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TSG international – Slovan Liberec im Check

Europa League? Gäääääähn. Da kennt man doch niemanden. Keinen Spieler, keine Mannschaft. Meistens nicht einmal die Stadt. Diesem Klischee wollen wir entgegnenwirken. Denn die Europa League kann auch interessant sein, wenn man sie richtig präsentiert. Hoffenews stellt die Gegner der TSG Hoffenheim aus der Gruppe L vor. Nach den Siegen gegen Roter Stern Belgrad und KAA Gent, trifft man am Donnerstag auf Slovan Liberec (21 Uhr, DAZN und RTL Nitro). Auch die Tschechen haben wir vor dem Spiel etwas genauer unter die Lupe genommen. 

Der Verein

Die Geschichte des Clubs der tschechischen Stadt Liberec ist sehr stark an die Geschichte des Landes gebunden. Als erster tschechischer Fußballklub wurde der SK Liberec nach Ende des Ersten Weltkriegs, am 11. Mai 1919 gegründet. 15 Jahre später änderte man den Namen in Slavia Liberec, was vor allem den slawischen Charakter des Vereins deutlicher hervorheben sollte. Wie der Verein selbst bekannt gibt, war dies auch eine Art Reaktion auf den im Nachbarland Deutschland aufkommenden Nationalsozialismus, der schon 1934 eine ernsthafte Bedrohung für die Tschechoslowakei sowie ganz Europa darstellte. 1938 erfolgte dann das Münchner Abkommen, womit die Tschechoslowakei dazu gezwungen war, dass gesamte Sudetenland an Deutschland abzutreten. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 ruhte der Ball in Liberec.

Die sportliche Neuorganisation im befreiten Tschechien stellte sich zunächst schwierig dar, erst im Jahre 1958 entstand letztlich Slovan Liberec. Bis 1989 war der Erfolg überschaubar: Neben einer wirtschaftlichen Krise, gelang lediglich zweimal der Einzug in die zweite Liga. Erst mit dem Zerfall der Tschechoslowakei 1993 ging es sportlich wieder aufwärts. Mit der Gründung der tschechischen Republik und der damit verbundenen Gründung der ersten tschechischen Liga stiegen automatisch die besten sechs Mannschaften aus der zweiten Spielklasse auf. Seitdem ist der Klub bis heute durchgängig in der „Fortuna Liga“ vertreten.

Die größten Erfolge waren dabei drei Meistertitel (2002, 2006, 2012) sowie zwei Pokalsiege (2000, 2015). Seit 1978 trägt Liberec seine Heimspiele im „Stadion u Nisy“ aus, das eine Kapazität von knapp 10.000 Plätzen fasst. Seit Juli letzten Jahres ist Pavel Hoftych Cheftrainer. Der 53-jährige spielt am liebsten im 4-2-3-1.

Liberec nach Gewinn des Meistertitels 2012. (Foto: imago)

Erfahrung in Europa

Wie auch die letzten Gegner der TSG Hoffenheim, steht mit Slovan Liberec erneut ein Verein mit viel Europapokal-Erfahrung vor der Tür. Den ersten Auftritt im Europapokal (Vorgänger der Europa League) hatte man vor zwanzig Jahren. Die Tschechen scheiterten damals in der zweiten Runde am FC Liverpool. Im darauffolgenden Jahr traf Liberec dann erstmals auf einen deutschen Gegener. Nachdem man bis ins Viertelfinale gekommen war, verlor man im Gesamtergebnis mit 0:4 gegen Borussia Dortmund. Eine Saison später verpasste man sogar knapp den Einzug in die Champions League: Obwohl man den großen AC Mailand im Rückspiel zu Hause mit 2:1 bezwang, reichte den Italienern aufgrund der Auswärtsregel das 1:0 aus dem Hinspiel.

Weiter kam man auch in den darauffolgenden Jahren nie, die Qualifikation in die Champions League verpasste man noch zwei weitere Male. Interessante Begegnungen gab es dennoch. So trafen die Tschechen in der Gruppenphase der Europa-League-Saison 2013/14 auf den SC Freiburg (1:2 in Liberec, 2:2 in Freiburg). Bei den Südbadnern damals im Kasten war der heutige TSG-Keeper Oliver Baumann.

