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„Gerne nochmal ein Torfestival“

Nach den Heimsiegen gegen den FC Augsburg und die KAA Gent gastiert die TSG Hoffenheim am Sonntagabend (18 Uhr/Sky) in der Männer-Bundesliga bei Bayer 04 Leverkusen. Vor dem Duell mit der Werkself haben wir mit Bastian Hahne (Twitter: @torhamster04) über den jüngsten Erfolg der Leverkusener, Ex-Hoffenheimer Nadiem Amiri und die derzeitigen Verletzungssorgen gesprochen.

Als einzige Mannschaft neben dem VfL Wolfsburg ist Leverkusen in dieser Bundesliga-Saison noch ungeschlagen. Was macht das Team von Peter Bosz bisher so stark?

Bastian Hahne: Vor allem die Mentalität und mannschaftliche Geschlossenheit. Keiner meckert, alle werden gebraucht und alle liefern. Es hat zuletzt viele Ausfälle gegeben, was diesen Effekt noch verstärkt hat. Die Europa League dienst bislang auch hervorragend als Selbstvertrauen-Tankstelle.  Außerdem, und das ist neu, ist die Mannschaft sehr defensivstark geworden.

In welchen Bereichen siehst du trotz des guten Saisonstarts noch Verbesserungspotenzial?

Bastian: Es ist nicht unbedingt der schönste Fußball, den Bayer spielt. Häufig passt man sich dem Niveau des Gegners an, macht aber die entscheidenden Tore. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Interessant wird noch, wie es gegen die Topteams läuft. Bisher gab es nur Spiele gegen Leipzig (1:1) und Mönchengladbach (4:3). Dortmund und Bayern stehen noch an. Auch Hoffenheim ist eine andere Hausnummer als zuletzt Hapoel Beersheva, Bielefeld, Schalke oder Prag.

Mit Kai Havertz und Kevin Volland haben die Werkself im Sommer zwei Leistungsträger verlassen. Wie konnte man diese Abgänge bisher kompensieren?

Bastian: Erstaunlich gut, obwohl mit Patrik Schick nur ein Ersatz für beide Spieler geholt wurde. Aber Peter Bosz hat entsprechend umgestellt und das System mehr auf Lucas Alario zugeschnitten ist. Der war letzte Saison nur zweite Wahl, weil ihm der spielstärkere Volland vorgezogen wurde. Jetzt durfte und musste er ran, weil auch Schick früh ausfiel, und dankte es mit 7 Toren in 7 Bundesligaspielen.  Außerdem hat man eine ganz neue Stärke bei Standards entwickelt, die bisher schon zu einigen Treffern führte.

Mittlerweile in Monaco und London: Kevin Volland und Kai Havertz. (Foto: imago images)

Welche der Neuzugänge haben dich bisher am meisten überzeugt?

Bastian: Es waren ja nur drei. Santiago Arias verletzte sich früh und fällt lange aus. Patrik Schick war ebenfalls früh verletzt und kommt jetzt langsam in Schwung. Der dritte im Bunde ist U21-Nationaltorhüter Lennart Grill, der aber nur die Nummer 3 ist. Also ist da eine wirkliche Beurteilung noch nicht möglich.

Bereits im letzten Jahr wechselte TSG-Eigengewächs Nadiem Amiri nach Leverkusen und wurde dort zum deutschen Nationalspieler. Wie bewertest du seine Entwicklung bei Bayer?

Bastian: Sein erstes Jahr war durchwachsen und zumeist kam er nur von der Bank. Neben Amiri kam ja auch Kerem Demirbay als Rekordeinkauf. Der bekam deutlich mehr Spielzeit, wusste aber bislang nicht wirklich zu überzeugen. Während Amiri sich diese Saison endlich mit guten Leistungen festspielt, kommt Demirbay weiterhin nicht in Schwung.

Wie auch die TSG war Leverkusen unter der Woche noch in der Europa League aktiv, konnte dabei aber ebenfalls ein wenig durchrotieren. Wie schätzt du die Verfassung der Mannschaft vor den letzten beiden Englischen Wochen vor Weihnachten ein?

