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Gegnerinterview vor dem Duell gegen den 1. FC Köln

Nach dem enttäuschenden Remis gegen Paderborn empfängt die TSG Hoffenheim am Mittwochabend (20:30 Uhr) den 1. FC Köln in der leeren PreZero Arena. Vor dem Duell mit den Geißböcken stand uns Arne Steinberg (Twitter: @steinberg_arne) von CORRECTIV und effzeh.com Rede und Antwort. Dabei erzählte er uns unter anderem, wie Markus Gisdol die Kölner wieder auf Kurs brachte und welchen Einfluss Ex-TSG-Stürmer Mark Uth auf die gute Rückrunde des FC hat.

Hoffenews: Arne, nach dem letzten Aufeinandertreffen zwischen der TSG und dem Effzeh mussten Trainer Achim Beierlorzer und Sportdirektor Armin Veh gehen. Ersetzt wurden sie durch Ex-TSG-Coach Markus Gisdol und Horst Held. Wie hat sich der Klub seitdem entwickelt?

Arne Steinberg: Überraschend positiv, zumindest was das rein Sportliche angeht. Als Gisdol und Heldt im November angefangen haben, lief dennoch nicht alles sofort glatt, Anfang Dezember stand der FC auf Rang 18. Erst durch die drei Siege kurz vor Weihnachten gegen Leverkusen, in Frankfurt und gegen Bremen befreite sich der 1. FC Köln aus der engen Lage. Diese positive Dynamik konnte man dann auch in die Rückrunde retten, womit nicht unbedingt zu rechnen war. Eine entscheidende Rolle spielte hierbei auch der Transfer von Mark Uth, der seit dem Winter konstant gute Leistungen bringt.

Hoffenews: Die Verpflichtung von Markus Gisdol wurde von einigen zunächst sehr kritisch begutachtet. In 16 Spielen unter ihm holte man jedoch anschließend 27 Punkte. Wie hat er Köln stabilisiert?

Arne: Gisdol hat zu Beginn ein wenig herumexperimentiert, dann aber schnell herausgefunden, wie er insbesondere das Zentrum besetzen muss. Das Duo im zentralen Mittelfeld aus Jonas Hector und Ellyes Skhiri brachte die nötige Stabilität und Zweikampfstärke, von dort aus begannen viele Umschaltaktionen. Zudem hat Gisdol auf schnelle und dynamische Spieler gesetzt, die für diese Spielweise prädestiniert sind, zum Beispiel Jakobs und Cordoba. Nach der Winterpause half dann die Verpflichtung von Mark Uth, das Übergangsspiel nach vorne zu verbessern und torgefährlicher zu werden. Grundsätzlich ist der FC eine klassische Umschaltmannschaft der 2010er Jahre mit einem klaren 4-4-2 und intensivem Pressing, zumindest meistens.

Hoffenews: Dank Gisdol hat der Effzeh mittlerweile zehn Punkte Abstand auf den Relegationsplatz und könnte theoretisch sogar noch in das Rennen um die Europa League eingreifen. Ist im Klub dadurch auch intern Ruhe eingekehrt?

Arne: Beim 1. FC Köln gibt es so etwas wie Ruhe sehr selten, glaube ich, auch intern. Als es sportlich dann mal ganz gut lief, musste man sich mit den Konsequenzen der Coronavirus-Pandemie auseinandersetzen, was natürlich auch eine große Herausforderung war, für die der FC allerdings nichts konnte. Geschäftsführer Alexander Wehrle hat sich in dieser Zeit in seiner Tätigkeit als DFL-Vorstandsmitglied zu einem der wichtigsten Fürsprecher für eine Wiederaufnahme entwickelt, das hat nicht jedem gefallen. Ansonsten bleiben die großen vereinspolitischen Themen wie der Ausbau des Geißbockheims oder das Verhältnis zu Teilen der aktiven Fanszene nach wie vor relevant.

Hoffenews: Vor dem Bundesliga-Re-Start wurden bei den Kölnern drei Personen positiv auf COVID-19 getestet. Anschließend äußerte Birger Verstraete öffentlich Bedenken, da die Mannschaft nicht in Quarantäne geschickt wurde. Der Klub verpasste ihm daraufhin einen Maulkorb. Wie wurde diese Problematik im Vereinsumfeld aufgenommen?

Arne: Der Umgang mit den Äußerungen von Birger Verstraete war eine Katastrophe, ein ziemliches PR-Desaster. Ich fand es verständlich, dass er seine Bedenken geäußert hat, das hatte er bereits in vorherigen Interviews getan. Dass das dem Verein nicht gefallen konnte, ist klar – der FC hätte aber nicht so reagieren müssen. Einen Spieler auf diese Weise mundtot zu machen und im Anschluss zu verkünden, dass seine Lebensgefährtin nun nach Belgien reist, das war schon krass. Das passierte zu einer Zeit, als die DFL gerade intensiv um öffentliche Unterstützung warb. Da sind kritische Stimmen eben nicht gerne gesehen.

