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„Es wird eine ganz schwierige Saison“ – Gegnerinterview vorm Spiel gegen den 1. FC Köln

Nach dem zittrigen Weiterkommen im Pokal gegen Chemnitz (4:5 i. E.) startet für die TSG am Samstag nun auch die Bundesliga. Der Gegner ist der 1. FC Köln, welcher die letzte Saison als Tabellenvierzehnter beenden konnte. Vor dem Duell mit den Geißböcken stand uns Arne Steinberg (Twitter: @steinberg_arne) von CORRECTIV und effzeh.com Rede und Antwort. Dabei erzählte er uns von Kölner Kadersorgen, einer holprigen Vorbereitung und seiner Prognose für die Begegnung am Wochenende.

Hoffenews: Arne, bevor wir zum sportlichen kommen, wollen wir über die Transferperiode reden: Die einzigen Zugänge sind Stand jetzt der ausgeliehene Ron-Robert Zieler von Hannover 96 sowie der fest verpflichtete Ondrej Duda von Hertha BSC. Torjäger Simon Terodde hingegen ist sind zum HSV gewechselt, Jhon Cordoba zur Hertha. Auf welchen Positionen sind notwendige Verstärkungen bislang ausgeblieben?

Arne Steinberg: Stand heute fehlt dem 1. FC Köln die komplette Offensive aus der Rückrunde. Cordoba und Uth sind gewechselt, Jakobs und Kainz verletzt. Limnios ist auf dem Weg, muss aber noch einen negativen Corona-Test abwarten. Andersson und Duda kommen auch – aber das ändert nichts daran, dass die Offensive alles andere als eingespielt in die Saison starten wird.

Hoffenews: In dieser Woche machte der FC den Tauschdeal perfekt: Jhon Cordoba ging zu Hertha BSC und im Gegenzug wechselte Mittelfeldspieler Ondrej Duda ans Geißbockheim – ein guter Deal?

Arne Steinberg: Der 1. FC Köln war gezwungen, Jhon Cordoba zu verkaufen, um im diesem Jahr überhaupt mal Geld einzunehmen. Dass dann ein Großteil reinvestiert wird, ist verständlich, schließlich braucht die Mannschaft Qualität. Aber offenbar wird da wieder ein finanzielles Risiko eingegangen, was im Worst-Case-Szenario eines Abstiegs den Verein wieder um Jahre zurückwirft.

Hoffenews: Und da gab es ja noch die Geschichte mit Streli Mamba. Um dich in guter Stefan-Raab-Manier zu fragen: Was war da denn los?

Arne Steinberg: Wochenlange Verhandlungen mit gefühlt täglichen Updates von Horst Heldt in der Presse und dann ein unbefriedigendes Ergebnis im Medizincheck – ein klassischer Fast-Transfer des 1. FC Köln, könnte man sagen.

Hoffenews: Zudem wurde vor kurzem mit Ex-TSG-Coach Markus Gisdol verlängert. Obwohl er letzte Saison nur als Retter in der Not für Achim Beierlorzer kam, plant man in Köln nun bis 2023 mit ihm. Warst du mit der Entscheidung zufrieden?

Arne Steinberg: Da er noch ein Jahr Vertrag hatte, bestand eigentlich keine Notwendigkeit. Durch den Klassenerhalt hatte sich sein Arbeitspapier automatisch verlängert. Von daher habe ich nicht so ganz nachvollziehen können, warum er so früh und unter diesen Eindrücken einen neuen Vertrag bekommen hat. Damit hätte man bis zum Winter warten können, um zu schauen, wie die Mannschaft bis dahin performt. Aber gut, sicher ist sicher und wenn man beim 1. FC Köln eines weiß: Gute Verträge gibt es für alle.

Hat seinen Vertrag bei den Geißböcken bis 2023 verlängert: Markus Gisdol. (Foto: Getty Images)

Hoffenews: Und was erhoffst du dir für die kommende Saison? Gehen deine Wünsche über den Klassenerhalt hinaus?

Arne Steinberg: Nein, ein Klassenerhalt wäre glaube ich das höchste der Gefühle. Wenn man die Vorbereitung als Maßstab nimmt, wird es eine ganz schwierige Saison für den FC.

