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TSG international – FC Barcelona im Check

Mit einem souveränen 5:0-Erfolg gegen die Däninnen vom HB Køge und einem chancenlosen 0:4 bei den Stars vom Arsenal WFC, waren die Frauen der TSG Hoffenheim aufregend in die UEFA Women’s Champions League gestartet. Am Mittwoch (18:45 Uhr/DAZN) steht in der Gruppenphase nun die nächste Hammer-Aufgabe für die Elf von Trainer Gabor Gallai an: Die Kraichgauerinnen gastieren beim FC Barcelona. Und dieser ist nicht nur Gruppenerster, sondern auch Titelverteidiger und internationaler Spitzenreiter. Hoffenews hat das aktuell vielleicht beste Frauenfußballteam der Welt genauer unter die Lupe genommen.

Tradition, Pokale, Meisterschaften – Der FC Barcelona eben

Seitdem es spanischen Frauenfußball gibt, gibt es ihn auch beim FC Barcelona. 1988 als Club Femení Barcelona gegründet, war der Klub aus Katalonien sogar selbst einer der Mitbegründer der ersten spanischen Fußballmeisterschaft für Frauen und hat damit schon mehr Tradition als so mancher Herrenverein. Und auch die Liga veränderte sich mit der Zeit: Nach drei verschiedenen Versionen treten seit 2011 16 verschiedene Vereine aus ganz Spanien in der Primera División an. Eine zweite Liga besteht ebenfalls.

In der anschaulichen Klubgeschichte stieg der FC Barcelona 1996 auch einmal in die Zweitklassigkeit ab. Ansonsten ist man aber seit jeher stark vertreten und kommt seit 2010 auch dem Ruf der Herren gleich. Innerhalb des vergangenen Jahrzehnts gewann man sechsmal die Meisterschaft, zudem insgesamt achtmal den spanischen, zehnmal den katalanischen Pokal und einmal den spanischen Supercup. Lediglich Altlético Madrid ist dabei auf nationaler Ebene noch ein ernstzunehmender Konkurrent für den FCB.

Und auch international brilliert Barca. War man 2017 noch im Halbfinale und 2019 im Finale der UEFA Women’s Champions League gescheitert, gelang letzte Saison der große Erfolg. Im Mai dieses Jahres überrollte man den FC Chelsea im Endspiel mit 4:0 und löste erstmals seit 2015 Olympique Lyon als beste Fußballmannschaft Europas ab. Die Britinnen waren im Finalduell so chancenlos, dass das Endergebnis bereits nach 36 Minuten feststand. Gemeinsam mit dem Copa de la Reina sowie der Meisterschaft bejubelten die Spielerinnen damit auch das erste Triple in der Klubhistorie.

Internationale Stars und zwei Ex-Wölfe

An der Seitenlinie steht dabei ein Mann, der den Club Femení Barcelona versteht wie kein Zweiter: Lluís Cortés. Im katalanischen Lleida geboren, dort kurzzeitig als Profi gespielt – trainierte der junge Spanier bereits zahlreiche katalanische Jugendmannschaften, ehe er sich 2017 den Damen des FC Barcelona anschloss. Nach zwei Jahren als Assistent, übernahm er 2019 das Amt des Cheftrainers und erlebte somit die erfolgreichste Zeit des Klubs.

Aber nicht nur der Coach, sondern auch der Rest des Kaders hat es ordentlich in sich. Allen voran zu nennen wäre dabei vermutlich Lieke Martens. Die Karriere der 30-jährigen Flügelspielerin aus den Niederlanden geht spätestens seit vier Jahren steil nach oben. Bei der Europameisterschaft 2017 wurde Martens nicht nur mit der Elftal Europameister, sondern darüber hinaus noch zur besten Spielerin des Turniers, zu Europas Fußballerin des Jahres (UEFA) sowie zur Weltfußballerin des Jahres (FIFA) gekürt. Der Anruf von Barca war dann schon fast nur noch Formsache. Als treuer Barcelona-Fan, dessen Idol Ronaldinho heißt, musste sie nicht lang über den Wechsel nachdenken. Auch in der noch jungen Saison 2021/22 kam sie bereits auf sechs Tore und fünf Vorlagen.

