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„Das letzte Ergebnis ein wenig geraderücken“ – Gegnerinterview vor dem Duell gegen den BVB

Nach der Länderspielpause stehen für die TSG drei Englische Wochen an. Der erste Härtetest wartet dabei am Samstag vor heimischer Kulisse gegen Borussia Dortmund. Vor dem Duell mit dem BVB haben wir mit Podcaster (BVBeben / BuLiSpecial) und neunzigplus-Redakteur Julius Eid (Twitter: @Juliuswithe) gesprochen. Er erklärte uns, warum die Schwarz-Gelben es wohl auch in diesem Jahr schwer haben werden, den Bayern gefährlich zu werden, wieso die TSG gegen die Borussen zuletzt zum Angstgegner wurde und was er von der Partie am Wochenende erwartet.

Hoffenews: Julius, lass uns kurz über die Transferperiode reden. Diese war beim BVB dieses Jahr überschaubar: Götze hat den Verein verlassen, Hakimi nach dessen Leihende ebenso, Wolf und Balerdi wurden verliehen. Fest verpflichtet wurden dafür Can, Meunier sowie das britische Talent Jude Bellingham, Reinier wurde ausgeliehen. Bist du mit dem Kader zufrieden?

Julius Eid: Ich bin mit dem Kader und der Transferperiode zufrieden. Hakimi war nicht länger bezahlbar, man hat dafür Meunier geholt, der sicherlich noch mehr kann als er bis jetzt in Schwarz-Gelb gezeigt hat, Jude Bellingham zeigt von Anfang an warum er so begehrt war. Can ist schon seit Winter da und wirkt immer selbstbewusster, er kann in Zukunft eine Säule des Teams sein. Reinier ist spannend, für den bald aufrückenden Moukoko gilt das Gleiche. Vor allem hat man aber die Mannschaft inklusive des begehrten Sancho zusammengehalten. Klar gibt es immer Stellschrauben, ein weiterer Innenverteidiger wäre zum Beispiel nicht verkehrt, dies wird auch in der jetzigen Verletzungssituation deutlich. Aber wenn man sich die besonderen, wirtschaftlichen Umstände in Erinnerung ruft und diese einzuordnen weiß, dann war das nicht nur eine ordentliche, sondern eine gute Tranferperiode.

Hoffenews: André Schürrle hat im Juli bekanntgegeben seine Fußballkarriere im Alter von 29 Jahren zu beenden. Wie hast du Schürrle als Fan wahrgenommen und wie hast du die Nachricht von seinem Karriereende aufgenommen?

Julius: Ich persönlich fand die Nachricht schon schade. Schürrle hat mir mit seiner Gradlinigkeit als Spieler immer gefallen, doch berechtigterweise kann man diese eben auch als etwas eindimensional einordnen. Als ein weiterer Aspekt im oft verspielten und teilweise leider auch zu verspielten Dortmunder Angriffsspiel hätte er sicherlich eine Facette beifügen können, die nun komplett an Thorgan Hazard hängt. Aber auch hier muss man realistisch sei. Schürrle hat sich leider nicht mit seiner Gehaltskategorie entwickelt, nach lukrativen Verträgen bei Chelsea, Wolfsburg und dann dem BVB war er, so ehrlich muss man sein, zu gut bezahlt für das, was er einer Mannschaft spielerisch geben kann. Ich wünsche ihm persönlich alles Gute und hoffe seine Zukunft verläuft, wie er es sich wünscht.

Hoffenews: Ex-Hoffenheimer Nico Schulz geht jetzt in seine zweite Spielzeit mit dem BVB. Letzte Saison musste er sich meistens mit einem Platz auf der Bank begnügen, innerhalb der ersten drei Ligaspiele dieses Jahr, wurde er einmal eingewechselt. Kann er beim BVB in Zukunft wieder eine größere Rolle spielen?

