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Jahresrückblick (2/2): Stiller und heimlich auf die „interessanten Plätze“

Auch wenn es gefühlt soeben erst begonnen hat, neigt sich das Jahr schon wieder dem Ende entgegen. Auch diesmal bestimmte ein Virus entscheidend unser Leben und das unserer Mitmenschen. Doch dritte und vierte Welle hin oder her, auch abseits der Pandemie hatte das Fußball-Jahr 2021 einiges zu bieten. Wie es der TSG Hoffenheim dabei erging, zeigen wir in unserem Jahresrückblick. Die erste Hälfte haben wir bereits zusammengefasst, hier folgt der zweite Teil.

Juli: EM, Olympia und Vorbereitung mit Fans

Während die Europameisterschaft Anfang Juli ohne die deutsche Nationalelf in die heiße Phase geht, startet in Zuzenhausen die Saisonvorbereitung. Mit dabei sind auch knapp 200 Schaulustige, die dank der fortschreitenden Impfkampagne sowie den sinkenden Corona-Fallzahlen endlich wieder am Trainingszentrum vor Ort sein dürfen. Die anwesenden Fans bekommen dabei mit Angelo Stiller und David Raum erstmals die beiden Neuzugänge zu Gesicht, sechs Akteure verweilen derweil noch bei der EM oder im verlängerten Urlaub.

Nach einer wenig aussagekräftigen 0:1-Niederlage im ersten Testspiel in Heidenheim geht es für den Hoffenheimer Tross ins Trainingslager an den Tegernsee, wo man sich mit Aufsteiger Greuther Fürth 2:2 trennt. Nicht mit von der Partie ist Ex-Fürther Raum, der Deutschland bei den Olympischen Spielen in Japan vertritt. Mit vier Punkten gegen Brasilien, Saudi-Arabien und die Elfenbeinküste muss die deutsche Notelf jedoch bereits in der Gruppenphase die Segel streichen.

Drei Tage nach dem Olympia-Aus finden sich erstmals seit Oktober 2020 in der PreZero Arena wieder zahlende Zuschauer*innen zusammen und sehen bei der Generalprobe für das Pokalspiel bei Viktoria Köln einen souveränen 3:1-Erfolg gegen den französischen Erstligisten Stade Reims. Auf dem Transfermarkt bleibt aus TSG-Sicht hingegen ruhig, einzig die leihweisen Abgänge von Justin Hoogma (Greuther Fürth) und Konstantions Stafylidis (VfL Bochum) werden im Juli vermeldet.

Kurzes Olympia-Abenteuer: Etliche Akteure erteilen Stefan Kuntz für die Reise nach Japan eine Absage, David Raum ist hingegen dabei und muss nach der Gruppenphase schon wieder die Heimreise antreten. (Foto: Francois Nel/Getty Images)

August: Dem Traumstart folgt der Håland-Schock

Der Pokal hat sprichwörtlich seine eigenen Gesetze und eines davon lautet seit 2019: Hoffenheim muss in der ersten Runde mindestens in die Verlängerung. Auch gegen Viktoria Köln hält sich die Elf von Sebastian Hoeneß strikt an diese Devise, macht diesmal aber im Gegensatz zu den Vorjahren noch vor dem Elfmeterschießen den Einzug in die nächste Runde klar (2:3). Beim Bundesliga-Auftakt in Augsburg gibt man sich hingegen weniger Blöße und steht nach dem 4:0-Erfolg zumindest für einen Spieltag auf dem zweiten Tabellenplatz.

Eine Woche später kommt die TSG gegen Conference-League-Teilnehmer Union Berlin vor 8.000 Fans in Sinsheim nicht über ein 2:2 hinaus. Gegen den BVB zeigen die Kraichgauer am nächsten Spieltag eine beherzte Leistung, doch die Dortmunder haben immer noch Erling Håland, der in der Nachspielzeit zum 2:3-Endstand einnetzt und die erstmals wieder zugelassenen Gästefans in Schockstarre versetzt.

Erfreuliche Nachrichten gibt es derweil für David Raum, der seinen einzigartigen Aufstieg fortsetzt. Nach dem Triumph bei der U21-EM im Juni und der Olympia-Teilnahme im Juli folgt Ende August mit der Nominierung für die DFB-Elf durch Neu-Nationaltrainer Hansi Flick die Krönung. Und auch auf dem Transfermarkt gibt es gute Nachrichten: Mit Chris Richards kommt der ersehnte fehlende Innenverteidiger erneut leihweise vom FC Bayern. Der in Ungnade gefallene Ishak Belfodil wechselt zu Hertha BSC, Eigengewächs Maximilian Beier wird nach Hannover ausgeliehen.

