Aktuelle Beiträge

Foto: imago images
AktuellesInterviewVorschau

„Habe bis heute den Wechsel von Oli Baumann nicht wirklich überwunden“

Nach dem Pokal-Aus gegen Greuther Fürth und einer kurzen Weihnachtspause trifft die TSG Hoffenheim am Samstag im ersten Spiel des Jahres auf den SC Freiburg. Vor dem Spiel haben wir mit Freiburg-Anhängerin Kerstin (Twitter: @DerBadenser) gesprochen. Sie verriet uns die Gründe für die jüngste Siegesserie der Breisgauer, wo der SC ohne Trainer Christian Streich stehen würde und warum sie den Wechsel von Oliver Baumann bis heute nicht überwunden hat.

Mit drei Siegen aus drei Spielen konnte der SC kurz vor der Weihnachtspause nochmal eine Serie starten. Was war ausschlaggebend für die perfekte Englische Woche?

Kerstin: Ich denke, da gibt es nicht den einen Grund, sondern es war eher eine Mischung aus verschiedenen: gegen Bielefeld standen wir unter großem Druck. Seit dem Sieg gegen Stuttgart am ersten Spieltag hatten wir kein Spiel mehr gewonnen und uns für die Leistungssteigerung in den vorherigen Spielen nicht belohnen können, da war der Frust groß. Wenn der Dreier nicht mal gegen den Aufsteiger Bielefeld geholt worden wäre – wäre die Mannschaft endgültig in ein kleines Loch gefallen, schätze ich. Mit viel Geduld hat es ja dann schließlich geklappt und das Selbstbewusstsein konnten wir in die Spiele gegen Schalke und Hertha mitnehmen. Dazu kommt, dass sich die Mannschaft endlich „gefunden“ hatte und die Neuzugänge mittlerweile richtig „angekommen“ waren. Außerdem hatte ich den Eindruck, dass das Team disziplinierter und konzentrierter war, als während der vorherigen Durststrecke. Da lief zu viel schief.

In den zehn Spieltagen vor der Englischen Woche holte der SC lediglich acht Punkte. Dabei traf man jedoch auch unter anderem auf den BVB, Leverkusen, Leipzig und Wolfsburg. Welche Gründe neben dem Spielplan siehst du für den schlechten Start?

Kerstin: Ich war ja ehrlich gesagt froh, dass wir fünf Mal einen Punkt mitnehmen konnten und es keine reine Niederlagenserie war. Der Spielplan war in jedem Fall teilweise “schuld” in dem Sinne, dass Niederlagen gegen Dortmund und Leverkusen gefühlt nahezu obligatorisch sind. Daher hatte ich mir auch nicht zu viele Sorgen wegen des schlechten Starts gemacht. Mein Eindruck war, dass wir die Abgänge wichtiger Spieler wie Schwolow und Koch zwar durch Einkäufe bzw. Leihen gut kompensieren konnten, sich das Team aber noch nicht komplett gefunden und eingespielt hatte. Da wollte einfach der Knoten nicht platzen. Ermedin Demirovic brauchte im Sturm gefühlt ewig, um zu einem Erfolgserlebnis zu kommen. Unser Rekordeinkauf Santamaria (…Insel die aus Träumen geboren…) hat zwar wie verrückt immer weitergearbeitet, ist viel gelaufen, aber trotzdem brauchte auch bei ihm alles seine Zeit. Und erschwerend kam ja noch hinzu, dass sich Mark Flekken beim Aufwärmen vor dem Erstrundenspiel im Pokal schwer verletzt hatte und die Lücke ganz kurzfristig durch die Leihe von Florian Müller geschlossen werden musste.

Hat das Pokal-Aus gegen den VfB Stuttgart die Stimmung in Freiburg vor Weihnachten dennoch getrübt?

Kerstin: Da ich seit 2010 in Stuttgart lebe – und das sogar in Sichtweite des Neckarstadions – schmerzen mich Niederlagen gegen den VfB noch mal mehr als sie es als Badenerin sowieso schon tun. Bei der Pokalniederlage gibt es da für mich aber zwei Seiten. Auf der einen Seite war es „nur“ der Pokal, die Liga geht natürlich vor, und die Niederlage war ziemlich kurz und schmerzlos. Wenn wir auch etwa die letzten 20 Minuten die bessere Mannschaft waren, kam das Aufwachen definitiv zu spät und Stuttgart hat verdient gewonnen. Andererseits finde ich es immer wieder ärgerlich, dass wir im Pokal oft so „blutleer“ und ambitionslos auftreten, da wäre definitiv mehr drin.

Von der Doppelbelastung befreit: Freiburg tut es der TSG gleich und scheidet gegen Stuttgart aus dem DFB-Pokal aus. (Foto: imago images)

Kurz vor Heiligabend verlängerte der SC die Verträge von Finanzvorstand Oliver Leki und Sportvorstand Jochen Saier bis 2024. Welche Rolle spielen die beiden Verantwortlichen, die für Außenstehende eher im Hintergrund bleiben, für die erfolgreiche Arbeit der Freiburger?

Kerstin: Definitiv eine sehr große Rolle. Ich denke, dass neben der Fachkompetenz gerade das im-Hintergrund-Bleiben einer der Schlüssel ist, warum es so gut funktioniert. Dazu kommen Kontinuität und ein großes Vertrauensverhältnis zwischen allen Beteiligten. Ich finde, das zeigt sich auch immer wieder an der erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen den Vorständen und dem Trainerteam, wo zwar jeder bei seinen Kompetenzen bleibt, die Zahnräder aber trotzdem erfolgreich ineinandergreifen. Ich bin wirklich dankbar, dass uns Machtkämpfe und Schlammschlachten wie sie aktuell in Stuttgart mal wieder passieren erspart bleiben, vielleicht auch dank der bisher vermiedenen Ausgliederung.

