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SAP und Rogon planten „zweites Hoffenheim“ in China – TSG dementiert Verbindung

Tomilsav Stipic war zwischen 2016 und 2017 Trainer des chinesischen Drittligisten Nantong Zhiyun. Seine Aufgabe sei es dabei gewesen, in der Provinz Jiangsu ein „zweites Hoffenheim“ aufzubauen. Unterstützt wurde der Deutsch-Kroate von SAP und der Berateragentur Rogon, die beide eine fünfjährige Partnerschaft mit dem Klub eingingen. Die TSG dementiert, mit dem Proejkt in Verbindung gestanden zu haben.

Der Kontakt von Stipic nach Hoffenheim entstand bereits 2015, als die TSG einen Nachfolger für Markus Gisdol suchte. „Ich wurde nach Hoffenheim als einer der Kandidaten eingeladen, der nach Gisdol die Profimannschaft übernehmen sollte. Damals war die Idee, dass Julian Nagelsmann mein Co-Trainer wird“, erklärte der ehemalige Aue-Trainer im Gespräch mit Goal und Spox. Nagelsmann habe das Modell jedoch abgelehnt.

Roger Wittmann als Hauptverantwortlicher und Selim Teber als Co-Trainer

Stattdessen kam man 2016 mit dem Projekt in Nantong auf Stipic zu. Hauptverantwortlich sei dabei Roger Wittmann gewesen, der heute als Geschäftsführer von Rogon unter anderem Stefan Posch, Kostas Stafylidis und Lucas Ribeiro sowie Roberto Firmino vertritt.

Hoffenheim sei dabei von Beginn an das Vorbild gewesen. Stipic sagte dazu: „Mir wurde Selim Teber als Co-Trainer zur Seite gestellt, der fünf [drei, Anm. d. Red.] Jahre lang Kapitän von Hoffenheim war. Man wollte mit ihm als Aushängeschild des Hoffenheimer Fußballs vor Ort eine Bindung zum Verein aufbauen.“

Dietmar Hopp (l.) und Roger Wittmann (r.) im Gespräch (Foto: imago images)

Tomislav Stipic: „Der Plan war, dass in China ein zweites Hoffenheim entstehen sollte“

Er führte aus: „Auch die Geschäftsstelle in Nantong sah exakt so aus wie die in Hoffenheim, die Trikots waren quasi dieselben. Der Plan war, dass in China ein zweites Hoffenheim entstehen und der Klub in fünf Jahren einer der größten Vereine in Asien werden sollte. Die Idee an sich war eigentlich sensationell.“

Der Plan ging jedoch schief. „Den Chinesen ging letztlich alles zu schnell und der deutschen Seite alles zu langsam. Hinzu kamen die kulturellen Unterschiede, die einfach enorm waren. Uns Deutschen hat dafür auch das Fingerspitzengefühl gefühlt, den Chinesen das Verständnis für den Fußball“, erklärte Stipic.

Tomislav Stipic (Foto: imago images)

Unklare Machtverhältnisse und Misstrauen: „Chinesen wollten das Sagen haben“

So seien die Machtverhältnisse im Verein oft unklar gewesen und es habe Meinungsverschiedenheit zwischen den Verantwortlichen gegeben. Der heutige Trainer von Slaven Belupo führte aus: „Es war vereinbart, dass die deutsche Seite das Knowhow mitbringt und die chinesische die Finanzen stemmt. Das war in der Praxis aber nicht der Fall, denn die Chinesen wollten das Sagen haben, wenn sie schon die Kosten tragen.“

Zudem habe es ein großes Misstrauen gegenüber Stipic gegeben, dem sein eigenes Trainerteam verwehrt wurde. So stellte man ihm das zuvor bereits entlassene chinesische Trainerteam an die Seite. „Aufgrund ihres dadurch erlittenen Gesichtsverlustes, der für alle Chinesen eine der größtmöglichen gesellschaftlichen Ächtungen ist, konnten sie kein Vertrauen zu mir aufbauen und haben lediglich Dienst nach Vorschrift gemacht“, erinnerte sich Stipic.

Hoffenheim dementiert Verbindung zu China-Projekt

Nach vier Monaten Vorbereitung und nur einem Spiel als Cheftrainer musste der ehemalige Frankfurter U19-Trainer in Natong gehen. Die Chinesen reaktivierten seinen Vorgänger, der bis 2019 im Amt blieb. Heute spielt der Klub in der zweiten chinesischen Liga. Von einem zweiten Hoffenheim spricht keiner mehr.

In Hoffenheim möchte man von Stipics Geschichte nichts wissen. So dementierte Pressesprecher Holger Kliem, dass Stipic je als Trainer infrage kam. Auch das Projekt in China stünde in keiner Beziehung zur TSG. Auf Twitter erklärte Kliem: „Cheftrainer-Angebot aus Hoffenheim? Aber nicht von der TSG Hoffenheim. Und auch vom Rest der Geschichte ist bei uns keinem etwas bekannt.“

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Louis ist seit August 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Neben seinem Studium schreibt er für die Onlineportale Goal und Spox. Zudem begleitet Louis als Blinden- und Fanradioreporter ehrenamtlich die Spiele des SV Sandhausen.

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Louis Loeser
Louis ist seit August 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Neben seinem Studium schreibt er für die Onlineportale Goal und Spox. Zudem begleitet Louis als Blinden- und Fanradioreporter ehrenamtlich die Spiele des SV Sandhausen.

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