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Duo sticht heraus, Joker wirkungslos – Einzelkritik nach dem 2:4 gegen Leverkusen

Die Herren der TSG Hoffenheim haben auch ihre letzte Ausfahrt nach Europa verpasst. Am vorletzten Spieltag der Bundesliga-Saison mussten die Kraichgauer mit einem 2:4 (2:1) gegen Bayer Leverkusen die internationalen Ambitionen endgültig begraben. Während die Gäste ihren Einzug in die Champions League feierten, offenbarte Hoffenheim erneut defensive Schwächen. Die TSG-Spieler in der Einzelkritik.

Der Spielfilm

Das letzte Heimspiel der Saison ist naturgemäß ein Tag der Verabschiedungen – so auch bei der TSG. Vor der Partie gaben die Kraichgauer bekannt, dass Florian Grillitsch seinen auslaufenden Vertrag definitiv nicht verlängern wird. Der derzeit angeschlagene Österreicher sagte vor 20.033 Zuschauerinnen und Zuschauern offiziell „Servus“. Auf sportlicher Ebene verabschiedete sich Hoffenheim wiederum von der Qualifikation für das europäische Geschäft. Die TSG konnte den Patzer des 1. FC Köln (0:1 gegen den VfL Wolfsburg) nicht nutzen und verharrt mit 46 Punkten auf dem achten Platz.

Wie zuletzt gegen Freiburg schickte Trainer Sebastian Hoeneß ein 4-4-2 mit Mittelfeldraute aufs Feld. Lediglich personell tauschte der Übungsleiter zweimal: Stefan Posch und Georginio Rutter begannen für Kevin Akpoguma und Ihlas Bebou.

Hoeneß‘ Forderung nach zwei Siegen an den letzten beiden Spieltagen wirkte anfänglich. Christoph Baumgartner luchste dem schläfrigen Piero Hincapié den Ball ab und fand Rutter im Zentrum, der sein achtes Saisontor markierte (22.). Doch auch Leverkusen nutzte die erste Chance: Moussa Diabys Hereingabe von der linken Seite verwertete Torjäger Patrik Schick ansatzlos per Dropkick zum Ausgleich (34.). Das 1:1 hatte jedoch nicht lange Bestand: Pavel Kaderabek nutzte die anfällige linke Leverkusener Seite und bediente Baumgartner, der zum 2:1 einköpfte (36.).

Bayer kam zwar dominanter aus der Kabine, doch Hoffenheim blieb zunächst gefährlicher. Lukas Hradecky parierte Munas Dabburs Kopfball glänzend (54.), ehe Andrej Kramaric eine misslungene Ecke per Fallrückzieher fast noch ins Tor beförderte (63.). Zugleich konnten die Kraichgauer das dynamische Offensivspiel der „Werkself“ nicht durchgängig verhindern. Ein Schuss von Diaby ging in der 65. Minute knapp am Gehäuse vorbei. Doch der Franzose blieb ein ständiger Unruheherd und belohnte sich acht Minuten später mit dem 2:2. Da die TSG fortan große Lücken im Zentrum offenbarte, drehte Schick die Partie in der 76. Minute sogar komplett.

In einer offenen Schlussphase besaß die TSG trotz weniger Spielanteile eine hohe Chancenqualität. Der eingewechselte Jacob Bruun Larsen traf den Pfosten, ehe Kramaric den Nachschuss am leeren Tor vorbeilegte (79.). Es passte zum Spiel, dass die Entscheidung erst in der Nachspielzeit fiel: Sebastian Rudy vertändelte das Spielgerät leichtfertig, während Joker Lucas Alario vor TSG-Torwart Oliver Baumann eiskalt blieb. Die Hoeneß-Elf ist damit seit nunmehr acht Spielen sieglos.

Die Einzelkritik

Oliver Baumann: Hielt das, was zu halten war. Gegen Schick (51.) und Robert Andrich (57.) verhinderte er noch das 2:2, bei allen vier Gegentreffern wie so oft chancenlos. Note: 3,5

Pavel Kaderabek: Bewies mit seinem Flügellauf vor dem 2:1, dass die TSG auch über die rechte Seite gefährlich werden kann. In der zweiten Halbzeit gegen Mitchel Bakker und Paulinho/Diaby fast ausschließlich defensiv gefordert. Note: 3,5

Stefan Posch: Machte in der ersten Hälfte einen stabilen Eindruck. Ließ nach dem Seitenwechsel im Verbund mit Kevin Vogt jedoch viele Angriffe durch das Zentrum zu. Wurde vor dem 2:2 in ein Kopfballduell mit Alario verwickelt, so dass er den durchstartenden Diaby nicht mehr aufhalten konnte. Note: 4

Kevin Vogt: Ein Wackelkandidat, sobald er seine Gegenspieler nicht ablaufen konnte. Blieb gerade beim 2:3 gegen Schick zu zaghaft. Note: 4,5.

