter Markus Babbel, der fast in einen Abstieg mündete. Auf der anderen Seite kann die TSG aber auch einige beachtliche Transferperioden vorweisen.

Platz 3: Transfersommer 2019

Rekord-Abgang für 44 Millionen Euro: Joelinton verließ die TSG im Sommer 2019. (Foto: imago images)

Der bzw. die ein oder andere wird sich wahrscheinlich etwas wundern, warum der Transfersommer 2019 in den Top Drei gelandet ist. Schließlich ist diese Periode noch nicht allzu lange her. Daher können die Zu- und Abgänge nicht abschließend beurteilt werden. Vielmehr unterstreicht diese Transferphase aber die Nachhaltigkeit und den Stellenwert der TSG sowie die Arbeit von Alexander Rosen als Direktor Profifußball.

Werfen wir dafür zunächst einen Blick auf die sportliche Ausgangslage. Hoffenheim verpasste mit einem bitteren 2:4 in Mainz die erneute Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb um Haaresbreite. Damit endete zugleich die überaus erfolgreiche Ära von Julian Nagelsmann als Trainer. Alfred Schreuder übernahm als neuer Übungsleiter und unterzeichnete einen Vertrag bis 2022. Gemeinsam mit Rosen musste der Niederländer einen Umbruch bewerkstelligen.

Denn vor allem auf der Abgangsseite musste die TSG enorm an Qualität einbüßen. Das ist im Kraichgau an sich nichts Ungewöhnliches, doch die Zahlen sind bemerkenswert: Mit Joelinton, Kerem Demirbay, Nico Schulz, Nadiem Amiri, Vincenzo Grifo, Leonardo Bittencourt und Adam Szalai verloren die Hoffenheimer allein 81 Scorer-Punkte aus der Vorsaison. Außerdem lief der Leihvertrag Reiss Nelsons (acht Tore, eine Vorlage) aus. Dafür nahm die TSG laut transfermarkt.de ganze 120 Millionen Euro für Spielerverkäufe ein – die Leihen weiterer Perspektivspieler inklusive.

Rosens Meisterwerk

An der Spitze der teuersten Abgänge thronen Joelinton, Demirbay und Schulz. Gleichzeitig macht sich bei diesem Trio auch die Nachhaltigkeit der TSG bemerkbar. Joelinton, für 2,2 Millionen Euro von Sport Recife aus Brasilien geholt, wechselte für 44 Millionen Euro zu Newcastle United. Demirbay, für 4,7 Millionen Euro vom HSV geholt, ging für 32 Millionen Euro zu Bayer Leverkusen. Und Schulz, für drei Millionen Euro von Borussia Mönchengladbach geholt, entschied sich für einen Transfer zu Borussia Dortmund – Kostenpunkt 25,5 Millionen Euro. Ohne die detaillierten Finanzströme der TSG zu kennen, stellen diese Einnahmen einen elementaren Grund dafür dar, warum Hoffenheim die Corona-Pandemie aus finanzieller Sicht vergleichsweise sorglos überstanden hat.

Auf der Zugangsseite machte sich wiederum der Stellenwert der TSG bemerkbar. Trotz des verpassten Europapokals konnten Rosen und Schreuder Diadié Samassékou von einem Wechsel in den Kraichgau überzeugen. Der Mittelfeld-Abräumer von RB Salzburg war von einigen internationalen Topklubs umworben. Die TSG überwies eine vereinsinterne Rekordablöse von 14 Millionen Euro an den Brauseklub aus Österreich.

Zudem verpflichtete die TSG mit Robert Skov einen dänischen Shooting-Star und Freistoßexperten vom FC Kopenhagen für knapp zehn Millionen Euro. Weitere smarte Transfers tätigte Rosen zudem mit Ihlas Bebou (für 8,5 Mio. € von Hannover 96), Sargis Adamyan (für 1,5 Mio. € von Jahn Regensburg), Jürgen Locadia (Leihe von Brighton & Hove Albion) sowie mit den ablösefreien Perspektivspielern Konstantinos Stafylidis (FC Augsburg) und Philipp Pentke (Jahn Regensburg). Mit der Leihe von TSG-Rekordspieler Sebastian Rudy (vom FC Schalke 04), der im Kraichgau mit offenen Armen empfangen wurde, gelang Rosen darüber hinaus ein echter Überraschungscoup.

Im Transfersommer 2019 legte Rosen den Grundstein für eine finanziell stabile Lage bei der TSG – auch in Krisenzeiten – und sorgte ebenfalls für eine sportliche Nachhaltigkeit: Trotz des Nagelsmann-Abgangs und einiger Querelen innerhalb der Saison 19/20 schaffte Hoffenheim letztlich die Qualifikation für die Europa League.

