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AktuellesInterviewVorbericht

„Beide Mannschaften dürften nicht vor Selbstvertrauen strotzen“

Nach drei Niederlagen infolge trifft die TSG Hoffenheim am Montagabend (20.30 Uhr / DAZN) auf Bayer Leverkusen. Vor dem Spiel haben wir mit Leverkusen-Experte Sebastian Bergmann (Twitter:@Rarename2k14) von der Rheinischem Post gesprochen. Im Interview erklärte er uns, wieso die Trennung von Trainer Peter Bosz zum richtigen Zeitpunkt kam, was sich unter Hannes Wolf bereits geändert hat und was für eine Partie zu erwarten ist.

Vor kurzem trennte sich Bayer Leverkusen nach nur einem Sieg aus acht Pflichtspielen von Cheftrainer Peter Bosz und stellte dafür Hannes Wolf bis zum Ende der Saison ein. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Sebastian Bergmann: Das 1:2 gegen die Bayern kurz vor der Winterpause, als Leverkusen in der Nachspielzeit nicht nur das Spiel, sondern auch die Tabellenführung verlor, bildete eine Zäsur in der Saison für den Werksklub. Anschließend ließ Bayer in der Liga Punkte über Punkte gegen vermeintlich schwächere Gegner liegen und wurde bis auf den sechsten Platz durchgereicht. Hinzu kamen die blamable Niederlage im DFB-Pokal bei Rot-Weiss Essen und das Aus im Europa-League-Sechzehntelfinale gegen die Young Boys Bern. Im neuen Jahr stimmten weder die Ergebnisse noch die Leistungen auf dem Rasen. Der Negativtrend ließ sich irgendwann auch nicht mehr allein durch die enorme Verletztenmisere erklären.

Und wie bewertest du den Trainerwechsel?

Sebastian: Ich bin der Überzeugung, dass die Entscheidung zu dem Zeitpunkt richtig war. Für den Werksklub ist es mit Blick auf das eigene Selbstverständnis und auch die Entwicklung der Talente im Kader von großer Bedeutung, international zu spielen. Dass es die Mannschaft mit Bosz noch geschafft hätte, die Kurve zu bekommen, musste vor allem nach dem lustlosen Auftritt und dem 0:3 bei Hertha BSC stark angezweifelt werden. Zumal stand die letzte Länderspielpause bis Saisonende bevor. Es bot sich also die Chance, durch einen Wechsel auf der Trainerposition noch einmal einen echten Einfluss auf den Verlauf der Spielzeit zu nehmen.

Neuer Chef: Hannes Wolf folgte in Leverkusen auf Peter Bosz (Foto: imago images)

Haben sich bereits Änderungen unter Wolf bemerkbar gemacht?

Sebastian: In seinem ersten Spiel, dem 2:1 gegen Schalke, tauschte Wolf gleich die halbe Mannschaft aus und stellte von einer Vierer- auf eine Dreierkette mit zwei Sechsern vor der Abwehr um. Exequiel Palacios, der unter Bosz in der Rückrunde keine Berücksichtigung mehr fand, erhielt eine Chance von Beginn an und zeigte an der Seite von Kapitän Charles Aránguiz im Mittelfeld ein gutes Spiel. Bayer war das Bemühen nicht abzusprechen, auch wenn das Balltempo weiterhin zu niedrig und die Verunsicherung noch zu spüren war. Im Training ist Wolf bemüht, den Spielern Vertrauen zuzusprechen und so die in der Hinrunde gezeigte Spielfreude zu wecken.

Aktuell steht Bayer punktgleich mit dem BVB auf dem sechsten Tabellenplatz. Wie bewertest du die Chancen, dass Leverkusen auch nächstes Jahr international vertreten ist?

