Spielbericht

Verloren im Mittelfeld

TSG unterliegt daheim gegen die Eintracht

Die Vorfreude auf den Beginn der Rückrunde hatte sich andere Bilder erträumt. Mehr Biss im Spiel der TSG, mehr Klarheit, mehr Dominanz. Stattdessen gab es einige positive Ansätze zu sehen, aber leider auch viel Stückwerk. Und wieder bzw. immer noch haperte es an der An- bzw. Einbindung der Offensive ans Spiel von hinten heraus.

Im Konzept des totalen Mittelfelds, das die Fußballschule von Johann Cruyff pflegt, der auch Alfred Schreuder angehört, musste man die Leistung des Kern-Mittelfelds der TSG gegen die Eintracht aus Frankfurt als unterdurchschnittlich bewerten, die umgekehrt hierher ihre Überlegenheit bezog, was letztendlich zur inzwischen fünften Heimniederlage führte. Genauer gesagt vermochten Rudy, Geiger und Grillitsch vor allem in der 1. Halbzeit nicht wirklich zu überzeugen, vieles geriet zu lethargisch, manches zu hektisch, was auch für Bébou und Baumgartner im Sturm galt.

War die Aufstellung daran schuld? Man rieb sich schon ein wenig die Augen: Stafylidis spielte für den angeschlagenen Skov, Posch für Kaderabek, auch Samassékou und Adamyan saßen auf der Bank, genauso wie Dabbur, der Neue im Sturmzentrum, der später noch beweisen sollte, was für ein exzellenter Techniker er ist. Insgesamt verriet die Startelf eine eher defensive Marschrichtung, was nach dem Anpfiff und dem ersten viertelstündigen Abtasten denn auch dazu führte, dass Frankfurt zunehmend Druck auf die Reihen der TSG ausübte und mit der ersten Chance nach einem allzu wagemutigen Ausritt von Hübner per Konter das 0:1 durch Dost erzielte.

Während Hoffenheim noch den Schock verdaute und nach einer erfolgreicheren Linie suchte, hätte Frankfurt leicht das zweite Tor machen können. Hübner hing sich jetzt voll in die Partie, als Kapitän und Leader sowieso, aber wohl auch, um seinen Schnitzer vor dem Führungstreffer des väterlichen Vereins auszumerzen, und hätte mit etwas mehr Glück in der 37. Minute nach Eckball sein Ziel fast erreicht. Und noch einer fiel in dieser Phase durch Entschiedenheit auf: Stafylidis, der ansonsten seine liebe Mühe damit hatte, die linke Außenbahn geschwind genug hinauf und hinunter zu bespielen, um jeweils vorn oder hinten punktgenau auf dem Posten zu sein. In der 41. Minute hielt er zweimal hintereinander wuchtig aus der Distanz aufs Tor von Trapp, der die brisanten Bälle jedoch abwehren konnte.

Nach der Pause kam endlich Dabbur für Bébou und bewies im Ansatz seine Klasse, wirkte aber noch nicht ganz in die Mannschaft eingebunden, sodass ihm einmal bspw. Kramaric eine schöne Kopfballchance wegnahm, für die Dabbur mit mehr Aussicht auf Erfolg viel besser platziert war. Doch bis dahin hatte Stafylidis längst wahrgemacht, was er vor der Pause angedeutet hatte: Nur drei Minuten nach dem Wiederanpfiff kam ein schwacher Abwehrversuch von Dost nach einer Ecke vor seine Füße, und diesmal nahm er besser Maß. Gegen den platzierten Gewaltschuss aus ca. 18 Metern war Trapp machtlos.

Die Freude über den Ausgleichstreffer war seitens der TSG groß, verständlicherweise, und befreite die Füße und Köpfe etwas, sodass nun endlich Bewegung in die bis dahin stets etwas zu steifen und starren Vorträge der TSG kam. Umgekehrt und ebenso verständlich wurden die Spieler der Eintracht durch den Gegentreffer nervös. Es war der Moment im Spiel, da Hoffenheim den berüchtigten Sack hätte zumachen können und müssen: noch ein Treffer, und die vor der Winterpause schreckensgepeinigte Eintracht wäre am Boden gelegen.

Stattdessen gelang Frankfurt schon in der 62. Minute der Siegtreffer. Eine grobe Unaufmerksamkeit genügte, um Chandler nach langem Zuspiel von Kostic an den Ball zu bringen, und schon stand es per Kopf ins lange Eck 1:2. Baumann-Ersatz Pentke, der auch sonst in der Partie überzeugte, traf an diesem Treffer wie auch an der Niederlage keinerlei Schuld. Seine Vorderleute reagierten jedoch geschockt und schafften es trotz der Einwechslung in der 69. Minute von Adamyan für Geiger und in der 82. Minute von Locadia für Posch nicht mehr, genügend Druck aufzubauen, um das Spiel erneut offen zu halten.

So kam es, wie es kam: Hoffenheim startet auch in die Rückrunde ohne Glanz und Fortüne und trifft nächste Woche in Bremen auf den nächsten sehr hungrigen Gegner. Für Werder steht ähnlich viel auf dem Spiel wie zuvor für die Eintracht: Gewinnen die Grünen, klart sich am Horizont der Himmel auf, verlieren sie, ziehen düstere Wolken über das Weserstadion. Für die TSG müsste dennoch, wie eben auch gegen die Eintracht, mehr drin sein. Gefühlt sieht es so aus, dass bei der Heimniederlage noch nicht die stärkste Aufstellung gespielt hat. Wird sie gefunden, mag sich das Blatt wenden.

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