Foto: Getty Images
AktuellesAllgemeinAnalyseSpieler

David Otto: Bereit für Hoffenheim?

Aktualisiert am:

Relegation. Im Rückspiel zwischen dem 1. FC Heidenheim und dem SV Werder Bremen steht es zur Pause 0:1 für die Gäste von der Weser. FCH-Coach Frank Schmidt wechselt David Otto für die Vereinslegende Marc Schnatterer ein. Keine drei Minuten später kommt dieser zu einer Großchance per Kopf. Otto setzt den Ball Zentimeter neben den rechten Pfosten, „Das wär’s gewesen“ fügt der Kommentator hinzu. Das Spiel endet – ohne Torbeteiligung des gebürtigen Pforzheimers – mit 2:2 und der Aufstiegstraum auf der schwäbischen Alb ist geplatzt. Zwei Stunden später ist die Leihe des 21-jährigen offiziell beendet und er ist wieder ein regulärer Teil des Kaders der TSG Hoffenheim. Oder?

Um herauszufinden, ob Otto nun tatsächlich mit offenen Armen am Trainingsgelände in Zuzenhausen empfangen wird und nächste Saison versuchen darf, den Teamkollegen Andrej Kramaric und Munas Dabbur die Show zu stehlen, oder ob er sich von der einen zur nächsten Leihe hangeln darf, muss man die letzten Saisons Revue passieren lassen.

Der Vorzeige-Jugendspieler

Wir schreiben den 01. Juli 2012. Der Tag an dem der, damals gerade einmal 13-jährige David Otto, seinen Heimatverein – den FC 08 Birkenfeld – verlässt und in die U14 der TSG Hoffenheim einsteigt. Schon damals ist sich der junge Otto seiner Sache sicher: In seinem allerersten Interview für die EnBW-Oberliga (2013) formuliert er seine persönlichen Ziele: „Später mal in der Bundesliga spielen.“ Mit diesem Traum war der Jugendspieler damals sicher nicht der einzige, aber einer der wenigen, der ihn verwirklichen konnte.

Sechs Jahre später ruft ihn der damalige TSG-Coach Julian Nagelsmann am 22. Spieltag der Bundesliga gegen Hannover 96 vom Aufwärmen an die Seitenlinie. Auch wenn Otto nur fünf Minuten zum Einsatz kommt, ist er enorm glücklich und bedankt sich sogar anschließend bei seinem Trainer. „Er muss sich nicht bei mir bedanken, sondern bei sich selbst“, sagt Nagelsmann stolz nach der Partie.

Das Talent bei seinem ersten Schuss in der Bundesliga. (Foto: Getty Images)

Sein Profi-Debüt gab Otto sogar schon in der Saison 2017. Damals allerdings nur als Einwechslung in der Europaleague-Gruppenphase gegen Ludgorets Rasgrad, wobei die TSG schon ohnehin aus dem Turnier ausgeschieden war. Parallel zerschießt der 1,85 m große Stürmer so ziemlich alles in der Hoffenheimer U19: 27 Tore und 14 Vorlagen in nur 22 Einsätzen stehen am Ende auf dem Konto. Seine Stärken definieren sich vor allem durch seine physische Robustheit sowie seinen enormen Torinstinkt.

In der Saison 2018/19 ist Otto gleich auf drei Wegen für die TSG aktiv: Einerseits kommt er in der Regionalliga acht Mal für die 2. Mannschaft zum Einsatz (1 Tor). Zudem ist er Stammspieler für die Jugend bei der sog. „UEFA Youth League“, bei der er am Ende zwei Tore und drei Vorlagen zu verzeichnen hat, auch wenn seine Mannschaft im Finale am FC Porto scheitert. Für die A-Mannschaft bringt es Otto durch drei Einwechslungen (Hannover 96, FC Nürnberg, Bayer Leverkusen) auf insgesamt 26 Spielminuten ohne Torbeteiligungen. Wie sich später herausstellt, hätte er sich nach derart guter Form bei Partien für die TSG-Jugend, mehr erhofft.

„Ich muss einen Schritt von Hoffenheim wegmachen“

So kam es, dass Otto – entgegen der allgemeinen Erwartung, er würde die Spielzeit 2019/20 als Teil der 2. Mannschaft antreten – im Sommer 2019 einen neuen Arbeitgeber fand: den Zweitligisten FC Heidenheim. Dorthin wurde der (damalige) U19-Nationalspieler für eine Saison verliehen. „Er ist ein hochveranlagtes und fußballerisch in Hoffenheim bestens ausgebildetes Stürmer-Talent, in dem wir großes Potential sehen, uns in der Offensive künftig verstärken zu können“, erläuterte der FCH-Vorstandsvorsitz Holger Sanwald.

