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InterviewVorbericht

„Gegen Hoffenheim sollten auf jeden Fall drei Punkte her“

Nach einem aufregenden 4:2-Sieg gegen den FC Schalke, geht es für die TSG Hoffenheim am Samstag (15:30 Uhr/Sky) nach Bielefeld. Während Hoffenheim auf dem elften Tabellenplatz nichts mehr zu befürchten hat, befindet sich die Arminia mitten im Abstiegskampf. Vor der Partie haben wir mit Podcasterin (2. Bundesliga Podcast) und Bielefeld-Anhängerin Eva-Lotta Bohle gesprochen. Sie erzählte uns von Abstiegssorgen, einem vermeintlich überraschenden Trainerwechsel und was ihr für Samstag Hoffnung macht.

Eva, zwei Spieltage vor Schluss steht Arminia Bielefeld punktgleich mit dem Fünfzehnten Werder Bremen auf dem Relegationsplatz und hat den Kampf um den Klassenerhalt noch in der eigenen Hand. Ist das angesichts des kleinsten Etats der Liga bereits ein Erfolg?

Eva-Lotta Bohle: Auf jeden Fall. Auch wenn es in Angesicht der Tatsache, dass man zwischenzeitlich unter Anderem mal 10 Punkte auf Mainz hatte, ein wenig Wehmut gibt. Aber natürlich ist es im Endeffekt ein Erfolg, zwei Spieltage vor Schluss alles noch mehr oder weniger in der eigenen Hand zu haben, vor allem wenn man es mal mit Aufsteigern mit ähnlichem Etat in den letzten Jahren vergleicht.

Wie optimistisch bist du, dass die Arminia auch im kommenden Jahr im Oberhaus spielen wird?

Eva: Als gebürtige Bielefelderin und Ostwestfälin liegt mir Optimismus nicht besonders, ich bin da eher pessimistisch beziehungsweise auch realistisch veranlagt. Ich glaube schon, dass ein Sieg gegen Hertha noch ein wenig mehr Schwung für die letzten beiden Spiele gegeben hätte, als das 0:0, aber Tore schießen ist jetzt eh nicht so die beste Tugend in dieser Saison, da war die Null hinten schon gut. Klar ist für mich, dass gegen Hoffenheim eigentlich ein Sieg hermuss, damit man zeitgleich am Samstag nicht auf so viele Plätze gleichzeitig gucken muss.

Anfang März musste Aufstiegscoach Uwe Neuhaus überraschend gehen und wurde durch Frank Kramer ersetzt, der bei der TSG bereits als U23- und Interimstrainer tätig war. Was waren die Gründe für den Trainerwechsel?

Eva: Zunächst hat Arminia in einem Statement bekannt gegeben, dass man nach der Saison sowieso nicht mehr mit Neuhaus weiterarbeiten wollte, weil die Vorstellungen für die Zukunft da wohl auseinander gingen. Gerüchten zufolge folgte dann die Trennung nach der 0:3-Niederlage in Dortmund, weil der Trainer vor allem die zweite Reihe der Mannschaft nicht mehr erreicht hat und gegenüber Änderungsvorschlägen relativ beratungsresistent war. In manchen Spielen konnte man auch sehen, dass das Team auch nicht so hundertprozentig auf den Gegner eingestellt war. Ein Grund mag unter anderem auch sein Umgang mit Arne Maier gewesen sein, der unter Kramer dann ja regelrecht aufgeblüht ist. Generell sind jetzt die genauen Details nicht bekannt, worum ich aber ehrlich gesagt ganz froh bin, dass hier nicht jedes winzige Detail an die Presse herangetragen wird.

Frank Kramer. (Foto: imago images)

Was hat sich unter Kramer seitdem geändert?

Eva: Das Spielsystem an sich, Kramer spielt häufiger mal mit der Raute, was auch damit zusammenhängt, dass mit Maier jemand regelmäßig im Kader steht, der auf der Sechser-Position flexibel einsetzbar ist. Sonst fällt auch auf, dass die Defensive unter Kramer stabilisiert wurde (das Gladbach-Spiel ausgenommen) und auch mehr der Weg zum Tor gesucht wird, wobei die Chancenverwertung allerdings noch Mangelware ist. Auch „blüht“ das Duo Voglsammer/Klos unter Kramer mehr auf, was allerdings auch damit zu tun hat, dass „Vogi“ lange verletzt war.

Wer unter Kramer kaum eine Rolle spielt, ist beispielsweise Jacob Laursen, der auf der linken Außenverteidigerposition von Anderson Lucoqui vertrieben wurde, der seine Sache da auch bis auf weniger Ausnahmen gut macht. Kramer setzt außerdem mehr auf Nilsson und Pieper in der Abwehr als auf van der Hoorn. Durch Maiers regelmäßigen Einsätze in der Startelf, ist Fabian Kunze mehr zum Einwechselspieler geworden. Eine letzte Sache, die mir in den letzten Wochen aufgefallen ist: Manuel Prietl sucht immer mehr den Weg zum Tor und soll auch nicht mehr nur defensiv absichern, generell ist vor allem im Spiel gegen Hertha aufgefallen, dass die Abschlüsse durch alle Spieler schneller erfolgen sollen.

