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AktuellesVorbericht

Im Südwesten viel Neues

Die Vorschau zur Saison 2019/20

Nach dem enttäuschenden neunten Platz in der abgelaufenen Saison erlebte die TSG in diesem Sommer einen der größten Umbrüche ihrer Historie. Dabei steht der Trainerwechsel von Julian Nagelsmann auf Alfred Schreuder über allem. Doch auch die Abgänge von gleich vier Leistungsträgern treffen die Kraichgauer hart. Vor dem Saisonstart am Sonntag möchten wir die Mannschaft, den Trainer und sein neues Spielsystem genauer unter die Lupe nehmen.

Das Personalkarussell

Die TSG ist es gewohnt, Stammkräfte abgeben zu müssen, aber die aktuelle Transferperiode stellt alles bisher Dagewesene in den Schatten: Die Abgänge von Nadiem Amiri, Joelinton, Kerem Demirbay und Nico Schulz bescherten Hoffenheim die profitabelste Transferperiode aller Zeiten. Dabei schmerzt der Verlust der vier Hochbegabten aus vielerlei Hinsicht. So verliert die TSG in Amiri ein wichtige Identifikationsfigur und ein Eigengewächs, das bereits seit der U17 für die Kraichgauer kickte. Demirbay stellte zuletzt gemeinsam mit Florian Grillitsch das Herz des Hoffenheimer Spiels dar und Nico Schulz schien als Flügelflitzer auf der linken Seite wie geschaffen für das System Julian Nagelsmanns. Mit Rekordtransfer Joelinton verlässt zudem ein Stürmertyp den Klub, den es so kaum zu finden gibt. Die Entschädigung in Höhe von 146,5 Millionen Euro wurde in großen Teilen auf das Festgeldkonto der TSG eingezahlt. Nur etwa 30 Millionen Euro reinvestierte Alexander Rosen in Neuzugänge, die jedoch allesamt äußerst vielversprechend daherkommen – unter ihnen auch ein alter Bekannter.

AbgängeZugänge
Joelinton, ST (Newcastle), 44 Mio € + BoniDiadie Samassékou, DM (Salzburg), 12 Mio €
Kerem Demirbay, ZM (Leverkusen), 32 Mio €Robert Skov, RA (Kopenhagen), 10 Mio €
Nico Schulz, LV (Dortmund), 25 Mio €Ihlas Bebou, RA (Hannover), 8,5 Mio €
Nadiem Amiri, ZM (Leverkusen), 10 Mio € Sargis Adamyan, LA (Regensburg), 1,5 Mio €
Antonio Colak, MS (Rijeka), 850.000 € Konstantinos Stafylidis, LV (Augsburg), ablösefrei
Robin Hack, LA (Nürnberg), 500.000 € Philipp Pentke, TW (Regensburg), ablösefrei
Reiss Nelson, LA (Arsenal), Leihende Sebastian Rudy, DM (Schalke), Leihe
Gregor Kobel, TW (Stuttgart), Leihe Kevin Akpoguma, IV (Hannover), Leihende
Justin Hoogma, IV (Utrecht), Leihe Vincenzo Grifo, LA (Freiburg), Leihende
Kasim Adams, IV (Düsseldorf), Leihe Steven Zuber, LM (Stuttgart), Leihende
Alfons Amade, ZM (Braunschweig), Leihe Robert Zulj, OM (Union Berlin), Leihende
David Otto, MS (Heidenheim), Leihe Håvard Nordtveit, DM (Fulham), Leihende
Felipe Pires, LA (Fortaleza), LeihePhilipp Ochs, LA (Aalborg), Leihende
+146,5 Mio €-32,86 Mio €
Saldo: 111,85 Mio €