Am Dienstag feierte Christian Streich sein neunjähriges Jubiläum als SC-Trainer. Wo stünde Freiburg heute ohne ihn und könntest du dir den SC ohne Christian Streich vorstellen?

Kerstin: Schwierig! Ein SC ohne Streich scheint aktuell undenkbar, zumal er mittlerweile seit 25 Jahren als Trainer im Verein ist, aber das war ein SC ohne Finke damals auch. Wenn Streich sich nicht dazu hätte durchringen können, die Profis zu übernehmen… wer weiß, ob wir heute nicht auch ein Trainerkarussell hätten. Irgendwann wird aber auch die Geschichte des SC mit Christian Streich auserzählt sein oder er sie beenden, weil es für ihn nicht mehr passt. Zumindest mit der ersten Mannschaft. Trotzdem ist er natürlich jetzt schon eine Vereinslegende! Mit einem neuen Trainer kann ich mich dann anfreunden, wenn es ein ähnliches Kaliber wie Streich wäre. Damit meine ich nicht zuletzt das Temperament an der Seitenlinie, oder die Pressekonferenzen, sondern eher Dinge wie Geduld und Bodenständigkeit.

Einen Tag vor dem Duell zwischen Nord- und Südbaden öffnet das Wintertransferfenster. Denkst du, der SC wird auf dem Transfermarkt tätig? Auf welchen Positionen siehst du Bedarf?

Kerstin: Zwar bin ich noch nicht rundum wunschlos glücklich, denke aber, dass wir alles in allem sehr gut aufgestellt sind und Streich gerade in Offensive viele Alternativen hat – natürlich immer vorausgesetzt, dass fast alle fit sind. Was mir manchmal noch fehlt, ist ein bisschen mehr Kreativität und Ideen auf dem Weg nach vorn. Vielleicht findet sich ja im Winter noch ein “Glückstreffer” für unser Mittelfeld.

25 Jahre beim Sportclub, neun Jahre als Cheftrainer: „Mr. Freiburg“ Christian Streich. (Foto: imago images)

Seit seiner zweiten Rückkehr nach Freiburg gehört Vincenzo Grifo beim Sportclub wieder zum Stammpersonal und kommt in der laufenden Saison auf zehn Torbeteiligungen in 13 Bundesliga-Spielen. Warum läuft es für den Ex-Hoffenheimer so gut beim SC, während er sein Potenzial anderorts nicht abrufen konnte?

Kerstin: Ich denke, Vince ist ein Typ, der einerseits am besten in einem sehr familiären Umfeld funktioniert. Das kann ich jetzt bei euch schwer beurteilen, inwieweit das gegeben ist bzw. war. Und ich glaube, dass er sehr schnell “eingeht”, wenn er der Mannschaft nicht regelmäßig entscheidend helfen kann. Und obwohl er ein bescheidener Typ ist – musst du eigentlich in Freiburg zwangsläufig sein – braucht er das Publikum sehr. Dass es nirgends so richtig klappen wollte wie in Freiburg, muss für ihn sehr frustrierend gewesen sein. Dann die Leihe von euch und die alte Euphorie war zurück. Wir Fans, die regelrecht darum gebettelt haben, dass er zurückkehrt. Bei uns kann er fast immer absoluter Leistungsträger sein, bei Clubs mit mehr individueller Qualität und wesentlich größeren Ambitionen womöglich oft nur Ersatz. Ich bin jedenfalls sehr froh, dass Grifo zurück ist. Er hat gefehlt!

SC-Fans wehren sich beim Duell gegen die TSG gerne gegen den Begriff „Derby“, wenngleich die Freiburger Vereinsmedien in der Vergangenheit öfters selbst das verbotene Wort nutzten. Haben die Spiele dennoch eine gewisse Brisanz für dich?

Kerstin: Hmm, aufgrund der regionalen Komponente ehrlich gesagt fast gar nicht. Ich würde es auch nicht „Derby“ nennen. Allerdings muss ich zugeben, dass ich bis heute den Wechsel von Oli Baumann nicht wirklich verwunden habe. Ich wollte es stur nicht glauben, bis die offizielle Meldung kam. Das fuchst mich immer noch, ihn bei euch zwischen den Pfosten zu sehen.

Was ist dein Tipp für das kommende Spiel?

Kerstin: Wenn wir den Schwung aus der Englischen Woche mitnehmen und den Pokal abhaken können, bin ich ganz optimistisch, dass wir bei euch punkten können. Ich sage mal es wird ein etwas glückliches 2:1 für den SC.

4.2 5 votes
Article Rating

Louis ist seit August 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Neben seinem Studium schreibt er für die Onlineportale Goal und Spox. Zudem begleitet Louis als Blinden- und Fanradioreporter ehrenamtlich die Spiele des SV Sandhausen.

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments
Louis Loeser
Louis ist seit August 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Neben seinem Studium schreibt er für die Onlineportale Goal und Spox. Zudem begleitet Louis als Blinden- und Fanradioreporter ehrenamtlich die Spiele des SV Sandhausen.

Top Reviews

ANZEIGE



ANZEIGE

Video Widget

gallery

Dir gefällt was Du hier siehst?

0
Would love your thoughts, please comment.x
()
x