Foto: Sebastian Widmann / Getty Images.
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Justin-Time – Hoffenheims Neuzugang im Che-ck

In der vergangenen Woche gab die TSG Hoffenheim die Verpflichtung von Justin Che bekannt. Der 18-jährige US-Amerikaner wechselt für eineinhalb Jahre auf Leihbasis in den Kraichgau. Zudem sicherte sich die TSG eine Kaufoption. Hoffenews hat den Neuzugang genauer unter die Lupe genommen.

US-Talente sind derzeit in aller Munde. Gleich zu Beginn des Jahres rollte ein „Hypetrain“ über die Fußball-Bundesliga. Der FC Augsburg hatte das US-Talent Ricardo Pepi zu seinem Rekordtransfer gemacht. Der 19-Jährige wechselte vom FC Dallas in die „Fuggerstadt“. Für weitaus weniger Aufsehen sorgte dagegen der Transfer seines ehemaligen Teamkollegen Justin Che – auch weil die TSG Hoffenheim als abnehmender Verein kein großes Bohei darum machte.

Kein Hypetrain, kein Francis Bourgeois, kein Fabrizio Romano, kein „Here we go“. Eine schlichte, einfache Vorstellung auf allen Kanälen – und das, obwohl die TSG mehrere europäische Klubs im Rennen um Che ausstach.

Leihe plus Kaufoption zu „hochattraktiven Konditionen“

„Justin ist ein sehr talentierter Spieler, der in der Defensive variabel eingesetzt werden kann und durch seine Schnelligkeit und seine Fertigkeiten am Ball besticht“, beschreibt Alexander Rosen, Direktor Profifußball bei der TSG, den US-Amerikaner.

Die neue Nummer 24: Justin Che (rechts) gemeinsam mit Hoffenheims Direktor Profifußball, Alexander Rosen (Foto: TSG Hoffenheim).

Bis zum übernächsten Sommer dauert die Leihe an. Anschließend haben sich die Kraichgauer laut Rosen eine Kaufoption zu „hochattraktiven Konditionen zum aktuellen Zeitpunkt“ gesichert. Nach Informationen von Sport1 würde die Ablösesumme bei rund zwei Millionen Euro liegen.

Über Texas nach München und zurück

Doch wie und warum ist die TSG überhaupt auf Che aufmerksam geworden? Der 18-Jährige wuchs in Richardson/Texas auf. Er durchlief die Akademie des FC Dallas und dessen Farmteam North Texas SC. Im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres verbrachte Che vier Monate in Deutschland. Der FC Bayern, mit dem der FC Dallas eine Kooperation zur Talentförderung pflegt, verpflichtete den Defensivspieler auf Leihbasis.

Justin Kraft, freier Autor bei miasanrot.de, SPOX, Focus und n-tv, beobachtete seinen Namensvetter zu seiner Zeit in München genau: „Che war sofort einer der Leistungsträger im Team und man hat ihm angemerkt, dass er geradezu etwas unterfordert mit dem Niveau war. Er hat nicht nur bei vielen Fans und Beobachter:innen, sondern auch bei den Verantwortlichen großen Eindruck hinterlassen.“

Ab April kam der Youngster regelmäßig für die U23 des Rekordmeisters zum Einsatz (insgesamt acht Partien). Zwar wollten die Bayern ihn anschließend fest verpflichten, doch wegen des Abstiegs der U23 in die Regionalliga konnte der FCB dem damals 17-Jährigen keine aussichtsreiche Perspektive bieten. Außerdem pochte der FC Dallas darauf, dass Che die Saison in der amerikanischen MLS zu Ende spielt. Die Hinhaltetaktik der beiden Kooperationsvereine wusste die TSG nun für sich zu nutzen.

In der MLS sammelte Che im letzten Jahr weitere 15 Einsätze. Da der FC Dallas früh in der Saison nichts mit den Play-offs zu tun hatte, konnte der Defensivmann befreit aufspielen. Während er in der U23 des FC Bayern vermehrt als Innenverteidiger zum Einsatz kam, agierte Che in Dallas durchweg als Rechtsverteidiger – auch aufgrund einiger Verletzungssorgen auf dieser Position. Der US-Boy steuerte im Verlaufe der Spielzeit drei Torvorlagen bei, darunter ein Assist für Augsburgs Rekordtransfer Pepi.

Vom Offensivspieler zum Defensivallrounder

Zwei Stärken kristallisieren sich sofort heraus: Einerseits ist er das Musterbeispiel eines Defensivallrounders, andererseits verfügt er über einen enormen Drang nach vorne.

Das kommt nicht von ungefähr. „Als ich mit dem Fußball anfing, war ich ein Offensivspieler. Bis zu meinem 15. Lebensjahr habe ich entweder auf dem rechten Flügel oder als Angreifer gespielt“, erzählte Che dem texanischen Fußball-Blog 3rd Degree. Für die Inspiration, Verteidiger zu werden, sorgte schließlich sein Vater: „Er war Innenverteidiger, also war das auch meine zukünftige Rolle.“

Dass der 1,85 Meter große Che mittlerweile auch häufig als Rechtsverteidiger agiert, macht ihm nichts aus. „Ich möchte immer das Beste für mein Team. Für mich geht es nicht darum, was mich auszeichnet, sondern was ich für das Spiel leisten kann, damit meine Mannschaft gewinnt“, erklärt der Youngster seinen uneigennützigen, aber selbstbewussten Charakter.