Sebastian: Gegen Schalke hat Bayer die Pflicht erfüllt, und auch die Partien jetzt in Hoffenheim und im Derby gegen Köln sind Spiele, die die Werkself gewinnen muss, will sie kommende Saison wieder international spielen. Schließlich warten im weiteren Saisonverlauf unter anderem noch Duelle mit München, Frankfurt und – am letzten Spieltag – Dortmund.

Und dann in der Europa Conference League, der Europa League oder der Champions League?

Sebastian: Angesichts der Konstanz von Wolfsburg und Frankfurt sowie elf beziehungsweise sieben Punkten Rückstand auf beide Teams, glaube ich nicht, dass Leverkusen es noch in die Königsklasse schafft. Das Ziel muss lauten, die in dieser Saison freilich ebenfalls schwächelnden Dortmunder noch vom fünften Platz zu stoßen. Der würde schließlich sicher für die Europa League reichen. Um sich auch als Sechster noch für diesen Wettbewerb zu qualifizieren, müsste Leipzig schon Pokalsieger werden. Dass mindestens die Europa-Conference-League-Play-offs erreicht werden, denke ich schon. Derzeit hat Leverkusen jeweils drei Punkte Vorsprung auf die Verfolger Union Berlin und Gladbach sowie vier Punkte auf Stuttgart..

Hoffenheimer Junge: Nadiem Amiri nimmt in seiner zweiten Saison bei der Werkself eine Schlüsselrolle ein (Foto: imago images)

Vor zwei Jahren wechselten die beiden Hoffenheimer Nadiem Amiri und Kerem Demirbay gemeinsam nach Leverkusen. Wie haben sich die beiden mittlerweile eingelebt?

Sebastian: Nach einem schwierigen Debütjahr für beide hatte sich vor allem Nadiem Amiri ganz gut unter dem Bayer-Kreuz eingelebt, war Stammspieler und bestritt auch seine ersten Länderspiele für Deutschland. Er war einer der entscheidenden Faktoren für den guten Saisonstart der Werkself. Im neuen Jahr konnte er aber nicht an seine Form aus der Hinserie anknüpfen, zudem war er mehrere Wochen aufgrund seiner Corona-Infektion außen vor. Bei Kerem Demirbay sieht es ein wenig anders aus. Der Leverkusener Rekordtransfer hat sein zweifelsfrei vorhandenes Talent bislang viel zu selten aufblitzen lassen. Von ihm hatten sich sicherlich nicht nur die Verantwortlichen in Leverkusen mehr versprochen. Sowohl für Amiri als auch für Demirbay könnte der Trainerwechsel nun auch ein Neuanfang sein.

Im Hinspiel fertigte die Werkself Hoffenheim in einer verrückten Partie mit 4:1 ab während außen Traktoren posaunten. Was für ein Spiel erwartest du am Montag?

Sebastian: Beide Mannschaften dürften derzeit nicht vor Selbstvertrauen strotzen, und ich vermute, dass sich daran bis Saisonende auch nicht mehr viel ändern wird. Für beide Teams geht es jetzt nur noch darum, Ergebnisse einzufahren. Es wird vermutlich keine Partie mit vielen spielerischen Höhepunkten, was aber nicht heißen soll, dass nicht trotzdem ein paar Tore fallen könnten. Vorrang wird für Leverkusen aber haben – wie schon gegen Schalke – defensiv stabil zu stehen.

Und wie lautet dein Tipp?

Sebastian: 2:1 für Leverkusen.

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Louis ist seit August 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Neben seinem Studium schreibt er für die Onlineportale Goal und Spox. Zudem begleitet Louis als Blinden- und Fanradioreporter ehrenamtlich die Spiele des SV Sandhausen.

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Louis Loeser
Louis ist seit August 2019 Teil von Hoffenews und als Redakteur für die redaktionellen Inhalte von hoffenews.de sowie den Social-Media-Auftritt zuständig. Neben seinem Studium schreibt er für die Onlineportale Goal und Spox. Zudem begleitet Louis als Blinden- und Fanradioreporter ehrenamtlich die Spiele des SV Sandhausen.

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