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AktuellesInterviewVorbericht

„Die TSG ist sicher besser als der aktuelle Tabellenplatz es vermuten lässt“

Nach einem ernüchternden 1:1 bei Union Berlin steht für die TSG in der Männer-Bundesliga am Samstag (15:30 Uhr / Sky) die nächste Herausforderung an: Der VfL Wolfsburg ist nämlich zu Gast in Sinsheim. Vor der Partie gegen die Wölfe haben wir Wolfsburg-Experte Dennis Lindner rund um den VfL und die Partie ausgefragt. Unter anderem erzählte er uns von einer überragenden Form, Wolfsburger Corona-Sorgen und worauf man sich am Samstag einstellen kann.

Dennis, der VfL Wolfsburg ist seit neun Spielen ungeschlagen und steht derzeit in der Liga völlig zurecht auf dem dritten Tabellenplatz. Was macht die Wölfe im Moment so stark?

Dennis Lindner: Wie so oft sind es mehrere Faktoren. Der offensichtlichste ist natürlich die großartige Abwehr, die – wenn man sich auf die Liga beschränkt – seit 666 Minuten ohne Gegentor ist. Vor dem tollen Casteels (ihr kennt ihn ja und wisst, was der für eine Klasse hat) hat sich ein echt schwer zu überwindender Abwehrriegel gebildet.

Mit Lacroix spielt neben Brooks einer der Shootingstars der Liga und so langsam merken das auch alle. Daneben ist das Team sehr eingespielt, die Abläufe funktionieren perfekt. Jeder weiß, wo er hinlaufen muss, man hat auch keine Probleme damit, für den Nebenman Extrameter zu machen. Das Kollektiv funktioniert und auch der Trainer hat daran einen großen Anteil.

Vor dem Hinspiel gegen Hoffenheim im November haben wir im Gegnerinterview noch über ein bevorstehendes Aus des Cheftrainers Oliver Glasner diskutiert. Wie hat man sich aus dieser kleinen Krise befreit?

Dennis: Ich bin mir bis heute nicht sicher, ob es diese Krise wirklich gab. Klar, das war etwas unglücklich gesagt, aber ich hatte irgendwie nie das Gefühl, dass der Trainer ernsthaft wackeln würde, auch wenn es sich für Außenstehende so angehört hat. Trainer und Manager haben danach ruhig weiter zusammen gearbeitet und der Erfolg gibt ihnen recht.

Ist Glasners Position also mittlerweile unangefochten?

Dennis: Das kann man ganz kurz machen: Ja. Aktuell gibt es wirklich keinen Zweifel. Er hat ein Team gefunden, das sehr gut zusammenspielt, findet immer kleine Kniffe, um den Gegner seiner Stärken zu berauben, ohne die eigene Spielweise zu opfern.

Nachdem er sich im vergangenen Herbst öffentlich über die Kaderplanung beschwerte, standen Gerüchte vom Abgang im Raum: Oliver Glasner. (Foto: imago images)

Wie auch die TSG, hat Corona den VfL mit bislang acht infizierten Spielern hart getroffen. Wie ist der Club mit der Situation umgegangen?

Dennis: Das war stellenweise schon nicht sehr gut, muss man ehrlich sagen. Gerade bei Marin Pongracic lief es sehr unglücklich. Der wurde im November positiv getestet und hatte leichte Symptome, musste aber nach seiner Genesung viel zu früh wieder spielen, was dazu führte, dass er gegen Dortmund (nach 78 Minuten) und Union (zur Halbzeit) früh und mit Atemnot ausgewechselt werden musste. Die Ärzte gaben hier jeweils komplett grünes Licht, aber ganz offensichtlich wurde da viel zu schnell entschieden. Bei den anderen Spielern lief es glücklicherweise unkomplizierter.

Es sind noch elf Spieltage zu gehen und der Kampf um die Königsklasse ist längst nicht entschieden. Für wie wahrscheinlich hältst du es dennoch, dass sich der VfL am Ende für die Champions League qualifiziert, oder in der Tabelle gar noch höher aufsteigt?

Dennis: Puh, das ist schwer zu sagen. Wir haben noch eine ganze Menge starker Gegner vor uns, aber die Chancen stehen nicht schlecht. In den nächsten Wochen kommen erstmal vor allem Gegner, die einen zweistelligen Tabellenplatz haben, während sich die direkte Konkurrenz gegenseitig Punkte nimmt. Diese Spiele muss der VfL gewinnen und ich habe auch keine Zweifel daran, dass man hier mit vollem Einsatz und sehr seriös spielen wird. Und dann ist die Mannschaft wirklich sehr schwer zu schlagen und wenn man weiter das nötige Spielglück hat, kann man sich hier ein kleines Polster an Punkten, von dem man gegen die Top-Mannschaften zehren kann.

