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„Ist für TSG-Fans wohl besser, dass keine Auswärtsfans zugelassen sind“ – Gegnerinterview vor dem Duell gegen Eintracht Frankfurt

Nach dem furiosen 4:1-Erfolg gegen den FC Bayern muss die TSG Hoffenheim am kommenden in Frankfurt ran. Vor dem Duell mit der Eintracht haben wir mir Eva Marie Wagner (Twitter: @_laura_stern) gesprochen. Sie verriet uns, wie sich Ex-TSGler Steven Zuber bei der SGE macht, was sie den Frankfurtern für die kommende Saison zutraut und was sie vom kommenden Duell erwartet. Dabei erklärte Sie zudem, welchen Unterschied die Zuschauer im Frankfurter Waldstadion machen können.

Hoffenews: Nachdem es gegen Aufsteiger Arminia Bielefeld nur für ein 1:1 reichte, konnte die Eintracht gegen Hertha BSC zuletzt einen 3:1-Erfolg feiern. Was war in Berlin der Knackpunkt?

Eva Marie Wagner: Die Mannschaft hat von Beginn an wacher und aktiver gewirkt. Sie sind gut in die Zweikämpfe gekommen, haben spielerische Lösungen gesucht und waren aggressiver. Insgesamt war es ein intensives Spiel, aber besonders in der ersten Halbzeit war die Eintracht klar besser. Die Druckphase der Hertha konnte dann gut verteidigt werden und so hat man verdient drei Punkte holen können.

Hoffenews: Welche Schwächen siehst du noch bei der Eintracht?

Eva: Definitiv die rechte Seite. Die Eintracht braucht ein Gegenstück zu Filip Kostic, um ihn zu entlasten und das Spiel weniger ausrechenbar zu machen. Durch den Weggang von Ante Rebic wurde da eine Lücke gerissen, die noch nicht gleichwertig besetzt werden konnte.  Dazu fehlt spätestens nach der Leihe von Goncalo Paciencia ein Stürmer.

Hoffenews: Nach zwei furiosen Jahren in der Europa League geht die SGE wieder ohne Dreifachbelastung in eine Saison. Was ist in dieser Saison für die Eintracht möglich?

Eva: Es waren unglaubliche Jahre und die will niemand missen. Aber in beiden Spielzeiten hat man gesehen, wie viel Kraft und Substanz die Art von Belastung fordert. Das hat man in der Liga deutlich gesehen. Die Saison ist trotzdem sehr schlecht vorherzusehen. Die Mannschaft hat Potential und ich hoffe, sie können es zeigen. Persönlich bin ich immer schon zufrieden, wenn wir nichts mit dem Abstieg zu tun haben. Realistisch ist ein Platz im gesicherten Mittelfeld, alles andere wäre ein Bonus. Und im DFB-Pokal sind wir ja immer für eine Überraschung gut.

Hoffenews: Beim Sieg in Berlin zog sich Filip Kostic einen Teilanriss des Innenbandes zu. Wie sehr schmerzt dieser Ausfall?

Eva: Filip ist ein Grundpfeiler unseres Teams und besonders für die Offensive essenziell. Trotz des frühen Ausfalls konnten die Mannschaft gegen die Hertha überzeugen. Ich bin gespannt, wie die Taktik von Hütter jetzt aussieht. Es kann eine Chance sein, aber niemand verzichtet gerne auf Filip Kostic.

Nach sechs Jahren bei der TSG nach Frankfurt: Steven Zuber (Foto: Maja Hitij/Getty Images)

Hoffenews: Ein möglicher Ersatz für Kostic ist Steven Zuber, der im Sommer im Tausch für Mijat Gancinovic von der TSG nach Frankfurt kam. Wie bewertest du den Deal im Nachhinein?

Eva: Mijat ist ein super Spieler, der den Unterschied machen kann. Seine Leistung ist aber stark schwankend. Steven Zuber konnte hier bisher noch nicht zeigen, was er kann. Jetzt könnte durch die Verletzung von Kostic seine Zeit kommen. Er ist hier offen aufgenommen worden, muss jetzt aber auch Leistung bringen. Er kennt die Liga und gehört zu den erfahreneren Spielern im Kader. Es herrscht also auch eine gewisse Erwartungshaltung, die er aber auch an sich selbst hat. Abschließend kann man den Wechsel also noch nicht bewerten.

Hoffenews: Die Beziehung der SGE-Fans zu Hoffenheim ist nicht gerade die beste. Wie sehr schmerzte es, dass ein Fanliebling wie Gacinovic unbedingt in den Kraichgau wechselte?