Ein Stück Normalität: Nach etwas mehr als zehn Monaten Abstinenz kehren einmal mehr die Fans zurück in die PreZero Arena. (Foto: Matthias Hangst/Getty Images)

September: Enttäuschende Herren, historische Damen

Der 2. September markiert den Beginn der Ära von Hansi Flick in der deutschen Nationalelf. Während er bei seinem Debüt gegen Liechtenstein (2:0) Raum noch 90 Minuten lang auf der Bank sitzen lässt, ist es beim 6:0-Sieg gegen Armenien so weit: Der Neu-Hoffenheimer wird in der 84. Minute für Tilo Kehrer eingewechselt und kann sich damit deutscher Nationalspieler nennen.

In der Bundesliga geht es jedoch weniger erfolgreich weiter. Bei der 0:2-Heimniederlage gegen Mainz zeigt die TSG einen naiven Auftritt und auch das torlose Remis gegen Arminia Bielefeld ist für die anwesenden Zuschauer*innen schwere Kost. Einzig der 3:1-Sieg gegen die bisher ungeschlagenen Wolfsburger in der Folgewoche gibt Anlass zur Hoffnung. Dabei dreht Hoffenheim einen 0:1-Rückstand und Kramaric feiert nach vier Vorlagen endlich auch sein erstes Saisontor.

Historisches gelingt derweil den TSG-Frauen. Die Mannschaft von Gabor Gallai setzte sich bereits im August in der Qualifikation für die Women’s Champions League zunächst gegen Valur Reykjavik (1:0) und AC Mailand (2:0) durch. In den beiden Play-off-Spielen (3:0 / 3:3) lässt man anschließend auch den schwedischen Vertreterinnen vom FC Rosengård keine Chance. Es steht fest: Die Frauen der TSG Hoffenheim spielen erstmals europäisch. In einer echten Hammergruppe treffen sie auf den Vorjahressieger FC Barcelona sowie den englischen Topklub Arsenal WFC und den dänischen Meister HB Køge.

Oktober: Achterbahn auf dem Platz und Farmteams in Brasilien

Im Oktober wechseln sich Sieg und Niederlage ab. Beim VfB Stuttgart lässt die TSG beste Torchancen aus und verliert letztlich mit 1:3, um in der Folgewoche im eigenen Stadion den 1. FC Köln mit 5:0 abzufertigen. Beim FC Bayern (0:4) gibt es hingegen wieder nichts zu holen, woran auch die Abwesenheit des Corona-erkrankten Bayern-Trainers Julian Nagelsmann nichts änderte.

Souverän zeigt man sich hingegen im DFB-Pokal. Zur Halbzeit liegt die TSG bereits mit 2:0 in Führung, ohne selbst ein Tor erzielt zu haben. In der zweiten Hälfte ist die Hoeneß-Elf dann nicht mehr auf Eigentore angewiesen und sichert mit einem 5:1-Heimsieg den Einzug ins Achtelfinale. Auch gegen Hertha BSC folgt kurz darauf ein Heimsieg. Die Berliner kommen dabei zunächst wuchtig aus der Kabine, brechen nach Kramarics überraschender Führung aber komplett ein und verlieren letztlich verdient mit 2:0.

Doch auch neben dem Platz ist im Oktober einiges los. Viereinhalb Stunden vor dem Auswärtsspiel in Stuttgart findet in der PreZero Arena die Mitgliederversammlung statt und Kristian Baumgärtner wird als Nachfolger des verstorbenen Präsidenten Peter Hofmann bestätigt. Dietmar Hopp offenbart zudem seine ambitionierten Zukunftspläne mit der TSG und gibt als Ziel aus, den Klub in der Top sechs der Bundesliga zu etablieren.

Erstmals stellt zudem Hopps Vertrauter und Geschäftsführer der Rechteverwertungsgesellschaft HOBRA, Mariano Maroto López, die Pläne mit dem brasilianischen Barra FC und dem portugiesischen Zweitligisten Académico de Viseu vor. Hopps Unternehmen HOBRA hat in diesem Jahr die Mehrheitsanteile der beiden Klubs erworben und möchte sie nutzen, um ein Netzwerk zur Entwicklung von Jugendtalenten aufzubauen. Bereits im April hatte der kicker erstmals darüber berichtet und auch Verbindungen der Beratungsagentur ROGON zu dem Projekt enthüllt. Vor allem die mögliche Umgehung des Verbots von Transferbeteiligungen Dritter (Third Party Ownership) stieß dabei in der Öffentlichkeit auf große Kritik.

Abzug in der B-Note: Beim 5:0 gegen Köln trifft sogar Stefan Posch und zeigt spätestens beim Jubel, dass es sein erstes Bundesliga-Tor ist. (Foto: Simon Hofmann/Getty Images)

November: Die letzte Niederlage

Der November beginnt mit einem echten Tiefpunkt. Beim Aufsteiger VfL Bochum ist die TSG lange dominant, ohne zwingend zu werden, ehe das Spiel einen verrückten Verlauf nimmt. Erst trifft der eingewechselte Soma Novothny, der zuvor bei der Entstehung im passiven Abseits Kevin Vogt sichtlich irritierte, zur 1:0-Führung der Hausherren. Dann verursacht Grillitsch durch einen Schubser im eigenen Strafraum einen der kuriosesten Elfmeter der Bundesliga-Geschichte, den VfL-Torhüter Manuel Riemann entschlossen über das Tor schießt. Für den passenden Schlussakkord sorgt Milos Patovic, der nach einer missglückten Ecke der Gäste aus 65 Metern den Endstand besorgt.