Bastian: Sehr gut bisher, auch wenn wegen der Ausfälle einige Spieler mehr spielen mussten als geplant. Andererseits konnten beim 4:0 gegen Prag am Donnerstag auch drei Jugendspieler eingesetzt werden, um anderen eine Pause zu geben. Das wäre in der Champions League nicht möglich gewesen und ist ein Vorteil der Europa League.

Am Wochenende muss Peter Bosz aufgrund einer Kapselverletzung erneut auf Sven Bender verzichten. Zudem fehlen weiterhin Santiago Arias (Wadenbeinbruch), Kerem Demirbay (COVID-19), Exequiel Palacios (Lendenwirbelbruch), Charles Aranguiz (Achillessehnenbeschwerden) und Paulinho (nach Kreuzbandriss). Welche dieser Ausfälle schmerzen besonders?

Bastian: Wenn man nach den Ergebnissen geht, dann keiner. Von den genannten Spielern schmerzt der von Demirbay aber sicher am wenigsten. Bender oder Aranguiz werden in den Topspielen noch fehlen. Gegen die Gegner zuletzt klappt es mit ihren Ersatzleuten aber auch sehr gut.

Fehlt aufgrund einer COVID-19-Infektion: Ex-Hoffenheimer Kerem Demirbay. (Foto: UWE KRAFT/AFP via Getty Images)

Auch Leverkusen bleibt derzeit nicht vom Coronavirus verschont. Während sich das Frauen-Team im November aufgrund eines Corona-Falls in Gruppenquarantäne begeben musste, durfte das Männer-Team jedoch nach Kerem Demirbays positiven Test weiterspielen. Kannst du die unterschiedliche Handhabe noch nachvollziehen?

Bastian: Nein, bisher nicht. Soweit ich weiß, gibt es da einige Unterschiede, die aber sehr detailliert sind. Eventuell klärt uns bald einer auf. Aber diese Pandemie und ihre Handhabung werfen schon einige Fragen auf.

Leverkusen und Hoffenheim werden neben Leipzig und Wolfsburg oft als erstes genannt, wenn es um sogenannte Kommerzvereine geht. Welche Parallelen siehst du zwischen der TSG und der Werkself?

Bastian: Keine. Höchstens die der Wahrnehmung bei den vermeintlichen Traditionsvereinen. Da werden gerne alle in einen Topf geworfen, die keine „normalen“ Vereinsstrukturen haben. Dann kommt ja noch Leipzig dazu, das nochmal eine ganz andere Hausnummer ist. Es ist eine ermüdende Diskussion.

Mit Ausnahme des torlosen Remis vor einem Jahr waren die Duelle der TSG mit Bayer 04 oft sehr tempo- und torreiche Partien. Was erwartest du vom Spiel am Wochenende?

Bastian: Gerne nochmal ein Torfestival wie in den letzten Jahren. Es waren vom ersten Spiel an eigentlich immer sehr unterhaltsame Spiele, weil beide Teams gerne offensiv agieren. Und dank Videobeweis bleibt uns wohl auch ein zweiter Phantomtor-Skandal erspart.

Wie lautet dein Tipp?

Bastian: Auch wenn ich dem Lauf meiner Mannschaft noch nicht wirklich über den Weg traue, sehe ich sie derzeit einfach nicht auf der Verliererstraße. Deshalb rechne ich mit einem Heimsieg mit einigen Toren auf beiden Seiten.

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Louis ist seit August 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Neben seinem Studium schreibt er für die Onlineportale Goal und Spox. Zudem begleitet Louis als Blinden- und Fanradioreporter ehrenamtlich die Spiele des SV Sandhausen.

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Louis Loeser
Louis ist seit August 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Neben seinem Studium schreibt er für die Onlineportale Goal und Spox. Zudem begleitet Louis als Blinden- und Fanradioreporter ehrenamtlich die Spiele des SV Sandhausen.

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