Sebastian Rudy: Der verlorene Sohn kehrt zurück

Die Rückkehr von Sebastian Rudy kam für viele überraschend, ist bei genauerem Hinsehen jedoch nur die logische Folge zweier gescheiterter Anläufe in München und auf Schalke. „Schalke – das war nicht ich“, resümierte der Schwabe bei seiner Ankunft in Zuzenhausen, obwohl er zunächst von den Knappen nur verliehen wurde. Während der Mittelfeldstratege zuletzt nicht in seiner Lieblingsrolle eingesetzt wurde und so nie an seine Leistungen in Hoffenheim herankam, darf er im System Schreuders nun wieder das machen, was er am besten kann. Im zentralen Mittelfeld soll Rudy gemeinsam mit Florian Grillitsch die Schaltzentrale bilden und kann dabei endlich wieder seine Stärken ausleben. Nach den Abgängen von Amiri und Demirbay ist Rudy genau der Spieler, der im Mittelfeld der TSG fehlte. Für viele Fans geht mit seinem Comeback ein Traum in Erfüllung. Die Rückkehr des verlorenen Sohnes ist zunächst eine Rückkehr auf Zeit, jedoch verfügt die TSG laut dem kicker über eine Kaufoption in Höhe von rund fünf Millionen Euro für den 29-Jährigen.

Diadie Samassékou: Der Rekordmann, der die TSG dem BVB vorzog

Die zweite Verstärkung für das geschwächte Mittelfeld der TSG hat es in sich. Diadie Samassékou kommt vom österreichischen Serienmeister und Brauseklub Salzburg und machte in diesem Sommer Top-Teams aus ganz Europa auf sich aufmerksam. Hoffenheim soll in dem Poker um den 23-Jährigen unter anderem Borussia Dortmund ausgestochen haben. Mit kolportierten zwölf Millionen Euro ist der Mittelfeldspieler der neue Rekordtransfer der TSG und scheint dabei jeden Cent wert zu sein. Samassékou soll künftig vor allem die Defensive der Kraichgauer stabilisieren und folgte eigenen Angaben zufolge „Hoffenheims Ruf, Talente zu fördern, zu stärken und weiterzuentwickeln“ in den Kraichgau. Der malische Nationalspieler ist eines der größten Versprechen in diesem Jahr und könnte, wenn er wie erwartet einschlägt, eines Tages nicht nur der Rekordeinkauf, sondern auch der Rekordverkauf der TSG werden.

Robert Skov: Eine linke Klebe wie Lukas Podolski

Einer der vielversprechendsten Sommertransfers Hoffenheims kam aus dem nichts und sagt den meisten Fans zunächst eher wenig. Robert Skov (Aussprache laut Mike Diehl: Sko) ist auf dem rechten offensiven Flügel beheimatet und zieht von dort aus gerne ins Zentrum. Damit ist er genau der Spielertyp, der Hoffenheim in Schreuders bevorzugtem 3-4-3 als Außenstürmer fehlte. In seiner Heimat glänzte der Däne vor allem mit brandgefährlichen Distanzschüssen. Skov erzielte in der Superligaen für Kopenhagen ganze 16 Tore von außerhalb des Strafraums – mehr als jedes Bundesliga-Team! Mit 30 Toren und 10 Vorlagen in 34 Ligaspielen war er zudem dänischer Toptorschütze und -Scorer. Trainer Ståle Solbakken verglich Skovs linken Fuß sogar einst mit dem seines ehemaligen Kölner Schützlings Lukas Podolski.

Ihlas Bebou und Sargis Adamyan: Mehr Tempo für Hoffes Offensive

Zu Skov gesellen sich gleich zwei weitere Offensivneuzugänge, die bereits zum Ende der vergangenen Saison feststanden. So bringt Ihlas Bebou ein Element in das Hoffenheimer Spiel, das zuletzt häufiger fehlte. Der Ex-Hannoveraner ist enorm temporeich und glänzt vor allem mit Läufen in die Tiefe. Daneben könnte er die Chancenverwertung des Kraichgauer Angriffs ankurbeln. Mit Sargis Adamyan kommt zudem ein vielversprechender Spieler, der in Regensburg vor allem mit Tempo und Technik punktete – zwei Qualitäten, die zuletzt Reiss Nelson als Leihspieler beitragen sollte, was ihm aber nur zu Saisonbeginn gelang. Er ist zunächst als Joker eingeplant, kann in dieser Rolle aber als Eins-gegen-Eins-Spieler den Unterschied ausmachen.

