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Diadie Samassékou: Ein malischer Straßenkicker im Kraichgauer Durchlauferhitzer

Wie jeden Tag trifft sich der elfjährige Diadie Samassékou nach der Schule mit seinen Freunden in den Straßen Faladies, einem Viertel der malischen Hauptstadt Bamako, zum Fußballspielen. Doch an diesem Tag im Jahr 2007 geht es für den jungen Diadie um viel mehr als um Spaß oder den Sieg gegen seine Freunde – es geht um die Zukunft seiner gesamten Familie.

Scouts der Fußballschule des ehemaligen französischen Nationalspielers, Jean-Marc Guillou, sind im Viertel und suchen nach neuen vielversprechenden Talenten, denen sie ein besseres Leben ermöglichen wollen. Für Samassékou ist es die große Chance. Bereits im Alter von sieben Jahren nahm ihn der Fußball auf Malis Straßen in seinen Bann. Dabei traf der Junge vor allem auf ältere Gegenspieler und merkte schnell, dass er seinem Alter voraus war.

So ist es kein Wunder, dass Samassékou an diesem Tag einer von etwa zehn Jugendlichen ist, die die Chance bekommen, sich in der JMG Academy unter Beweis zu stellen. Dabei lastet von Beginn an eine enorme Last auf den schmalen Schultern des jungen Samassékou. Er könnte für seine Familie das Ticket zu einem besseren Leben sein – und das ist ihm durchaus bewusst.

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Diadie Samassékou: „Der Fußball ist eine bösartige Welt“

„Es war nicht einfach, das Haus im Alter von 11 Jahren zu verlassen. Ich war noch nicht bereit für dieses Leben“, erinnert sich Samassékou in einem Interview mit UltimoDiez. Ein Jahr hielt er es in der Akademie aus, ehe er wieder heimkehrte, um eine Pause einzulegen. Zwei Jahre später dann die Rückkehr. „Meine Eltern wollten nicht, dass ich diesen Weg einschlage. Ich habe sie aber überzeugt, weil ich auch in der Schule immer sehr gut war“, verrät er der Kronen-Zeitung.

Samassékou entwickelte sich zu einem der Musterschüler der JMG Academy, die zuvor in ihren anderen Ablegern bereits Stars wie Gervinho, die Touré-Brüder oder Hertha-Stürmer Salomon Kalou hervorgebracht hatte. Auch seinen späteren Salzburger Mitspieler, Amadou Haïdara, lernte er hier kennen. „Wir sind zusammen aufgewachsen. Er ist für mich mehr ein Bruder als ein Freund“, sagt er im Interview mit UltimoDiez.

In der Akademie in Bamako sah sich Samassékou früh auch mit den dunklen Seiten der Fußballbranche konfrontiert. Oft versuchten zwielichtige Berater aus der Situation der jungen Talente Profit zu schlagen, doch Samassékou „hatte das Glück, Leute kennenzulernen, die mein Gutes wollten“. Er erklärt weiter: „Zum Glück zeigt uns die Akademie das wahre Gesicht des Fußballs. Es ist eine bösartige Welt. Die Leute sind nicht so ehrlich, wie sie es vorgeben.“

Dritter Platz bei U20-WM: Mali bezwingt Brandt, Weigl und Co. im Viertelfinale

2013 wechselte Samassékou gemeinsam mit fünf weiteren Talenten aus der JMG Academy zu Malis Hauptstadtklub AS Real Bamako. In zwei Jahren in Malis erster Liga überragte Samassékou seine Mitspieler und spielte sich auch in der malischen U20-Nationalmannschaft in den Fokus.

Mit „Les Aigles“ trat Samassékou 2015 bei der U20-WM in Neuseeland an und sorgte für eine gewaltige Überraschung. Das Team von Trainer Fagnéry Diarra war als großer Außenseiter in das Turnier gegangen. Schon die Qualifikation war ein Erfolg, doch was folgte überstieg alle Erwartungen: Mali wurde Dritter und schaltete dabei im Viertelfinale die deutsche U20 um die heutigen Bundesliga-Profis Julian Brandt, Julian Weigl, Niklas Stark und Kevin Akpoguma aus.