Die schmerzhafte Niederlage sollte jedoch die letzte im Jahr 2021 bleiben. Nach der Länderspielpause meldet sich Hoffenheim mit einem verdienten 2:0 gegen RaBa Leipzig zurück. Erstmals sind dabei dank der 2G-Regelung wieder Dauerkartenbesitzer*innen in der PreZero Arena, was sie zu diesem Zeitpunkt nicht wissen: Es ist gleichzeitig vorerst das letzte Mal, dass sie auf ihren neuen Stammplätzen sitzen dürfen, denn aufgrund der heranrollenden vierten Welle greifen bald wieder strengere Kontaktbeschränkungen.

Auf den Heimerfolg gegen Leipzig folgt ein Spektakel in Fürth. Nach anfänglichem Rückstand laufen Youngster Georginio Rutter und Ihlas Bebou zur Höchstform auf und erzielen insgesamt fünf Tore. Hinzu kommt ein Eigentor, letztlich steht aus TSG-Sicht ein 6:3 auf der Anzeigetafel.

Dreierpacker: Beim 6:3 in Fürth läuft Ihlas Bebou zur Höchstform auf. (Foto: Alexandra Beier/Getty Images)

Dezember: Hoffenheim Serientäter

Pünktlich zum Jahresende erreichen die Kraichgauer ihr Formhoch und bleiben sechs Spiele infolge ungeschlagen. Gegen Eintracht Frankfurt dreht man erneut einen frühen Rückstand und feiert gegen die Hessen den ersten Sieg seit 2017 (3:2). Im Baden-Duell gegen Freiburg gelingt eine Woche später Richards kurz vor Schluss der Lucky Punch, in der vierten Minute der Nachspielzeit macht er nach einer Ecke den 2:1-Auswärtserfolg klar. Auch in Leverkusen zeigt die TSG Moral und braucht nur drei Minuten, um aus einem Zwei-Tore-Rückstand ein 2:2 zu machen. Munas Dabbur trifft dabei sehenswert per Hacke.

Fast zeitgleich treffen die Frauen im letzten Gruppenspiel der Champions League auf Arsenal. Für ein Weiterkommen bräuchte es aufgrund des 0:4 im Hinspiel mindestens einen Sieg mit fünf Toren Unterschied. Dass für die Sensation gegen das englische Spitzenteam nur zwei Tore fehlen würden – das Spiel endet 4:1 –, hätten dabei wohl selbst die optimistischsten Bebobachter*innen nicht für möglich gehalten. Würdevoll verabschiedet sich die Gallai-Elf aus dem europäischen Wettbewerb und überwintert in der Bundesliga mit einem Punkt Rückstand auf den FC Bayern auf dem zweiten Tabellenplatz.

Die Herren liefern derweil auch gegen die kriselnde Borussia aus Mönchengladbach eine überzeugende Leistung ab, gehen aber aufgrund einer kurzen Phase der Unkonzentriertheit mit einem Rückstand in die Pause. Anschließend scheint das Tor wie zugenagelt. 22 Schüsse gibt die TSG auf das Gehäuse des starken Yann Sommer ab, doch erst ein gelernter Verteidiger (Kevin Akpoguma) trifft in der Nachspielzeit zum überfälligen 1:1.

Durch die Serie katapultiert sich die TSG zum Jahresende noch einmal auf den fünften und damit auf einen „interessanten Platz“, wie Trainer Hoeneß die europäischen Ränge zu nennen pflegt. Manager Alexander Rosen tütet zudem noch zwei Vertragsverlängerungen ein. Torhüter und Vize-Kapitän Oliver Baumann bindet sich vor dem Duell gegen sein Ex-Team aus Freiburg bis 2024 an die Kraichgauer, Angreifer Bebou vor dem letzten Spieltag sogar bis 2026.

Aus 0:2 mach 2:2: Munas Dabbur trifft traumhaft und kennt kein Halten mehr. (Foto: Frederic Scheidemann/Getty Images)

Ihr habt den ersten Teil des Jahresrückblicks noch nicht gelesen? Hier entlang!

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Louis ist seit August 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Neben seinem Studium schreibt er für die Onlineportale Goal und Spox. Zudem begleitet Louis als Blinden- und Fanradioreporter ehrenamtlich die Spiele des SV Sandhausen.

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Louis Loeser
Louis ist seit August 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Neben seinem Studium schreibt er für die Onlineportale Goal und Spox. Zudem begleitet Louis als Blinden- und Fanradioreporter ehrenamtlich die Spiele des SV Sandhausen.

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