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„Es ist sehr schwer, der Eintracht etwas entgegenzusetzen“

Nach der 1:4-Niederlage in München wartet auf die TSG am 20. Spieltag der Männer-Bundesliga (Sonntag, 15:30 Uhr / Sky) in der heimischen PreZero-Arena mit Eintracht Frankfurt die nächste harte Nuss. Vor dem Duell mit den Hessen haben wir mit der freien Journalistin und Eintracht-Anhängerin Solveig Haas (Twitter: @solveighaas) gesprochen. Sie erklärte uns den aktuellen Höhenflug der SGE, warum der Transfer von Luka Jovic „Balsam auf den Fan-Seelen“ war und wieso die Frankfurter gegen die TSG seit sieben Spielen ungeschlagen sind.

Auf den Hinspiel-Sieg gegen die TSG folgten sieben Remis und zwei Niederlagen. Mittlerweile führt die Eintracht die Formtabelle der Bundesliga mit 13 Punkten aus fünf Spielen an. Wie hat sich die SGE aus dieser zwischenzeitlichen Schwächephase befreit?

Solveig Haas: Ich finde nicht, dass man von einer Schwächephase reden sollte. Natürlich sehen Remis nicht so gut aus, die Punkte teilen zu müssen ist ärgerlich. Aber ich glaube, dass zumindest intern immer klar war, dass das nur eine Frage der Zeit ist. Es war einiges an Feinarbeit nötig, Abstimmung und ich glaube auch ein Quäntchen Zufall. Der Abgang von Bas Dost und die taktische Umstellung, zu der er Cheftrainer Adi Hütter zwang, war wahrscheinlich eine der Stellschrauben. Jetzt tut die Rückkehr von Luka Jovic ein Übriges.

Was macht das Team momentan so stark?

Solveig: Die Kombination aus einem sehr kreativen, quirligen Angriff und einer stabilen, aber trotzdem nicht unbeweglichen Abwehr. Silva und Hinteregger sind da natürlich die Namen, die herausstechen, aber am Ende ist es absolutes Teamwork. Über außen laufen die Angriffe der Eintracht ja schon lange gut, jetzt ist auch das Zentrum gefährlich und wenn wir ehrlich sind, sogar die Abwehrspieler. Ich glaube, es ist sehr schwer, dem etwas entgegenzusetzen.

André Silva spielt derzeit die Saison seines Lebens. Mit 16 Toren aus 18 Spielen ist der Portugiese der zweitbeste Torschütze der Bundesliga. Was zeichnet ihn in dieser Saison neben seiner Torgefahr aus?

Solveig: Er ist ein sehr intelligenter Spieler und dabei trotzdem völlig abgeklärt. Oft ist ja das Problem, dass ein Stürmer vor dem Tor entweder zu viel oder zu wenig nachdenkt – das Gefühl hat man bei Silva nie. Er versteht das Spiel, integriert sich auch mal weiter hinten und sieht seine Mitspieler – auch wenn das manchmal bedeutet, den Abschluss nicht selbst zu machen.

Nur Lewandowski kann ihn derzeit toppen: Frankfurts Torgarant André Silva (Foto: imago images)

Ex-TSG-Spieler David Abraham kehrte Mitte Januar nach fünf Jahren bei der Eintracht nach Argentinien zurück. Wie schwer fiel der Abschied vom Capitano aus Fan-Sicht?

Solveig: Es war sehr emotional und fiel uns allen wirklich schwer – vor allem, weil er eben nicht gebührend im Stadion verabschiedet werden konnte. Ich glaube wir alle verstehen, warum er gehen musste. Aber den Abschied im vollen Waldstadion vor allen Fans, den hätte er verdient gehabt.

Im vergangenen Monat kehrte Luka Jovic leihweise von Real Madrid zurück nach Frankfurt und erzielte seitdem in vier Spielen ein Tor mehr als in 32 für die Königlichen. Wie wichtig ist dieser Transfer und warum passt Jovic so gut nach Frankfurt?

