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Jahresrückblick (1/2): Nur die Unruhe bewahren!

Auch wenn es gefühlt soeben erst begonnen hat, neigt sich das Jahr schon wieder dem Ende zu. Auch diesmal bestimmte ein Virus entscheidend unser Leben und das unserer Mitmenschen. Doch dritte und vierte Welle hin oder her, auch abseits der Pandemie hatte das Fußball-Jahr 2021 einiges zu bieten. Wie es der TSG Hoffenheim dabei erging, zeigen wir in unserem Jahresrückblick. Los geht es mit der ersten Jahreshälfte.

Januar: Aufm Platz Blamieren, aufm Transfermarkt Brillieren

2021 startet für die auf Rang 12 stehende TSG Hoffenheim mit einem vollgepackten Terminkalender. Durch die Pandemie-geplagte Hinrunde dauert die Winterpause der Bundesliga nur zehn Tage an, ehe die Elf von Sebastian Hoeneß einen Tag nach Neujahr zu Hause gegen den SC Freiburg ranmuss. Bereits zur Pause liegt man 0:3 hinten, am Ende trennt man sich 1:3. Die Stimmung im Kraichgau ist also schon angespannt, als man eine Woche später zum Tabellenschlusslicht nach Schalke reist. Die Königsblauen stehen zu diesem Zeitpunkt abgeschlagen auf dem letzten Platz, haben noch nicht ein Spiel gewinnen können und zählen eine Tordifferenz von -28. Auf einen Sieg wartet man im Pott vergeblich, sollte man gegen Hoffenheim wieder keinen Dreier einfahren, würde man den ewigen Negativ-Rekord von 31 sieglosen Bundesliga-Spielen in Serie von Tasmania Berlin einstellen.

Am Samstag, den 9. Januar, ist es dann so weit. In den pinken Auswärtstrikots läuft die Hoeneß-Elf in der Veltins-Arena auf und startet solide gegen aufgeweckte Schalker. Beide Mannschaften kommen in der ersten Hälfte zu Chancen, kurz vor der Pause bringt Youngster Matthew Hoppe die Hausherren in Führung. Als eben jener Hoppe nach Wiederanpfiff gleich zwei weitere Treffer erzielt und Harit in der Schlussphase auch noch zum 4:0 einschiebt, ist die Hoffenheimer Blamage perfekt. Nach der Partie bekennt sich Sportchef Alexander Rosen bestimmt zu seinem Coach Hoeneß, auch wenn in sämtlichen Fußballmedien nur noch über den Zeitpunkt von dessen Entlassung spekuliert wird.

Bevor die TSG eine Reaktion auf dem Platz zeigt, werden Mitte Januar die ersten Transfers verkündet. Der mit großen Ambitionen angetretene Joao Klauss wird nach einer für ihn enttäuschenden Hinrunde nach Lüttich verliehen, auf Seiten der Zugänge macht der Verein einen wahren Coup offiziell. U21-Nationalspieler und Aushängetalent der 2. Bundesliga David Raum wird sich im Sommer der TSG anschließen. Zur Bekanntgabe ist Raum mit seinem Verein Fürth auf dem besten Weg in die oberste Spielklasse aufzusteigen, während Hoffenheim auf dem 14. Platz nur vier Punkte vom Relegationsplatz entfernt ist. Der Zeitpunkt wirkt für viele – gelinde gesagt – irritierend.

Auch nach einem tristen 0:0 gegen Bielefeld am nächsten Spieltag wird die Lage nicht unbedingt entspannter. Erst als man die Hertha zum eigentlichen Abschluss der Hinrunde mit 3:0 auswärts schlägt, keimt bei den Nordbadenern wieder Hoffnung auf. Prompt wird mit Angelo Stiller von den Bayern-Amateuren die nächste vielversprechende Verstärkung für den Sommer verkündet, am Wochenende darauf glückt gegen Köln gleich der nächste 3:0-Sieg. Gegen die Bayern präsentiert sich Hoffenheim in München frech, muss sich am Ende jedoch deutlich mit 1:4 geschlagen geben.