Hoffenews: Dann kommen wir mal wieder zum Fußball. Der FC hat sein erstes Pflichtspiel der Saison in der ersten Rundes Pokals gegen Altglienicke souverän mit 6:0 zu bestritten. Wie lief die sonstige Vorbereitung vorm Bundesliga-Start?

Arne Steinberg: Schlüsselspieler verletzt und keine Verstärkung auf der Zehn oder auf den Flügeln – so ist der FC in die letzte Trainingswoche vor dem Bundesligaauftakt gestartet. Einige Spieler wie Özcan oder Rexhbecaj konnten diese Vakanzen vielleicht für sich nutzen, aber ob ihre Qualitäten dafür ausreichen, in der Bundesliga zu bestehen, wage ich mal vorsichtig in Frage zu stellen. Durch die Verpflichtungen in dieser Woche lindert sich diese Not. Ich bin gespannt, wie schnell die Mannschaft leistungsfähig sein wird.

Hoffenews: Die TSG hingegen konnte sich gegen den Regionalligisten aus Chemnitz nur wacklig im Elfmeterschießen durchsetzen. Könnten die Pokal-Duelle einen Einfluss auf kommenden Samstag haben, oder hältst du das für Quatsch?

Arne Steinberg: Das halte ich für Quatsch, wenngleich ich bei Hoffenheim jetzt auch nicht den besten Eindruck gewinnen konnte und auch nicht restlos von der Leistungsfähigkeit überzeugt bin. Dem FC haben sie aber voraus, dass sie eingespielt sind und eigentlich keine nennenswerten Abgänge zu verzeichnen hatten. Das kann schon ein Vorteil sein.

Der FC beim Pokalspiel gegen den VSG Altglienicke. (Foto: imago)

Hoffenews: Der letzte Ligasieg der Kölner gegen die TSG Hoffenheim ist fünfeinhalb Jahre her. Die letzten 8 Bundesliga-Duelle ziehen folgende Bilanz: Fünf Hoffenheimer Siege, drei Remis und ein Torverhältnis von 20:4 für die TSG. Ist das Team aus dem Kraichgau die letzten Jahre so etwas wie der Angstgegner des FC geworden?

Arne Steinberg: Der Angstgegner ist eher Dietmar Hopps Anwalt, über ihn macht man sich in Köln mehr Sorgen. Rein sportlich hat man jetzt aber auch nicht die besten Erinnerungen, das stimmt schon.

Hoffenews: Bei der letzten Begegnung zwischen Köln und Hoffenheim gewann die TSG in einer sehr ausgeglichenen Partie mit 3:1. Am Samstag steht allerdings mit Sebastian Hoeneß ein neuer Trainer an der Seitenlinie. Was erwartest du für ein Spiel?

Arne Steinberg: Köln wird im 4-4-2 im Mittelfeldpressing versuchen, die ganz große Torgefahr zu verhindern. Mit Ball wird es dann schwierig. Von daher erwarte ich mehr als 60 % Ballbesitz der TSG, wenig Torabschlüsse des FC und insgesamt wohl ein eher zähes Spiel.

Hoffenews: Und was ist dein Tipp?

Arne Steinberg: Auch mit Zuschauer*innen im Stadion wird der 1. FC Köln weiter ohne Sieg bleiben, Hoffenheim gewinnt mit 2:0.

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Jakob ist seit Oktober 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Zudem ist er als freier Mitarbeiter der Sportredaktion der Rhein-Neckar-Zeitung tätig und begleitet als Blinden- und Fanradioreporter die Spiele des SV Sandhausen. Wer tagtäglich seine semi-lustigen Wortspiele und Einfälle verfolgen will, findet ihn auf Twitter unter @deruebeltaeter.

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Jakob Uebel
Jakob ist seit Oktober 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Zudem ist er als freier Mitarbeiter der Sportredaktion der Rhein-Neckar-Zeitung tätig und begleitet als Blinden- und Fanradioreporter die Spiele des SV Sandhausen. Wer tagtäglich seine semi-lustigen Wortspiele und Einfälle verfolgen will, findet ihn auf Twitter unter @deruebeltaeter.

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