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„Gedanklich schon beim Auswärtsspiel in Sandhausen“

Die TSG Hoffenheim ist enttäuschend ins neue Jahr gestartet. Mit 1:3 verlor man vergangene Woche unglücklich im Baden-Derby gegen den SC Freiburg, nach 14 Spieltagen stehen die Kraichgauer damit auf Rang 13. Am Samstag (15.30 Uhr/Sky) steht ein vermeintlicher Pflichtsieg an: Die TSG fährt zum Tabellenletzten nach Schalke – ein klassisches „Sechspunktespiel“. Vor der Partie haben wir mit Sportjournalist (moin.de/REAL TOTAL) und Schalke-Fan Omar Ali (Twitter: @omar_ali04) gesprochen. Er erzählte uns unter anderem von der schlimmsten Saisons seines Lebens, dem Rückkehrer Sead Kolasinac und Clemens Tönnies.

Omar, schon in den letzten Saisons mussten sich die Anhänger der Knappen einiges anhören, dieses Jahr scheint die Lage aber so ernst wie nie: 14 Spiele, zehn Niederlagen, 39 Gegentore, kein Sieg. Wie erlebst du die Saison?

Omar Ali: Ich bin seit 20 Jahren Schalke-Fan und das ist mit Abstand die schlimmste Saison, die ich bisher erlebt habe. Wenn man denkt, dass die vergangene Spielzeit – wobei die Hinrunde eigentlich in Ordnung war – schon anstrengend genug war, dann setzt diese Saison noch einen drauf. Es ist einfach nur zum Heulen. Aber da müssen wir jetzt leider durch.

Und für wie wahrscheinlich hältst du das Nonplusultra des Leistungsabfalls – den Abstieg?

Omar: Ich muss ehrlich zugeben, dass ich gedanklich schon beim Auswärtsspiel gegen den SV Sandhausen bin. Spaß beiseite. Es sieht überhaupt nicht gut aus. Ich kann mir echt nicht vorstellen, wie man das jetzt noch schaffen sollte. Da muss fast schon ein Wunder geschehen. Als Mainz am vergangenen Spieltag zur Halbzeit 2:0 gegen Bayern führte, dachte ich mir nur: das war’s. Ein bisschen Hoffnung hat man aber als Schalker immer.

Konntest du der bisherigen Spielzeit dennoch etwas Positives abgewinnen?

Omar: Eine gemeine Frage… Um ehrlich zu sein: nein. Es gibt wirklich nichts Positives.

Seit dem 27. Dezember steht beim FC Schalke schon der vierte Coach in dieser Spielzeit an der Seitenlinie: Christian Gross. Warum ist ein Trainerwechsel in Gelsenkirchen stets der erste Lösungsansatz?

Omar: Das Problem war, bzw. ist die leider inkompetente Vereinsführung, die keine Ahnung hat, wie man nachhaltigen Erfolg schafft. Als Clemens Tönnies noch im Amt war, hatte er keine Geduld, um Entwicklungen abzuwarten, stattdessen wollte er möglichst schnell möglichst gute Erfolge. Inzwischen hat sich das einfach so manifestiert, dass der Druck auf dem Trainer wächst, wenn die Ergebnisse nicht passen. Und irgendwann wird der Druck zu groß und der Trainer ist unhaltbar. Der Einzige, den man davon ausnehmen könnte, war Christian Heidel. Er hatte stets Geduld und tauschte den Trainer erst im Sommer aus, sodass der Nachfolger genug Zeit hat, um die Mannschaft ordentlich vorzubereiten.

Seit Dezember Schalker Cheftrainer: Christian Gross. (Foto: Annegret Hilse/Getty Images)

Auch wenn sein Debüt-Spiel gegen Hertha 0:3 verloren ging, sahen die Knappen in der ersten Hälfte recht solide aus. Hast du schon Veränderungen unter Gross wahrgenommen?

Omar: Christian Gross hatte nur fünf Trainingstage Zeit, die Mannschaft kennenzulernen und ihr etwas Selbstbewusstsein zu geben. Davon hat man immerhin zu Beginn etwas gesehen. In der Anfangsphase war Schalke ein wenig griffiger und aktiver als die Herthaner. Das sah schon fast nach Fußball aus. Sogar nach dem Gegentreffer hat man versucht, schnell eine Antwort zu geben – aber leider ohne Erfolg. Nach dem 0:2 zerfiel Schalke dann in seine Einzelteile, wie schon in der ganzen Saison.

