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Sportfreund Stiller auf Raum-Temperatur? Die TSG-Neuzugänge im Check

Bis zum Auftakt der neuen Bundesliga-Saison der Herren sind es noch etwa zwei Wochen. Während sich die TSG Hoffenheim schon mitten in der Vorbereitung am Tegernsee befindet, sind bislang drei Neuzugänge zu verzeichnen. Neben der festen Verpflichtung von Hoffenheims verlorenem Sohn Sebastian Rudy, gab der Klub bereits während der vergangenen Spielzeit die Transfers von David Raum (Greuther Fürth) und Angelo Stiller (FC Bayern München II) bekannt. Mit wem haben wir es hier zu tun, wo liegen Stärken & Schwächen und was kann man von ihnen erwarten? Hoffenews stellt die beiden neuen Gesichter vor. Den Anfang macht…

David Raum

23 Jahre alt, 1,80 Meter groß, ein geschätzter Marktwert von 5 Millionen Euro: David Raum. (Foto: imago images)

Die bisherige Karriere

Der in Nürnberg geborene David Raum spielte bereits seit seinem achten Lebensjahr ausgerechnet für den fränkischen Rivalen Greuther Fürth. Nachdem er dort alle Jugendmannschaften durchlief, gehörte er seit 2017 dem Profikader des Zweitligisten an. Seit letztem Jahr war der Linksverteidiger dabei sogar immer gesetzt. Und nein, das sagt sich nicht nur so, David Raum war in der Saison 2020/21 wirklich immer gesetzt. 34 Einsätze in der Liga, drei im DFB-Pokal (alle Partien bis zum Ausscheiden im Achtelfinale) und das jedes Mal von Beginn an. Dabei legte der 23-Jährige 15 Treffer vor – Ligahöchstwert – zudem standen wettbewerbsübergreifend drei Tore auf dem Konto.

Und auch sonst ist diese Spielzeit die mit Abstand erfolgreichste in Raums noch so junger Karriere. Mit seinem Herzensklub Fürth landete er am Ende auf dem zweiten Platz und durfte den Aufstieg in die Bundesliga bejubeln. Im Frühjahr war er zudem Stammspieler bei der U21-EM und holte mit dem deutschen Team im Juni sogar den Titel. Einen knappen Monat später stieg er in den Flieger nach Tokio, wo er Deutschland bei den olympischen Spielen wiederholt vertreten durfte – erneut als Stammspieler. Auch wenn man hier bereits in der Vorrunde ausschied, ist das alles in allem ein mehr als beachtlicher Lebenslauf.

Der nächste Schritt

Doch noch vor dem Aufstieg, vor der EM und vor Olympia traf Raum eine zukunftsweisende Entscheidung: Bereits im Januar dieses Jahres wurde bekannt, dass sich der Linksverteidiger nach Vertragsende ablösefrei der TSG Hoffenheim anschließen würde. Ein wahrer Coup.

Aber warum jetzt? Das ist eine Frage, die David Raum in den letzten Wochen und Monaten zig Mal gestellt wurde. Warum nach 15 Jahren bei Greuther Fürth ausgerechnet dann wechseln, wenn man ohnehin in die Bundesliga gekommen wäre? Raum antwortet in Interviews darauf sehr gelassen. So formulierte er es zum Beispiel im Gespräch mit FUMS Mitte Juli: „Für mich war das der richtige Zeitpunkt, vielleicht sogar der perfekte Zeitpunkt, diesen Schritt zu gehen. Ich habe mich richtig verabschiedet von meinem Verein und konnte mit dieser letzten Saison auch noch etwas zurückgeben.“

Stärken & Schwächen

Raum fungierte bei den Franken im 4-4-2 mit Raute als Allrounder auf Links. War er zunächst noch als Flügelspieler gesetzt, schulte man ihn erst in den vergangenen Spielzeiten zum Linksverteidiger um. Daher sind die meisten von Raums Stärken auch offensiver Natur. Dribbeln, Flanken, Sprinten. Seine bisher gemessene Höchstgeschwindigkeit beträgt 34,57 km/h. Damit ist er der schnellste Spieler seines Klubs und einer der schnellsten der gesamten 2. Bundesliga. Eine gute Ausdauer ist ebenfalls hervorzuheben: In der vergangenen Spielzeit stand der Franke 29 Mal über die gesamte Spieldauer auf dem Platz. Bedingt durch sein sehr Lauf-intensives Spiel, geht ihm dabei nur regelmäßig in der Schlussphase die Luft aus.

