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„Die Zwangsjacke ist weg“ – Gegnerinterview vorm Heimspiel gegen Union Berlin

Zwei Spieltage sind noch zu gehen und die TSG befindet sich weiterhin im Rennen um Europa. Nach dem 3:1-Erfolg über den FC Augsburg am vergangenen Mittwoch, geht es am Samstag zu Hause gegen Union Berlin. Vor der Partie haben wir mit Tobias Potratz gesprochen (Twitter: @potratz_tobias). Er ist Journalist und Audioreporter für sehbehinderte Zuschauer am Stadion an der Alten Försterei und somit auch Teil des Berliner Fanradios. Er erzählte uns unter anderem, warum Hoffenheim das Spiel nicht unterschätzen darf, was den Berliner Kader ausmacht und was er selbst von der TSG hält.

Hoffenews: Tobias, das große Zittern ist euch in Berlin erspart geblieben, Union hält die Klasse. Hattest du vor der Saison damit gerechnet, den Klassenerhalt schon zwei Spieltage vor Schluss zu sichern?

Tobias: Klar! Ich habe vorher dran geglaubt, aber nach dem ersten Spieltag, dem 0:4 gegen Leipzig, musste ich kräftig durchpusten. Die Bundesliga hat einen ganz anderen Charakter als die zweite Liga. Union war gegen RB chancenlos. Aber schon zwei Spieltage später gab es den 3:1-Sieg gegen den BVB. Spätestens da hat jeder Fußballfan gemerkt, dass mit Union zu rechnen ist.

Hoffenews: Wie zufrieden bist du mit dem Saisonverlauf?

Tobias: Sehr! Die Mannschaft hat erstaunlich viel Geduld und Konzentration behalten, auch wenn es mal nicht lief. Das ruhige Schweizer Uhrwerk Urs Fischer hat sich nie aus der Ruhe bringen lassen. Auch zuletzt gab es ja eine Serie von sieben Spielen ohne Sieg und dann folgte der Erfolg in Köln. Wenn es darauf ankam, dann war das Team da und hat immer wieder wichtige Punkte geholt.

Hoffenews: Wie haben es die Eisernen trotz des klar unterlegenen Kaders geschafft, sich größtenteils vom Abstiegskampf fernzuhalten?

Tobias: Gegenfrage: Ist er wirklich so unterlegen? Union hat sich vor der Saison verstärkt. Ujah, Subotic, Gentner sind alte Bundesliga-Hasen. Subotic und Gentner sogar Deutscher Meister. Zudem ist Bülter wie ein schon zusammengebautes Rennauto aus dem Überraschungsei gesprungen. Die Aufstiegshelden sind dazu zum großen Teil geblieben. Somit war der Kader sehr groß. Das Rezept war, dass Urs Fischer allen das Gefühl gegeben hat, sehr wichtig zu sein. Ujah stand zum Beispiel selten in der Startelf, aber wenn du ihn fragst, wird er wahrscheinlich sagen, dass er sich in Köpenick pudelwohl fühlt. Das musst du als Trainer erstmal schaffen.

Union Erfolgstrainer Urs Fischer (Foto: Getty Images)

Hoffenews: Wer waren die Schlüsselspieler?

Tobias: Wenn ich jetzt sage „Die Mannschaft ist der Star“, dann stimmt das zwar, aber die Antwort ist langweilig und ich muss ins Phrasenschwein zahlen. Wenn ich einen herausnehmen soll, dann wäre es Christopher Trimmel. Dass der auch in der Bundesliga so unverzichtbar bleibt und mittlerweile europaweit nach Standards der beste Torvorbereiter ist, beeindruckt mich. Außerdem hat Gikiewicz mit vielen Monsterparaden Punkte gesichert und Andersson durch seine Zweikampfstärke und Tore wichtige Siege eingeleitet.

Hoffenews: Union lebt bei Heimspielen sehr von der herausragenden Stimmung im Stadion an der alten Försterei. War eine Leistungsveränderung durch die Geisterspiele bemerkbar?

Tobias: Ja und ich glaube wirklich, dass einige Mannschaften mehr und andere weniger auf die Unterstützung von Rängen angewiesen sind. Union gehört zweifelsfrei zur ersten Gruppe. Nicht die Spieler, nicht die Trainer, nicht die Verantwortlichen, sondern nur die Fans machen Union zu dem was der Club seit Jahrzehnten ist. Es war für alle eine große Umstellung, aber das Team hat Gott sei Dank rechtzeitig wieder in die Spur gefunden.