Beim Chaos-Spiel gleich drei Mal zu sehen: Hoppe schiebt gegen Baumann ein. (Foto: Lars Baron/Getty Images)

Februar: Ausscheiden a la playa

Der Februar beginnt erneut vor allem mit Neuigkeiten auf dem Transfermarkt. Das französische Offensivtalent Georginio Rutter wird von Stade Rennes verpflichtet, Bayern-Verteidiger Chris Richards wird für die Rückrunde ausgeliehen. Der im letzten Jahr glänzende Akademie-Linksaußen Marco John unterschreibt darüber hinaus im Kraichgau seinen ersten Profivertrag. Mit aufgestocktem Kader steht nun der wohl anstrengendste Monat für die Blau-Weißen bevor. Durch das Weiterkommen in der Europa League stehen in drei Wochen sechs Spiele an. Zunächst unterliegt man einer starken Eintracht mit 1:3, in Dortmund liefert man beim umkämpften 2:2 eine starke Leistung ab.

Kurz bevor im Europapokal das Sechzehntelfinale gegen den norwegischen Molde FK ausgetragen werden soll, erreichen die Diskussionen über internationale Spiele während einer weltweiten Pandemie den Höhepunkt. Die Einreisebestimmungen vieler Länder machen Spiele in der Europa sowie Champions League unmöglich, doch anstatt die Partien zu verlegen oder abzusagen, entscheidet sich die UEFA für eine Verlegung der Standorte. In der Königsklasse tritt RB Leipzig gegen Liverpool beispielsweise in Budapest an, was die öffentliche Empörung über diese Sonderbehandlung des Fußballs unüberhörbar werden lässt. Nach neuen Beschlüssen der norwegischen Regierung soll nun auch der Standort von Hoffenheims Duell verlegt werden. Gegen die Skandinavier wird man als deutscher Klub im spanischen Vila-Real spielen. Die Unterstützung beschränkt sich dabei auf Fan-Pappaufsteller des dort heimischen FC Villareal, eine Pointierung der Absurdität solcher Entscheidungen.

Wie in dieser Spielzeit im Europapokal gewöhnlich, kommt die TSG sehr gut ins Spiel und führt bereits zur Pause verdient mit 3:1. Auch nach der Pause dominiert man weiter, mit Pech steht Dabbur bei einem weiteren Treffer im Abseits, keine zehn Minuten später vergibt der Israeli auch noch vom Punkt. In der Folge passiert, was passieren musste: Innerhalb von fünf Minuten kommt Molde auf 3:3 zurück und hält sich damit fürs Rückspiel alles offen. Am Sonntag darauf schießt Hoffenheim die kriselnden Bremer locker mit 4:0 ab und tritt zum Rückspiel zu Hause vielleicht mit einer etwas zu breiten Brust auf.

Der Hoeneß-Elf fällt im letzten Drittel so gut wie nichts ein, eine Hereingabe versandet nach der anderen. Am Ende wird man 50 Flanken zählen. Fünfzig. Wirklich gefährlich wird keine. Molde hingegen stellt sich geschickt an und geht nach 20 Minuten in Führung. Während das Rückspiel auch im zweiten Durchgang nicht ansehnlicher wird, verpassen die Norweger Hoffenheim in der fünften Minute der Nachspielzeit mit dem Tor zum 2:0 den Todesstoß. Am Sonntag darauf dominiert man das formstarke Union Berlin und muss sich dennoch mit einem knappen 1:1 zufrieden geben, die Trainerdiskussion wird zumindest in der Fanszene noch nicht ad acta gelegt.

Fragende Gesichter nach dem Ausscheiden in der Europa League. (Foto: Ronald Wittek – Pool/Getty Images)

März: Leistungsschwankungen und Hopp-Doku

Bereits am ersten März werden mit der Vertragsverlängerung von Christoph Baumgartner bis 2025 gute Neuigkeiten verbreitet. Als man dann auch starke Wolfsburger mit 2:1 schlägt, machen sich erste TSG-Fans Hoffnung auf eine Wende. Doch die Badener bleiben ihrer Linie treu und setzen die Leistungs-Achterbahnfahrt fort: Erst scheitert man im Derby beim VfB Stuttgart mit 0:2, dann verliert man zu Hause gegen Mainz 1:2. Während die Evergiven parallel im ägyptischen Suezkanal feststeckt, steckt die TSG nach wie vor in einem Formtief. Nach den zwei Rückschlägen pausiert die Bundesliga für eine rasche Länderspielpause, die ebenfalls nicht folgenlos bleiben sollte.

Und auch abseits des Platzes kommt Unruhe über Hoffenheim auf. Ende März veröffentlicht das ZDF die Doku „Der Prozess: Wie Dietmar Hopp zur Hassfigur der Ultras wurde“. In dieser werden die Ereignisse vom 29.02.2020, dem Skandal-Spiel samt Spielunterbrechung gegen den FC Bayern, nochmal aufgerollt. Mit verschiedenen Gesprächspartnern untersucht Journalist und Moderator Jochen Breyer den Konflikt der Ultras mit dem Hoffenheim-Mäzen und zeigt auf, wie erwartbar, möglicherweise sogar einstudiert die Ereignisse des Bayernspiels waren. Einige Fans wollen das nicht auf sich sitzen lassen und skandieren in Zuzenhausen erstmals Hopp-kritische Banner. Es werden nicht die letzten in diesem Jahresrückblick sein.