Platz 2: Transfersommer 2007

Rekord-Transfer der 2. Liga bis 2015: Carlos Eduardos Wechsel zur TSG sorgte für Aufsehen. (Foto: imago images).

Der Transfersommer 2007 erhitzte die Fußball-Gemüter über die TSG-Grenzen hinaus. Hoffenheim war gerade aus der drittklassigen Regionalliga Süd in die 2. Bundesliga aufgestiegen und durfte zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte die Luft des Profifußballs schnuppern. Eine Sphäre, an der Eigentümer Dietmar Hopp schnell Gefallen fand, sodass er erstmals Millionenbeträge für Profispieler zur Verfügung stellte.

Aber der Reihe nach: Auf dem Transfermarkt verfolgten Trainer Ralf Rangnick und Manager Jan Schindelmeiser eine klare Devise. „In erster Linie sind wir an Toptalenten zwischen 18 und 22 Jahren interessiert, die Entwicklungsmöglichkeiten in allen Bereichen versprechen“, gab Rangnick nach dem Aufstieg zu Protokoll.

Und genauso agierte die TSG fortan auch. Hoffenheim sicherte sich frühzeitig die Dienste des 24-jährigen Per Nilsson (Odds BK), des 22-jährigen Vedad Ibisevic (Alemannia Aachen) und des 21-jährigen Tobias Weis (VfB Stuttgart). Zusammengerechnet kosteten die drei Neuzugänge bereits knapp drei Millionen Euro – eine enorme Summe für damalige Zweitligaverhältnisse. Zusätzlich wechselte Torhüter Daniel Haas fest in den Kraichgau und der 19-jährige Isaac Vorsah kam zunächst auf Leihbasis aus Ghana von Asante Kotoko.

Auf der Abgangsseite verließen gleich sechs Akteure den Verein und schlossen sich unterklassigen Mannschaften an. Darunter ein gewisser Sebastian Hoeneß, der in die Hauptstadt zu Hertha BSC II wechselte. Die TSG musste lediglich Mirnes Mesic an einen Ligakonkurrenten ziehen lassen. Der Mittelstürmer unterschrieb Anfang August 2007 einen Kontrakt beim SC Freiburg. Außerdem lief der Leihvertrag von Keeper Alexander Stolz aus.

Obasi, Eduardo, Ba – Hoffenheims verrückter Transferendspurt

Schon vor dem Ligastart gegen den SV Wehen Wiesbaden war klar, dass die TSG noch weitere Transfers tätigen würde. Ein mäßiger Saisonbeginn zementierte dieses Vorhaben schließlich. Nach einem 2:3 gegen Wehen, einem 0:0 in Gladbach und einem 0:3 gegen den TSV 1860 München schlugen die Kraichgauer auf dem Transfermarkt zu und verstärkten noch einmal die Offensive – und zwar mit viel Brimborium.

Am 27. August 2007 überwies die TSG fünf Millionen Euro an den norwegischen Erstligisten FK Lyn für den 21-jährigen Chinedu Obasi. Das sorgte bereits für Erstaunen auf allen Seiten – auch beim Flügelspieler selbst. Mit der legendären Frage „This is Hoffenheim? Seriously?“ sammelte Obasi erste Eindrücke in seiner neuen Umgebung.

Es ist nicht überliefert, aber ähnliche Fragen dürften sich auch die anderen Neuzugänge gestellt haben. Denn am 29. August 2007 verpflichtete die TSG Carlos Eduardo (für 7 Mio. € aus Gremio) und Demba Ba (für 3 Mio. € von Excelsior Mouscron) im Doppelpack. Gerade Carlos Eduardos Wechsel ließ den Unmut von außerhalb lauter werden. Sieben Millionen Euro hatte bis dato schließlich noch kein Zweitligist bezahlt. Übrigens: Der Brasilianer wurde 2015 von Omer Damari (für 7 Mio. € zu RB Leipzig) und Davie Selke (für 8 Mio. € zu RB Leipzig) sowie 2019 von Silas Katompa Mvumpa (für 8 Mio. € zum VfB Stuttgart) unlängst eingeholt.

Um Carlos Eduardo in seiner neuen Heimat nicht allein dastehen zu lassen, holte die TSG am Deadline Day zudem Luiz Gustavo. Der damals 20-Jährige kam auf Leihbasis von den Corinthians aus Brasilien. Dass aus Gustavo mehr als nur eine Unterstützung für Eduardo wurde, machte sich allerdings schnell bemerkbar. Daher verpflichteten ihn die Kraichgauer ein Jahr später.