Julius: Man würde es sich wünschen. Im Moment ist Raphael Guerreiro klar auf der linken Seite gesetzt und einer der besten Spieler Dortmunds. Doch der Portugiese hat die Qualität auch in offensiveren Halbpositionen den Unterschied zu machen, da Schulz allerdings bis jetzt weit hinter den Erwartungen zurückblieb, ist „Raphi“ auch ein wenig in dieser Position gefangen. Ein starker Schulz würde Dortmunds Möglichkeiten noch einmal deutlich erhöhen. Doch leider zeichnet sich ein starker Aufschwung bei Ex-Hoffenheimer nicht ab. Schulz wirkt oft unbeholfen mit dem Ball und deshalb wenig hilfreich im Kombinationsspiel. Dies ist aber nun mal Hauptbestandteil des Dortmunder Spiels. So lange Schulz nicht sinnvoll eingebunden werden kann, wird Guerreiro immer die erste Wahl sein und Schulz nicht oft die Möglichkeit bekommen, doch noch von sich zu überzeugen.

Tut sich seit seinem Wechsel nach Dortmund schwer: Nico Schulz (Foto: Martin Rose/Getty Images)

Hoffenews: Nachdem man sich letztes Jahr mit der Zielsetzung Meisterschaft vertan hatte, hielt man sich diesmal mit konkreten Zielen in der Öffentlichkeit zurück. Zum achten Jahr in Folge darf man Dortmundern erneut die Frage stellen: Wie stehen die Chancen den Bayern dieses Jahr gefährlich zu werden?

Julius: So wie immer. Nicht gut. Bayern ist klarer Favorit und wenn Bayern stolpert muss man da sein. Leider scheint die dafür nötige Konstanz immer noch nicht gegeben, zumindest zum Start der Saison. Natürlich kann man hoffen, dass sich dies im Saisonverlauf doch noch bessert, und seid versichert, dass tue ich jeden Tag. Dann müssten die Münchner allerdings auch noch aufgrund ihres recht schmalen Kaders und der hohen Belastung ordentlich ins Straucheln geraten. Nicht unmöglich, aber leider scheinen die Bayern gerade in den Rückrunden der letzten Jahre dann doch in einen unglaublichen Modus zu verfallen. Dortmund ist der Verein, der die besten Chancen hat, doch einmal einen Ausrutscher im Süden zu nutzen, groß sind diese Chancen aber nicht.

Hoffenews: Für Lucien Favre läuft derweil die dritte Amtszeit in Dortmund. Bislang stand er regelmäßig in der Kritik und schon mehrfach wurde sein bevorstehendes Aus prophezeit. Könnte es dieses Jahr etwas ruhiger um ihn werden?

Julius: Ziemlich sicher: Nein! So ist es leider. Befindet sich der BVB in einer guten Phase, dann spielt das Team wie es erwartet wird. Sind sie in einer nicht so guten Phase, dann ist Favre schuld. Sicherlich hat der Schweizer nicht immer alles richtig gemacht, aber im Endeffekt scheint die Versteifung auf den Trainer bei jeglichen Rückschlägen mittlerweile zum festen Ritual zu gehören. Dies ist besonders ärgerlich, weil dies den Blick auf andere Problemstellen verstellt. Dortmund trat gegen Augsburg mit mehreren Minderjährigen an, muss man einer solchen Mannschaft nicht vielleicht doch auch Formschwankungen zugestehen? Oftmals gehen solche Facetten in der Erregung unter. Noch hat er die Chance, sein Bild mit einem Titelgewinn zurecht zu rücken. Ich würde es ihm gönnen. Und einen Titel hätte ich auch gerne.

Hoffenews: Nach einer 3:0-Auftaktsgala gegen den Rivalen aus Mönchengladbach, ging man am zweiten Spieltag mit einem 0:2 in Augsburg unter. Schon beim letzten Interview stellten wir dir die Frage, warum so oft gegen kleine Teams gepatzt wird. Was war diesmal für dich ausschlaggebend?

