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AktuellesInterviewVorbericht

„Enttäuschung und Ohnmacht übernehmen so langsam die Oberhand“

Nach den Niederlagen gegen Mainz und Stuttgart sowie mehreren verletzten Nationalspielern war auch diese Länderspielpause aus Sicht der TSG Hoffenheim eine der unangenehmeren Sorte. Am Samstag (15:30 Uhr / Sky) geht es für die auf Rang elf stehenden Kraichgauer zum FC Augsburg. Vor der Partie gegen die Fuggerstädter stand uns Andy Riedl vom Augsburger Blog Rosenau Gazette Rede und Antwort. Er erzählte uns dabei unter anderem von der derzeitigen Verfassung des FCA, Heiko Herrlich und warum er am Sonntag ein unansehnliches Spiel erwartet.

Andy, mit sechs Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz steht der FCA nun bereits seit acht Spieltagen auf dem 13. Platz. Wie zuversichtlich bist du derzeit, dass man nichts mehr mit dem Abstiegskampf zu tun haben wird?

Andy Riedl: Nicht zuversichtlich genug. Sechs Punkte wirken viel, sind es aber nicht. Der Abstand kann innerhalb von wenigen Spielen schmelzen und die Clubs hinter uns, haben schon gezeigt, dass sie zumindest zwischenzeitlich einen Gang zulegen können. Bei uns wirkt das selbst eher wie eine Lotterie. Es verbleibt ein mulmiges Gefühl.

Aus den letzten acht Spielen konnte Augsburg nur zwei gewinnen, man traf dabei aber auch unter anderem auf den BVB sowie Leipzig. Wie ist derzeit die Stimmung im Klubumfeld?

Andy: Etwas desillusioniert. Prinzipiell scheint der Kader stark und ausgeglichen besetzt zu sein. Die Mannschaft kann ihr vermeintliches Potenzial allerdings nur sehr selten abrufen. Obwohl es wieder einige Clubs gibt, die aus ihrer Perspektive Katastrophensaisons abliefern, geht der Blick trotzdem nach unten. Enttäuschung und Ohnmacht übernehmen so langsam die Oberhand.

Trainer Heiko Herrlich ist nun etwas mehr als ein Jahr im Amt. Wie bewertest du seine Arbeit?

Andy: Birgit Kaiser hat hier bei uns im Blog zuletzt einen ausführlichen Vergleich mit Vorgänger Martin Schmidt gezogen. Heiko Herrlich hat zwar das Spiel etwas stabilisiert, aber mehr Erfolg hat er damit auch nicht. Der Mechanismus im Profifußball ist, dass sich Heiko Herrlich an den Ergebnissen messen lassen muss, und hier ist die Lage schon eher ernüchternd. Die Spielweise der Mannschaft sorgt dann auch nicht für einen Bonus.

Musste sich bei der 0:2-Niederlage beim SC Freiburg warm anziehen: FCA-Coach Heiko Herrlich. (Foto: imago images)

Herrlich ließ zuletzt einen sehr pragmatischen und defensiven Fußball spielen, was Spiele gegen Augsburg für Gegner und Zuschauer oft unangenehm gestaltete. Wie siehst du diese Entwicklung?

Andy: Das Spiel des FC Augsburg hat momentan ein großes Manko: das Herausspielen von Torchancen. Dies ist der Punkt, bei dem wir uns von Heiko Herrlich eine Verbesserung erhofft hätten. Diese Hoffnung hat sich nicht erfüllt. Ich habe nichts dagegen, dass wir pragmatischen und kampfbetonten Fußball spielen. Es muss auch nicht immer ansehnlich sein. Aber zielstrebig und gefährlich in Richtung gegnerisches Tor. Hier muss der Trainer Lösungen finden.

Mit gerade einmal 27 Treffern stellt Augsburg die fünftschwächste Offensive der Liga. Welche Rolle spielt dabei der langfristige Ausfall von Stürmer Alfred Finnbogason?

Andy: Der FC Augsburg ist mit Alfred Finnbogason stärker als ohne. Dennoch darf dies keine Ausrede sein. Der Kader des FCA ist offensiv stark und mehrfach besetzt und die Personaldecke war in letzter Zeit nicht dünn. Auch ein Alfred Finnbogason müsste entsprechend in das Spiel eingebunden werden, so dass Torchancen entstehen. In dieser Hinsicht waren die Leistungen der Mannschaft zuletzt schlicht nicht ausreichend.

Mit Rafal Gikiewicz, Tobias Strobl und Daniel Caligiuri kamen im Sommer einige sehr erfahrene Spieler zum FCA. Welcher der Neuzugänge hat dich besonders beeindruckt?

Andy: Gikiewicz ist bisher der Anker unserer Saison. Er hat uns schon einige Punkte festgehalten und uns in mancher Situation, die aussichtslos wirkte, im Spiel gehalten. Er ist ein beeindruckendes Mentalitätsmonster und mit Sicherheit der Transfer der Saison.

Kam im Sommer ablösefrei von Union Berlin: Augsburgs Keeper Rafael Gikiewicz.

Nur zwei Augsburger Profis waren in der vergangenen Länderspielpause im Einsatz, der dritte Nationalspieler Laszlo Benes kehrte in der vergangenen Woche bereits frühzeitig in die Fuggerstadt zurück. Könnte das gegen die TSG, die insgesamt zwölf Spieler abstellte, ein entscheidender Faktor werden?

Andy: Klar könnte das einen Unterschied machen. Es geht in die heiße Phase der Saison und sowohl die Verletztensituation als auch die grundsätzliche Belastungssteuerung wirkt sich nun vermehrt aus. Bei uns hat sich allerdings Florian Niederlechner in der Länderspielpause verletzt und so hat sich die Ruhe nicht nur positiv ausgewirkt.

Die letzten beiden Duelle konnte die TSG mit 3:1 für sich entscheiden. Was erwartest du von dem Spiel am Samstag?

Andy: Ich erwarte eine unansehnliche Partie, in der die Mannschaft die Kontrolle übernimmt, die besser in die Zweikämpfe findet. Insgesamt erwarte ich wenig Torchancen. Wer das erste Tor schießt, ist erheblich im Vorteil.

Was ist dein Tipp?

Andy: Ein abgemühtes 0:0. Als ob hier überhaupt jemand ein Tor schießt.

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Jakob ist seit Oktober 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Zudem ist er als freier Mitarbeiter der Sportredaktion der Rhein-Neckar-Zeitung tätig und begleitet als Blinden- und Fanradioreporter die Spiele des SV Sandhausen. Wer tagtäglich seine semi-lustigen Wortspiele und Einfälle verfolgen will, findet ihn auf Twitter unter @deruebeltaeter.

Louis ist seit August 2019 Teil von Hoffenews und als Chefredakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Als Werkstudent schreibt er zudem für das Onlineportal Goal.com (Teil von DAZN) und begleitet als Blinden- und Fanradioreporter die Spiele des SV Sandhausen.

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Jakob Uebel and Louis Loeser
Jakob ist seit Oktober 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Zudem ist er als freier Mitarbeiter der Sportredaktion der Rhein-Neckar-Zeitung tätig und begleitet als Blinden- und Fanradioreporter die Spiele des SV Sandhausen. Wer tagtäglich seine semi-lustigen Wortspiele und Einfälle verfolgen will, findet ihn auf Twitter unter @deruebeltaeter.

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