Solveig: Der Jovic-Transfer war quasi magisch. Es ist die Kombination aus einem Stürmer, der nicht nur endlich wieder spielen darf, sondern wirklich nach Hause kommt und einer Mannschaft, der er offensichtlich gefehlt hat, als Spieler aber zumindest teilweise auch menschlich. Fußball ist so viel Kopfsache, das hat dieser Transfer ganz deutlich gemacht. Natürlich passt auch das Spiel auf Ballbesitz der Eintracht gut zu Jovic – und umgekehrt. Und wie sehr Kostic seitdem wieder aufdreht, ist auch ein Traum. Dass der Transfer Balsam auf den Fan-Seelen war, ist glaube ich sowieso klar.

Die Jovic-Rückkehr ist vor allem Sportvorstand Fredi Bobic zu verdanken, der zuletzt auch mit Hertha BSC in Verbindung gebracht wurde. Wie hart würde ein Bobic-Abgang die Eintracht treffen?

Solveig: Ganz nüchtern betrachtet glaube ich gar nicht so hart. Bobic hat ein wirklich solides Fundament gelegt und er würde nicht ohne eine geordnete Übergabe gehen, nicht ohne einen Nachfolger, dem er vertraut. Der könnte ja sogar durchaus aus den eigenen Reihen kommen.
Emotional betrachtet gehört er natürlich zur Eintracht und solche Spekulationen bringen Unruhe. Dazu, dass sie ausgerechnet vor dem Spiel gegen Hertha BSC aufkamen, mag sich jeder seinen Teil denken.

Im vergangenen Sommer kam Steven Zuber im Tausch für Mijat Gacinovic von der TSG nach Frankfurt. Wie bewertest du den Deal im Nachhinein?

Solveig: Ich habe großes Vertrauen in die Arbeit der Eintracht, was Transfers angeht, deshalb glaube ich, dass er schlicht alternativlos war. Ich glaube allerdings auch, dass dieser Deal ohne die Corona-Pandemie so nicht zustande gekommen wäre. Um das detaillierter zu beurteilen, habe ich zu wenig Einblick. Fakt ist, dass Zuber bei der Eintracht nicht so richtig einschlug, aber ja so oder so eher die Nummer zwei hinter Kostic ist.

Haben im Sommer das Trikot getauscht: Steven Zuber und Mijat Gacinovic (Foto: imago images)

Bereits seit sieben Spielen ist die Eintracht gegen die TSG ungeschlagen, fünfmal in Folge konnte das Team gewinnen. Wieso lief es gegen Hoffenheim in den letzten Jahren so gut für die Hessen?

Solveig: Um das so pauschal zu beantworten, gab es bei beiden Mannschaften über diesen Zeitraum zu viele Veränderungen. Ich versuch’s trotzdem: Hoffenheim wackelt oft in der Defensive, vor allem außen, ist vorne dafür gefährlich. Das liegt der Eintracht, mit ihrer routinierten Abwehr und den schnellen, flexiblen Angriffen, die oft über die Flügel kommen. Wenn keine Pandemie ist, ist aber definitiv auch der Rückhalt der Fans ein Faktor – besonders Zuhause aber auch auswärts.

Was erwartest du von dem Spiel am Wochenende?

Solveig: Dass die Eintracht so selbstbewusst und angriffslustig auftritt, wie in den letzten Spielen. Ich glaube an einen knappen Sieg für die Eintracht.

Und wie endet das Spiel?

Solveig: 2:3

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Louis ist seit August 2019 Teil von Hoffenews und als Chefredakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Als Werkstudent schreibt er zudem für das Onlineportal Goal.com (Teil von DAZN) und begleitet als Blinden- und Fanradioreporter die Spiele des SV Sandhausen.

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Louis Loeser
Louis ist seit August 2019 Teil von Hoffenews und als Chefredakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Als Werkstudent schreibt er zudem für das Onlineportal Goal.com (Teil von DAZN) und begleitet als Blinden- und Fanradioreporter die Spiele des SV Sandhausen.

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