Für den Offensivmann gab es gleich mehrere Gründe, diesem Transfer zuzustimmen, wie er im Juni 2019 gegenüber dem FCH ClubTV zu verstehen gab: Einerseits, wie sehr sich der Trainer und der Verein bemüht hätten. Zudem war „klar für mich nach der letzten Saison, muss sich einfach was ändern. Mit drei Spielen über eine ganze Saison verteilt auf dem Niveau, auf dem ich eigentlich spielen möchte. Das war für mich zu wenig. Und deswegen habe ich gesagt: Ich muss einen Schritt von Hoffenheim weg machen.“ Auch die Nähe zu seiner Heimatstadt Pforzheim soll ein großer Faktor gewesen sein: „So können meine Familie und meine Freundin zu unseren Heimspielen in die Voith-Arena kommen und ich kann am freien Tag zu ihnen fahren“.

Und diesen Schritt hat er wohl nicht mehr bereut. Schon am allerersten Spieltag beim Aufsteiger VfL Osnabrück wechselt Trainer Frank Schmidt den damals 20-jährigen zum Stand von 1:2 ein. In der Nachspielzeit legt Teamkollege Leipertz in den Rückraum ab und Otto trifft nach einer Drehung zum 3:1-Endstand. Am dritten Spieltag steht die Leihgabe gegen Dynamo Dresden sogar zum ersten Mal in der Startelf. Wie wir heute wissen, entwickelt sich die Spielzeit der Schwaben in Folge zur Traum-Saison und der FCH steht zum Ende des 34. Spieltags auf dem dritten Tabellenplatz, dem Relegationsplatz.

Ein halber Meter fehlt zum Aufstiegshelden

Enttäuscht: David Otto nach seiner vergebenen Chance zum 1:1 am Boden. (Foto: Getty Images)

Und obwohl der Konkurrenzkampf im Team dementsprechend hoch ist, bringt es der junge Otto regelmäßig auf Einsätze. Nur einmal ist er nicht im Kader, 14-mal wird er eingewechselt und elfmal steht er sogar von Beginn an auf dem Platz. Seine Torausbeute kann er dabei nicht steigern, bereitet aber immerhin fünf Treffer vor. Damit steht er bei den Top-Vorlagengebern des Clubs auf Platz Zwei. Lediglich Marc Schnatterer (7) gelangen mehr Assists in dieser Spielzeit.

Und auch im Pokal sowie bei den Relegationsspielen um den Einzug in die Bundesliga gegen den SV Werder Bremen steht Otto auf dem Platz. Im Hinspiel wird er für die letzten zwanzig Minuten eingewechselt, im Rückspiel spielt er die gesamte zweite Hälfte und verpasst – wie bereits geschildert – in der 48. Minute sogar eine riesige Chance zum Ausgleich. Am Ende muss sich Heidenheim mit einer starken Saison ohne Aufstieg zufriedengeben. Und Otto mag dabei vielleicht nicht der ausschlaggebende Spieler gewesen sein, trotzdem darf ihm ein großer Anteil daran zugeschrieben werden. Mit 1261 Spielminuten (ca. 14 ganze Spiele) und einer Einsatzquote von 79% (9. bester Wert im Club) scheint es so, als wäre der Sprung vom Jugendspieler mit sporadischen Auftritten zum Profi mit regelmäßigen Einsätzen geglückt. Doch wie geht es jetzt mit Otto weiter?

Direkte Rückkehr realistisch?

„David Otto würden wir auf jeden Fall gern behalten. Er hat sehr viel Potenzial und steht am Anfang seiner Karriere“ — Das waren die Worte von FCH-Coach Frank Schmidt auf einer Pressekonferenz im Februar diesen Jahres. Seitdem gab es keine weiteren Statements, ob man mit dem Stürmer weiterplane. Seit dem Dienstag nach dem Relegations-Rückspiel ist die Leihe offiziell beendet. Doch blickt man in die Kaderplanung der TSG Hoffenheim, so fällt es schwer, einen geeigneten Platz für den 21-jährigen zu finden.

Seine Zukunft: ungewiss. (Foto: Getty Images)

Der Youngster besetzte bislang drei Positionen: So trat er als klassischer Mittelstürmer, als hängende Spitze, oder im zentralen offensiven Mittelfeld auf. Bei der TSG besetzen diese Positionen aktuell Andrej Kramaric (MS), Munas Dabbur (MS), Ishak Belfodil (MS), Jugend-Kollege Maximillian Beier (MS), Ihlas Bebou (RM/MS), Sargis Adamyan (ZOM) und Christoph Baumgartner (ZOM). Hinzu kommt noch der Brasilianer Joao Klauss (MS), welcher sich nach einer erfolgreichen Leihe in Linz ebenfalls Hoffnungen auf das Etablieren in die A-Elf der Kraichgauer machen darf und durchaus macht. Auch wenn man davon ausgeht, dass Belfodil die TSG nach internen Streitigkeiten verlassen wird, scheint die Chance auf regelmäßige Einsätze von Talent David Otto relativ gering zu sein.

