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„Ich rechne mit einer offenen Partie“

Nach dem enttäuschenden Europa-League-Aus gegen Molde trifft die TSG am Sonntagmittag (13:30 Uhr / DAZN) auf Union Berlin. Vor dem Duell bei den Eisernen stand uns Union-Experte Till Oppermann Rede und Antwort. Dabei erzählte er uns unter anderem von einem wichtigen Transfersommer, einer starken Saison und seinen Erwartungen für die anstehende Partie.


Till, Union Berlin ist die Überraschungsmannschaft der Saison und steht nach sieben Spieltagen auf dem siebten Platz. Was macht die Eisernen in dieser Spielzeit so stark?

Till Oppermann: Trainer Urs Fischer ist es gelungen, die Mannschaft auf mehreren Ebenen weiterzuentwickeln. Stärken aus der ersten Bundesligasaison, wie die disziplinierte Arbeit gegen den Ball, das laufintensive Spiel und die Gefahr bei Standards, wurden durch ein deutlich verbessertes Kombinationsspiel ergänzt. In der Folge ist Union torgefährlicher geworden und stellte bis Mitte Januar hinter den Bayern sogar die zweiterfolgreichste Offensive der Liga. Außerdem haben Spieler wie Marvin Friedrich, Robert Andrich, Christopher Lenz und Marcus Ingvartsen den nächsten Entwicklungsschritt gemacht und gehören auf ihren Positionen mittlerweile zu den besseren Spielern in der Liga. Gemeinsam mit den erfahrenen Neuzugängen Robin Knoche und Max Kruse ist ein eingeschworenes Team mit einer klaren Spielidee entstanden. Die Abgänge von Torwart Rafal Gikiewicz und Toptorjäger Sebastian Andersson fallen deshalb nicht ins Gewicht.

Union findet sich durch den derzeitigen Erfolg in Spielen gegen Teams aus der unteren Tabellenhälfte immer häufiger in der ungewohnten Favoritenrolle wieder. Wie geht das Team mit dieser neuen Situation um?

Till: Grundsätzlich ändert sich erstmal wenig an den grundsätzlichen Spielanteilen. Meistens hat der Gegner mehr Ballbesitz und Union setzt auf gute Umschaltsituationen nach Ballgewinnen oder Kombinationen aus der eigenen Grundordnung. Was sich allerdings ändert ist die Höhe der Pressinglinie. Je anfälliger der Gegner, desto eher rückt Union statt dem typischen Mittelfeldpressing in ein riskanteres Angriffspressing. Ein gutes Beispiel dafür waren die Tore beim Sieg in Bremen Anfang Januar. Eines fiel nach einem flachen Pass aus der eigenen Abwehr in die Spitze, das Andere nach einem Ballgewinn am gegnerischen Strafraum.

Im vergangenen Sommer gaben die Eisernen mit Sebastian Andersson den bisherigen Zielspieler im Angriff ab und holte dafür Max Kruse. Wie veränderte sich das Spiel des FCU durch den Ex-Bremer?

Till: Der Transfer passte ganz gut zu einer Entwicklung, die schon in der vergangenen Rückrunde begann, Da versuchte Union vermehrt im Aufbau den langen Ball in die Spitze auf Andersson, durch flaches Passspiel durch die Reihen zu ersetzen. Dabei fehlte leider zum Teil die Qualität den Ball nach gefälligen Stafetten im Mittelfeld gefährlich ins letzte Drittel zu bringen. Hier sorgte Kruse durch seine Kreativität im Zehnerraum für mehr Gefahr.

Wechselte im Sommer ablösefrei nach Köpenick: Max Kruse. (Foto: Scheidemann/Getty Images)

Auch sonst hat sich vor dieser Spielzeit viel im Kader getan. Welche Neuzugänge haben dich bisher besonderes überzeugt?

Till: Ich denke, dass man ganz klar Robin Knoche hervorheben muss. Der erfahrene Innenverteidiger hat viel Ruhe in die ohnehin schon gute Defensive von Union gebracht. Insbesondere seine Qualitäten im Passspiel halfen bei der Abkehr von den langen Bällen als wichtigstes Mittel im Aufbau. Auch Startransfer Kruse begeisterte zum Saisonstart. Allerdings fehlte er nun fast drei Monate verletzt. Nachdem er in Freiburg wieder im Kader war, könnte er gegen Hoffenheim sein Comeback feiern.