Konstantinos Stafylidis: Ein griechischer Arbeiter für die Linke Seite

Konstantinos Stafylidis hat von den Neuzugängen derweil eine der größten Aufgaben vor sich. Er muss die großen Fußstapfen des abgewanderten Nationalspielers Nico Schulz füllen. Dabei ist der Grieche jedoch keine schlechte Kopie des Neu-Dortmunders. Stafylidis füllt die Linksverteidigerposition deutlich defensiver als sein Vorgänger aus. Dadurch könnten die klassischen Hoffenheimer Diagonalbälle und Grundlinienläufe auf Links an Bedeutung verlieren, jedoch könnte im Gegenzug die zuletzt vernachlässigte Defensive stabilisiert werden. Indes hat Stafylidis mit Steven Zuber einen starken Konkurrenten, gegen den es sich vorerst durchzusetzen gilt.

Steven Zuber und Vincenzo Grifo: Die Profiteure des Trainerwechsels

Mit besagtem Zuber, sowie mit Vincenzo Grifo kehren gleich zwei Spieler von einer Rückrundenleihe zurück, die das Zeug zum Stammspieler haben. Während die beiden im System Nagelsmanns keinen Platz fanden, könnte ihnen der Trainerwechsel zu Schreuder neue Türen öffnen. Nicht nur bekommen sie unter dem Niederländer eine neue Chance, sich zu beweisen, Schreuders Spielweise kommt den beiden auch deutlich mehr entgegen. Vor allem Grifo, der im zentralen Mittelfeld unter dem Neu-Leipziger zumeist falsch aufgehoben schien, kann endlich auf seiner favorisierten Flügelposition spielen, die ihn in Freiburg so stark machte und die er auch in der Squadra Azzurra bereits häufiger bekleidetet.

Weitere Abgänge folgen: Rosen formt seine Leihspieler-Armee

Trotz hochkarätiger Abgänge ist die TSG also auch für die kommende Saison gut aufgestellt. Das Team scheint ausbalanciert und auf einem durchwegs hohen Niveau zu sein. Lediglich die enorme Breite des Kaders könnte zu einem Luxusproblem werden. Aktuell verfehlt der Kader der TSG die von Alexander Rosen ausgegebene optimale Größe von 25 Spielern um ganze fünf. Während Rekordmeister Bayern München also weiterhin vergeblich versucht, Spieler zu verpflichten, muss man im Nordbaden vor allem Spieler abgeben, bevor am 2. September das deutsche Transferfenster schließt. Als mögliche Abgänge kommen vor allem die Rückkehrer Philipp Ochs (zuletzt Aalborg), Håvard Nordtveit (Fulham) und Robert Zulj (Union Berlin) infrage. Zuvor wurde der Kader bereits mit erneuten Ausleihen von Justin Hoogma (Utrecht), Gregor Kobel (Augsburg), Kasim Adams (Düsseldorf), David Otto (Heidenheim) und Alfons Amade (Braunschweig) geschrumpft. Rosens traditionelle Leihspieler-Armee der letzten Jahre scheint also auch in diesem Jahr weiter bestand zu haben und wird wohl noch weiter wachsen.

