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„Ein Spiel, das für die Zuschauer eher unsexy wird“

Nach dem 1:1 gegen Kellerkind Mainz 05 am vergangenen Wochenende hält die Sieglos-Serie der TSG weiter an. Der letzte Dreier liegt schon sieben Spiele zurück! Am Montag (20.30 Uhr/DAZN) ist der FC Augsburg in Sinsheim zu Gast. Vor der Begegnung mit den Fuggerstädtern haben wir mit Tiziana Höll gesprochen (Twitter: @tihoell). Sie ist Sportjournalistin und führt einen eigenen YouTube-Kanal. Die Augsburg-Anhängerin erzählte uns dabei von einer starken Transferperiode, wie sich ein Ex-Hoffenheimer beim FCA macht und warum die Partie am Montag unattraktiv werden könnte.

Tiziana, der FC Augsburg steht nach neun Spieltagen auf dem achten Tabellenplatz. Nachdem man letztes Jahr noch mitten im Abstiegskampf war, sieht es aktuell denkbar gut aus. Wie schätzt du den Saisonstart ein?

Tiziana Höll: Nachdem Augsburg meiner Meinung nach unglaublich stark im Transferfenster agiert hat, überrascht mich die gute Platzierung nur bedingt. Allerdings muss man berücksichtigen, dass der FCA auch in der vergangenen Saison eine starke Hinrunde gespielt hat (23 Punkte, zehnter Platz), sie am Ende aber beinahe abgestiegen wären. Entscheidender ist für mich deshalb die Stabilität in der Rückrunde. 

Zum gleichen Zeitpunkt in der letzten Saison stand der FCA auf dem 17. Platz und hatte fast doppelt so viele Gegentreffer zu verzeichnen. Was ist dieses Jahr der entscheidende Unterschied?

Tiziana Höll: Im Tor ist mit der Verpflichtung von Gikiewicz endlich Ruhe eingekehrt. Mit bislang zwölf Gegentreffern merkt man einen gravierenden Unterschied im Vergleich zu Koubek, der im letzten Jahr komplett überfordert schien. 

Seit März ist Heiko Herrlich Trainer und sicherte den bayrischen Schwaben im Sommer den Klassenerhalt. Was hat sich durch ihn in Augsburg verändert?

Tiziana Höll: Ich stand der Verpflichtung von Heiko Herrlich ehrlich gesagt etwas kritisch gegenüber, Martin Schmidt nach einem 0:2 beim FC Bayern zu entlassen, hätte nicht sein müssen. Nichtsdestotrotz macht Herrlich bislang einen ordentlichen Job, er hat dem Team wieder mehr Sicherheit gegeben und erfahrene Bundesliga-Spieler wie Daniel Caligiuri oder Rafael Gikiewicz geholt.

Wenn es nicht gerade um Handcreme geht, zieht er in Augsburg eine souveräne Bilanz: Heiko Herrlich. (Foto: Thilo Schmuelgen/Getty Images).

Der FCA wurde abseits des Sportlichen vor allem für seine starke Transferperiode gelobt. Sei es die Verpflichtung Gikiewiczs von Union Berlin, Udokhais vom VfL Wolfsburg, oder Caligiuris vom FC Schalke. Auf welchen Neuzugang hast du dich am meisten gefreut?

Tiziana Höll: Auf die diesjährige Transferperiode bin ich wirklich stolz! Am meisten habe ich mich über den „inoffiziellen“ Tausch von Andreas Luthe (zu Union) und Rafael Gikiewicz gefreut. Man hat in Augsburg einfach dringend einen konstanten, erfahrenen Torwart gebraucht und den haben wir auf jeden Fall gefunden. 

Und wer ist bislang am besten eingeschlagen?

Tiziana Höll: Überrascht bin ich von Felix Uduokhai, der einen wahnsinnigen Sprung gemacht hat und kürzlich sogar in die Nationalelf berufen wurde. Der linke Innenverteidiger zeigt mit 23 Jahren schon so ein hohes Maß an Professionalität, ist fast immer hoch konzentriert und hat unglaubliches Potenzial. Zum Glück läuft sein Vertrag in Augsburg noch bis 2024, ich denke wir werden noch sehr von seinem Können profitieren. 

