Foto: REINHARD EISENBAUER/AFP via Getty Images
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Joao Klauss: Hoffenheims nächster Joelinton?

Er ist Hoffenheims Rekord-Transfer. Im vergangenen August verließ Joelinton nach einer furiosen Saison Hoffenheim für 45 Millionen Euro in Richtung Newcastle. Seitdem findet der Brasilianer bei den Magpies nicht wirklich in die Spur und hat in 34 Einsätzen nur drei Tore zu verzeichnen.  Doch während sich Joelinton auf der Insel schwertut, sorgt ein Landsmann in der österreichischen Bundesliga für Furore und könnte im Sommer bei der TSG seine Nachfolge antreten. Sein Name: Joao Klauss de Mello.

Als Nachfahre deutscher und italienischer Auswanderer wuchs Klauss in Criciúma, einem Küstenort nahe Porto Alegre, im Süden Brasiliens auf. Seine ersten Schritte bei einem Profiklub ging er ab 2012 bei Gremio, für deren erste Mannschaft der heute 23-Jährige jedoch nie auflief. Stattdessen zog es ihn im Jahr 2017 nach Deutschland, genauer gesagt nach Hoffenheim.

Sucht in Newcastle noch seine Form : Joelinton (Foto: Catherine Ivill/Getty Images)

Klauss in Helsinki: Torjäger, Meister, Spieler des Jahres

Angekommen im Kraichgau, konnte Klauss, ähnlich wie sein Vorgänger Joelinton, nicht sofort Fuß fassen. 24-mal lief der bullige Stürmer für die U23 der TSG in der Regionalliga auf und erzielte dabei fünf Tore. Dann machte sich Klauss Richtung Norden auf. Von März bis Dezember 2018 ging er für HJK Helsinki auf Torjagd und zeigte dabei erstmals, welches Potenzial in ihm steckt.

Mit 24 Toren und sechs Vorlagen in 42 Spielen sicherte sich Klauss in Finnland auf Anhieb die Torjäger-Kanone sowie die Meisterschaft. Zudem kürte der finnische Verband den Rechtsfuß zum Spieler des Jahres. Trotz der herausragenden Saison in Helsinki wollte Klauss jedoch nicht sofort zur TSG zurückkehren. In einem Interview mit der Bild-Zeitung erklärte er damals: „Ich würde mich gerne noch mal anderthalb Jahre ausleihen lassen. Am besten in ein deutschsprachiges Land, auch um die Sprache besser zu lernen.“

So kam es dann auch. Im Januar 2019 wechselte Klauss leihweise zum Linzer ASK, der, wie Vizepräsident Jürgen Werner den Oberösterreichischen Nachrichten verriet, schon lange ein Auge auf den Brasilianer geworfen hatte: „Ich bin ihm rund ein Jahr lang nachgelaufen, bis er sich für uns entschieden hat. Joao hätte zu ganz anderen und viel prominenteren Klubs wechseln können.“

24 Spiele für die Hoffenheimer U23: Joao Klauss (Foto: imago images)

„Ein außergewöhnlicher Tänzer ist er auch nicht“

Dabei war es vor allem Klauss‘ Spielstärke, die den Linzern imponierte. So erklärte der damalige Trainer Oliver Glasner, der mittlerweile beim VfL Wolfsburg unter Vertrag steht: „Wir haben im Herbst gemerkt, dass uns vorne die körperliche Robustheit fehlt. Doch wir wollten keinen typischen Stoßstürmer, sondern einen, der sich an unserem Kombinationsspiel beteiligt.“

Daneben glänzt Klauss vor allem mit Qualitäten, die man nicht sofort mit brasilianischen Stürmern verbinden würde. Mit einer Masse von 84 Kilogramm, verteilt auf 1,90 Meter, überzeugt er mit körperlicher Robustheit und versprüht dabei zunächst nicht das Flair des Joga Bonito.  Und auch neben dem Platz konterkariert Klauss den Stereotypen. So scherzte einst der heutige Wolfsburger Joao Victor: „Mit seinen blonden Haaren sieht er eher aus wie ein Deutscher. Und ein außergewöhnlicher Tänzer ist er auch nicht.“