Ches Spielweise: Dynamisch und mutig

Die von Rosen bereits angedeutete Dynamik könnte gut nach Hoffenheim passen. Mutig wolle man spielen, betonen im Grunde alle TSG-Verantwortlichen gebetsmühlenartig. Ein Attribut, das auch Ches Spielweise sehr gut beschreibt. „Dadurch, dass er als Rechtsverteidiger und als Innenverteidiger spielen kann, ist er auch mutiger im Spiel nach vorn. Seine Stärken sehe ich klar beim Andribbeln und im Aufbau“, schildert Bayern-Experte Justin.

Ähnlich sieht es auch Hoffenheims Trainer Sebastian Hoeneß: „Che hat für einen Abwehrspieler eine gute Kombination aus Dynamik und fußballerischen Elementen. Er kann rechts spielen, aber auch innen auf allen drei Positionen. So gesehen ist er für uns ein spannender Spieler, der hoffentlich sehr schnell eine Alternative darstellt.“

Der Coach hofft darauf, dass sich der Neuzugang schnell akklimatisiert. Weil Pavel Kaderabek auf unbestimmte Zeit ausfällt und Kevin Akpoguma etatmäßig in der Innenverteidigung zu Hause ist, dürfte Che zunächst die besseren Karten auf der „Joker-Position“ als Wingback haben. Beim FC Dallas arbeitete der US-Boy zudem an seiner Flankentechnik und könnte ein gutes Pendant zu David Raum bilden.

Neben all seiner Wucht nach vorne hat Che in der Arbeit gegen den Ball Steigerungsbedarf. „Sein Stellungsspiel und auch sein Zweikampfverhalten sind noch nicht konstant genug. Es wird ihm helfen, dass er jetzt in der Bundesliga regelmäßig auf hohem Niveau gefordert wird“, bleibt Justin jedoch optimistisch.

Eingewöhnungszeit kürzer als gedacht?

Neu gewöhnen muss sich der Hoffnungsträger derweil nicht komplett. Er besitzt auch einen deutschen Pass und hat Großeltern mütterlicherseits in Mannheim.

Che könnte daher auch ein Thema für die deutsche Nationalmannschaft werden. Der 18-Jährige, der für die U20 der USA spielte, wurde zwar schon zwei Mal für das A-Nationalteam der USA berufen, kam dort aber nicht zum Einsatz. Während der aktuellen Länderspielwoche in Nordamerika blieb Che indes im Kraichgau.

Dadurch kann er erst einmal seine neuen Teamkollegen kennenlernen. Sobald Chris Richards von seiner Länderspielreise aus den USA zurückkehrt, erwartet den Neuzugang sogar ein Landsmann und alter Bekannter. Denn auch Richards, derzeit vom FC Bayern an die TSG verliehen, schaffte über den FC Dallas den Sprung in die Bundesliga.

„Wie ein großer Bruder“: Chris Richards (im Bild) und Che stammen aus der Akademie des FC Dallas (Foto: Alexander Scheuber/Getty Images).

„Chris ist wie ein großer Bruder für mich. Jeder junge Spieler aus der Region versucht, denselben Weg zu gehen wie er. Seine Entwicklung gibt mir Hoffnung und Motivation“, betonte Che vor gut einem Jahr im Vereinsinterview mit dem FC Bayern.

Diese Faktoren könnten dem Defensivspezialisten die Eingewöhnungszeit erleichtern.

Bayern könnte Che weiter beobachten

Eine Leistungsexplosion aus der kalten Hose erwartet FCB-Experte Justin jedoch nicht: „Aus meiner Sicht wird Che Zeit brauchen, um sich an das Niveau zu gewöhnen. Ich traue ihm nach oben hin vieles zu, glaube aber auch, dass er seine Grenzen hat. Die Vorsicht der Bayern kommt nicht von ungefähr. Wenn er aber die gleiche Einstellung mitbringt wie Richards, wird er in Hoffenheim Minuten sammeln, da bin ich sicher. Denn auch wenn Talent ein schwer greifbarer Begriff ist, so glaube ich, dass er etwas talentierter ist als sein US-Kollege.“

Gerade deshalb geht der Blogger sogar davon aus, dass der deutsche Rekordmeister in ein paar Jahren erneut auf ihn zukommen könnte. „Hoffenheim und Bayern haben sehr enge Kontakte. Die vielen Transfers in den letzten Jahren belegen das ganz gut. Sollte der Fall eintreten, wird man eine für alle Parteien faire Lösung finden“, glaubt er.

Wechsel zur TSG als logischer Schritt

Nun geht es aber erst einmal vorrangig darum, die ersten Schritte in der Bundesliga zu gehen. Nachdem sich Che schnell auf dem Niveau der MLS etablierte, in einer Liga voller Veteranen, voller Talente und voller Stadien weitere Erfahrungen sammelte, ist der Wechsel in den Kraichgau fast schon eine logische Konsequenz.

„Ich möchte überall so viel wie möglich lernen. Je mehr ich lerne, desto besser ist es für mich, meine Zukunft und meine Position“, fasst Che selbst treffend zusammen.

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