Ein Erfolgsgarant ist Torwart Stefan Ortega, der die drittmeisten Weißen Westen aller Bundesliga-Keeper vorzuweisen hat. Zuletzt wurde er auch mit dem FC Bayern in Verbindung gebracht. Wie optimistisch bist du, dass er auch nächstes Jahr auf der Alm spielen wird?

Eva: Wenig optimistisch. Natürlich sind die Chancen höher, dass er bleibt, wenn Arminia den Klassenerhalt schafft, aber ich kann ihn natürlich auch verstehen, wenn er so ein Angebot bekommt. Ich glaube, dass Ortega definitiv einer der besseren Torhüter im deutschen Fußball ist, würde es dadurch umso enttäuschender finden, wenn er auf irgendeiner Ersatzbank rumsitzen würde. Im Falle eines Abstiegs gehe ich davon aus, dass neben Ortega auch unter anderem Amos Pieper uns verlassen wird.

Ein großer Nachteil im Abstiegskampf ist die schlechte Tordifferenz von -28, die nur Schalke 04 in dieser Saison unterbieten kann. Gleichzeitig blieb Bielefeld zehnmal ohne Gegentor. Wie kommt es zu dieser kuriosen Statistik?

Eva: Ich glaube, dass Hauptproblem ist, dass Bielefeld so lange defensiv stabil bleibt, bis das erste Gegentor fällt. Das hat man in Spielen gegen Frankfurt, Wolfsburg, Dortmund und jetzt auch gegen Gladbach gesehen. Da scheinen dann einige Mechanismen hinten nicht mehr zu greifen, obwohl man zwischendurch immer wieder einige Spiel zu null hatte, so wie auch vor der 5:1-Niederlage gegen Frankfurt, nach der man dann in fünf Spielen 17 Gegentore kassierte. Unter Kramer hatte sich das wieder einigermaßen stabilisiert, ebenso das Vermeiden von Gegentoren direkt nach Wiederanpfiff. Die zehn Weißen Westen sind aber natürlich auch Stefan Ortega zu verdanken, der hinten immer wieder hervorragende Leistungen im Eins gegen Eins abruft.

Zuletzt gab es gegen den direkten Konkurrenten Hertha BSC ein torloses Remis. Welche positiven Dinge lassen sich aus dem Spiel mitnehmen und was muss sich gegen die TSG ändern?

Eva: Vor allem die Defensive zeigte sich gegen Hertha stark verbessert, das hatten ja alle Beteiligten auch so nach der Niederlage in Gladbach thematisiert. Generell war dann die Offensive insoweit verbessert, dass sie in diesem Spiel überhaupt existierte und man auch meiner Meinung nach, die besseren Chancen hatte. Allerdings fehlte, wie so oft in dieser Saison, die Präzision beim Abschluss, wobei ein Sieg gegen Hertha in Anbetracht der Tabellensituation schon wichtig gewesen wäre. Bielefeld hat jetzt allerdings den Vorteil, dass man mit Hoffenheim und Stuttgart gegen zwei Vereine spielt, die zumindest mit dem Abstieg nichts mehr zu tun haben und für die auch eher wenig etwas nach oben in der Tabelle geht. Gegen Hoffenheim sollten also auf jeden Fall drei Punkte her, am Torverhältnis kann Bielefeld wahrscheinlich sowieso nicht mehr viel verändern.

Spielte zwischen 2011 und 2015 bei der TSG: Sven Schipplock (l.). (Foto: imago images)

Im Hinspiel trennten sich die Arminia und Hoffenheim 0:0, wobei dem Ex-Hoffenheimer Sven Schipplock ein möglicher Elfmeter verwehrt wurde. Was erwartest du vom Duell am kommenden Samstag?

Eva: Ich erwarte schon ein ähnliches Spiel wie im Hinspiel: Beide Mannschaften mehr oder weniger auf Augenhöhe, wobei Hoffenheim natürlich namentlich und spielerisch mehr auf den Platz bringen kann mit dem Personal. Ich find es ein wenig schwierig, Hoffenheim in eine Kategorie einzuordnen, da Arminia gegen direkte Abstiegskandidaten unter Kramer eigentlich immer Unentschieden gespielt und gegen Vereine darüber zum Teil etwas überraschend gewonnen hat. Ich hoffe natürlich, dass eine Entscheidung oder Nicht-Entscheidung des Schiedsrichter*innen-Gespanns spielentscheidend wird.

Wie lautet dein Tipp?

Eva: Ich hoffe auf ein 1:0-Sieg von Arminia. Hoffentlich habe ich jetzt nichts gejinxed. Fußballfans und Aberglaube – it’s a thing!

 

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Louis ist seit August 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Neben seinem Studium schreibt er für die Onlineportale Goal und Spox. Zudem begleitet Louis als Blinden- und Fanradioreporter ehrenamtlich die Spiele des SV Sandhausen.

Jakob ist seit Oktober 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Zudem ist er als freier Mitarbeiter der Sportredaktion der Rhein-Neckar-Zeitung tätig und begleitet als Blinden- und Fanradioreporter die Spiele des SV Sandhausen. Wer tagtäglich seine semi-lustigen Wortspiele und Einfälle verfolgen will, findet ihn auf Twitter unter @deruebeltaeter.

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Louis Loeser and Jakob Uebel
Louis ist seit August 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Neben seinem Studium schreibt er für die Onlineportale Goal und Spox. Zudem begleitet Louis als Blinden- und Fanradioreporter ehrenamtlich die Spiele des SV Sandhausen.

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