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„Eher Hoffnung als Zuversicht“ – Gegnerinterview vor dem Duell gegen Mainz 05

Nach dem 3:1-Sieg gegen den 1. FC Köln gastiert die TSG Hoffenheim am Samstag (15:30 Uhr) in Mainz. Zuvor haben wir mit Mara Pfeiffer (Twitter: @Wortpiratin) über die Entwicklung der 05er seit dem 1:5 im Hinspiel gesprochen. Dabei erzählte sie, warum der FSV weiter tief im Abstiegskampf steckt und was sie von dem Duell gegen die TSG erwartet. Zudem erklärte Mara, wie sich die Mainzer Fans in Zeiten von Corona sozial engagieren.

Hoffenews: Mara, im Hinspiel zwischen der TSG und Mainz feierte Achim Beierlorzer seinen Einstand als Trainer der 05er. Wie hat sich die Mannschaft seitdem unter ihm entwickelt?

Mara Pfeiffer: Der Begriff „Entwicklung“ kommt mir in Bezug auf die Mannschaft in dieser Saison ehrlich gesagt nur sehr zögerlich über die Lippen, weil er eine gewisse Kontinuität voraussetzt. Unter Achim Beierlorzer ist aber, wie schon unter Sandro Schwarz, in dieser Serie nichts so beständig wie das Auf und Ab von Leistung und Ergebnissen. Insgesamt sehe ich dafür eine hohe Verantwortung beim Team, weshalb ich den frühen Trainerwechsel letzten November auch nicht wirklich nachvollziehen konnte. Was unter Beierlorzer dazugekommen ist, sind die vereinzelt extrem hoch gewonnenen Auswärtsspiele. Die schmeicheln natürlich der ansonsten schlechten Tordifferenz, weil den vielen Gegentreffern nun ein paar mehr eigene gegenüberstehen.

Hoffenews: Hat sich der Trainerwechsel aus der jetzigen Perspektive ausgezahlt?

Mara: Die Frage, ob ein Trainerwechsel sich gelohnt hat, finde ich generell schwierig zu beantworten. Denn niemand weiß doch, wie die Saison mit dem jeweils alten Coach weitergegangen wäre. Für Mainz 05 sehe ich es sehr pragmatisch: Hält der Verein am Ende die Klasse, war der Trainerwechsel zumindest nicht falsch. Steigt der Verein ab, war er offenbar nicht hilfreich dabei, das gesetzte Ziel zu erreichen – wie es ohne den Wechsel ausgegangen wäre, lässt sich aber auch dann nicht sagen.

Trifft in dieser Saison zum dritten Mal auf die TSG: Achim Beierlorzer (Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Hoffenews: Die Coronakrise stellt die Gesellschaft vor große Herausforderungen. Auch der Fußball leistet dabei durch verschiedene Hilfsaktionen seinen Beitrag. Wie gehen der Klub und die Fans mit der schwierigen Situation um?

Mara: Wie an sehr vielen anderen Standorten, hat sich auch die Aktive Szene Mainz recht deutlich gegen die Geisterspiele ausgesprochen. Wie bundesweit gehen die Fans hier aber nun sehr vernünftig mit der Situation um, sprich, es gibt selbstverständlich keine Aufläufe am Stadion. Die Szene ebenso wie viele weitere Fans engagieren sich seit Wochen in der Krise. Schon sehr früh wurden Angebote für Einkaufshilfen und ähnliches geschaffen, zahlreiche Banner aufgehängt, um Pflegepersonal oder Kassierer*innen zu danken oder Spenden für ein Krankenhaus im italienischen Caserta gesammelt, da die Mainzer Szene eine tiefe Freundschaft mit dem dortigen Club Casertana FC verbindet. Szene und Supporters haben zudem gemeinsam Merchandise mit dem „Gänsje“ (http://www.supporters-mainz.de/2020/04/heile-heile-gaensje-es-is-bald-widder-gut/) erstellt, das in Mainz eine wichtige Bedeutung hat, gerade in der Krise (https://www.wortpiratin.de/blog/ein-stueck-geschichte-heile-heile-gaensje-aus-mainz/). Der Erlös kommt dem Verein „Armut und Gesundheit in Deutschland“, der Aktion „Kochen für Helden Mainz“ und den „Ärzten ohne Grenzen“ zugute.

