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TSG international – KAA Gent im Check

Europa League? Gäääääähn. Da kennt man doch niemanden. Keinen Spieler, keine Mannschaft. Meistens nicht einmal die Stadt. Diesem Klischee wollen wir entgegnenwirken. Denn die Europa League kann auch interessant sein, wenn man sie richtig präsentiert. Hoffenews stellt die Gegner der TSG Hoffenheim aus der Gruppe L vor. Nach dem Sieg gegen Roter Stern Belgrad geht es am Donnerstagabend zu KAA Gent (18:55 Uhr, DAZN). Vor dem Spiel haben wir die Belgier etwas genauer unter die Lupe genommen. 

Der Verein

Gegründet wurde der Sportverein am ersten Januar 1898, eine Fußballabteilung führten belgische Studenten im Jahre 1900 ein. Das Logo mit dem Konterfei eines Sioux-Häuptlings hat seinen Ursprung im frühen 20. Jahrhundert: Der auch als „Buffalo Bill“ bekannte US-Amerikaner William F. Cody zog damals mit seinem Wanderzirkus durch Europa und legte in Belgien einen Stopp in Gent ein. Die Bevölkerung brachte ihm viel Begeisterung entgegen, sodass es nicht lang dauerte, bis „Buffalo, Buffalo“-Fangesänge bei Spielen des Klubs ertönten. Seitdem trägt Gent auch den Spitznamen „Buffalos“. Das Wappen mit dem Sioux-Häuptling soll letztlich die Werte des Teams verkörpern: Respekt, Tapferkeit und Ehre.

Nachdem man 1964 erstmals belgischer Meister wurde, ging es für Gent sportlich nicht immer aufwärts. Zehn Jahre später stieg man in die dritte Liga ab und war finanziell fast am Ende. Die Rettung erfolgte in den 1990er Jahren mithilfe der Unterstützung des Geschäftsmanns Ivan De Witte. Seit 1989 ist Gent konstant in der höchsten belgischen Spielklasse, der Divison 1A, vertreten. Der Titel des belgischen Meisters 2015 war dabei der bisher größte Erfolg der Vereinsgeschichte. Im folgenden Jahr überstanden sie die Gruppenphase in der Champions-League, ehe Gent im Achtelfinale knapp am VfL Wolfsburg scheiterte. Seitdem ist der Verein europaweit in aller Munde.

Die Buffalos bei der Meisterfeier 2015 (Foto: imago)

Auch prominente Namen des Fußballs haben dabei bereits das blau-weiße Trikot getragen. Beispiele wären hierfür wären die Shootingstars der belgischen Nationalmannschaft Dries Mertens und Kevin De Bruyne, Leipzigs Neuzugang Alexander Sörloth, oder nicht zuletzt der kanadische Youngster Jonathan David, der noch im Februar mit der TSG in Verbindung gebracht wurde. De Bruyne, der heute für Manchester City aufläuft, spielte sogar über sieben Jahre in Gent.

Der Trainer

Alle guten Dinge sind drei. So muss das Motto gelautet haben, das die Vereinsführung der Belgier in diesem Jahr verfolgt haben. Nach zwei Niederlagen zum Auftakt der Liga, trennte man sich vom dänischen Coach Jess Thorup und nahm den Rumänen Laszlo Bölöni unter Vertrag. Zwei Niederlagen, ein knapper Sieg und keinen Monat später stand dann erneut ein neuer Coach an der Seitenlinie. Diesmal der Belgier Wim de Decker, der vorläufig als Interimstrainer fungieren sollte. Der 38-Jährige spielte in seiner aktiven Zeit selbst noch bei KAA Gent und scheint den Klub bestens zu kennen.

Unter de Decker kam zwar wieder etwas Ruhe in den Verein, der sportliche Erfolg hält sich seit September dennoch in Grenzen. Eine knappe Woche nach dessen Amtsantritt schied man in den Champions-League-Playoffs gegen Kiew aus, in der Europa-League verlor man letzte Woche gegen Liberec 0:1 und in der Liga steht man nach zehn Spieltagen auf Rang 13. Die favorisierte Formation des Belgiers ist ein klassisches 4-2-3-1.

Hat großen Respekt vor der TSG Hoffenheim: Gents Trainer Wim de Decker. (Foto: imago)

Das Stadion

Seit 2013 tragen die „Buffalos“ ihre Heimspiele in der Ghelamco Arena aus. Das für 20.000 Fans Platz bietende Stadion zeichnet sich vor allem durch eins aus: Nachhaltigkeit. So beziehen die Flutlichter erneuerbare Energie aus 13 Tausend Photovoltaik-Solarzellen, welche auf dem Dach angebracht sind. Um den Stromverbrauch auf ein Minimum zu halten, ist das Stadion auf höchstmögliche Sonneneinstrahlung ausgerichtet. Im Dach wird auch Regenwasser gespeichert, womit unter anderem das Spielfeld versorgt wird.