Union ist der Bundesliga-Klub mit dem zweitniedrigsten Etat. Wie schätzt du die finanzielle Lage des Klubs infolge der Coronakrise ein?

Till: Laut den Finanzkennzahlen des DFB von 2020 war Union einer von zwei Bundesligavereinen mit negativem Eigenkapital. Zudem steht der Ausbau des Stadions und des Nachwuchsleistungszentrums an. Um in die Bundesliga aufzusteigen, unternahm der Verein einige finanzielle Anstrengung. Ursprünglich wurde geschätzt, dass Union nach drei Saisons in der Bundesliga schuldenfrei gewesen wäre. Da die veröffentlichten Zahlen vor Corona gesammelt wurden, hat sich die finanzielle Lage seitdem nicht entspannt. Trotzdem steht die Finanzierung des Kaders auf sicheren Beinen. Das stetige Mitgliederwachstum und bessere Sponsoringverträge helfen, aber auch in Zukunft wird Union niedrigere Gehälter zahlen als andere Vereine. Auch der Verkauf von Leistungsträgern ist nie ausgeschlossen.

Der Klassenerhalt ist den Köpenickern bereits jetzt nur noch rechnerisch zu nehmen und sogar die Qualifikation für das internationale Geschäft ist in Reichweite. Wie schätzt du die Rolle der Eisernen in den kommenden Jahren ein? Ist es realistisch, sich langfristig im Oberhaus zu etablieren?

Till: Solange Sportdirektor Oliver Ruhnert und Trainer Urs Fischer zusammenarbeiten, hege ich keinen Zweifel, dass Union jede Saison eine konkurrenzfähige Mannschaft stellt. Beide haben kürzlich ihre Verträge verlängert. Doch auch ohne die beiden profitiert der Verein von stabilen Strukturen und dem Hauptstadtstandort. Eine Etablierung, wie sie Freiburg, Mainz und Augsburg gelang, ist definitiv denkbar.

Unions Cheftrainer Urs Fischer (l.) und Sportdirektor Oliver Ruhnert. (Foto: imago images)

Aufgrund einer Muskelverletzung muss Urs Fischer mehrere Wochen auf Stürmer Taiwo Awoniyi verzichten. Wie sehr schmerzt der Ausfall des zweitbesten Scorers?

Till: Awoniyi besticht besonders durch seine körperliche Präsenz, eine sehr gute Orientierung und gefährliche Tiefenläufe. Gerade als Kruse fehlte, half das teilweise Bälle länger in der Spitze festzumachen. Doch bisher gelang es Union fast reibungslos alle Ausfälle abzufangen, obwohl auch schon Sheraldo Becker, Marcus Ingvartsen, Keita Endo, Joel Pohjanpalo, Anthony Ujah und Kruse fehlten oder fehlen. Das wird auch bei Awoniyi so sein. Der Winterneuzugang Petar Musa steht schon in den Startlöchern.

Im Hinspiel feierte Union in Überzahl einen 3:1-Auswärtssieg. Was erwartest du von der Partie am Sonntag?

Till: Ich rechne mit einer offenen Partie. Nach der ersten längeren Durststrecke in der Saison präsentierte sich Union in Freiburg wieder sehr stabil. Defensiv ließ Fischers Mannschaft quasi nichts zu und nach vorne blieb sie lange konzentriert und wurde nach einer sehenswerten Kombination über Ingvartsen mit dem 1:0 Siegtreffer durch Grischa Prömel belohnt. Aber auch Hoffenheim wird nach dem Sieg gegen Bremen selbstbewusst nach Berlin reisen. Ich erwarte, dass Union versucht, Hoffenheim den Ball zu überlassen. Es würde mich aber nicht überraschen, wenn sich ein offenes Spiel mit vielen Chancen auf beiden Seiten entwickelt.

Was ist dein Tipp?

Till: Ich hoffe auf viele Tore und tippe auf 3:2 für Union.

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Louis ist seit August 2019 Teil von Hoffenews und als Chefredakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Als Werkstudent schreibt er zudem für das Onlineportal Goal.com (Teil von DAZN) und begleitet als Blinden- und Fanradioreporter die Spiele des SV Sandhausen.

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Louis Loeser
Louis ist seit August 2019 Teil von Hoffenews und als Chefredakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Als Werkstudent schreibt er zudem für das Onlineportal Goal.com (Teil von DAZN) und begleitet als Blinden- und Fanradioreporter die Spiele des SV Sandhausen.

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