Das System Schreuder

Bereits vor mehr als einem Jahr stand der Abgang von Julian Nagelsmann fest und die Suche nach einem Nachfolger für Hoffenheims erfolgreichsten Trainer zog sich bis in den März. Als mögliche Kandidaten wurden lange der neue Schalke-Trainer David Wagner und Neu-Gladbacher Marco Rose gehandelt. Dass mit Alfred Schreuder letztendlich ein alter Bekannter das Traineramt im Kraichgau übernehmen würde, ahnten nur Wenige. Selbst einige Spieler schienen zunächst – durchaus positiv – überrascht von der Verpflichtung des ehemaligen Nagelsmann-Assistenten. Die Co-Trainer-Qualitäten des Niederländers sind nach erfolgreichen Jahren bei der TSG und beim niederländischen Double-Sieger Ajax unbestritten. Wie Schreuder als Cheftrainer tickt, ist hingegen selbst für niederländischen Experten eine Unbekannte. Gerade einmal ein Jahr arbeitete der 46-Jährige als Trainer in Herenveen und blieb wegen interner Probleme im Verein eher erfolglos. So kam die Philosophie des Trainers Schreuder nie wirklich zum Vorschein. Lediglich die Vorbereitung mit der TSG liefern erste Indizien, wofür der gebürtiger Barnevelder wirklich steht.

Die Grundprinzipien bleiben die gleichen

Einige Dinge haben sich bei der TSG seit Schreuders Ankunft verändert, doch eines bleibt gleich und steht weiter über allem: Hoffenheim soll für attraktiven Offensiv- und Ballbesitzfußball stehen. Der Niederländer erwartet dabei weiterhin ein gepflegtes Positionsspiel, in der Defensive soll das Team bereits früh den Gegner unter Druck setzten und nach Ballverlusten schnell den Ball zurückerobern (Stichwort Gegenpressing). Auch das Umschaltspiel nach Ballgewinnen ist ein wichtiger Faktor. Am fußballerischen Anspruch ändert sich also nichts. Die Neuerungen liegen im Detail.

Die Grundordnung

Beim Thema Grundordnung hält es Schreuder wie Jahrhunderttrainer Pep Guardiola: Egal ob 4-3-3 oder 4-4-2 – Das sind alles „nur Telefonnummern“. Obwohl Schreuder also nicht in solchen Kategorien denkt, kristallisierten sich bereits während der Vorbereitung zwei Formationen als klare Favoriten des früheren Mittelfeldspielers heraus: Während die TSG unter Nagelsmann zumeist auf ein 3-5-2/5-3-2 mit einem Sechser, zwei Achtern und zwei klassischen Mittelstürmern zurückgriff, setzt der Niederländer nun vor allem auf ein 3-4-3 mit zwei Sechsern und erstmals zwei klassischen Flügelstürmern. Neben dem 3-4-3 experimentierte Schreuder außerdem mit einem 3-4-1-2, bei dem die beiden Spitzen so weit auseinander stehen, dass es ohne Mittelstürmer auskommt. In diesem System, das unter anderem im Pokalspiel gegen Würzburg zum Einsatz kam, bildet das Mittelfeld-Dreieck aus Grillitsch, Rudy und Geiger das Herz der Aufstellung. Als dritte Wahl studierte Schreuder zudem das klassische 4-3-3 ein, das in der niederländischen Trainerschule bereits seit den Zeiten des Begründers des Voetbal Totaal, Johan Cruyff, nicht mehr wegzudenken ist.

Die Renaissance der Flügelspieler

Bei all diesen Formationen sticht eine Neuerung ins Auge: Die Flügelstürmer sind zurück. In der niederländischen Fußball-DNA sind sie fester Bestandteil und auch bei Guardiola waren und sind Flügelspieler wichtiger Teil des Systems. Zuletzt verschwanden Spielertypen wie Arjen Robben und Franck Ribéry jedoch immer mehr von der Bildfläche. So verzichtete auch Nagelsmann auf klassische Flügelflitzer und setzte stattdessen selbst im 3-4-3 und im 4-3-3 auf Mittelstürmer wie Joelinton, Kramaric und Belfodil auf den Außen. Schreuder stellt nun hingegen typische inverse Flügelspieler auf, die immer wieder Robben‘esque den Weg von Außen in die Mitte suchen sollen. Dadurch könnten vor allem Abschlüsse aus der Distanz zu einer Waffe werden. Mit Skov, Bebou und Adamyan verpflichtete Hoffe gleich drei Spieler die für diese Aufgabe perfekt geeignet sind. Zudem kehrt mit Vincenzo Grifo ein weiterer Spieler zur TSG zurück, für den diese Rolle wie gemalt scheint.

