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Quo vadis, TSG-Akademie?

Nur ein Jahr nach seinem Amtsantritt verlässt mit Marcus Mann auch der zweite Leiter die TSG-Akademie und wird Sportchef bei Hannover 96. Er ist nicht der erste hochrangige Mitarbeiter, der das Hoffenheimer Leistungszentrum in diesem Jahr verlässt. Hoffenews erklärt die Hintergründe und blickt auf den aktuellen Zustand der Nachwuchsabteilung.

Schon lange zählt die TSG nicht nur in der Entwicklung von Spielertalenten zur deutschen Spitze. Auch etliche Trainer und Offizielle bahnten sich im Nachwuchsleistungszentrum am Dietmar-Hopp-Stadion ihren Weg in den Profibereich. Julian Nagelsmann, David Wagner, Tayfun Korkut, Domenico Tedesco oder Pellegrino Matarazzo sind dabei nur die prominentesten Beispiele. Ex-Teammanager Timmo Hardung heuerte zuletzt als Leiter der Lizenzspielerabteilung bei Eintracht Frankfurt an, während der ehemalige Scout und Analyst Christopher Vivell bereits seit 2020 als Technischer Direktor bei RaBa Leipzig tätig ist.

Dass die Personalfluktuation dadurch zuweilen hoch war, ist daher nichts Ungewöhnliches. Auf der zentralen Position des Akademieleiters herrschte jedoch noch bis Anfang 2020 Kontinuität. Das änderte sich, als mit Dirk Mack im Januar vergangenen Jahres einer der Erfolgsgaranten des NLZ die TSG nach fünf Jahren in Richtung China verließ, wo ihn beim Erstligisten Shadong Luneng neben einer spannenden sportlichen Herausforderung auch ein fürstliches Gehalt erwartete.

Das wenig harmonische Führungsduo

Im darauffolgenden Sommer wurde das Führungsduo aus Marcus Mann und Dominik Drobisch als Macks Nachfolger vorgestellt. Während der ehemalige Hoffenheimer U23-Spieler Mann aus Saarbrücken kam, war Drobisch bereits seit 2007 in verschiedenen Positionen bei der TSG tätig. Dass man ihm in Hoffenheim die Führung der Akademie nicht alleinverantwortlich zutraute, stieß bei Drobisch sauer auf, wie Hoffenews aus dem Klubumfeld erfuhr.

So übernahm er den administrativen Bereich und zeigte sich unzufrieden über die Entscheidung, ihm Mann für sportliche Aufgaben an die Seite zu stellen. Wenig überraschend folgte entsprechend in diesem Sommer Drobischs Abgang. Bereits im April berichtete der kicker über ein Angebot des VfB Stuttgart. Dort wird der gebürtige Weilheimer ab dem 1. Juli als „Senior Manager Administration/Organisation“ im NLZ tätig sein.

Nachdem die Zusammenarbeit des Führungsduos von Beginn an von wenig Harmonie geprägt war, fiel es Mann zunächst schwer, sich in Hoffenheim zurechtzufinden. So musste er einerseits mit deutlich mehr Mitarbeiter*innen zurechtkommen als noch beim 1. FC Saarbrücken, den er gemeinsam mit Trainer Lukas Kwasniok in die 3. Liga führte. Andererseits war er zuvor als sportlicher Leiter des FCS vor allem im Herrenbereich tätig gewesen und musste sich an das neue Aufgabenfeld gewöhnen. Das Angebot, in Hannover das Amt des Sportdirektors von Gerhard Zuber zu übernehmen, kam daher nicht ungelegen und bot eine attraktive Herausforderung im Profibereich. Trotz laufenden Vertrags bis 2023 erteilte die TSG Mann am Freitag die Freigabe und erhält eine Ablöse, die der kicker und die Bild-Zeitung auf bis zu 500.000 Euro beziffern.

Opfer des eigenen Erfolgs

Weniger ungeplant liefen derweil die Abgänge zweier weiterer Personalien ab. So ließen sowohl U17-Trainer Danny Galm als auch Nachwuchskoordinator Bernd Korzynietz ihre Verträge zum Saisonende auslaufen. Galm bot sich dabei die Chance, als U19-Coach beim FC Bayern den nächsten Karriereschritt zu gehen. Sein Nachfolger in Hoffenheim wird Stephan Lerch, der mit den Frauen des VfL Wolfsburg bis 2020 dreimal in Folge das Double aus Deutscher Meisterschaft und DFB-Pokal feiern konnte. Korzynietz übernimmt derweil nach einvernehmlicher Trennung bei Bayer Leverkusen das Amt des Chefscouts und wird in Hoffenheim vom ehemaligen Bundesliga-Profi Marc Kienle ersetzt.