Das aktuelle Trainerteam bestehend aus dem Trio um Matthias Kaltenbach, Kai Herdling und Marcel Rapp, könnte für die Nummer 26 jedoch einen Vorteil darstellen. Letzterer war nämlich Ottos Trainer, als dieser mit seine besten Jahre in der U17 und der U19 Hoffenheims erlebte. Generell setzte man im Kraichgau auch vergangene Saison auf das konstante Eingliedern von Jugendspielern in die A-.Elf. Dieses Jahr profitierte davon unter anderem sein Stürmer-Kollege Maximillian Beier, welcher auf sechs Einsätze kam. Klar ist, dass die TSG Hoffenheim mit der kommenden Dreifachbelastung auch im Sturm breiter aufgestellt sein muss. Dass man allerdings mit sechs Stürmern in die neue Spielzeit geht, halten wir jedoch für äußerst unwahrscheinlich.

Auf der Tribüne wird sich die Nummer 26 wohl nächste Saison ungern sehen lassen. (Foto: Imago)

Leihen: Fluch und Segen

Denkbar wäre somit, David Otto ein weiteres Mal zu verleihen. Mit der vergangenen Saison dürften mehrere Klubs unter anderem aus der 2. Bundesliga auf das Talent aufmerksam geworden sein. Aufgrund der lobenden Worte von FCH-Trainer Schmidt, oder Vorstandsvorsitzenden Holger Sanwald, wäre auch eine Verlängerung der Leihe an Heidenheim denkbar. Durch die starke Saison von Stürmerkollegen Kleindienst, Schimmer und Leipertz, liegen die Gerüchte nicht fern, dass diese Personalien auch auf dem Zettel sämtlicher Bundesligisten stehen. Für den Fall, dass den Schwaben Offensivkräfte abgeworben werden, könnte Otto diese Lücken für ein weiteres Jahr füllen und dabei Spielpraxis sammeln. Zudem müsste er sich nicht neu eingewöhnen und behaupten.

Denn auch wenn es Positiv-Beispiele davon geben mag, riskieren TSG-Talente oft auch in verschiedenen Leihen zu versinken, bis sich die Kaderplanung rein gar nicht mehr nach den Spielern richtet. Das beste Exempel hierfür wäre die Personalie Bruno Nazario, der 2013 zur TSG wechselte, aktuell seine fünfte Leihe in Folge bei Botafago Rio de Janeiro absolviert und dabei den wenigsten Hoffenheim-Fans überhaupt noch ein Begriff ist. Keinesfalls prognostizieren wir Otto hiermit einen selbigen Karriereverlauf, das Beispiel Nazario zeigt aber, dass das Festigen innerhalb einer Mannschaft oftmals ratsamer ist.

Zukunft im TSG-Trikot?

David Otto gemeinsam mit seinenr Konkurrenz. (Foto: Imago)

Trotz der aktuell großen Konkurrenz, können wir uns den Stürmer zukünftig gut als Hoffenheim-Spieler vorstellen. Er erfüllt durch seine Körperlichkeit den Typ Stoßstürmer, was ihn von vielen anderen Talenten – wie u. a. Maximillian Beier – unterscheidet. Durch seine Flexibilität und der starken Assist-Bilanz kann Otto in vielen verschiedenen Systemen variabel eingesetzt werden. Die größte Schwäche im Profibereich stellt wohl aktuell noch sein etwas hektischer Umgang bei Torgelegenheiten dar, was zu einer eher schwachen Chancenverwertung führt. Dieses Phänomen ist allerdings bei Jugendspielern, welche neu im Profi-Bereich ankommen, alles andere als selten und gehört auch ein Stück weit dazu.

Künftig könnte dazu sogar Platz im A-Kader entstehen. Die Gerüchte um einen Abgang des Erfolg-Stürmers Kramaric nehmen besonders nach dieser Saison weiter zu. Dabbur (28) und Adamyan (27) sind dabei für Hoffenheimer Verhältnisse schon überdurchschnittlich alt. Die TSG würde gut daran tun, das Integrieren der Youngster im Zusammenspiel mit erfahreneren Kräften zu erleichtern, wie man es etwa in Vergangenheit schon bei Nadiem Amiri oder Christoph Baumgartner tat.

Schüchtern vor Herausforderungen war Otto dabei noch nie. Schon vor der Saison 2018/19 mangelte es dem gebürtigen Pforzheimer definitiv nicht an Selbstvertrauen: „Im Sturm haben Joelinton, Szalai und Belfodil. Da kann ich mithalten. Ich würde mir wünschen, den einen oder anderen Einsatz zu bekommen.“ Es wird deshalb wohl rein um die sportlichen Vorstellungen der Kraichgauer gehen. Diese planen aktuell als Nachfolger für Ex-Coach Alfred Schreuder mit einer externen Lösung. Vermutlich wird sich Ottos Zukunft erst klären, sobald die externe Lösung feststeht. Es bleibt daher abzuwarten, wo man ihn die nächsten Saisons sehen wird.

Ottos größtes Vorbild ist übrigens Fernando Torres. Und der kam ja auch nach seinen Wechseln immer wieder zu seinem Jugend-Klub Atletico zurück. Naja, also zumindest bis er dann mit 34 für das große Geld nach Japan gegangen ist. Aber bis dahin ist bei dir ja noch ein bisschen Zeit, oder David?

4.3 6 votes
Article Rating
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments

Top Reviews

ANZEIGE

Video Widget

gallery

0
Would love your thoughts, please comment.x
()
x