David Raum: Einer seiner schwächeren Auftritte. Verschätzte sich mehrmals beim Abfangen von Pässen, insbesondere vor der Diaby-Chance (65.). Hatte mit Odilon Kossounou zudem einen ebenbürtigen Gegenspieler, der den physischen Duellen standhielt. Lediglich beim Assist für Dabbur (54.) setzte er sich in gewohnter Manier durch. Note: 4

Diadié Samassékou (bis 78.): Sicherte defensiv ab und gewann die meisten seiner Zweikämpfe. Den in den Strafraum startenden Diaby ließ er vor dem 2:2 jedoch passieren. Note: 3,5

Angelo Stiller: Grundsolide Partie. Lief im Mittelfeld einige Bälle ab und schloss wichtige Räume. Hatte die meisten Ballkontakte aller Mittelfeldspieler, blieb dafür allerdings zu unauffällig. Note: 3,5

Christoph Baumgartner (bis 70.): Ein Tor, ein Assist. Bissig gegen den Ball und kreativ mit ihm. Auffällig: Nach seiner verletzungsbedingten Auswechslung fehlte ein Verbindungsstück zwischen Abwehr und Angriff. Note: 2

Gewohnt gallig unterwegs: „Mentalitätsspieler“ Christoph Baumgartner (Foto: Alex Grimm/Getty Images).

Munas Dabbur (bis 70.): Viel Aufwand, wenig Ertrag – ein sinnbildlicher Auftritt. Holte sich einige Bälle aus der Tiefe ab und hatte abermals Pech im Torabschluss. Fehlt am letzten Spieltag bei Boussia Mönchengladbach aufgrund seiner fünften Gelben Karte. Note: 4

Andrej Kramaric: Pech bei seinem Fallrückzieher. Unvermögen, als er beim Abschluss auf das leere Tore jegliche Körperspannung vermissen ließ. Der Auftritt fasst seine persönliche Saison gut zusammen: Er weiß, wo er stehen muss, aber lässt seinen Torinstinkt vermissen. Note: 4

Georginio Rutter (bis 55.): Belebendes Element – knüpfte vom Anpfiff weg an seinen starken „Joker“-Einsatz gegen Freiburg an. Traf selbst zum 1:0, leitete das 2:1 ein und traute sich viel zu – wenngleich er nicht jedes Eins-gegen-Eins-Duell gewann. Musste (zu) früh angeschlagen ausgewechselt werden. Note: 2

Ihlas Bebou (ab 55.): Konnte Rutter nicht ersetzen, weil er auf der rechten Seite vor allem defensiv gefordert war. Hatte seinen besten Offensivmoment, als er mit einer Balleroberung die Doppelchance durch Bruun Larsen/Kramaric vorbereitete. Note: 4,5

Sebastian Rudy (ab 70.): Sehr behäbig nach seiner Einwechslung. Leistete sich zwei schwere Ballverluste, einer davon führte zum 2:4. Note: 5,5

Robert Skov (ab 70.): Einzig nennenswerte Offensivaktion: Guter Steckpass auf Bruun Larsen vor dem Pfostenschuss. Note: 4

Jacob Bruun Larsen (ab 78.): Spielte zwar nur wenige Minuten, brachte nach dem vermeintlichen K.o. durch Schick noch einmal Schwung ins TSG-Spiel. Besaß eine Topchance zum 3:3. Ohne Bewertung

 

Stenogramm

TSG Hoffenheim – Bayer Leverkusen 2:4 (2:1)

Tore: 1:0 Rutter (22.), 1:1 Schick (34.), 2:1 Baumgartner (36.), 2:2 Diaby (73.), 2:3 Schick (76.), 2:4 Alario (90.+1)

TSG: Baumann (3,5) – Kaderabek (3,5), Posch (4), Vogt (4,5), Raum (4) – Samassékou (3,5/78. Bruun Larsen) – Baumgartner (2/70. Rudy (5,5)), Stiller (3,5) – Dabbur (3,5/70. Skov (4)) – Kramaric (4), Rutter (2/55. Bebou (4))

B04: Hradecky – Kossounou, Tah, Tapsoba, Hincapié (46. Bakker) – Aranguiz, Andrich (64. Palacios), Diaby, Azmoun (64. Alario), Paulinho (84. Baumgartlinger) – Schick (84. Sinkgraven)

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