Bilder, die eigentlich in den letzten Jahresrückblick gehören: Die Hopp-Doku des ZDF. (Foto: Screenshot/ZDF)

April: Auf Super League folgt Super-Sieg

Weil sich Andrej Kramaric bei der kroatischen Nationalmannschaft verletzt hat, muss Hoeneß ohne seinen Top-Torjäger nach Augsburg reisen und verliert mit 1:2. Neben zwei einschläfernden 0:0-Duellen gegen Leipzig und Leverkusen, macht im europäischen Fußball nun das nächste Aufreger-Thema die Runde. Zwölf Vereine planen eine von der UEFA losgelöste Super League, die sämtliche europäische Liga-Strukturen ein für alle Mal zum Zerbrechen führen könnte. Neben seinen anderen Trainer-Kollegen der Bundesliga spricht sich auch Sebastian Hoeneß auf Pressekonferenzen im Namen des gesamten Klubs gegen ein solches Vorhaben aus.

In der Bundesliga dreht sein Team ein 1:2 zu Hause gegen Gladbach auf 3:2 und geht mit gutem Gefühl in den Saisonendspurt. Dieser fällt diesmal etwas extravaganter aus, die Deutsche Fußball Liga (DFL) beschließt nämlich recht kurzfristig eine zweistufige Quarantäne für die letzten vier Spieltage. Hoffenheim steht derweil auf dem elften Tabellenplatz und hält acht Punkte Abstand zum Relegationsplatz für die Europa Conference League, neun zum Relegationsplatz für die zweite Bundesliga. Auch die optimistischsten TSG-Verfolger*innen müssen ihre Träume von Europa also langsam ablegen. Gegen Freiburg (1:1) fährt man am letzten April-Wochenende noch einen Punkt ein, auch wenn dabei wieder eine Führung aus der Hand gibt.

Zurückgekommen gegen starke Gladbacher: Jubel nach dem 2:2. (Foto: Matthias Hangst/Getty Images)

Mai: Nüchterner Abschluss und Trainer-Bekenntnis

Vorm ersten Mai-Duell kramen königsblaue Fans bereits wieder Highlights aus Januar heraus. Zum Heimspiel gegen den FC Schalke sind die Gäste zwar schon sicher in die 2. Bundesliga abgestiegen, nach dem 4:0 im Hinspiel machen sich einige Knappen jedoch berechtigte Hoffnungen auf den dritten Sieg in dieser Spielzeit. Zunächst sieht auch alles danach aus, zur Pause führt Schalke mit 2:0 – das Internet tobt. Nach Wiederanpfiff benötigen Kramaric und Akpoguma jedoch keine sechs Minuten um auf 2:2 zu stellen, durch einen nächsten Doppelschlag zehn Minuten später, siegt die TSG am Ende sogar verdient mit 4:2.

Zum Duell in Bielefeld fallen Baumann und Baumgartner verletzt aus, mit Ersatz-Keeper Pentke nimmt man ein nüchternes 1:1 mit nach Hause. Im letzten Spiel der Saison tut man sich gegen befreit spielende Herthaner, die ihren Klassenerhalt erst kurz zuvor festmachen, schwer. Erst in der Nachspielzeit netzt Kramaric zum abschließenden 2:1-Erfolg. Am Ende hat stehen beim Kroaten wettbewerbsübergreifend 25 Treffer auf dem Konto, 20 davon allein in der Bundesliga – ein neuer Rekord bei der TSG.

Hoeneß beschließt seinen harmonischen Saisonabschluss mit 43 Zählern auf dem elften Tabellenplatz. Um neun Punkte und sechs Plätze schlechter als in der Vorsaison, diese Kritik muss sich der 39-Jährige nun häufig anhören. Die Frage um seine Person scheint allerdings geklärt, Rosen betont erneut, dass diese Personalie intern gar nicht zur Diskussion stünde. Die Spielzeit 2020/21 war geplagt von Neuerungen, Corona-Krisen und Verletzungs-Sorgen. Im kommenden Jahr sollen durch bessere Voraussetzungen auch die Ansprüche angepasst werden. Doch jetzt erstmal schnell in den wohl verdienten Sommerurlaub, bevor einige TSGler im Juni mit der Europameisterschaft gleich die nächste große Aufgabe vor der Brust haben.