Höher in der Tabelle aufzusteigen, ist relativ unrealistisch aktuell. Die Position zu halten wäre fantastisch, die Champions League sensationell. Sollte es am Ende nur die Europa League werden, dann wäre man im ersten Moment schon enttäuscht, so ehrlich muss man sein. Bei dem Saisonverlauf hat man schon große Hoffnung für die Champions League. Aber wenn man vor der Saison die Qualifikation für die Europa League mit Chancen auf die ersten vier Plätze angeboten hätte, hätte jeder Wolfsburger gerne eingeschlagen. Deswegen sollten wir auch damit zufrieden sein, sollte es so kommen.

Welche Spieler machen momentan den Unterschied?

Dennis: Einzelne Spieler hervorzuheben ist schwer, weil es wirklich vor allem über das Kollektiv läuft. Richtig abfallen tut in der ersten Elf niemand. Wie bereits genannt, muss man natürlich Koen Casteels hervorheben, der eine überragende Saison spielt. Lacroix in der Innenverteidigung hat sich richtig gut entwickelt, Maximilian Arnold und Xaver Schlager machen im Mittelfeld wirklich einen herausragenden Job. Und natürlich Wout Weghorst – auch wenn der in den letzten Wochen nicht mehr so viel trifft, ist er doch enorm wichtig für die Mannschaft. Was der läuft, wie er Gegner nervt, das Pressing organisiert… fantastisch. Da muss er notfalls keine Tore machen, das machen dann im Zweifel andere.

Am vergangenen Mittwoch ist der VfL im DFB-Pokal-Viertelfinale bei RB Leipzig mit 0:2 ausgeschieden. Wie enttäuschend empfandst du das Pokal-Aus?

Dennis: Das ist schon sehr enttäuschend. Wenn man sieht, welche Mannschaften noch im Wettbewerb sind, dann wäre ein Pokalsieg wirklich im Bereich des Möglichen gewesen und auch vom Spielverlauf her hätte man nicht verlieren müssen… echt schade. Aber vielleicht auch nicht so schlimm, wenn man bedenkt, dass das Pokalfinale ohne Fans stattfinden wird. Auf jeden Fall ist man nicht, wie letzte Saison, von Leipzig auseinandergenommen worden, sondern war bis kurz vor Schluss im Spiel.

Beim Pokalspiel gegen Leipzig vergab Weghorst nach fünf Minuten die Chance auf die Führung vom Punkt. (Foto: imago images)

Im Hinspiel trennten sich Wolfsburg und Hoffenheim nach einer komplett verrückten Partie inklusive zwei verschossener Elfmeter mit einem 1:2-Sieg für die Wölfe. Was für ein Spiel erwartest du am Samstag?

Dennis: Das könnte wieder interessant werden. Die TSG ist sicher besser als der aktuelle Tabellenplatz es vermuten lässt, sowas ist immer unangenehm. Dazu ist man bei Hoffenheim, wenn man mal vom wirklich bitteren und unnötigen Aus in der Europa League absieht, ganz gut in Form, auch wenn natürlich die Ausfallliste ellenlang ist. Beim VfL sind soweit alle an Bord, einzig der gelb-rot-gesperrte Pongracic fällt aus. So gehe ich davon aus, dass die Wolfsburger wieder auf ihre Defensive und Umschaltmomente setzen werden, dazu wird das Trainerteam sich schon Gedanken gemacht haben, wie man Hoffenheims Spiel lahmlegen kann. Hoffentlich klappt das, dann hat man sicher die Chance, etwas mitzunehmen. Und sollte es einen Elfmeter geben, dann hoffe ich auf mehr Standfestigkeit.

Und wie lautet dein Tipp?

Dennis: Ich denke, der VfL wird das Spiel knapp mit 1:0 gewinnen.

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Jakob ist seit Oktober 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Zudem ist er als freier Mitarbeiter der Sportredaktion der Rhein-Neckar-Zeitung tätig und begleitet als Blinden- und Fanradioreporter die Spiele des SV Sandhausen. Wer tagtäglich seine semi-lustigen Wortspiele und Einfälle verfolgen will, findet ihn auf Twitter unter @deruebeltaeter.

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Jakob Uebel
Jakob ist seit Oktober 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Zudem ist er als freier Mitarbeiter der Sportredaktion der Rhein-Neckar-Zeitung tätig und begleitet als Blinden- und Fanradioreporter die Spiele des SV Sandhausen. Wer tagtäglich seine semi-lustigen Wortspiele und Einfälle verfolgen will, findet ihn auf Twitter unter @deruebeltaeter.

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