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AktuellesInterviewVorbericht

El Plástico gegen „das beste RB aller Zeiten“?

Wenige Tage nach dem 0:0 im vorerst letzten Bundesliga-Montagsspiel gegen Bayer Leverkusen trifft die TSG Hoffenheim am Freitagabend (20:30 Uhr / DAZN) auf RB Leipzig. Vor „El Plástico“ haben wir mit RB-Anhängerin Victoria Schulz gesprochen. Im Interview erklärte sie uns, was Leipzig derzeit so stark macht, wie nah man am FC Bayern dran ist und was dem Team von Julian Nagelsmann gegen Top-Teams noch fehlt.

Tori, neun Siege fuhr RB Leipzig in den letzten zehn Spielen ein und steht mit sechs Punkten Vorsprung auf dem zweiten Tabellenplatz. Sehen wir gerade das beste RB-Team seit dem Aufstieg in die Bundesliga?

Tori: Das ist schwer zu sagen. Es ist auf jeden Fall im Moment eine sehr starke Phase, in der es einem als Fan viel Freude bereitet, die Spiele zu schauen. Die aktuelle Saison macht es mir jedoch etwas schwer, darüber generell zu urteilen, gerade auch durch die Pandemie, die sicherlich auf die ein oder andere Weise vieles beeinflusst hat. Jede Mannschaft hat bisher an Stellen gepatzt, wo man nicht damit gerechnet hat. Mir ist da vor allem das Spiel von RB gegen Mainz in Erinnerung geblieben. Es gibt immer noch einige Dinge, die bei einem als Fan für Unmut sorgen. Vor allem die Chancenverwertung ist diese Saison ist ein Manko. Man merkt, dass Stürmer wie Alexander Sørloth oder Hee-Chan Hwang noch Zeit brauchen. Hwang hatte lange mit den Nachwirkungen seiner COVID Infektion zu kämpfen und Sørloth hat lang gebraucht, sich im Verein und in der Liga zurechtzufinden. Generell geht es aktuell sehr steil bergauf, doch der Abgang von Timo Werner ist nach wie vor stark zu spüren. Das sieht man auch an den ca. 20 Toren weniger im Vergleich zur letzten Saison. Wenn die Offensive wieder wie gewohnt durchstartet, dann haben wir meiner Meinung nach auf jeden Fall das beste Leipziger Team seit dem Aufstieg.

Was macht das Team derzeit so stark?

Tori: Das Team an sich, so plump das vielleicht klingen mag. Die Spieler wissen, dass sie gemeinsam auf dem Feld agieren müssen. Einzelkämpfer, die sich da zur Schau stellen wollen, gibt es nicht. Es arbeiten alle zusammen. Die bereits erwähnte Durchschlagskraft der Offensive konnte durch die gesamte restliche Mannschaft kompensiert werden. Vor allem die Defensive ist nach vorne sehr aktiv geworden. Spieler wie Angeliño oder Orban tauchen häufiger als erwartet im gegnerischen Strafraum und in der Scorerliste auf. Des Weiteren kennen sich die meisten Spieler jetzt schon über einen längeren Zeitraum. Die Mannschaft ist eng zusammengewachsen, auch dank des CL-Finalturniers in Lissabon.

Nach 28 Spieltagen steht RasenBallsport mit fünf Punkten Rückstand auf den FC Bayern auf dem zweiten Tabellenplatz. Das Top-Spiel gegen die Münchner verlor das Team am vorletzten Spieltag knapp. Wie nah ist Leipzig derzeit qualitativ am Rekordmeister?

Tori: Näher als alle anderen in der Liga. In der aktuellen, wie auch in der vergangenen Saison hat die Mannschaft in den direkten Duellen eine sehr gute Leistung abgeliefert. Letzte Saison ohne eine Niederlage. Betrachtet man nur das Personal, hat der FCB ganz sicher noch die Nase vorn, die Qualität der Einzelspieler in München ist enorm. Dennoch schafft die Leipziger Mannschaft es über die Gemeinschaft immer wieder dranzubleiben. Sollte diese Saison mit dem Pokal der erste große Titel an Land gezogen werden, hat das mit Sicherheit noch einmal mehr Strahlkraft und bindet vielleicht auch weitere Spieler mit hoher Qualität an den Verein. Und dann kann man die Bayern auch weiterhin sportlich angreifen und einen ernsthaften Titelkampf bestreiten, auch langfristig.

Siehst du RB in Zukunft in einem Zweikampf mit den Bayern um die Meisterschaft?

