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„Hertha wird sich nicht zurücklehnen“

Die Herren der TSG Hoffenheim werden ihre Saison auf dem elften Tabellenplatz beenden – das steht schon vor dem 34. Spieltag fest. Dennoch will die Mannschaft von Sebastian Hoeneß ambitioniert in den letzten Spieltag gehen. Zu Gast ist Hertha BSC. Vor dem Spiel gegen die Alte Dame stand uns Niklas Döbler vom Fanportal HERTHA BASE Rede und Antwort. Er sprach mit uns über eine zittrige Schlussphase, noch nicht überwundenen Skandalen und seiner Hoffnung auf eine ruhigere Zukunft.

Niklas, mit dem 0:0 gegen den FC Köln machte die Hertha am vergangenen Wochenendeden Klassenerhalt klar. Erst Ende April kehrte man aus einer 14-tätigen Quarantäne zurück. Wie bewertest du das Auftreten der Mannschaft seitdem?

Niklas Döbler: Hertha hat in der Quarantäne einen enormen Sprung gemacht und keines der folgenden Spiele verloren. Was das Team um Pál Dárdai und Arne Friedrich in dieser Zeit mit der Mannschaft mental angestellt hat, ist eine bemerkenswerte Leistung. Man hat jedoch gemerkt, dass die Spieler immer erschöpfter wurden, was sich auch in einer endlosen Lazarett-Liste niederschlägt.

Und wie erleichternd haben Hertha-Fans den vergangenen Spieltag erlebt?

Niklas: Von allen ist eine riesige Last abgefallen. Sich einen Spieltag vor Saisonende gerettet zu haben, wird sicher auch den Nerven der Spieler gut getan haben. Allgemein war der Optimismus, ob des Klassenerhaltes vor dem Spiel sehr unterschiedlich verteilt war, gut dass die Optimisten recht behalten haben.

Nach dem Abpfiff gegen Köln brach bei der alten Dame Erleichterung aus. Im Zentrum Pal Dardai und Arne Friedrich. (Foto: imago images)

Auf dem Papier gehört der Berliner Kader nicht in den Tabellenkeller. Wie geriet der Klub trotz guter Voraussetzungen in den Abstiegskampf?

Niklas: Eine Fußballmannschaft ist immer mehr als die Summe seiner Teile und die Qualität der Teile ist damit ungleich der Qualität des Ganzen. Der Kader ist leider sehr schlecht zusammengestellt worden. Anfang der Saison gab es keine klaren Führungsspieler und auf den Flügeln war man personell sehr dünn besetzt. Im Winter wurde hier mit Khedira und Radonjic nachgebessert, doch beide sind wahrscheinlich nicht Teil einer mittelfristigen Lösung.

Welche Konsequenzen könnten daraus im Sommer gezogen werden?

Niklas: Die große Frage ist, ob Dárdai Trainer bliebt. Darüber hinaus muss der Kader neu ausgerichtet werden. Ich denke, dass sich hier jeder Spieler genau angeguckt wird, inwieweit er zum mittel-langfristigen Plan beitragen kann. Vor der Saison tätigte die Alte Dame große Investitionen und gab als langfristiges Ziel, den europäischen Wettbewerb aus.

Könnte diese Spielzeit eine neue Bescheidenheit zur Folge haben?

Niklas: In der nächsten Saison wird es vor allem darum gehen das mühselig aufgebaute positive Team-Klima nicht wieder über den Haufen zu werfen. Langfristig will jeder Verein sportlichen Erfolg haben, bei Hertha wird man aber aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben und sich hüten, wieder vorschnell zu große Erwartungen zu wecken.

Ende Januar kehrte Pál Dardai in die Hauptstadt zurück und war gemeinsam mit Sportdirektor Arne Friedrich maßgeblich am Klassenerhalt beteiligt. Dardais Vertrag läuft bis 2022. Würdest du dir eine vorzeitige Verlängerung wünschen?