Auch auf der Spielerseite sorgten im vergangenen Jahr einige Transfers für Aufsehen. So verließen mit Luca Campanile, Kerim Çalhanoğlu (beide Schalke 04), Armindo Sieb, Mamin Sanyang (beide FC Bayern), Amadou Onana (HSV) und Melkamu Frauendorf (FC Liverpool) gleich sechs vielversprechende Talente die TSG. Wie der kicker berichtet, steht derzeit zudem der 15-jährige Stürmer Tom Bischof im Fokus von RaBa Leipzig, Borussia Dortmund und des FC Bayern. Die TSG wird dabei vor allem zum Opfer des eigenen Erfolgs und hat nur begrenzte Möglichkeiten, der finanzstarken Konkurrenz entgegenzutreten. Im Gegenzug einte die Neuzugänge in den höheren Jahrgängen jedoch vor allem ein Merkmal: Ihr Berater.

Verließ die TSG im vergangenen Jahr zum FC Bayern – Armindo Sieb (Foto: FC Bayern München)

Was ist der Plan mit den ROGON-Spielern?

Im Sommer 2020 verpflichtete die TSG neun Spieler für ihre U23 – fünf davon stehen bei der Agentur ROGON unter Vertrag. Mit Hubert Mbuyi-Muamba (PSG), Mathieu Kambala (FC Metz) und Aleksei Carnier (Racing Strasbourg) kommen in diesem Sommer drei weitere ROGON-Klienten aus Frankreich nach Hoffenheim. Welche Perspektive diese Spieler bei den Kraichgauern haben, ist unklar.

Nach Hoffenews-Informationen sind es vor allem Mäzen Dietmar Hopp und Agentur-Chef Roger Wittman, auf deren Initiative die Transfers getätigt wurden. Nur wenige Mitglieder der sportlichen Leitung wurden dabei in die Entscheidungsfindung einbezogen. Ob für die jungen Talente ein klarer Entwicklungsplan besteht, ist zumindest fraglich.

Dies schlug sich zuletzt auch in der Zusammensetzung der U23 nieder. So wirkte die Regionalliga-Mannschaft der TSG in der abgelaufenen Saison wie ein bunter Mix aus Eigengewächsen, ROGON-Spielern und Neuzugängen aus der Regionalliga. Nach der Entlassung des langjährigen Trainers Marco Wildersinn kämpfte das Team unter Kai Herdling, der zuletzt seinen Vertrag bis 2023 verlängerte, lange um den Klassenerhalt, ehe die Reduzierung der Abstiegsplätze die Hoffenheimer acht Spieltage vor Saisonende aufatmen ließ.

 

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Diesmal muss der Schuss sitzen

Manns Nachfolger*in steht nun vor der Aufgabe, diese Baustellen anzugehen und die richtigen Weichen zu stellen, um die TSG auf dem erfolgreichen Weg der Vergangenheit zu halten. Durch die Corona-Pandemie gilt es zudem, den Schaden des verlorenen Jahres, in dem kaum an Nachwuchsfußball zu denken war, zu minimieren.

Wer sicher dieser Herausforderung stellen wird, ist noch unklar. Alexander Rosen betonte jedoch bei Manns Verabschiedung auf der Klubhomepage, dass man bereits „eine konkrete Vorstellung“ habe, die „zeitnah kommuniziert werden“ könne. Wie der kicker berichtet, handelt es sich dabei um Jens Rasiejewski. Der 46-Jährige war bereits zwischen 2011 und 2015 als U17-Trainer in Hoffenheim tätig und arbeitete dabei unter anderem mit Eigengewächsen wie Dennis Geiger, Robin Hack oder Davie Selke zusammen.

Rasiejewski kennt sich also in Hoffenheim aus und sammelte als Leiter des NLZ des VfL Bochum zudem bereits Erfahrungen in leitender Verantwortung. Ob er damit das fehlende Puzzle-Stück sein kann, wird sich zeigen. Eines ist jedoch sicher: Diesmal muss der Schuss sitzen, denn einen erneuten Umbruch nach nur einem Jahr kann sich die TSG-Akademie nicht leisten.

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Louis ist seit August 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Neben seinem Studium schreibt er für die Onlineportale Goal und Spox. Zudem begleitet Louis als Blinden- und Fanradioreporter ehrenamtlich die Spiele des SV Sandhausen.

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Louis Loeser
Louis ist seit August 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Neben seinem Studium schreibt er für die Onlineportale Goal und Spox. Zudem begleitet Louis als Blinden- und Fanradioreporter ehrenamtlich die Spiele des SV Sandhausen.

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