Interview

Erster Dreier im ersten Heimspiel der Saison

TSG gewinnt mit 3:2 gegen Werder Bremen

Zur Partie selbst ist ja schon fast alles gesagt und viel besser als der Hoffenheimblog können wir das gar nicht analysieren.

So haben wir uns einfach erlaubt, jemanden mit Expertise zu Werder Bremen 5 Fragen nach dem Spiel zu stellen.

Wir freuen uns, dass Tim Hilbert sich die Zeit dafür genommen hat.

HOFFENEWS: 0 Punkte nach 2 Spielen. In Bremen hat man sich die Start sicher anders vorgestellt. Woran lag es?

Natürlich verlief der Start keineswegs wie erhofft und man steht nun gehörig unter Druck am Samstag den ersten Sieg einfahren zu müssen. Die Stimmung heizt sich in Bremen gerade etwas auf, da mit der letzten Saison natürlich Erwartungen geschürt worden sind, welche nun drohen nicht erfüllt zu werden. Allerdings müssen die momentanen Ergebnisse natürlich immer im Kontext gesehen werden und vor allem die Verletzungsproblematik in der Defensive macht der Mannschaft gehörig zu schaffen. Gegen Hoffenheim musste der gelernte Innenverteidiger Marco Friedel wie auch im Spiel gegen Fortuna Düsseldorf den verletzten Ludwig Augustinsson auf der linken Seite vertreten. Während durch den verletzungsbedingten Wechsel von Ömer Toprak, Maximilian Eggestein die rechte Seite bekleiden musste, auch wenn sein Fähigkeitenprofil so gar nicht zu dem eines Rechtsverteidiger passt. Nichtsdestotrotz wird noch mit dem Kauf eines Außenverteidigers gerechnet und auch das Lazarett lichtet sich so langsam, sodass in Zukunft wieder mehr Optionen zur Verfügung stehen werden. 

Auffällig in den ersten Spielen waren vor allem große Schwächen in der Konterabsicherung sowie bei defensiven Standardsituationen. Auf beide angesprochenen Bereiche sind alle bisher kassierten Tore zurückzuführen, sodass man nach zwei Spieltagen bereits 6 Gegentreffer zu beklagen hat. Zudem fehlt momentan ein wenig das notwendige Spielglück, da die Niederlagen gegen Düsseldorf und Hoffenheim bei Weitem nicht auf eine klar bessere Leistung des jeweiligen Gegners zurückzuführen sind. Speziell gegen Düsseldorf konnte man sich in den ersten 30 Minuten zahlreiche Torchancen herausspielen, welche bei einem möglichen Torerfolg den folgenden Spielverlauf sicherlich geändert hätten. 

Angesichts dessen bin ich weit davon entfernt alles schwarzzumalen und habe vollstes Vertrauen in Kohfeldt und sein Trainerteam, das bald Besserung zu sehen sein wird. 

HOFFENEWS: Auch am Samstag hat der VAR wieder Einfluss auf das Spiel genommen. Wie siehst Du das Thema und war es Handspiel von Eggestein vor dem 2:2?

Grundsätzlich bin ich ein großer Befürworter des Videobeweis, da in dem Milliardengeschäft Fußball jedes Mittel zu größerer Gerechtigkeit sowie zu genauerer Ergebnisbestimmung seine Berechtigung besitzt. Nichtsdestotrotz ist der VAR in seiner momentanen Form so nicht tragbar. Dies liegt unter anderem an der Willkür mit der spielentscheidende Szenen von Spiel zu Spiel entschieden werden und zum anderen an der fehlenden Transparenz für die Zuschauer vor den TVs und speziell im Stadion. Dass dieses System die Zukunft darstellt, steht für mich außer Frage, jedoch würde ich mir ein paar Adaptionen wie zum Beispiel das “Challenge-Recht” beider Trainer wünschen, welche den VAR insgesamt gerechter erscheinen lassen würde.

Bezüglich des Handspiels am vergangenen Samstag gehe ich mit Florian Kohfeldt konform, welcher nach dem Spiel sagte, dass es anhand der neuen Regelauslegung korrekt war, dieses Tor nicht zu werten. Es bleibt zu hoffen, dass diese neue Regel auch in zukünftigen Bundesligaspielen Bestand hält, sodass einem möglichen Interpretationsspielraum sowie erneuten Diskussionen vorgebeugt werden kann.

HOFFENEWS: Der SV Werder Bremen entwickelt sich in jeder Saison zur Wundertüte. Wie wird es in dieser Saison aussehen?

Werder Bremen befindet in einer vergleichbaren Situation wie die TSG Hoffenheim, da bei beiden die erste Saison ohne die jeweilige Galionsfigur der letzten Jahre ansteht. Speziell der Abgang von Kruse hinterlässt bei Werder ein riesiges Vakuum im Aufbau & Offensivspiel, was nicht zuletzt im Spiel am letzten Samstag deutlich wurde. Zwar wird von Vereinsseite versucht den Abgang und die damit verlorenen Qualität möglichst kleinzureden, aber diese Personalie bleibt zweifelsohne ein zweischneidiges Schwert. Zum einen ist mit Kruse eine unbestreitbare fußballerische Qualität verloren gegangen, welche so im Kader von Werder Bremen nicht wiederzufinden ist. Zum anderen bietet jedes Ende eine neue Chance und speziell im Fall Werder Bremen wird dies eher als Chance statt Verlust angesehen. Seit der Ankunft Kruses im Jahr 2016, war das gesamte Spiel auf ihn ausgelegt und man hat sich damit anderer Optionen im Spielaufbau beschnitten, da sowohl Kruse als auch Werder Bremen auf diese eindimensionale Herangehensweise angewiesen waren. 