All seine Vorgänger überholt: Andrej Kramaric. (Foto: Daniel Kopatsch/Getty Images)

Juni: Görlich geht, Rudy kommt

Der Juni startet am Vereinsgelände mit einem Paukenschlag! TSG-Geschäftsführer Dr. Peter Görlich wird mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden, als Nachfolger wird wenige Tage später der Sportpsychologe und Geschäftsführer des TSG Research Lab, Prof. Dr. Jan Mayer, vorgestellt. Als Grund dafür werden „unterschiedliche Vorstellungen über die künftige personelle wie strategische Ausrichtung des Vereins“ genannt, doch auch das Verhältnis von Görlich zu Mäzen Dietmar Hopp hat laut dem kicker eine Rolle gespielt. Görlich soll vor allem als Kritiker der Zusammenarbeit Hopps mit dessen Freund und Kollegen Roger Wittman – Unternehmer und Geschäftsführer der Spielerberater-Agentur ROGON – gegolten haben. Viele verstehen seine Entlassung daher als das Wegschaffen von unliebsamen Kritikern innerhalb des Vereins.

Auch im Juni hängen deshalb wieder Plakate gegen Hopp in Zuzenhausen. Aufschriften wie „Wer den Sonnenkönig kritisiert wird schnellstmöglich aussortiert“ und weitere Görlich-unterstützende Worte sind darauf zu lesen. Der Verein selbst thematisiert den Rauswurf überschaubar. Bis auf eine Pressemitteilung auf der Homepage wird über den Wechsel in der Geschäftsführung nicht berichtet, auch das stößt bei einigen Anhänger*innen sauer auf.

Diese dürfen sich wenigstens mit anderen frohen Botschaften vergnügen. Die Frauen der TSG beenden ihre Saison mit einem 3:1-Erfolg beim MSV Duisburg und sichern sich damit den dritten Platz der FLYERALARM Frauen-Bundesliga. Und das ist nicht nur die beste Platzierung in der Vereinsgeschichte, durch das neue Qualifikations-System der Women’s Champions League können sich die Kraichgauerinnen erstmals Hoffnungen auf den Einzug in die Königinnenklasse machen. Bei den Herren sind die frohen Botschaften im Juni eher personeller Natur. Der erst im Winter verpflichtete Rutter wird nach seinen Leistungen für den Golden Boy – der Auszeichnung für den besten Youngster – nominiert, Defensiv-Talent Melayro Bogarde verlängert darüber hinaus bis 2024.

Verpflichtet wird neben den feststehenden Raum und Stiller noch Vereinslegende Sebastian Rudy vom FC Schalke. Nach vier Jahren Abstinenz bleibt der 31-Jährige nun erstmals wieder fest im Kraichgau und unterschreibt einen Zwei-Jahres-Vertrag. Bei der verschobenen EM kämpfen mit Kramaric (Kroatien), Kaderabek (Tschechien), Posch, Grillitsch sowie Baumgartner (alle Österreich) und Skov (Dänemark) im Sommer gleich sechs Hoffenheimer mit um den Titel. Letzterer schafft es gegen England sogar bis ins Halbfinale. Trotz all der Schwierigkeiten und Wackel-Phasen, blickt man der kommenden Saison in Hoffenheim also positiv entgegen.

Der verlorene Sohn kehrt final zurück: Sebastian Rudy (l.) bei der Transferverkündung mit Alexander Rosen. (Foto: TSG Hoffenheim)

Wie ging es zwischen Juli und Dezember weiter? Hier geht es zum zweiten Teil unseres Jahresrückblicks!

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Jakob ist seit Oktober 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Zudem ist er als freier Mitarbeiter der Sportredaktion der Rhein-Neckar-Zeitung tätig und begleitet als Blinden- und Fanradioreporter die Spiele des SV Sandhausen. Wer tagtäglich seine semi-lustigen Wortspiele und Einfälle verfolgen will, findet ihn auf Twitter unter @deruebeltaeter.

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Jakob Uebel
Jakob ist seit Oktober 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Zudem ist er als freier Mitarbeiter der Sportredaktion der Rhein-Neckar-Zeitung tätig und begleitet als Blinden- und Fanradioreporter die Spiele des SV Sandhausen. Wer tagtäglich seine semi-lustigen Wortspiele und Einfälle verfolgen will, findet ihn auf Twitter unter @deruebeltaeter.

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