Auch bei den olympischen Spielen in Tokio gab David Raum alles. (Foto: imago images)

Und genau dieses offensive und intensive Spiel deckt Raums (zugegebenermaßen wenige) Schwächen auf, wie uns Blindenreporter und Fürth-Experte Philipp Lutz erklärt: „Er war ein gelernter Flügelstürmer und wurde vor einiger Zeit zum Verteidiger umgeschult. Natürlich kann er sehr gut verteidigen, aber wenn er auf richtig gute Gegenspieler trifft, muss er immer aufpassen, sich nicht abkochen zu lassen“. Dies wäre in der Vergangenheit gegen größere Klubs in der 2. Liga bereits aufgefallen. Und auch Statistiken belegen das. Mit nur ca. 1,2 abgefangenen Bällen sowie 1,3 Zweikämpfen pro Partie in der vergangenen Spielzeit, sind Raums Fähigkeiten in puncto Defensivleistung noch am ausbaufähigsten (Quelle: whoscored.com).

David Raum im System Hoeneß

Noch ist es nicht ganz klar, ob sich die neue Nummer 17 der TSG unter Hoeneß in einer Fünfer- oder Viererkette eingliedern muss. Da Raum den Juli bislang überwiegend mit der Nationalelf in Tokio verbracht hat, konnten wir ihn noch bei keinem Testspiel mit seinem neuen Klub beobachten. Obwohl er aus Fürth und der Nationalelf überwiegend Viererketten gewöhnt ist, könnte er sich als tatsächlicher Schienenspieler offensiv sogar noch mehr austoben. Raum ist exakt der Spielertyp, nach dem den die TSG Hoffenheim seit dem Abgang von Nico Schulz 2019 vergeblich sucht. Ähnlich wie die Tottenham-Leihgabe Ryan Sessegnon vergangenes Jahr, muss er mit seinem Offensivdrang nur besonders achtgeben, in der Rückwärtsbewegung schnell wieder auf Position zu sein.

In aktueller Form ist davon auszugehen, dass Raum als Stammspieler in die neue Saison starten wird, zumal ein bevorstehender Abgang von Stafylidis laut kicker-Informationen immer näher rückt. Auch der hochgezogene TSG-Youngster Marco John, der diese Position in der vergangenen Spielzeit zeitweise glänzend besetzte, wird Raum in seiner aktuellen Verfassung wohl kaum gefährlich werden. Zusammenfassend gesagt, ist dieser Wechsel ein nahezu idealer Deal für die Kraichgauer.

Und damit kommen wir zum nächsten Neuen…

Angelo Stiller

20 Jahre alt, 1,83 Meter groß und ein geschätzter Marktwert von 2,5 Millionen Euro: Angelo Stiller. (Foto: Imago images)

Die bisherige Karriere

Bereits im Alter von neun Jahren wechselte der gebürtige Münchner zum FC Bayern und durchlief von da an alle Jugendmannschaften bis zu den Bayern-Amateuren. Dort trainierte er 2019 unter einem gewissen Sebastian Hoeneß, der Stiller in der Rückrunde der Saison 2019/20 zum Spielmacher auf der Sechs installierte. Und das mit Erfolg: Am Ende der Spielzeit wurde das Team Drittliga-Meister. Stiller, der die Hinrunde zunächst noch überwiegend auf der Bank verbrachte, war hinterher einer der absoluten Schlüsselspieler, der entscheidende Qualität und Struktur in die Mannschaft brachte.

Die starke Saison führte dazu, dass gleich mehrere Akteure von Bayern II auch für andere Vereine attraktiv wurden. Neben Hoeneß, der sich bekanntermaßen der TSG Hoffenheim anschloss, verließen auch einige von Stillers Team-Kollegen den Klub. In der darauffolgenden Saison landeten die Amateure auf dem 18. Tabellenplatz und stiegen in die Regionalliga ab. Auch Stiller konnte seine Leistung aus dem Vorjahr nicht wirklich bestätigen. „Das lag aber eher daran, dass die Mannschaft insgesamt deutlich an Niveau verlor“, meint Justin Kraft – freier Autor bei Miasanrot, Focus und n-tv – im Gespräch mit Hoffenews. Zumindest konnte der Mittelfeldspieler in 19 Minuten Champions League und 44 Minuten DFB-Pokal als Einwechselspieler das erste Mal Profi-Luft schnuppern, ehe er seinen Vertrag auslaufen ließ und sich auf den Weg in Richtung Hoffenheim machte.

Still a better lovestory than twilight: Sebastian Hoeneß gemeinsam mit seinem Wunschspieler Stiller in der Meistersaison 2019/20. (Foto: imago images)

Der nächste Schritt

Wie schon die Verpflichtung von David Raum, wurde auch der Transfer von Stiller bereits im Januar dieses Jahres verkündet. Dass die Verbindung zwischen dem Münchner zu seinem Ex-Trainer dabei eine Rolle spielte, versuchte keiner der beiden zu verheimlichen. Dennoch stellte Hoeneß nach der Bekanntgabe klar: „Eine solche Entscheidung sollte immer unabhängig von Personen fallen, aber er hat da schon ein Vertrauen, dass es auch im Sommer so sein wird, wie er sich das vorstellt.“