Sead Kolasinac kehrt für die Rückrunde leihweise in den Ruhrpott zurück. Wie hast du auf den Transfer-Hammer reagiert und was erwartest du vom Linksverteidiger?

Omar: Ich habe mich sehr gefreut. Mit seiner Rückkehr sind natürlich auch große Erwartungen verknüpft. Vielleicht schafft er es irgendwie, diese leblose Mannschaft zu motivieren und dafür zu sorgen, dass ausgerechnet gegen die TSG Hoffenheim (bei der er in der U17 ja aktiv war) der erste Sieg nach fast einem Jahr eingefahren wird.

Trotz finanzieller Probleme soll mit dem Transfer von Kolasinac noch nicht Schluss sein und Schalke schaut sich nach weiteren Verstärkungen um. Wo siehst du noch Bedarf?

Omar: Da Rechtsverteidiger Kilian Ludewig mit einem Mittelfußbruch lang ausfällt, wäre auf dieser Position auf jeden Fall ein Ersatz nötig. Dazu braucht es auch Verstärkung auf der Mittelstürmerposition. Was ich aber einfach nicht verstehe ist, weshalb Ahmed Kutucu keine Chance bekommt. Ansonsten wären auch torgefährliche Spieler auf den Außenpositionen nicht schlecht. Hatten wir auf Schalke seit Jahren nicht mehr.

Nachdem Clemens Tönnies von Skandalen überwältigt im Juni von seiner Position als Aufsichtsratsvorsitzender zurückgetreten war, stand zuletzt im Raum, dass er S04 erneut finanziell unter die Arme greifen soll. Was löst das in einem Schalke-Fan aus?

Omar: Ich bin zunächst einmal froh, dass Schalke das Angebot von Clemens Tönnies abgelehnt hat. Nach den ganzen Skandalen war ich echt wütend, als ich lesen musste, dass er Schalke helfen möchte. Umso erleichterter bin ich, dass es nicht dazu kommen wird. Ich glaube, mehr muss ich dazu nicht sagen.

Nach Cum-Ex Geschäften, Preisabsprachen, Rassismus- und Corona-Skandalen trat er im Sommer zurück: Clemens Tönnies. (Foto: imago images)

Im letzten Duell zwischen S04 und der TSG trennte man sich nach einer zerfahrenen Begegnung mit 1:1. Was für ein Spiel erwartest du am Samstag?

Omar: Schwer zu sagen. Da es auch bei der TSG nicht so gut läuft, steht dieses Mal nicht nur Schalke unter Druck. Nur zwei Siege aus den letzten zwölf Ligaspielen, dazu das Aus im DFB-Pokal gegen Fürth und die Heimniederlage am vergangenen Spieltag gegen Freiburg. Hoffenheim hinkt seinen eigenen Ansprüchen hinterher und das ist vielleicht die perfekte Chance für Schalke es auszunutzen. Aber spätestens, wenn ich die Aufstellung sehe, denke ich mir: „Hey, das sieht doch nach einer ganz guten Startelf aus“, nur um mich dann daran zu erinnern, dass das größtenteils dieselben sind, die seit knapp einem Jahr nicht mehr gewinnen konnten.

Und wie geht es aus?

Omar: Ich mache diesen dummen Fehler jede Woche… Schalke gewinnt 2:1 und beendet diese grausame Sieglosserie.

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Jakob ist seit Oktober 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Zudem ist er als freier Mitarbeiter der Sportredaktion der Rhein-Neckar-Zeitung tätig und begleitet als Blinden- und Fanradioreporter die Spiele des SV Sandhausen. Wer tagtäglich seine semi-lustigen Wortspiele und Einfälle verfolgen will, findet ihn auf Twitter unter @deruebeltaeter.

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Jakob Uebel
Jakob ist seit Oktober 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Zudem ist er als freier Mitarbeiter der Sportredaktion der Rhein-Neckar-Zeitung tätig und begleitet als Blinden- und Fanradioreporter die Spiele des SV Sandhausen. Wer tagtäglich seine semi-lustigen Wortspiele und Einfälle verfolgen will, findet ihn auf Twitter unter @deruebeltaeter.

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