Tori: Auf jeden Fall in einem Titelkampf. Seit RB in die Bundesliga aufgestiegen ist, haben die Mannschaft und alle Verantwortlichen eine stetige Weiterentwicklung vorgenommen. Die Leistung ist konstant auf einem sehr hohen Level. Da sehe ich Leipzig mittlerweile auch klar vor Konkurrenten wie dem BVB, selbst wenn das in den direkten Duellen vielleicht noch nicht immer zu erkennen ist. Dennoch glaube ich nicht, dass es ein reiner Zweikampf wird. Leipzig und Bayern werden sicher die beiden große Fische im Teich sein, doch Mannschaften wie Leverkusen, Gladbach, vielleicht Wolfsburg und vor allem auch Dortmund werden da auch noch mitreden wollen. Ich denke, dass es eher ein Dreikampf wird, bei dem der dritte Konkurrent, je nach Team und Form, immer mal ein anderer sein wird.

03.04.2021, Fussball 1. Bundesliga 2020/2021, 27. Spieltag, RB Leipzig - FC Bayern München, in der Red Bull Arena Leipzig. v.li: Torwart Peter Gulacsi RB Leipzig, Thomas Müller FC Bayern München gegen Dayot Upamecano RB Leipzig ***DFL and DFB regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-video.*** *** 03 04 2021, Football 1 Bundesliga 2020 2021, 27 Matchday, RB Leipzig FC Bayern Munich, at Red Bull Arena Leipzig from left goalkeeper Peter Gulacsi RB Leipzig , Thomas Müller FC Bayern Munich vs Dayot Upamecano RB Leipzig DFL and DFB regulations prohibit any use of photographs as image sequences and or quasi video
Das Spitzenduo im Duell: RB Leipzig musste sich im Top-Spiel dem FC Bayern knapp geschlagen geben  (Foto: imago images)

Zur kommenden Saison wird Dayot Upamecano Leipzig in Richtung München verlassen. Wie zuversichtlich bist du, dass man einen adäquaten Ersatz finden kann?

Tori: Dass Upamecano nicht seine gesamte Karriere über in Leipzig spielen wird, war denke ich jedem bewusst. Ich bin sehr froh, dass man im Verein bereits letzten Sommer dahingehend auf dem Transfermarkt aktiv geworden ist und sich abgesichert hat. Mit Josko Gvardiol (19), welcher aktuell noch bei Dinamo Zagreb unter Vertrag steht, hat man sich schon im Sommer 2020 einen der vielversprechendsten jungen Verteidiger als Upamecanos Nachfolger gesichert. Dazu kommt auch noch Mohamed Simakan (20) von Racing Strasbourg, welcher vor ein paar Wochen ebenfalls zur kommenden Saison einen Vertrag in Leipzig erhalten hat. Des Weiteren ist auch die Qualität der aktuellen Defensive ohne Upamecano sehr hoch. Spieler wie Willi Orban haben auch diese Saison noch einmal einen Sprung gemacht und haben sich selbst auf ein noch besseres Niveau gehoben. Das hat man in den Spielen, in denen Upamecano diese Saison nicht gespielt hat, sehr gut gesehen. Sofern Ibrahima Konaté im Sommer nicht auch den Verein verlässt, wird RB auch in der kommenden Saison eine Top-Defensive aufweisen können, da bin ich mir sicher.

Im DFB-Pokal trifft Leipzig im Halbfinale auf Werder Bremen und gilt nach dem Ausscheiden des FC Bayern als Titelfavorit. Wie stehen die Chancen auf den ersten großen Titel der jungen Klubgeschichte?

Tori: Dank des beeindruckenden Siegs von Kiel gegen die Bayern sind die Chancen auf den Titel sicher nicht kleiner geworden. Das Spiel gegen Bremen ist definitiv kein Selbstläufer, aber mehr als machbar, sofern man so konzentriert auftritt, wie zuletzt im Duell in der Bundesliga. Sicher wird, sofern RB das Finale erreicht, auch entscheidend sein, gegen wen dieses dann gespielt wird. Sowohl Dortmund als auch Kiel sind sehr gute Mannschaften, wobei mir persönlich ein Finale gegen Kiel natürlich noch lieber wäre, da die letzten Spiele von Leipzig gegen Dortmund nicht unbedingt viel Erfolg versprechen. Aber auch das könnte man dann als Chance nutzen, es den Dortmundern ein für alle Mal zu beweisen. So oder so hoffe ich, die Jungs nutzen diese riesige Chance und holen sich den Pokal.

Wie sehr schmerzt es, als Fan wohl nicht dabei sein zu können, sollte RB ins Pokalfinale einziehen?

