Foto: Daniel Roland / Getty Images.
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Hopp oder top? – Hoffenheim vor dem Saisonendspurt

Wenn die PreZero Arena eine Kirchenglocke hätte, würde sie am Samstag den Bundesliga-Endspurt einläuten. Zum Start in die Schlussphase empfangen die Herren der TSG Hoffenheim den VfL Bochum (15:30 Uhr/Sky). Die Kraichgauer sind auf dem besten Weg, sich für das internationale Geschäft zu qualifizieren. Reicht es für die Königsklasse oder überwiegt am Ende die Enttäuschung? Hoffenews eruiert die wichtigsten Fragen.

Wo steht die TSG?

Bereits sieben Spieltage vor Saisonende hat Trainer Sebastian Hoeneß seine Bilanz aus dem Vorjahr übertroffen. Während der Übungsleiter in der gesamten letzten Spielzeit auf lediglich 43 Punkte kam, rangiert er nun mit 44 Zählern auf dem sechsten Platz. Dieser berechtigt derzeit an der Qualifikation für die Europa Conference League. Je nach Ausgang des DFB-Pokals könnte Rang sechs aber auch die Europa League bedeuten.

Zuletzt verabschiedete sich die TSG mit einer 0:3-Niederlage bei Hertha BSC in die Länderspielwoche. Klar, deftige Pleiten bei abstiegsbedrohten Klubs sind mittlerweile so etwas wie ein Teil der TSG-DNA. Dennoch gab die Hoeneß-Elf in der Hauptstadt ein lethargisches Bild ab. Das spiegelte sich auch in den Zahlen wider: 68 Prozent Ballbesitz, kein Schuss auf das Tor, drei Gegentreffer nach Standards und sechs Kilometer weniger gelaufen als der Gegner.

Was auf den ersten Blick dramatisch klingt, kann zunächst einmal als Ausrutscher deklariert werden. Denn zuvor blieben die Hoffenheimer fünf Mal ungeschlagen und entschieden zum Teil sogar knappe Begegnungen für sich. Auf diesen Pfad muss die TSG für einen erfolgreichen Endspurt zurückkehren.

Wie sieht das Restprogramm aus?

Mit einem Heimspiel an diesem Samstag gegen den VfL Bochum startet Hoffenheim in den Endspurt. Dieses Duell und auch die übernächste Heimpartie gegen die SpVgg Greuther Fürth (17.04.) kristallisieren sich fast schon als Pflichtaufgaben heraus – zumindest, wenn die TSG Ambitionen auf die Champions League hegt.

Ansonsten wartet auf die Kraichgauer ein anspruchsvolles Programm. Die TSG trifft noch auf alle Konkurrenten um die begehrten internationalen Plätze. Mit einem Auswärtsspiel bei RB Leipzig (10.04.) sowie zwei aufeinander folgenden Heimpartien gegen den SC Freiburg (30.04.) und Bayer Leverkusen (07.05.) kann sich das Blatt in alle Richtungen wenden. Außerdem warten zwei hohe Auswärtshürden auf die Hoffenheimer. Denn die Kaderqualitäten von Eintracht Frankfurt (23.04.) und Borussia Mönchengladbach (14.05.) sind nahezu auf Augenhöhe. Kleiner Hoffnungsschimmer: Aus diesen sieben Duellen holte die TSG in der Hinrunde 14 Zähler.

Kann Sebastian Hoeneß aus dem Vollen schöpfen?

Im Fußball-Journalismus wird häufig davon gesprochen, dass sich das Lazarett lichtet. Diese Aussage trifft auch auf Hoffenheim zu. „Die Personalsituation hat sich glücklicherweise entspannt“, informierte Hoeneß auf der Pressekonferenz vor dem Bochum-Spiel.