Samassékou verpasste bei dem Turnier eine einzige Minute, hielt als Sechser das Mittelfeld zusammen und steuerte zwei Tore zum Achtungserfolg bei. Das Erfolgsrezept war dabei, wie er verrät, die Rückbesinnung auf die eigenen Wurzeln: „Viele Spieler kannten sich vorher und so beschlossen wir, so zu spielen, als ob wir in Mali auf der Straße wären. Fußball ist eine Menge Taktik, aber am Ende gewinnt zumeist die Mannschaft, die am meisten Spaß hat.“

Diadie Samassékou: Erste Schritte bei Salzburgs MultiKulti-Truppe

Nach der U20-WM standen Samassékou plötzlich alle Türen offen. Der Traum von Europa wurde wahr. Seine Wahl fiel auf Österreichs Serienmeister Salzburg. „Es gab andere Vereine, aber Salzburg verfolgte einen anderen Ansatz. Es war kein Traum, es gab ein tragfähiges Projekt“, erklärt Samassékou seine Entscheidung.

Ein Jahr im Farmteam aus Liefering gaben die Red-Bull-Bosse dem Mittelfeldmann zur Eingewöhnung. Die Salzburger MultiKulti-Truppe war ihm dabei eine große Hilfe. „Der Verein bestand aus vielen Ausländern, sodass ich nicht der einzige in dieser Situation war. Zum Beispiel gab es Dayot Upamecano (heute RB Leipzig, Anm. d. Red.), mit dem ich mich schnell angefreundet habe – wir sind Freunde fürs Leben“, sagt Samassékou. Auch die Sprachbarriere überwand er schnell. Heute kann er sich in vier Sprachen nahezu fließend verständigen.

2016 folgte der nächste logische Schritt: Der Aufstieg zum Bundesliga-Team von Red Bull Salzburg. Als Mittelfeldmotor bestritt Samassékou beachtliche 39 Pflichtspiele in seiner Premierensaison für die Mozartstädter und hatte erheblichen Anteil am nächsten Double des Brauseklubs. Unter Trainer Marco Rose wird er in der darauffolgenden Saison endgültig zum unverzichtbaren Bestandteil. Zusammen mit seinem „Bruder“ Haïdara geht er eine symbiotische Verbindung ein – Haïdara wirbelt vorne, Samassékou hält ihm den Rücken frei.

Entwicklung in Hoffenheim statt Dortmunder „Höher, Schneller, Weiter“

Die beiden bilden gemeinsam anderthalb Jahre das Herz des Salzburger Spiels, ehe Haïdara im Januar 2019 dem Ruf des Leipziger Schwesterklubs in die Bundesliga folgte. Auch Samassékou hatte zu dem Zeitpunkt bereits mehrere Angebote von europäischen Top-Klubs vorliegen, doch ein Winterabgang kam sowohl für ihn, als auch für seinen Arbeitgeber nicht in Frage.

Nach der dritten österreichischen Meisterschaft und der Teilnahme am Afrika-Cup mit Malis A-Nationalmannschaft war Samassékou Österreich endgültig entwachsen. Der logische nächste Schritt musste kommen. Ein Wechsel zum BVB war laut mehreren Boulevard-Blättern bereits beschlossene Sache, doch er entschloss sich für den unkonvetionellen Weg – Hoffenheim. Statt „Höher, Schneller, Weiter“ hat Samassékou seine langfristige Entwicklung im Blick.

Der Kraichgauer Durchlauferhitzer, der unter anderem Champions-League-Sieger Roberto Firmino hervorbrachte soll den perfekten Nährboden für Samassékous Potenzial bieten. Auf achtzehn99.de bekräftigt er: „Ich habe mich bewusst für diesen Verein entschieden. Hoffenheims Ruf, Talente zu fördern, zu stärken und weiterzuentwickeln, ist über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt.“

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