Tori: Ich würde gerne sagen, man hat sich im Laufe der Saison damit arrangiert, aber das ist eben leider nicht so. Ich hatte vor zwei Jahren das große Glück, mit in Berlin im Stadion sein zu dürfen, als wir gegen München das Finale bestritten haben. Das war damals ein unbeschreibliches Erlebnis und ich denke, es ist nicht erstaunlich, wenn ich sage, sowas will jeder Fan mit seiner Mannschaft mal erleben. Man wünscht es sich, bei diesen riesigen Momenten live mit dabei sein zu dürfen. Wir haben in Leipzig auf einige Top-Spiele und Meilensteine verzichten müssen. Letzte Saison auf das Halbfinale in der Champions League, diese Saison auf die Heimspiele gegen PSG, Liverpool und Manchester United. Dazu kommt die fehlende Verabschiedung von Timo Werner im Stadion. Jetzt auch noch ein Pokalfinale und den eventuellen Pokalsieg nicht im Stadion erleben zu können, ist einfach bescheiden, förmlich ausgedrückt. Ich hoffe einfach, dass man die Pandemie endlich wieder in den Griff bekommt und vor allem das Impfen endlich voran geht, damit man auch bald mit sinnvollen Hygienekonzepten die Stadien öffnen kann und dann irgendwann wieder zur Normalität übergehen kann.

Das Ziel heißt Berlin: RB Leipzig winkt zum zweiten Mal der Einzug ins Pokalfinale (Foto: imago images)

In der Champions League schied der Klub hingegen nach zwei 0:2-Niederlagen gegen Liverpool aus, dabei verliefen die Partien enger, als es die Ergebnisse vermuten ließen. Was fehlt RB noch in solch großen Partien?

Tori: Zum einen die Erfahrung. Es war die dritte Saison in der Champions League, die zweite, in der man über die Gruppenphase hinausgekommen ist. Allgemein ist der Verein erst seit fünf Jahren in der ersten Liga aktiv. Da fehlt gegen die großen Vereine noch etwas. Gerade für die jungen Spieler sind das teilweise Partien gegen ihre Vorbilder, wenn man gegen Spieler wie zum Beispiel di Maria spielt. Da herrscht auf dem Platz oftmals noch etwas zu viel Respekt. Da werden Chancen dann eben nicht so gut ausgespielt wie gewünscht und Zweikämpfe weniger entschlossen geführt als nötig. Auch in strittigen Situationen bei Schiedsrichterentscheidungen ist man dann nicht fordernd genug, sondern nimmt vieles einfach nur hin. Gegen Liverpool war man da über weite Strecken zu verhalten. Daran muss die Mannschaft noch arbeiten. Ich bin allerdings zuversichtlich, dass auch diese Entwicklung gemeistert wird. Ein Heimsieg gegen PSG oder Manchester United sind in der Hinsicht schon ein gutes Signal.

Im Hinspiel hielt die TSG Leipzig lange in Schach, Yussuf Poulsen nutzte jedoch eine kurze Unterzahlsituation eiskalt aus. Was für ein Spiel erwartest du am Freitag?

Tori: Mir persönlich fällt es schwer, die TSG aktuell einzuschätzen. Die Qualität des Kaders ist meiner Meinung nach viel größer, als die aktuellen Leistungen es zeigen. Noch vor einigen Wochen hätte ich nicht damit gerechnet, dass man nun ein Spiel gegen einen Beinahe-Abstiegskandidaten vor der Brust hat. Das ist bei den Spielern, die die TSG im Kader hat, wirklich bitter. Die vergangenen Spiele waren immer sehr eng und durch Einzelsituationen entschieden, wie eben beim Hinspiel. Gut möglich, dass es Freitag wieder so kommt. Ich rechne dennoch dieses Mal mit einem eher klareren Spiel und einem deutlichen Sieg von RB, sofern die Leipziger so konzentriert und effizient auftreten, wie gegen Bremen letzte Woche.

Was ist dein Tipp?

Tori: Ich möchte die Tradition bei dieser Frage nicht brechen, insofern: 3:1.

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Louis ist seit August 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Neben seinem Studium schreibt er für die Onlineportale Goal und Spox. Zudem begleitet Louis als Blinden- und Fanradioreporter ehrenamtlich die Spiele des SV Sandhausen.

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Louis Loeser
Louis ist seit August 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Neben seinem Studium schreibt er für die Onlineportale Goal und Spox. Zudem begleitet Louis als Blinden- und Fanradioreporter ehrenamtlich die Spiele des SV Sandhausen.

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