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Nur Verlierer

„So geht es einfach nicht weiter“. Dieser Satz von Hansi Flick auf der Pressekonferenz bezog sich eigentlich nicht auf die sportliche Leistung der TSG Hoffenheim, sondern auf deutlich schlimmere Handlungen, welche die Partie zwischen Tabellenachten Hoffenheim und Spitzenreiter Bayern  München am 24. Spieltag prägten. Eine Partie, bei der im Nachhinein wohl kaum noch jemand das Sportliche bewerten würde. Aus gutem Grund betiteln die Medien die zugehörigen Schlagzeilen zum Klassiker nicht mit „0:6-Machtdemonstration“, oder „Starke Bayern dominieren Hoffenheim“. Viel eher sollten die geschmacklosen Schmähplakate gegen TSG-Mäzen Dietmar Hopp einen dunklen Schatten auf die Begegnung werfen, sodass sich am Ende keiner freuen durfte. Aber wir wollen hier zunächst mal das Fußballerische wiedergeben.

Schon mit dem Anstoß strahlten die Gäste eine immense Offensiv-Power aus. Und so dauert es auch keine 100 Sekunden, ehe es zum ersten Mal klingelte: Thomas Müller setzte sich auf der linken Außenbahn gegen den überforderten Sebastian Rudy durch und fand am langen Pfosten Serge Gnabry. Die ehemalige Leihgabe an die TSG Hoffenheim nahm den Assist technisch anspruchsvoll an und schloss per Volley Richtung Tor. Ob dieses Ding allerdings auch ohne Baumanns Mithilfe – der den Ball abbekam und somit ins eigene Tor abfälschte – geglückt wäre, bleibt fraglich. Den schnellsten Pflichtspiel-Treffer der Münchner in dieser Saison wird zumindest Gnabry zugeschrieben.

Auch das frühe Gegentor ließ Hoffenheim nicht aufwachen, während der Rekordmeister munter weiter nach vorne spielte. Startelf-Debütant Joshua Zirkzee versuchte den Ball nach sieben Minuten im Sechzehner schussbereit zu legen, ehe er mühevoll von Hübner „geklärt“ wurde. Der Abwehrversuch landete jedoch im Rückraum, in welchem Kimmich ungedeckt zum Schuss aus der zweiten Reihe kam und den Ball unhaltbar ins rechte Eck versenkte.

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0:3 nach 15 Minuten

Die TSG hat infolge enorm Schwierigkeiten den eigenen Spielaufbau durchzubringen. Nach zehn Minuten kam Florian Grillitsch erstmals zu einer Art Chance: Der Ex-Bremer verpasste allerdings die Möglichkeit, Skov auf der rechten Seite anzuspielen und sein Distanzschuss prallte direkt am nächstbesten Münchner ab. Die Münchner hingegen behielten die Spielfreude: Ein langer Flugball, welchen Nordtveit eigentlich haben sollte, fand Thomas Müller. Dieser brachte den Ball über Gnabry zu Zirkzee. Der gerade einmal 18-Jährige stand zwar mit dem Rücken zum Tor, hatte allerdings keinerlei Mühen, den Ball nach einer Drehung an Baumann vorbeizuschieben. Damit erzielte der Niederländer mit gerade einmal 26 Minuten Einsatzzeit schon sein drittes Tor für den FCB.

Die Hausherren präsentierten sich auf ganzer Linie beeindruckt: Es waren keinerlei Ideen zu sehen, wie man diese Bayern stoppen könnte. Kein Selbstvertrauen, kein Mut. Die meiste Zeit befanden sich, bis auf Bebou, fast alle Blauen in der eigenen Hälfte. Die erste Konsequenz zog der Coach Alfred Schreuder nach etwa einer halben Stunde. So erteilte er Neuzugang Jacob Bruun Larsen die Höchststrafe, als er bereits in der ersten Hälfte den Platz für den Tor-Debütanten aus Gladbach – Lucas Ribeiro – räumen musste. Dabei fiel der Däne einer Formationsänderung von einem 4-2-3-1 zu einem 4-3-3 mit zwei Achtern zum Opfer.

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Wunsch nach dem Pausenpfiff

Doch auch diese taktische Umstellung brachte nicht den gewünschten Erfolg. Keine Minute später musste Baumann wieder im letzten Moment eingreifen, um Zirkzees nicht Doppelpack zu verhindern. In der 33. Minute setzt sich eben jener zusammen mit dem stark aufspielenden Alphonso Davies wieder deutlich zu einfach gegen Rechtsverteidiger Rudy auf der linken Seite durch und legte Philippe Coutinho durch einen geblockten Schuss das 4:0 auf. Die Kraichgauer sehnten anschließend den Halbzeitpfiff herbei, welcher nach kurzer Nachspielzeit auch erfolgte. Die Gäste mit roten Trikots in der PreZero-Arena gaben lautstark Beifall, bei den restlichen Zuschauern hängen die Köpfe.