Niklas: Trainerverträge sind bei ausbleibendem sportlichen Erfolg das Papier nicht wert, auf dem sie stehen. Ich halte viel von Dárdai, das wichtigste ist jetzt erstmal Stabilität, dafür ist er definitiv der richtige Mann und dann kann man weiter gucken. Ich würde über eine Verlängerung frühstens nach der Hinrunde der nächsten Saison nachdenken.

Im Sommer übernimmt Fredi Bobic als Nachfolger von Michael Preetz das am als Geschäftsführer Sport. Wie siehst du die Hertha für die Zukunft personell aufgestellt?

Niklas: Extrem gut. Bobic bringt enorm viel Erfahrung mit und die Geschäftsführung von Hertha hat sich unter Carsten Schmidt merklich professionalisiert. Die Mischung aus Expertise und Stallgeruch zahlt sich aus und Bobic bringt sogar beides mit.

Wird zur kommenden Saison Frankfurt verlassen und sich der Hertha anschließen: Fredi Bobbie. (Foto: imago images)

Egal ob Klinsmann-Tagebücher, das Kalou-Video oder etliche Skandale um Jens Lehmann: Die Hertha war in den vergangenen zwei Saisons auf und neben dem Platz zu oft mit sich selbst beschäftigt. Wie optimistisch bist du, dass der Klub künftig in ruhigeres Fahrwasser gerät?

Niklas: Der mediale Fokus, der auf Hertha liegt, ist aufgrund des Investments auch selbstverschuldet. Gut, dass der Verein seit dem Amtsantritt von Carsten Schmidt auch seine Unternehmenskommunikation verbessert hat. Dass Kalou und Klinsmann uns noch nachhängen, zeigt eher die Schadenfreude anderer Fans/Vereine. Klinsmann ist über ein Jahr her, Kalou auch. Zwischendrin gab es natürlich noch Vorfälle, wie die unsäglichen Äußerungen von Jens Lehmann und Ex-Torwartrainer Zsolt Petry, doch hier hat besonders die konsequente Reaktion von Vereinsseite von sich reden gemacht.

Im Hinspiel nutzte die TSG ihre wenigen Chancen effektiv aus und gewann im Olympiastadion überraschend hoch mit 3:0. Für beide Teams geht es nun am letzten Spieltag um nichts mehr. Was für eine Partie erwartest du am Samstag?

Niklas: Hertha wird sich nicht zurücklehnen. Dárdai hat die Wichtigkeit einer neuner Serie an ungeschlagenen Spielen hervorgehoben. Die Personaldecke ist aber dünn und die Kraft begrenzt. Ich erwarte nicht, dass Hertha ihren besten Fußball spielen wird, aber leicht für Hoffenheim wird es sicher nicht.

Und wie lautet dein Tipp?

Niklas: Aus unverbesserlichem Optimismus heraus: 2:0 Hertha.

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Jakob ist seit Oktober 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Zudem ist er als freier Mitarbeiter der Sportredaktion der Rhein-Neckar-Zeitung tätig und begleitet als Blinden- und Fanradioreporter die Spiele des SV Sandhausen. Wer tagtäglich seine semi-lustigen Wortspiele und Einfälle verfolgen will, findet ihn auf Twitter unter @deruebeltaeter.

Louis ist seit August 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Neben seinem Studium schreibt er für die Onlineportale Goal und Spox. Zudem begleitet Louis als Blinden- und Fanradioreporter ehrenamtlich die Spiele des SV Sandhausen.

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Jakob Uebel and Louis Loeser
Jakob ist seit Oktober 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Zudem ist er als freier Mitarbeiter der Sportredaktion der Rhein-Neckar-Zeitung tätig und begleitet als Blinden- und Fanradioreporter die Spiele des SV Sandhausen. Wer tagtäglich seine semi-lustigen Wortspiele und Einfälle verfolgen will, findet ihn auf Twitter unter @deruebeltaeter.

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