Die flinke Rechtsfüßerin auf dem linken Flügel: Lieke Martens. (Foto: Alex Caparros/Getty Images)

Verfolger:innen des Frauenfußballs in Deutschland könnten zudem folgende zwei Damen aus dem Aufgebot bekannt vorkommen: die Mittelfeldspielerin Ingrid Engen und die Angreiferin Fridolina Rolfö. Die Norwegerin Engen spielte noch bis zuletzt beim VfL Wolfsburg, im Juli folgte ihr Wechsel in die Millionenstadt. Und auch die dänische Rolfö verbrachte nennenswerte Abschnitte ihrer Karriere in Deutschland. Nachdem sie sich 2017 dem FC Bayern München anschloss und 2019 zum VfL Wolfsburg wechselte, zog es auch die 27-Jährige im Sommer aus Niedersachsen an die Costa Brava. Beim Duell der Wolfsburgerinnen gegen Hoffenheim im Februar (1:0) wurde letztere sogar in der Schlussphase eingewechselt. Die TSG ist ihr also ein Begriff.

„Nicht die weiße Fahne hissen“

Die aktuelle Form der Spanierinnen ist schon fast atemberaubend. Von bisher neun Spieltagen konnte man alle gewinnen und führt mit 27 Punkten abgeschlagen die Tabellenspitze an. Und das mit einem Torverhältnis von 54:2. Richtig gelesen, im Schnitt schießen die Frauen in Blau-Rot sechs Tore pro Spiel. Lediglich beim 9:1 gegen Deportivo Alves sowie beim 8:1 gegen Real Sociedad behielt Torhüterin Catalina Coll keine weiße Weste.

Und auch in der Königinnenklasse lässt der FCB bisher nichts anbrennen. Mit 4:1 besiegte man Arsenal – eine der besten Mannschaften weltweit – und auch auswärts gegen HB Køge glückte ein souveräner 2:0-Sieg. Am Mittwoch wird man nun versuchen, die Hinrunde der Gruppenphase im Estadi Johan Cruyff gegen Hoffenheim perfekt zu machen.

Doch TSG-Coach Gallai lässt sich davon nicht aus der Ruhe bringen. „Das Ziel ist, die K.o.-Phase zu erreichen, da sind wir noch im Rennen. Wir haben Arsenal noch zuhause. Wir werden uns vor niemandem verstecken und auch nicht die weiße Fahne hissen.“, wird der 42-Jährige von der dpa zitiert. Denn auch wenn man zuletzt im Pokal nach Elfmeterschießen gegen Leverkusen bitter ausschied, sind die Kraichgauerinnen gut in Form. In der Liga besiegte man Spitzenreiter Wolfsburg mit 2:1, am Sonntag kam ein 5:1-Auswärtssieg bei Carl Zeiss Jena dazu. Und wer weiß, wenn es schon mit dem DFB-Pokal nicht geklappt hat, schreibt am Ende vielleicht ja auch die UEFA Women’s Champions League ihre eigenen Gesetze…

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Jakob ist seit Oktober 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Zudem ist er als freier Mitarbeiter der Sportredaktion der Rhein-Neckar-Zeitung tätig und begleitet als Blinden- und Fanradioreporter die Spiele des SV Sandhausen. Wer tagtäglich seine semi-lustigen Wortspiele und Einfälle verfolgen will, findet ihn auf Twitter unter @deruebeltaeter.

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Jakob Uebel
Jakob ist seit Oktober 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Zudem ist er als freier Mitarbeiter der Sportredaktion der Rhein-Neckar-Zeitung tätig und begleitet als Blinden- und Fanradioreporter die Spiele des SV Sandhausen. Wer tagtäglich seine semi-lustigen Wortspiele und Einfälle verfolgen will, findet ihn auf Twitter unter @deruebeltaeter.

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