Da die Auswärtsfans zum Beginn der zweiten Halbzeit zündelten, verspätete sich der Wiederanpfiff kurz. Schreuder musste jetzt grundlegend umstellen und das tut er auch: Nach 45 Minuten zog er seinen zweiten Wechsel und brachte Stürmer-Star Andrej Kramaric, dessen Comeback nach Verletzung gebührend bejubelt wird, für Linksverteidiger Zuber, der zuvor Gnabry und Co. definitiv nicht in den Griff bekam. Dadurch rückte Skov zurück in die Verteidigung.

Doch trotz der offensiven Wechsel der TSG bestimmte weiterhin nur ein Team die Strafraumaktionen. Müller kam nach Fehlern im Spielaufbau der Hoffenheimer an den Ball und passte den Ball zu Coutinho. Der Brasilianer zog aus knapp elf Metern ab und erzielte nach gerade einmal 61 Sekunden schon seinen Doppelpack und damit das 5:0.

Die Bayern ließen Hoffenheim daraufhin mehr kommen, da diese auch schlichtweg keine Probleme im gegnerischen Strafraum verursachten. Im Gegenteil. Nach 62 Minuten kam der für Boateng gekommenen Tolisso nach einem Konter an den Ball und steckte für den ebenfalls eingewechselten Leon Goretzka durch. Dieser lupfte den Ball locker über Baumann und macht das halbe Dutzend voll. Wie auch nach den anderen fünf Toren war TSG-Keeper Baumann nach dem Gegentor stinksauer. Man kann nur noch von einer Machtdemonstration der Bayern sprechen. Nur vier Minuten später sollte das Spielerische komplett in den Hintergrund rücken…

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Und täglich nervt das Murmeltier

Nachdem der Bayern-Auswärtsblock bereits durch häufiges Zündeln negativ auffiel, eskalierte es nach 66 Minuten: Teile der Bayern-Fans hielten über drei Banner verteilt eine Botschaft gegen Kollektivstrafen des DFB hoch, wobei sie Hopp erneut geschmacklos beleidigten. Nachdem Hansi Flick und Hermann Gerland sowie einige FCB-Spieler die Fans zunächst zum Abhängen überzeugen konnten, das Banner zu entfernen, erschien nur wenige Minuten später erneut ein beleidigendes Plakat im Block, woraufhin die Mannschaften im Pfeifkonzert der restlichen in den Katakomben verschwanden.

Auch der Kern der Hoffenheimer Südkurve verschwand infolge. Kurz zuvor konnte man auch dort ein kleines Banner vorfinden: Die Kraichgauer Fans kritisierten darauf, dass die Bayern-Anhänger bei ihren Bannern gegen Hopp den eigenen Kommerz vergessen würden. Im Runde des Stadions ertönte zudem immer wieder die Forderung „Spiel-ab-bruch!“.

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Richtig gehandelt

Die Mannschaften reagierten bei Wiederanpfiff angemessen und spielten sich den Ball die letzten 14 Minuten nur noch hin und her. Den – wie sie Karl-Heinz Rummenigge bezeichnete – „Chaoten auf der Tribüne“ bot man kein Fußballspiel mehr. Als sich Rummenigge, Kahn, Salihamidzic, sowie Team und Trainer der beiden Mannschaften am Ende versammelt vor der Hoffenheimer Südkurve mit Dietmar Hopp solidarisierten, bekamen auch die friedlichen Fußballfans in Sinsheim noch einen Anlass zum Klatschen. Neben den „Spielabbruch“-Rufen wurde Dietmar Hopp vom Großteil der Arena auch verbal bejubelnd. Einige Münchner Fans distanzieren sich derweil mit „Wir sind Bayern – und ihr nicht!“-Rufen klar von den Spruchbänder-Haltern.

Mit ihren Handlungen sorgten einige Chaoten dafür, den übrigen Zuschauern und den Teams den Spaß am Fußball zu nehmen und den Kantersieg ihres eigenen Klubs zu überschatten. Warum es jetzt notwendig ist, dass der DFB und die DFL eine klare Strategie im Umgang mit solchen Anfeindungen finden, erklärt unser Chefredakteur in unserem Kommentar zur Causa Hopp.

Zudem möchten wir unsere Reichweite dafür nutzen, um ausdrücklich denen danken, welche genau richtig handelten und sich von eben jenen „Chaoten auf der Tribüne“ distanzierten. Ein großes Dankeschön geht an die Spieler und Verantwortlichen von Borussia Mönchengladbach, von Borussia Dortmund, vom SC Freiburg, vom FSV Mainz 05, vom FC Köln und natürlich vom FC Bayern. In den Farben getrennt, in der Sache vereint. Wir distanzieren uns von jeglicher Art von Diskriminierung, Hass und Hetze.

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