Zum Vergleich: Beim 0:3 in Berlin konnte die TSG nicht einmal das Kontingent an Ersatzspielern ausschöpfen. In der Hauptstadt fehlten mit Florian Grillitsch, Pavel Kaderabek und Ihlas Bebou drei Säulen Corona-bedingt. Das Trio stieg bereits in der vergangenen Woche wieder ins Training ein. Auch Diadié Samassékou hat seine fünfte Gelbe Karte abgesessen und steht nach der gescheiterten WM-Qualifikation mit Mali wieder zur Verfügung.

Corona-Infektion überstanden: Florian Grillitsch (Hintergrund) und Ihlas Bebou sind bereits Optionen für das Bochum-Spiel (Foto: Frederic Scheidemann/Getty Images).

Derweil sind die Langzeitverletzten Robert Skov, Sebastian Rudy und Chris Richards ebenfalls seit eineinhalb Wochen zurück auf dem Trainingsplatz. Damit kann Hoeneß fast auf die komplette Breite des Kaders zurückgreifen. Lediglich Stefan Posch wird zumindest gegen Bochum noch fehlen. Der Österreicher infizierte sich auf der Länderspielreise mit COVID-19. Benjamin Hübner ist aufgrund von Rückenproblemen erst einmal nur für das Bochum-Spiel fraglich. Ob die Rekonvaleszenten Ermin Bicakcic und Fisnik Asllani in dieser Saison noch zum Einsatz kommen, ist indes noch nicht abzusehen.

Was macht die Konkurrenz?

Während die Meisterschaft wohl frühzeitig entschieden ist, könnte immerhin der Kampf um die Champions League für Spannung und Würze sorgen. Denn nicht nur die TSG hat noch alle drei Konkurrenten vor der Brust.

Bayer Leverkusen, derzeit Dritter mit 48 Punkten, muss sich ebenfalls in den direkten Duellen mit Leipzig, Freiburg und Hoffenheim behaupten. Da Leipzig und Freiburg wiederum schon aufeinandertrafen (1:1), haben dieses Duo zwei direkte Begegnungen vor sich.

Eins ist klar: Alle vier Teams werden sich gegenseitig die Punkte klauen. Davon könnten die Verfolger vom 1. FC Köln (40 Punkte), Eintracht Frankfurt und Union Berlin (beide 38 Punkte) profitieren. Das Trio lauert momentan im Schatten. Doch gerade der „Effzeh“ hat das vermeintlich leichteste Restprogramm. Die Kölner duellieren sich ausschließlich mit Teams ab Platz neun abwärts. Der Bundesliga-Schlussspurt könnte also auch für Überraschungsmomente sorgen.

Wo landet die TSG am Ende der Saison?

Aufgrund der zahlreichen direkten Partien ist eine genaue Prognose schwierig. Ob Sekt oder Selters: Auch sieben Spieltage vor dem Ende ist der TSG noch alles zuzutrauen. Mittlerweile liebäugeln auch die Spieler mit dem europäischen Geschäft, während sich Hoeneß zumindest bis „Spieltag 30 oder 31“ bedeckt halten will. Die hohen Ambitionen kann er jedoch nicht mehr wegmoderieren, je heißer die Phase wird.

„Jetzt geht es in entscheidende Wochen.“ Sebastian Hoeneß blickt optimistisch auf den Saisonendspurt (Foto: Alex Grimm/Getty Images).

„Es sind noch sieben Spiele. Kurzfristig ist es für mich als Trainer erst einmal wichtig, dass wir nach dem Hertha-Spiel eine Reaktion zeigen“, bekräftigt der Coach und weiß zugleich: „Wir werden Bochum schlagen müssen, um tabellarisch in den Regionen zu bleiben, in denen wir uns sehen.“

Trotz der Hertha-Niederlage hat Hoeneß weiterhin die Möglichkeit, mindestens die zweitbeste Bundesliga-Saison der Vereinsgeschichte zu spielen. Sollten die Hoffenheimer ihren starken Schlussspurt aus der Hinrunde wiederholen, ist sogar die Champions League greifbar.

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