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Causa Hopp: Die Bundesliga braucht eine klare Linie

Nach den erneuten Anfeindungen gegen Dietmar Hopp bei der Bundesliga-Partie der TSG Hoffenheim gegen den FC Bayern München setzten die Akteure beider Mannschaften gemeinsam ein Zeichen gegen Hass und Hetze. Nun sind der DFB und die DFL angehalten, eine klare Linie im Umgang mit beleidigenden Bannern und Gesängen zu finden. Ein Kommentar.

67 Minuten lang ließ sich die TSG vom Rekordmeister aus München nach Strich und Faden vorführen, ehe der Fußball in den Hintergrund rückte. Nur eine Woche nach den Anfeindungen gegen Dietmar Hopp beim Auswärtsspiel in Mönchengladbach, bei dem der Mäzen unter anderem im Fadenkreuz gezeigt wurde, fielen erneut einige Unverbesserliche mit beleidigenden Bannern und Schmähgesängen gegen den SAP-Gründer auf.

Beim Stand von 0:6 unterbrach Schiedsrichter Christian Dingert in der zweiten Halbzeit die Partie – zunächst nur kurz, dann für über zehn Minuten, weil ein zweites Plakat aufgetaucht war. Was folgte, war ein starkes Zeichen beider Mannschaften. So spielten sich die Hoffenheimer und die Münchner 14 Minuten lang den Ball hin und her und nahmen anschließend gemeinsam den Weg in die halbleere Südkurve, die lautstark Hopps Namen skandierte.

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Es braucht eine klare Linie gegen Hass und Hetze

Für den Umgang mit der schwierigen Situation gebührt den Verantwortlichen beider Vereine sowie dem Schiedsrichtergespann Respekt. Nun ist es an der Zeit, dass die Vereine der Bundesliga gemeinsam mit dem DFB und der DFL eine gemeinsame Strategie im Umgang mit Hass und Hetze jeglicher Form finden, damit Vorfälle wie am Samstag nicht zur Normalität werden.

Der DFB muss sich in Zukunft an Spielunterbrechungen wie in der vergangenen Woche in Mönchengladbach oder am Samstag in Dortmund, Schalke und Sinsheim messen lassen. Sollte man dies bei vergleichbaren Vorkommnissen nicht in gleicher Konsequenz durchsetzen, steht der Verband vor einem Glaubwürdigkeitsproblem.

Es braucht deshalb eine klare Linie, die nicht nur die anhaltenden Anfeindungen gegen Dietmar Hopp betrifft, sondern universell anwendbar ist. Ein wichtiges Feld ist dabei der Kampf gegen Rassismus, Sexismus und Homophobie, bei dem der DFB einen ähnlich konsequenten Umgang in der Vergangenheit vermissen ließ.

Kampf gegen Hass geht nicht ohne Kampf gegen Rassismus

Traurige Aktualität gewinnt das Thema dabei vor dem Hintergrund der rassistischen Beleidigungen gegen Hertha-Verteidiger Jordan Torunarigha beim Pokal-Spiel gegen Schalke 04, in deren Folge der U21-Nationalspieler wegen eines Wutausbruchs mit Gelb-Rot des Platzes verwiesen wurde. Zuvor hatte es der Unparteiische versäumt, Torunarigha angemessen zu schützen.

Wenn beleidigende Banner gegen einen Mäzen für einen Spielabbruch sorgen können, während Affenlaute einfach so hingenommen werden, vermittelt das den Eindruck, dem DFB würde das persönliche Wohlergehen eines Milliardärs mehr am Herzen liegen als der Kampf gegen den Rassismus. Das ist ein fatales Zeichen.

Wie dabei eine klare Linie auszusehen hat, spaltet die Geister. Orientierung bietet der Drei-Stufen-Plan der UEFA, den der DFB im vergangenen Sommer als Maxime für den Umgang mit Diskriminierung adaptierte. Dieser besagt, dass der Schiedsrichter bei rassistischen, homophoben oder sexistischen Beleidigungen zunächst das Spiel für eine Lautsprecherdurchsage zu unterbrechen hat. Sollte dies nicht funktionieren, sieht das Protokoll zunächst eine Unterbrechung und im Ernstfall einen Spielabbruch vor.

Während der Plan zwar bereits seit 2009 existiert, kam er bisher jedoch kaum zur Anwendung. Auch im Umgang mit Anfeindungen gegen Dietmar Hopp schienen Spielunterbrechungen oder gar -abbrüche undenkbar. Mit dem Urteil des DFB-Sportgerichts, das BVB-Fans in den kommenden zwei Jahren aus Sinsheim verbannt, fand nun aber offenbar ein Umdenken statt.

Sind Spielabbrüche wirklich eine langfristige Lösung?

So lobenswert diese Entwicklung ist, so muss man sich trotzdem die Frage erlauben, inwiefern Spielabbrüche eine zukunftsfähige Strategie sein können. Dass die Anhänger, die Fadenkreuze und ähnliche Anfeindungen als legitimes Mittel für Kritik gegen Kommerz und Kollektivstrafen halten, vor harten Strafen nicht zurückschrecken, zeigte sich nicht zuletzt beim Gastspiel des BVB kurz vor Weihnachten in Sinsheim.

Unter dem Motto „Nie wieder Hoffenheim“ provozierten die Dortmunder Anhänger bewusst eine auf Bewährung ausgesetzte Blocksperre und demonstrierten erneut eindrucksvoll, dass ihnen das Wohl ihres eigenen Vereins ebenso egal ist, wie Respekt und Anstand. An ihre Vernunft zu appellieren, wird deshalb nicht von großem Erfolg gekrönt sein. Stattdessen könnten Spielabbrüche in letzter Konsequenz ähnlich wie das gebrochene Versprechen des DFB, auf Kollektivstrafen zu verzichten, für eine weiteren Eskalation sorgen.

Die Verantwortlichen sind deshalb gut beraten, die Chancen und Risiken besonnen abzuwägen und sein eigenes Handeln in der Vergangenheit kritisch zu hinterfragen. Es ist an der Zeit eine gemeinsame Stimme gegen jegliche Form von Hass zu finden. Denn ein „Weiter so“ wird die Spirale, in der wir uns befinden, nur weiterdrehen – und das kann niemand wirklich wollen.

Ihr wollt unsere ausführlichen Gedanken zu den Anfeindungen gegen Dietmar Hopp und den richtigen Umgang damit hören? In der neuen Folge unseres Podcasts ‚Hoffefunk‘, die am Sonntagabend erscheinen wird, haben wir die Geschehnisse vom Samstag ausführlich besprochen.

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Louis ist seit August 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Neben seinem Studium schreibt er für die Onlineportale Goal und Spox. Zudem begleitet Louis als Blinden- und Fanradioreporter ehrenamtlich die Spiele des SV Sandhausen.

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Louis Loeser
Louis ist seit August 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Neben seinem Studium schreibt er für die Onlineportale Goal und Spox. Zudem begleitet Louis als Blinden- und Fanradioreporter ehrenamtlich die Spiele des SV Sandhausen.

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