Mehr Raum für Freigeister

Im letzten Spielfelddrittel bietet Schreuder seinen Spielern viele Freiheiten. So möchte er, ähnlich wie Nagelsmann, den Spielern einen Rahmen schaffen, in dem sie sich frei bewegen sollen. Vor allem Dribbler wie Kramaric, Grifo oder Belfodil sollen in ihrer Kreativität nicht beschnitten werden. Einstudierte Passkombinationen erachtet Schreuder deshalb eher als einengend. Der Spielaufbau soll derweil weiterhin geordnet aus der Dreierkette heraus geschehen. Dabei hat Kevin Vogt erneut die „Quarterback-Rolle“ inne. Im Zentrum hat man mit Grillitsch, Rudy und Geiger zudem spielstarke Ballverteiler, die große Sicherheit ausstrahlen und die Spielverlagerung in die Hand nehmen sollen. Ein neues Element betrifft hingegen vor allem die beiden äußeren Innenverteidiger. So sind der rechte und der linke Part der Dreierkette dazu angehalten – ähnlich wie Mats Hummels zuletzt beim FC Bayern – bis an den gegnerischen Strafraum vorzurücken, wenn sich die Gelegenheit bietet. Zur Absicherung muss sich gleichzeitig einer der beiden Sechser fallen lassen. Damit sorgt man sowohl für einen Überraschungsmoment, als auch für Überzahlsituationen.

Die Defensive stabilisieren

Nachdem es der TSG in der abgelaufenen Saison besonders schwerfiel, Führungen über die Zeit zu bringen und sie defensiv häufiger instabil wirkte, legt Schreuder ein großes Augemerk auf defensive Stabilität. So forciert er eine diszipliniertere, etwas pragmatischere Spielweise bei gegnerischem Ballbesitz. Demnach möchte Hoffenheim die Gegner weiterhin früh unter Druck setzen, Schreuder verschiebt dabei die Pressinglinie jedoch zeitweise fünf bis zehn Meter weiter nach hinten. Durch den favorisierten Dreiersturm ist es zudem möglich, im Aufbauspiel der gegnerischen Mannschaft Seitenverlagerungen zu unterbinden und so bereits früh Druck aufzubauen. Die defensiven Mittelfeldspieler haben währenddessen die Aufgabe, in der Zentrale bei gegnerischem Ballbesitz gefährliche Halbräume abzudecken und Löcher zu stopfen. Vor allem die Verpflichtung von Samassékou ist dafür ein wichtiges Puzzlestück. Dadurch, dass Grillitsch nicht mehr allein vor der Abwehrkette agiert, ist die TSG besser gegen Konter abgesichert, büßt aber bei eigenem Ballbesitz an Tiefe ein. Nach Ballverlusten treiben die Sechser zudem das Gegenpressing an, das unter Schreuder wieder besser funktionieren soll. In der vorletzten Saison von Nagelsmann nahezu perfektioniert, zeigte es zuletzt starke Nachlässigkeiten auf: Hoffenheim war zu nachlässig nach Ballverlusten. Dabei war es meistens nur ein Sekundenbruchteil, in dem die Spieler statt nachzusetzen noch mit ihrem Ballverlust haderten – Konzentration heißt das Zauberwort. Schreuder möchte dem nicht nur mit einer besseren Absicherung, sondern auch mit Disziplin entgegenwirken. Der Trainer paart seinen modernen Ansatz mit Elementen aus der alten Trainerschule. So lässt er die Nachwuchsspieler beim Aufbau der Spielformen und beim Tragen der Tore helfen. Außerdem sprach er im Speisesaal in Windischgarsten ein striktes Handyverbot aus. Was zunächst aus der Zeit gefallen und für das moderne Hoffenheim unpassend scheint, zeigte bisher Wirkung: Die Mannschaft wirkt disziplinierter und im Training scheint mehr Zug zu sein. Auch das Gegenpressing sah in den Testspielen deutlich engagierte aus. So ließ man Hellas Verona im Trainingslager in Österreich kaum Luft zu Atmen. Nach Ballverlusten folgte sofort die Rückeroberung und häufiger auch eine gefährliche Umschaltsituation.