Den kennen wir doch: TSG-Keeper Oli Baumann spielte bereits 2013 gegen Slovan Liberec. (Foto: imago)

In der laufenden Spielzeit der Europa League konnte man zu Hause Gent mit 1:0 schlagen, ging dann allerdings in Belgrad mit 1:5 unter, womit Slovan Liberec in Gruppe L punktgleich hinter Roter Stern auf dem dritten Platz liegt.

Waren hier mal

Die Liste bekannter Gesichter des Fußballs, die einmal bei Slovan Liberec waren ist aus deutscher Sicht nicht besonders lang. Nennenswert hierfür wäre jedoch einerseits Bremens Rechtsverteidiger Theodor Gebre Selassie, der 2012 aus Liberec an die Weser wechselte. Andererseits  der aktuelle Coach der tschechischen Nationalmannschaft Jaroslav Silhavy. Er stand zwischen 2011 und 2014 an der Seitenlinie Liberecs. Heute kümmert er sich bei der Nationalmannschaft unter anderem auch um Hoffenheims Rechtsverteidiger Pavel Kaderabek.

Players to watch

Michal Sadilek

Stöbert man so durch den Kader von Slovan Liberec, so fällt er direkt auf: Michal Sadilek trägt mit einem Marktwert von ca. 3,2 Millionen Euro das höchste Preisschild der Mannschaft. Und dabei ist der Tscheche gerade einmal 21 Jahre jung. Den zentralen Mittelfeldspieler, der wahlweise auch als Linksverteidiger einsetzbar ist, hat der Club im Sommer vom PSV Eindhoven ausgeliehen. Der 1,69 Meter große Linksfuß gilt als großes Talent. Vergangene Woche bereitete er in Belgrad den Treffer zum zwischenzeitlichen 2:1 vor.

Für ein Jahr vom PSV Eindhoven ausgeliehen: Das Talent Michal Sadilek. (Foto: imago)

Jhon Mosquera

Auch der 30-jährige Kolumbianer Jhon Mosquera ist erst in diesem Sommer zum Verein dazugestoßen, vorher spielte er beim Ligakonkurrenten Bohemians Prag. In den bisherigen sechs Ligapartien knipste der Linksaußen bereits vier-mal, ein Tor bereitete er vor. Der Linksfuß ist damit der beste Schütze von Liberec in der noch jungen Saison.

Erzielte bisher vier der zehn Ligatore von Liberec: Jhon Mosquera. (Foto: imago)

Warum die TSG aufpassen muss

Der TSG steht am Donnerstagabend auf dem Papier der wohl einfachste Gegner gegenüber. Mit rund 13 Millionen Euro hat der gesamte Kader von Liberec nur einen etwas höheren Marktwert als Hoffenheims Christoph Baumgartner (12 Millionen Euro; alle Angaben: transfermarkt.de). Die Gefahr, die Tschechen damit als kleinen Europapokal-Pflichtsieg-Gegner zu unterschätzen, ist deshalb hoch. Allzu viel rotieren sollte TSG-Coach Sebastian Hoeneß also bestenfalls nicht. Mit dem nächsten Sieg in der Gruppe L könnten die Kraichgauer den einen großen Schritt in Richtung Zwischenrunde machen.

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Jakob ist seit Oktober 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Zudem ist er als freier Mitarbeiter der Sportredaktion der Rhein-Neckar-Zeitung tätig und begleitet als Blinden- und Fanradioreporter die Spiele des SV Sandhausen. Wer tagtäglich seine semi-lustigen Wortspiele und Einfälle verfolgen will, findet ihn auf Twitter unter @goenntherjauch.

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Jakob Uebel
Jakob ist seit Oktober 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Zudem ist er als freier Mitarbeiter der Sportredaktion der Rhein-Neckar-Zeitung tätig und begleitet als Blinden- und Fanradioreporter die Spiele des SV Sandhausen. Wer tagtäglich seine semi-lustigen Wortspiele und Einfälle verfolgen will, findet ihn auf Twitter unter @goenntherjauch.

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