Um die Wichtigkeit dieser Transfers zu unterstreichen, sei erwähnt, dass Obasi, Carlos Eduardo und Ba bereits ein paar Tage später bei der 2:3-Niederlage beim SC Freiburg debütierten. Sie legten das Grundgerüst für eine furiose Rückrunde und den direkten Durchmarsch in die Bundesliga.

Platz 1: Transfersommer 2016

Mit einem Goldhändchen auf dem Transfermarkt: Julian Nagelsmann (links) und Alexander Rosen. (Foto: imago images)

Rang 15, 37 Punkte, einen Zähler vor dem Relegationsplatz: Eine unbefriedigende Saison 2015/16 mit einem geglückten Schlussspurt lag hinter der TSG. Julian Nagelsmann machte als jüngster Trainer der Bundesliga-Geschichte einen Sieben-Punkte-Rückstand auf das rettende Ufer wett. Nun war unter dem damals 28-Jährigen eine Konsolidierungsphase eingeplant.

Dafür musste der junge Coach erst einmal den Abgang von Kevin Volland kompensieren. Nach vier Jahren verließ er die TSG für 20 Millionen Euro in Richtung Leverkusen. Außerdem ließen die Hoffenheimer mit Jonathan Schmid (für 5,2 Mio. € zum FC Augsburg) und Tobias Strobl (ablösefrei nach Gladbach) zwei weitere Leistungsträger der abgelaufenen Saison gehen.

Investition in Robustheit und Kreativität macht sich bezahlt

Im Gegenzug tätigte die TSG vermeintlich unspektakuläre Transfers. Doch keiner der Neuzugänge, für die Hoffenheim eine Ablöse zahlte, ist in die Kategorie „Fehleinkauf“ einzuordnen – im Gegenteil. Mit den Verpflichtungen von Kevin Vogt (für 3 Mio. € vom 1. FC Köln), Sandro Wagner (für 2,8 Mio. € vom SV Darmstadt 98) und Benjamin Hübner (für 800.000 € vom FC Ingolstadt) investierte die TSG in Robustheit und Kopfballstärke. Rosen und Nagelsmann suchten bewusst nach diesen Spielertypen.

„Wir waren statistisch in der letzten Saison die kopfballschwächste Mannschaft. Also war das Größenthema relevant bei der Kaderplanung“, erklärte Rosen dem kicker. Das Trio um Vogt, Wagner und Hübner machten ihre Wichtigkeit für die Statik des Spiels schnell deutlich. Zwei der drei Akteure spielen fünf Jahre später immer noch für die TSG, nur Wagner verließ den Klub. Natürlich erwirtschaftete Hoffenheim auch hier ein deutliches Plus. Denn der Mittelstürmer wechselte im Januar 2018 für 13 Millionen Euro zu seinem Herzensverein FC Bayern.

Doch zurück zum Transfersommer 2016: Auch im kreativen Bereich landete die TSG überraschende Volltreffer. Kerem Demirbay (für 4,7 Mio. € vom HSV) kam nach zwei Leihen in die 2. Bundesliga in den Kraichgau und wurde bereits ein Jahr später Confed-Cup-Sieger mit der deutschen Nationalmannschaft. Lukas Rupp (für 5 Mio. €) stieg gerade mit dem VfB Stuttgart aus der Bundesliga ab und sorgte in Hoffenheim nicht nur für mehr Kaderbreite im zentralen Mittelfeld, sondern hatte auch einen maßgeblichen Anteil an der folgenden steilen Entwicklung der TSG.

Die feste Verpflichtung von Andrej Kramaric war ein No-Brainer. Der Kroate, zuvor für ein halbes Jahr von Leicester City ausgeliehen, war neben Nagelsmann der zweite Garant für den Klassenerhalt in der Rückrunde 15/16. Die Verantwortlichen zahlten für Kramaric sogar eine Rekordablösesumme von elf Millionen Euro. Mittlerweile ist der Offensivmann mit 82 Toren Bundesliga-Rekordtorschütze der Hoffenheimer und mehr als nur ein Publikumsliebling.

Es liegt in der Natur der Sache, dass Manager respektive Trainer auf dem Transfermarkt nicht immer einen Goldfinger haben. Für den Transfersommer 2016 können Rosen und Nagelsmann jedoch mit Fug und Recht behaupten: „Da haben wir alles richtig gemacht“.

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