Hoffenews: Mit Joshua Mees und Grischa Prömel stehen bei euch zwei ehemalige Hoffenheimer im Kader, Ex-TSGler Nicolai Rapp ist aktuell nach Darmstadt verliehen. Wie machen sich Mees und Prömel im Team und denkst du, Rapp könnte nochmal eine Rolle spielen?

Tobias: Prömel ist der Hammer. Zweikampfstark, ballsicher und der schraubt dir den Ball auch mal aus 25, 30 Metern in den Winkel. Mees ist eine kleine Wunderwaffe, die oft von der Bank kommt und auf die Urs Fischer auch in der Bundesliga gern zurückgreift. Trotz seiner körperlichen Defizite strahlt er immer Durchschlagskraft und Torgefahr aus. Rapp hat einen guten Eindruck hinterlassen, aber ich glaube, dass seine Zukunft bei einem anderen Club liegt.

Er spielte zwischen 2014-2016 bei der TSG und war wohl einer der Lieblinge Nagelsmanns: Grischa Prömel (Foto: Getty Images)

Hoffenews: Im Hinspiel trafen die beiden Mannschaften das erste Mal aufeinander. Im Generellen ist Hoffenheim gerade in Fan-Gemeinden von Traditionsvereinen selten beliebt. Was hältst du von der TSG?

Tobias: Puh. Da muss ich spontan an die Saison 2008/2009 denken. Da hat Hoffenheim mit Turbofußball die Bundesliga gecrasht. Ba, Obasi, Ibisevic. Nicht zu vergessen ist Sejad Salihovic, den ich bis heute für den besten Freistoßschützen der Bundesligageschichte halte. Danach hat man sich den Liegestuhl im Niemandsland der Tabelle aufgestellt. Daher ist Hoffenheim  für mich mittlerweile so interessant wie eine Zugteilung in Hamm. Man muss mal hin, darf keinen Fehler machen und dann geht es mit voller Fahrt hoffentlich in die richtige Richtung weiter.

Hoffenews: Für die TSG wird es bis zum letzten Spieltag noch um die Europaleague-Qualifikation gehen, für Union ist das Saisonziel bereits erreicht. Befürchtest du, dass der FCU am Samstag zu locker in das Spiel gehen könnte?

Tobias: Nein. Union wird befreit nach vorne spielen und könnte für Hoffenheim gefährlich werden. Die Zwangsjacke ist weg. Und die Eisernen wollen ja noch den einen oder anderen Platz nach oben klettern. Man könnte ja sogar noch Hertha und Schalke überholen. Das sieht dann in der Abschlusstabelle, die sich eh jeder Unioner auf die Wade tätowieren wird, noch schöner aus.

Hoffenews: Im Hinspiel gewann Hoffenheim mit 2:0 in einer äußerst ausgeglichenen, schnellen und körperlich intensiven Partie. Was für ein Spiel erwartest du am Samstag?

Tobias: Bei der TSG ist natürlich mehr Druck auf dem Kessel. Nach dem Trainerwechsel muss das Team eine Reaktion zeigen. Dass sie jetzt gegen eine Mannschaft ranmüssen, die völlig befreit aufspielen kann, könnte ein Problem werden. Ich erwarte wieder ein körperbetontes Spiel, weil es für Hoffenheim um viel geht und weil Union immer so spielt.

Hoffenews: Und was ist dein Tipp?

Tobias: 0:1, also Auswärtssieg für Union.

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Jakob ist seit Oktober 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Zudem ist er als freier Mitarbeiter der Sportredaktion der Rhein-Neckar-Zeitung tätig und begleitet als Blinden- und Fanradioreporter die Spiele des SV Sandhausen. Wer tagtäglich seine semi-lustigen Wortspiele und Einfälle verfolgen will, findet ihn auf Twitter unter @goenntherjauch.

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Jakob Uebel
Jakob ist seit Oktober 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Zudem ist er als freier Mitarbeiter der Sportredaktion der Rhein-Neckar-Zeitung tätig und begleitet als Blinden- und Fanradioreporter die Spiele des SV Sandhausen. Wer tagtäglich seine semi-lustigen Wortspiele und Einfälle verfolgen will, findet ihn auf Twitter unter @goenntherjauch.

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