Musste nach seiner Kritik zurückrudern: Birger Verstraete (Foto: imago images)

Hoffenews: Wie bewertest du ansonsten das Krisenmanagement am Geißbockheim während der Corona-Pandemie?

Arne: Auch das muss man differenziert sehen. Dass der FC den Kölner Tafeln hilft, ist natürlich super. Dass Horst Heldt Forderungen nach Gehaltsverzicht als „populistische Scheißausdrücke“ bezeichnet, finde ich eher weniger gelungen. Auch Wehrle, der in einer Wiederaufnahme des Bundesliga-Spielbetriebs ein „wichtiges Zeichen für den gesamten deutschen Sport“ gesehen haben will, hat sich da bei mir nicht nur beliebt gemacht. Aber gut, das sind subjektive Meinungen, das muss man akzeptieren.

Hoffenews: Zurück zum Sportlichen: Vor der zweimonatigen Zwangspause holte der Effzeh aus elf Spielen acht Siege. Nach dem Re-Start folgten nun zwei 2:2-Unetnschieden. Wie schätzt du die Form des Teams ein?

Arne: Geholfen hat die Corona-Pause auf keinen Fall. Gegen Mainz waren es Probleme in der defensiven Stabilität, gegen Düsseldorf das Passspiel. Der 1. FC Köln ist eine durchschnittliche Bundesliga-Mannschaft, und das ist nicht einmal negativ gemeint. Es kann durchaus passieren, dass die Stärken der Mannschaft nicht zum Tragen kommen, dann entstehen solche Ergebnisse wie zuletzt, gerade durch die fehlende Vorbereitungszeit. Gegen spielstärkere Teams, die eher den Ball haben wollen, könnte das schon anders aussehen, wenn sich die Räume öffnen und die Umschaltstärke zum Tragen kommt. Vielleicht tut sich die Mannschaft in einem Auswärtsspiel leichter…

Hoffenews: Ein Erfolgsgarant der Rückrunde ist Mark Uth, der im Winter leihweise aus Schalke kam. Eine Kaufoption gibt es für den Ex-Hoffenheimer nicht. Könnte er trotzdem über das Saisonende hinaus in seiner Heimatstadt bleiben?

Arne: Das vermag ich Stand jetzt nicht zu beurteilen, das ist komplett offen. Der FC hat den Wunsch geäußert, ihn hier zu behalten. Dafür braucht es allerdings Kohle und ob die momentan vorhanden ist, kann ich nicht sagen. Der Transfersommer 2020 dürfte sowieso interessant werden, nicht zuletzt wegen der Auswirkungen der Corona-Pause.

Hoffenews: In dieser Saison feierten gleich drei Eigengewächse ihr Bundesliga-Debüt für die Domstädter. Welche Talente sollte man besonders im Auge behalten?

Arne: Grundsätzlich alle, finde sowas immer spannend. Aber wie selbstverständlich Noah Katterbach und Ismail Jakobs auf der linken Seite zu Stammkräften geworden sind, das ist schon cool. Die Qualität der Ausbildung in Köln ist schon immer ganz gut, es braucht den Mut, die Jungs spielen zu lassen und ihnen auch mal Schwächephasen zugestehen zu können.

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Hoffenews: Im Derby gegen Düsseldorf glichen die Geißböcke innerhalb von drei Minuten einen Zwei-Tore-Rückstand aus. Zuvor scheiterte Mark Uth beim Stand von 0:1 aus elf Metern an Torwart Florian Kastenmeier. Was überwiegt? Die Freude über den Punkt oder der Ärger über die vergebenen Chancen und die Gegentore?

Arne: Ich bin da relativ emotionslos, weil es der Bundesliga ja weniger darum geht, einen sportlichen Wettbewerb zu ermöglichen, sondern eher, das eigene Geschäftsmodell zu sichern. Von daher werde ich mich weder über das eine freuen noch über das andere aufregen, denn ich kann es niemandem zum Vorwurf machen, wenn er nach zwei Monaten Pause mit wenig Vorlauf wieder in den Wettkampfmodus startet und dann nicht alles so läuft.

Hoffenews: Im Hinspiel gab es ein späten 2:1-Sieg für die TSG. Was erwartest du von dem Duell am Mittwoch?

Arne: Einen vielleicht ganz unterhaltsamen Kick, bei dem sich speziell die Hoffenheimer Fans darüber freuen werden, dass die gemeinen Kölner den eigenen Mäzen nicht beleidigen. Jede Krise ist nämlich auch eine Chance!

Hoffenews: Wie geht es diesmal aus?

Arne: Hoffenheim führt nach 75 Minuten mit 5:0, danach startet auf dem Flugplatz Sinsheim ein von FC-Ultras gecharteter Flieger, der ein Banner mit sich zieht, auf dem eine Beleidigung gegen Dietmar Hopp zu lesen ist, die Menschen im Stadion sind geschockt, Spielabbruch, FC verliert nur 0:3.

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