Saisonauftakt: Jeder Anfang ist schwer

Bereits zu Saisonbeginn steht die Mannschaft von Alfred Schreuder vor einem Härtetest: Von der ersten sieben Gegner standen gleich sechs in der abgelaufenen Spielzeit vor der TSG. Dadurch könnte bereits der Auftakt für Schreuder zu einem Knackpunkt werden. Im Pokalspiel gegen Würzburg zeigte man über 65 Minuten eine ordentliche Leistung bis man nach der 2:0-Führung das Spielen einstellte und sich nach zwei verspielten Führungen erst im Elfmeterschießen in die nächste Runde zitterte. Vergleichbares darf der TSG zu Saisonbeginn nicht passieren. Gleichzeitig bringt das schwierige Auftaktprogramm der TSG auch etwas Gutes mit sich: Mit einem schwächeren Abschlussprogramm könnte sich die TSG zum Saisonende erneut in einen Rausch spielen, wie es in den vergangenen zwei Jahren der Fall war – auch wenn es in der abgelaufenen Spielzeit nicht mehr für das internationale Geschäft reichte.

Die ersten zehn Spiele in der Übersicht:   

  1. Frankfurt (A)
  2. Bremen (H)
  3. Leverkusen (A)
  4. Freiburg (H)
  5. Wolfsburg (A)
  6. Gladbach (H)
  7. Bayern (A)
  8. Schalke (H)
  9. Hertha (A)
  10. Paderborn (H)

Wundertüte Hoffenheim

Der erste Spieltag hat noch gar nicht begonnen, doch für viele so genannte Experten ist die TSG bereits jetzt Kandidat Nummer eins für die größte Enttäuschung der Saison. Ob diesen Prognosen nur Unwissenheit oder doch schlichte Ignoranz innewohnt, ist schwer zu beurteilen, aber eines muss man diesen Pessimisten zugutehalten: Auch nach intensiver Beschäftigung mit dem Kader und der Spielidee von Alfred Schreuder bietet die TSG noch einige Fragezeichen: Schlagen die Neuzugänge wie gewollt ein? Wie lange brauch die Mannschaft für die Umstellung auf den neuen Trainer? Bringt Schreuder die Defensive noch pünktlich auf Vordermann? Und so weiter…
So ist es auch für langjährige Begleiter der TSG schwierig zu prognostizieren, wo der stolze Retortenklub aus Nordbaden in der kommenden Saison landen wird. Die Neuzugänge und der Schreuders neue Ansätze stimmen uns jedoch optimistisch und lassen auf einiges hoffen. Dabei kann es nur vom Vorteil sein, dass die Erwartungshaltung nach den drei erfolgreichsten Jahren der Vereinsgeschichte vergleichsweise niedrig ist und die TSG den Umbruch gewohnt unaufgeregt und professionell angegangen ist. Von Platz vier bis 14 scheint in dieser Saison alles möglich, aber eines ist bereits jetzt sicher: Auch in diesem Jahr wird es mit der TSG ganz bestimmt nicht langweilig.

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Louis ist seit August 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Neben seinem Studium schreibt er für die Onlineportale Goal und Spox. Zudem begleitet Louis als Blinden- und Fanradioreporter ehrenamtlich die Spiele des SV Sandhausen.

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Louis Loeser
Louis ist seit August 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Neben seinem Studium schreibt er für die Onlineportale Goal und Spox. Zudem begleitet Louis als Blinden- und Fanradioreporter ehrenamtlich die Spiele des SV Sandhausen.

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