Der Verein selbst bemüht sich in der Krise um einen guten Kontakt zu den Fans, hat unter anderem mit seiner Fanabteilung die Organisation der Einkaufshilfen unterstützt und verzichtet in Absprache mit der Szene beispielsweise auf Aktionen auf den Gängen bei den Geisterspielen. Für viele Fans ist das gerade aber dennoch eine Phase der Entfremdung. Kritisiert wird unter anderem, dass zwar die Profis und andere Verantwortliche aktuell auf Teile ihres Gehalts verzichten, aber schon klar ist, der Verein hält sich offen, das zurückzuzahlen, wenn die Situation sich ändert. Die aktuell eher mäßigen Partien helfen dem Verhältnis nicht wirklich. Es wird noch eine lange Saison werden.

Hoffenews: Gegen Leipzig gab es am vergangenen Wochenende eine 0:5-Niederlage, bei Union reichte es trotz langer Überzahl nur für ein Remis. Was sind derzeit die größten Baustellen?

Mara: Die Baustellen haben sich in der Saison kaum verändert. Die Mannschaft spielt einfach nicht konstant genug, weder innerhalb einer Partie noch von Spiel zu Spiel. Sie schafft es viel zu selten, sich für ihren Aufwand zu belohnen. Die Aktionen direkt vor dem Tor sind vielfach zu unpräzise, umgekehrt führen immer wieder auch individuelle Fehler zu Gegentreffern. Die Abstimmung ist nicht gut genug, aber auch absolute Basics wie die Laufleistung oder das Zweikampfverhalten schwanken enorm. Natürlich halten die Verantwortlichen im Verein da argumentativ dagegen, das ist ja auch ihre Aufgabe, aber auf mich wirkt es, als ob noch nicht wirklich alle Spieler verstanden hätten, worum es geht.

Foto: imago images

Hoffenews: Nur ein Punkt trennt Mainz sechs Spieltage vor Schluss vom Relegationsplatz. Ist im Vereinsumfeld schon eine gewisse Unruhe zu spüren?

Mara: Die Unruhe begleitet den Verein schon während der ganzen Saison. Weil es durchaus eine laute Fraktion gab, die eine Entlassung von Sandro Schwarz gefordert hat, ist sie danach für eine Weile abgeebbt, aber richtig weg war sie in dieser Serie nie.

Hoffenews: Mit Frankfurt, Augsburg und Bremen trifft der FSV noch auf drei direkte Konkurrenten im Abstiegskampf. Wie zuversichtlich bist du, dass der Klub möglichst bald den Klassenerhalt klarmachen kann?

Mara: Aktuell würde ich da eher von Hoffnung sprechen, als von Zuversicht. Für die Stimmung ist das Spiel am Samstag enorm wichtig. Die Vereine, die in der Tabelle weiter hinten stehen, robben sich seit der Wiederaufnahme der Liga nach und nach ran. Gegen Hoffenheim geht es natürlich um drei extrem wichtige Punkte, es geht aber auch darum, das Gefühl im Team und dem Umfeld zu verbessern.

Hoffenews: Das Hinspiel gegen Mainz verlor die TSG mit 1:5 und kassierte dabei in Überzahl vier Tore. Auch in den vorherigen Duellen endete es meist torreich. Was erwartest du von der Partie am Samstag?

Mara: Die 05er haben in der Anfangsviertelstunde gegen Union Berlin gezeigt, welche Haltung und welcher Einsatz notwendig sind, um zu punkten. Mehr davon wäre wichtig. Das Spiel dauert 90 Minuten.

Hoffenews: Was ist dein Tipp?

Mara: Ich tippe nach dem Prinzip Hoffnung auf ein 3:2 der Mainzer.

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Louis ist seit August 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Neben seinem Studium schreibt er für die Onlineportale Goal und Spox. Zudem begleitet Louis als Blinden- und Fanradioreporter ehrenamtlich die Spiele des SV Sandhausen.

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Louis Loeser
Louis ist seit August 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Neben seinem Studium schreibt er für die Onlineportale Goal und Spox. Zudem begleitet Louis als Blinden- und Fanradioreporter ehrenamtlich die Spiele des SV Sandhausen.

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