Auch Tobias Strobl hat sich in diesem Sommer den Fuggerstädtern angeschlossen. Welche Rolle spielt der Ex-Hoffenheimer im Club?

Tiziana Höll: Strobl ist ein absoluter Top-Mann, der bei Gladbach im vergangenen Jahr trotz zahlreicher Verletzungen wieder gezeigt hat, was er für eine Bank im defensiven Mittelfeld ist. Nachdem er auch Anfang dieser Saison noch verletzt war, hat er sich inzwischen gut in die Startelf gekämpft. Tobias Strobl steht für Passsicherheit, einen guten Spielaufbau und wird hoffentlich in Zukunft maßgeblich mit Erfahrung und Übersicht im Mittelfeld punkten.

Auffällig ist, dass man trotz des erfolgreichen Beginns relativ selten trifft (11 Tore). Nur Mannschaften im letzten Tabellendrittel erzielten weniger Tore, lediglich bei Partien des VfL Wolfsburg fielen insgesamt weniger Treffer. Wie erklärst du dir dieses Phänomen?

Tiziana Höll: Augsburg ist nicht unbedingt für einen starken Angriff bekannt, wir kommen mehr über den Kampf. Florian Niederlechner hat in dieser Saison leider noch nicht getroffen, auch sonst haben wir nicht den einen Torjäger der konstant abräumt. Ich denke das ist aber auch nicht die oberste Priorität von Herrlich, bei uns zählen vor allem Punkte, ob mit einem Tor oder mehreren zählt am Ende nur zweitrangig. 

Gerade in Fan-Gemeinden von Traditionsvereinen ist Hoffenheim selten beliebt. Das Duell der Kraichgauer gegen den FCA gibt es jedoch immerhin schon länger als RB Leipzig. Hand aufs Herz, was hältst du persönlich von der TSG?

Tiziana Höll: Ich hatte und habe persönlich kein Problem mit der TSG und finde sie spielen in den letzten Jahren durchweg einen konstanten und attraktiven Fußball. Mit Sebastian Hoeneß habt ihr einen jungen, ambitionierten Trainer – ich bin gespannt wie sich der Verein in Zukunft entwickeln wird. 

In den letzten drei Begegnungen zwischen Augsburg und Hoffenheim dominierte jeweils das Auswärts-Team, zugleich fielen immer mindestens vier Tore. Was für ein Spiel erwartest du am Montag?

Tiziana Höll: Ich denke nicht, dass es wieder so viele Tore geben wird. Hoffenheim kommt aus einer durchwachsenen Phase ohne Sieg seit Ende September und auch Augsburg hat in den letzten drei Spielen nur zwei Tore gemacht. Deshalb könnte ich mir gut vorstellen, dass das Spiel für die Zuschauer eher unsexy wird – viele Zweikämpfe dafür aber kaum Tore, gut möglich dass sogar gar kein Tor fällt.  

Erzielte bei der letzten Begegnung im Juni (1:3-Sieg für Hoffenheim) innerhalb von drei Minuten einen Doppelpack: Munas Dabbur (Foto: Andreas Gebert/Getty Images).

Und wie geht es aus?

Tiziana Höll: Nachdem Hoffenheims letzter Sieg in der Bundesliga schon eine Weile zurück liegt und Augsburg ein ungemütlicher Gegner ist, vermute ich es läuft auf ein Unentschieden hinaus. Mein Tipp deshalb ein 1:1. 
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Jakob ist seit Oktober 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Zudem ist er als freier Mitarbeiter der Sportredaktion der Rhein-Neckar-Zeitung tätig und begleitet als Blinden- und Fanradioreporter die Spiele des SV Sandhausen. Wer tagtäglich seine semi-lustigen Wortspiele und Einfälle verfolgen will, findet ihn auf Twitter unter @deruebeltaeter.

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Jakob Uebel
Jakob ist seit Oktober 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Zudem ist er als freier Mitarbeiter der Sportredaktion der Rhein-Neckar-Zeitung tätig und begleitet als Blinden- und Fanradioreporter die Spiele des SV Sandhausen. Wer tagtäglich seine semi-lustigen Wortspiele und Einfälle verfolgen will, findet ihn auf Twitter unter @deruebeltaeter.

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