Die große Hoffnung und zugleich der größte Pluspunkt für eine hoffentlich erfolgreiche Saison bleibt Trainer Florian Kohfeldt, welcher hervorragende Leistungen bei seinem Jugendverein leistet und erst kürzlich seinen Vertrag bis 2023 verlängert hat. Vorallem aufgrund dieser Personalie ist mit einer erneut konkurrenzfähigen Bremer Mannschaft zu rechnen, welche vor Kurzem das Ziel Europa als Saisonziel ausgegeben hat. 

Während andere Mannschaftsteile erhebliche Schwächen im Vergleich zur Konkurrenz aufweisen, kann der Mittelfeldraute durchaus internationale Qualität beigemessen werden. Speziell ein möglicher Transfer von Nabil Bentaleb könnte die angesprochene Qualität nochmal steigern und die Chancen auf das internationale Geschäft erhöhen.

Meiner Meinung nach bleibt Werder auch in dieser Saison eine kleine Wundertüte, da es unklar bleibt, ob der Kruse Abgang im Kollektiv aufgefangen werden kann und wie sich die Mannschaft auf die geänderte Spielanlage einstellen kann. Europa bleibt das ausgegebene Ziel, es sollte allerdings niemand enttäuscht sein, falls dieses Ziel wieder nur knapp verpasst werden würde.

HOFFENEWS: Claudio Pizzaro? Wie siehst Du seine Rolle im Team?

Claudio Pizarro hat trotz seines biblischen Alters immer noch eine unheimliche Wichtigkeit für den gesamten Kader und speziell für die Verbindung Fans zur Mannschaft. Alleine seine ersten Schritte zum Warmmachen löst im gesamten Stadion eine unfassbare Euphorie aus, welche mit der darauffolgenden Einwechslung ihren Höhepunkt erreicht. Nichtsdestotrotz darf trotz dieses Faktors seine sportliche Rolle keineswegs untergraben werden. Pizarro bindet aufgrund seiner physischen Präsenz auf dem Spielfeld sofort Gegenspieler, welche natürlich auch von dem Mythos um seine Person wissen. Seine Ballsicherheit sowie eine enorm hohe technische Qualität gepaart mit einem guten Auge für Mitspieler im letzten Drittel machen ihn je nach Spielverlauf zu Werders erster Einwechseloption, da sich mit ihm nochmal die Statik des Spiels verändern kann. Kohfeldt möchte diesen Faktor keineswegs missen und betonte zuletzt: „Es ist niemals ein Geschenk an Claudio, wenn ich ihn einwechsle, sondern immer das Resultat seiner Arbeit und seines Wertes für uns.“, was seine Qualität und Wichtigkeit nochmal unterstreicht. 

Ein weiterer nicht zu vernachlässigender Faktor ist seine Vorbildfunktion für jüngere Spieler im Verein, welche ihn bereits im Kindesalter spielen sehen haben. Speziell Josh Sargent und Johannes Eggestein profitieren von der täglichen Trainingsarbeit mit Pizarro und dieser ist stets gewillt seinen prädestinierten Nachfolgern einige Tipps auf den Weg mitzugeben.

HOFFENEWS: Auch wenn die Saison noch jung ist … Wer wird Meister und wo wird die TSG Hoffenheim am Ende stehen?

Meiner Meinung nach wird, wie in den Jahren zuvor, der Weg nur über den FC Bayern München führen, auch wenn Borussia Dortmund unfassbar gute Arbeit auf dem Transfermarkt geleistet hat. Trotzdem, könnte der Coutinho Transfer das entscheidende Puzzleteil sein, welches das Team nochmal auf eine andere sportliche Ebene befördern kann. Der TSG Hoffenheim sage ich eine “Übergangssaison” voraus, welche nach der Ära Nagelsmann und einem großen Aderlass im Sommer unumgänglich sein wird. Trotzdem bin ich von Schreuders ballbesitzorientierter Fußballphilosophie sehr überzeugt und die Neuzugänge machen auf mich bis dato einen sehr vielversprechenden Eindruck. Speziell Robert Skov und Diadie Samassekou müssen hier genannt werden, welche sich trotz namhafter Konkurrenz für die TSG Hoffenheim entschieden haben und somit als weiteres Beispiel für Alexander Rosens hervorragende Transferpolitik dienen können. Auf einen Tabellenplatz möchte ich mich noch nicht festlegen, da die Mannschaft noch einiges an Zeit benötigen wird, um Schreuders Idee umsetzen zu können, aber alles über Platz 10 sollte meiner Meinung nach als Erfolg verbucht werden.

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Mehr zu mir gibt es bei Google oder (sogar) auf Wikipedia 😉

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Marco Ripanti
Mehr zu mir gibt es bei Google oder (sogar) auf Wikipedia ;-)

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