Julius: Wie eben schon angesprochen, darf man in der Betrachtung des Spiels nicht vergessen, dass die Offensivreihe aus einem 17-Jährigen und zwei Zwanzigjährigen bestand, der Verbindungsspieler aus dem Mittelfeld war ebenfalls 17. Keiner der angesprochenen hatte einen besonders guten Tag. Generell muss man aber auch feststellen, dass der BVB weiterhin Probleme hat gegen disziplinierte, kompaktstehende Gegner zu Torchancen zu kommen. Einer der Knackpunkte hierbei lag im Fehlen von richtigen Flügelspielern, man versuchte auf Biegen und Brechen durch die Mitte zu spielen und scheiterte dabei. Zusätzlich zeigt man sich in gefühlter Feldüberlegenheit zu oft zu träge, die Seitenwechsel im Ballbesitz sind zu langsam und es fehlt Schärfe um den Gegner auseinanderzuziehen. Es ist frustrierend zu beobachten, dass sich bei keinem dieser Probleme sichtbare Lerneffekte eingestellt haben. Hier muss man von jedem Einzelnen mehr erwarten.

Per No-Look-Elfmeter zum Viererpack: Andrej Kramaric (Foto: INA FASSBENDER/AFP via Getty Images)

Hoffenews: Innerhalb der letzten fünf Begegnungen, ging dreimal Hoffenheim als Sieger vom Platz, zwei Mal endete es Remis. Zudem ist in dieser Bilanz ein Torverhältnis von 13:6 zugunsten der TSG zu verzeichnen. Wieso tut sich der BVB gegen Hoffenheim oft so schwer?

Julius: Gerade die letzten Duelle kann man, wenn man Ausreden sucht, auch ein wenig auf den Zeitpunkt schieben. Gerade in der Rückrunde ging es für den BVB um nichts mehr, die Spiele schienen sich nicht mehr wirklich zu einem guten Auftritt aufraffen zu können, nachdem man in der Vorwoche gegen Leipzig noch eine der besten Saisonleistungen zeigte. Doch dies ist natürlich nicht der einzige Grund. Prinzipiell gehört die Fähigkeit gefährlich zu kontern zum Repertoire der TSG, und Dortmund ist da weiterhin anfällig. Es war in den letzten Jahren immer auch taktisch kein perfektes Match für die Dortmunder. Aber das ändert sich ja an diesem Wochenende 😉

Hoffenews: Beim letzten Aufeinandertreffen musste die Borussia eine 4:0-Klatsche gegen Hoffenheim einstecken. Wie beeinflusst diese offene Rechnung die Partie am Samstag?

Julius: Sicherlich wird man auch mit dem Anspruch anreisen, das Ergebnis ein wenig gerade zu rücken. Es gibt ja generell genug Stoff zwischen den beiden Klubs, um motiviert in das Duell zu gehen. Die Fans tun dies in jedem Fall, wenn auch nicht vor Ort. Aber auch das ist ja schon keine Besonderheit mehr. Immerhin sollte so auch jeder vor Schallbeschuss sicher sein.

Hoffenews: Was erwartest du am Samstag für ein Spiel?

Julius: Ein intensives, vielleicht sogar zähes Spiel, welches stark vom ersten Treffer der Partie beeinflusst werden dürfte. Sollte dieser für Dortmund und früh fallen, könnte es doch recht deutlich werden, aber ich gehe doch von einem wirklich lange spannenden Duell aus.

Hoffenews: Und wie geht es aus?

Julius: 1:3 für den BVB, Haaland doppelt und ein Konter in der 90. Das steht fest.

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Louis ist seit August 2019 Teil von Hoffenews und als Chefredakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Als Werkstudent schreibt er zudem für das Onlineportal Goal.com (Teil von DAZN) und begleitet als Blinden- und Fanradioreporter die Spiele des SV Sandhausen.

Jakob ist seit Oktober 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Zudem ist er als freier Mitarbeiter der Sportredaktion der Rhein-Neckar-Zeitung tätig und begleitet als Blinden- und Fanradioreporter die Spiele des SV Sandhausen. Wer tagtäglich seine semi-lustigen Wortspiele und Einfälle verfolgen will, findet ihn auf Twitter unter @goenntherjauch.

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Louis Loeser and Jakob Uebel
Louis ist seit August 2019 Teil von Hoffenews und als Chefredakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Als Werkstudent schreibt er zudem für das Onlineportal Goal.com (Teil von DAZN) und begleitet als Blinden- und Fanradioreporter die Spiele des SV Sandhausen.

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