Neben finanziellen Problemen des Klubs, war auch eine negative Umweltverträglichkeitsprüfung der Grund, weshalb sich der Bau der Spielstätte derart zog. Eigentlich hätte die Ghelamco Arena nämlich schon 2006 eingeweiht werden sollen. Das Eröffnungsspiel sieben Jahre später fand im Rahmen eines Freundschaftsspiels ausgerechnet gegen Hoffenheims Erzrivalen, den VfB Stuttgart statt.

Die belgische Regierung hat, den aktuell enorm hohen Fallzahlen des Landes geschuldet, bis zum 19. November dieses Jahres ein allgemeines Zuschauerverbot bei professionellen Sportwettbewerben verhängt. Die Partie gegen Hoffenheim wird also in einer leeren Ghelamco Arena stattfinden.

Wie Hoffenheims PreZero-Arena auf Nachhaltigkeit bedacht: Die Ghelamco Arena in Gent. (Foto: Dean Mouhtaropoulos/Getty Images)

Players to watch

Tim Kleindienst und Niklas Dorsch

Fans der ersten und zweiten Bundesliga könnten diese beiden Gesichter am Donnerstag bekannt vorkommen. Denn es ist keine vier Monate her, dass die beiden Herren für den 1. FC Heidenheim in der Relegation gegen Werder Bremen um den Aufstieg in die Bundesliga gekämpft haben. Es handelt sich um niemand geringeres als Mittelfeld-Schaltzentrale Niklas Dorsch und den hochgewachsenen Stürmer Tim Kleindienst. Der 22-jährige Ex-Bayer Dorsch stand nach einem starken Jahr bei den Schwaben angeblich auf der Liste mehrer Bundesligisten. Auch Kleindienst, dem in der vergangenen Saison neben 14 Treffern und sechs Vorlagen, auch zwei Tore in der Relegation selbst gelangen, dürfte der Wunsch mehrerer Vereine gewesen sein. Verpflichtet wurden die beiden für jeweils 3,5 Millionen Euro vom KAA Gent. Sie sind dabei regelmäßig gesetzt und konnten gemeinsam fünfmal ein netzen (zweimal Kleindienst, einmal Dorsch). Die Hoffenheimer Hintermannschaft sollte gewarnt sein.

Vergangenes Jahr noch gemeinsam auf der schwäbischen Alm gespielt: Niklas Dorsch (l.) und Tim Kleindienst. (Foto: imago)

Roman Yaremchuk

Das wohl größte Talent des Kaders. Der 24 Jahre junge Ukrainer Roman Yaremchuk ist seit seinem Wechsel von Dynamo Kiew im Jahre 2017 die feste Säule im Genter Angriff. Letzte Saison kam er auf siebzehn Tore, in der laufenden Spielzeit glückten bereits vier Treffer. Seine wohl bekanntesten Tore sind die drei gegen den VfL Wolfsburg in der Gruppenphase der Europa-League 2019/20: Zu Hause traf er nach 0:2-Rückstand doppelt zum 2:2-Endstand, ehe er im Rückspiel in Wolfsburg (3:1-Sieg) erneut einnetzte. Yaremchuk ist durch seine 1,91 Meter bei Standards und hohen Bällen gefährlich, kann trotz dessen aber auch Tempo aufnehmen und seine Gegenspieler im Dribbling aussteigen lassen.

Schießt oft die wichtigen Tore: Der ukrainische Shootingstar Roman Yaremchuk. (Foto: imago)

Warum die TSG aufpassen muss

Auch wenn der Start in die neue Spielzeit für die Belgier alles andere als optimal lief, darf die TSG ihren zweiten Gegner in der Gruppenphase nicht unterschätzen. Gerade in der Ghelamco Arena ist Gent immer für eine Überraschung gut. So besiegten die Buffalos hier bereits Vereine wie Valencia (2015; 1:0), oder Tottenham (2016; 1:0). Sebastian Hoeneß steht also erneut ein Gegner mit wesentlich mehr Europapokal-Erfahrung gegenüber. Es bleibt abzuwarten, ob sich dieser Faktor noch bemerkbar machen wird. Und natürlich ob die TSG auch den zweiten Spieltag der Europa-League als Gruppenführer der Gruppe L beenden kann, ehe man kommenden Donnerstag (21 Uhr) auf Liberec trifft.

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Jakob ist seit Oktober 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Zudem ist er als freier Mitarbeiter der Sportredaktion der Rhein-Neckar-Zeitung tätig und begleitet als Blinden- und Fanradioreporter die Spiele des SV Sandhausen. Wer tagtäglich seine semi-lustigen Wortspiele und Einfälle verfolgen will, findet ihn auf Twitter unter @deruebeltaeter.

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Jakob Uebel
Jakob ist seit Oktober 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Zudem ist er als freier Mitarbeiter der Sportredaktion der Rhein-Neckar-Zeitung tätig und begleitet als Blinden- und Fanradioreporter die Spiele des SV Sandhausen. Wer tagtäglich seine semi-lustigen Wortspiele und Einfälle verfolgen will, findet ihn auf Twitter unter @deruebeltaeter.

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