Eva: Mijat und die Eintracht haben eine besondere Geschichte. Er wird durch sein Tor im Pokalfinale gegen die Bayern immer einen Platz in der Eintracht Familie haben. Sein Wechselwunsch war verständlich, da er sich hier nicht mehr durchsetzen konnte. Der Wechsel zu Hoffenheim war dann im ersten Moment irritierend, Hoffenheim hat bei den Traditionsvereinen der Liga einen schweren Stand. Dank der sehr unpassenden Ankündigung des Transfers mit einem Tweet der TSG, in dem sein Tor im Pokalfinale benutzt wurde, hat man allerdings die Gemüter hier in Frankfurt nicht beruhigt, im Gegenteil. Also ist es für die Hoffenheimer Fans wohl besser, dass im Moment keine Auswärtsfans zugelassen sind, obwohl sich ja eh immer nur wenige nach Frankfurt getraut haben.

Hoffenews: Neben Zuber holte die Eintracht Mittelstürmer Ragnar Ache (Sparta Rotterdam) und Mittelfeldspieler Ajdin Hrustic (Groningen). Lucas Torró (Osasuna) und Goncalo Paciencia (Schalke) haben derweil den Verein verlassen. Zudem kommt Markus Schubert im Tausch für Frederik Rönnow von Schalke04. Wie gut siehst du den Kader für diese Saison aufgestellt?

Eva: Der Kader hat Qualität, wir konnten Spieler wie Filip Kostic, Martin Hinteregger und Kevin Trapp halten. Dazu kommt die feste Verpflichtung von Andre Silva und einige junge Spieler mit großem Potenzial, wie Ragnar Ache oder auch Aymane Barkok, die aber noch Spielpraxis in der Liga brauchen. Aber es gibt auch Schwachstellen, wie die Stürmerposition. Dazu fehlt ein kreativer Mittelfeldspieler. Es bleibt also spannend.

Im letzten Aufeinandertreffen noch im Zweikampf mit Stefan Posch, diesmal verletzt: Filip Kostic (Foto: Alexander Scheuber/Bongarts/Getty Images)

Hoffenews: Gegen die TSG spielt die Eintracht am Wochenende zum zweiten Mal seit der Corona-Pandemie vor heimischen Zuschauern. Welchen Unterschied kann das für das Team von Adi Hütter machen?

Eva: Die Eintracht gehört definitiv zu den Mannschaften, bei denen die Fans einen signifikanten Unterschied machen können. Das spiegeln die Spieler auch immer wieder zurück. Auch wenn ein paar Tausend nicht mit einem vollen Stadion zu vergleichen ist, ist es doch ein Schritt in Richtung Normalität und kann für das Spiel nur von Vorteil sein.

Hoffenews: Wie reagiert die Frankfurter Fanszene auf die Teilzulassung von Zuschauern?  

Eva: Die aktive Fanszene hat sich in Frankfurt kollektiv gegen die Teilzulassung gestellt, auch wegen dem Fehlen von Stehplätzen und der Einführung von personalisierten Tickets. Wie sie reagieren werden, wenn mehr Zuschauer zu gelassen werden oder Stehplätz nach dem Vorbild von Union Berlin erlaubt werden, bleibt abzuwarten. Das hängt natürlich auch von der Entwicklung der Pandemie ab, aber ich denke ich spreche für alle Fußballfans, wenn ich sage, dass wir uns so schnell wie möglich wieder volle Stadien wünschen.

Hoffenews: Der letzte Sieg der TSG gegen Frankfurt ist mittlerweile drei Jahre her. Seitdem gab es zwei Remis und vier Siege der SGE. Was erwartest du am Samstag für ein Spiel?

Eva: Die TSG hat nach dem Sieg gegen die Bayern Aufwind, doch die Eintracht hat nach dem fulminanten 5:1 Sieg gegen die Bayerin in der letzten Saison auch gezeigt, dass ein solcher Sieg auch negative Effekte haben kann. Spiele gegen Hoffenheim sind immer umkämpft, da wird da Spiel am Samstag sicher keinen Unterschied machen. Mit Kramaric hat die TSG einen extrem torgefährlichen Spieler in ihren Reihen, auf den sicher zu achten sein wird. Doch ich denke die Abwehr der Eintracht ist gewarnt. Ich hoffe also auf ein offenes Spiel.

Hoffenews: Bereits am Sonntag war die TSG in Frankfurt zu Gast. Da waren es jedoch die Hoffenheimer Frauen, die einen Punkt nach ein torloses Remis entführten. Was ist dein Tipp für das Duell der Herren-Mannschaften?

Eva: Ich tippe aus Prinzip nicht gegen meine Mannschaft, daher tippe ich auf einen 3:1 Sieg für die Eintracht.

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Louis ist seit August 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Neben seinem Studium schreibt er für die Onlineportale Goal und Spox. Zudem begleitet Louis als Blinden- und Fanradioreporter ehrenamtlich die Spiele des SV Sandhausen.

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Louis Loeser
Louis ist seit August 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Neben seinem Studium schreibt er für die Onlineportale Goal und Spox. Zudem begleitet Louis als Blinden- und Fanradioreporter ehrenamtlich die Spiele des SV Sandhausen.

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