Mit seinen Fähigkeiten schien Klauss wie gemacht für die Österreichische Bundesliga, doch in seiner ersten Halbserie hatte der Angreifer Anlaufschwierigkeiten. Vor allem das von Glasner geforderte frühe Anlaufen der gegnerischen Verteidiger musste er sich neu aneignen und auch seiner Hauptaufgabe – dem Toreschießen – kam er in seiner Anfangszeit nur sporadisch nach. So standen nach 14 Spielen in der Rückrunde drei Treffer zu Buche.

Hoffenheim wollte Klauss schon 2019 zurückholen

Doch die Linzer waren trotzdem überzeugt von Klauss und nicht nur in Oberösterreich sah man seine Entwicklung positiv. Denn auch im Kraichgau beobachtete man den Offensivmann genau und er gefiel mit dem, was zeigte. So war es keine Überraschung, dass Alexander Rosen nach dem Abgang von Joelinton beim LASK anfragte, ob man die Leihe vorzeitig beenden könne.

Doch daraus wurde nichts, denn der Klub von der Donau hatte noch einiges mit Klauss vor. Nachdem es Trainer Glasner, der den LASK zuvor überraschend auf den zweiten Rang führte, nach Wolfsburg zog, wollte der LASK neu angreifen – mit Klauss als Nachfolger von Torjäger Victor, der ebenfalls zu den Wölfen abwanderte.

Joao Klauss im Zweikampf mit Harry Maguire von Manchester United (Foto: GEORG HOCHMUTH/APA/AFP via Getty Images)

Klauss beim LASK: Alle zwei Spiele ein Tor

Schon damals traute Victor seinem Landsmann eine Schlüsselrolle zu. „Klauss arbeitet sehr hart – ich denke, er kann im Schnitt alle zwei Spiele ein Tor machen!“, sagte der Flügelspieler der Wölfe 2019 der Kronen-Zeitung und sollte damit etwa acht Monate später Recht behalten. Vor der Corona-Zwangspause steht Linz mit drei Punkten Vorsprung auf die sonst übermächtigen Salzburger auf dem ersten Tabellenplatz und Klauss ist mit genau neun Toren in 18 Bundesliga-Einsätzen erfolgreichster Torschütze.

Im kommenden Sommer wird Klauss wohl nach über zwei Jahren im Ausland zur TSG zurückkehren. Seine Vorbilder sind dabei klar: „Ich komme wie Carlos Eduardo von Gremio, bin mit ihm befreundet. Ich habe mitbekommen, dass Hoffenheim für ihn, Luiz Gustavo und Roberto Firmino Sprungbrett war. Dass sie Nationalspieler wurden. Auch Joelinton wird ja bereits in der Selecao gehandelt. Diesen Weg will ich auch gehen.“

Die Parallelen zum Newcastle-Angreifer sind dabei unübersehbar. So verbrachte Joelinton vor seiner Rückkehr nach Hoffenheim ebenfalls zwei Jahre in Österreich und auch in ihrem Spielstil ähneln sich die Angreifer. Ob Klauss in einem Jahr für 45 Millionen Euro in die Premier League wechseln wird, bleibt abzuwarten. Die Voraussetzungen, um es Joelinton gleichzutun, hat er jedenfalls.

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Louis ist seit August 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Neben seinem Studium schreibt er für die Onlineportale Goal und Spox. Zudem begleitet Louis als Blinden- und Fanradioreporter ehrenamtlich die Spiele des SV Sandhausen.

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Louis Loeser
Louis ist seit August 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Neben seinem Studium schreibt er für die Onlineportale Goal und Spox. Zudem begleitet Louis als Blinden- und Fanradioreporter ehrenamtlich die Spiele des SV Sandhausen.

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