Neben der TSG Hoffenheim, waren wohl auch weitere Top-Klubs wie beispielsweise Arsenal am Youngster interessiert. Letztendlich könnte die gute Beziehung zwischen der TSG und dem FC Bayern am Ende der ausschlaggebende Punkt für die Verpflichtung gewesen sein. Der Linksfuß selbst begründete seinen Wechsel im Interview mit der Bild-Zeitung wie folgt: „Wenn man sich ansieht, wer es bei Hoffenheim zuletzt gepackt hat, Spieler wie Marco John oder Chris Richards – dann ist das etwas, wo du dir als junger Spieler denkst: Den Weg kann ich auch nehmen, ich kann das packen.“

Stärken & Schwächen

Stiller zeichnet sich vor allem durch seine Spielmacher-Fähigkeiten auf der Sechs aus. Gerade für sein Alter verfügt er über eine bemerkenswerte Übersicht und eine beeindruckende Abgeklärtheit. Sein Aufbau- und Passspiel sowie seine Technik, zählen definitiv zu seinen größten Stärken.

„Seine Schwächen hingegen liegen vor allem in der fehlenden Dynamik“, erklärt uns Kraft. „Stiller ist ein recht träger und langsamer Spieler – wobei sich das langsam hier nicht auf seine Reaktionsschnelligkeit, sondern auf seine Geschwindigkeit auf den Beinen bezieht. Gegen den Ball kann er im Zweikampfverhalten auch noch etwas zulegen.“

Angelo Stiller im System Hoeneß 

Anders als bei Raum, herrscht auf Stillers Position wesentlich mehr Konkurrenz. Hinter Namen wie Florian Grillitsch, Sebastian Rudy, Diadié Samassékou und vielleicht sogar Dennis Geiger, wird sich Stiller zunächst hinten anstellen müssen. Es ist zu erwarten, dass der Ex-Bayer seine ersten Monate bei der TSG als reiner Perspektivspieler verbringen wird.

Hoeneß‘ Dreier- bzw. Fünferkette bestand in der vergangenen Saison häufig aus vier Verteidigern mit einem sehr tief stehenden Sechser (in der Regel Grillitsch). Zum Ende der Rückrunde hin stellte Hoeneß allerdings vermehrt im 4-2-3-1 oder im 4-4-2  auf – ebenso in der laufenden Vorbereitung. Bei den bisher absolvierten Testspielen gegen Heidenheim (17.07.) und Fürth (24.07.) verbrachte Stiller die meiste Zeit gemeinsam mit Rudy auf der Doppel-Sechs. Dabei übernahm er überwiegend die Rolle des tief stehenden, zentralen Sechsers und Rudy die des flexiblen, aus der Reihe ausbrechenden.

Unten zu sehen in der Vorwärtsbewegung gegen Heidenheim: Rudy geht auf einer Höhe mit Bruun Larsen (links) und Beier (rechts) mit, während sich Stiller im freien Zentrum bewegt und im Falle eines abgebrochenen Angriffs dauerhaft anspielbereit wäre.

Hoffenheim im Konter gegen Heidenheim. (Screenshot: YouTube / TSG Hoffenheim)

In der Rückwärtsbewegung – hier zu sehen im Spiel gegen Fürth – ist es erneut Rudy, der zum Unterstützen aus dem Zentrum herausgeht, Stiller hingegen schiebt sich zwischen Vogt und Gacinovic (Laufweg eingezeichnet), um Abzusichern und die vorübergehend aufgelöste Viererkette wieder zu komplettieren.

Hoffenheim in der Rückwärtsbewegung gegen Fürth. (Screenshot: YouTube / TSG Hoffenheim)

In Spielen gegen hochstehende Gegner wäre es also denkbar, Stiller in Kombination mit agileren Sechsern wie Rudy oder Samassékou vor einer Viererkette einzusetzen. Sollte die TSG allerdings gegen konterstarke, schnelle Mannschaften spielen, könnte der neuen Nummer 13 die fehlende Dynamik zum Verhängnis werden.

Zusammenfassend gesagt, ein weiterer, vielversprechender Transfer, dem man aber möglicherweise etwas mehr Zeit geben muss. Die hohen Ansprüche, mit denen Jugendspieler des FC Bayern häufig bei ihren neuen Vereinen konfrontiert werden, sollten in der TSG-Gemeinde schon von vorne rein aus dem Weg geschafft werden. Stiller ist vor allem eine Investition in die Zukunft.

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Jakob ist seit Oktober 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Zudem ist er als freier Mitarbeiter der Sportredaktion der Rhein-Neckar-Zeitung tätig und begleitet als Blinden- und Fanradioreporter die Spiele des SV Sandhausen. Wer tagtäglich seine semi-lustigen Wortspiele und Einfälle verfolgen will, findet ihn auf Twitter unter @deruebeltaeter.

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Jakob Uebel
Jakob ist seit Oktober 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Zudem ist er als freier Mitarbeiter der Sportredaktion der Rhein-Neckar-Zeitung tätig und begleitet als Blinden- und Fanradioreporter die Spiele des SV Sandhausen. Wer tagtäglich seine semi-lustigen Wortspiele und Einfälle verfolgen will, findet ihn auf Twitter unter @deruebeltaeter.

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