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Akers‘ Erbinnen – Arsenal Women FC im Check

Mit dem 5:0 gegen HB Køge haben die Fußballerinnen der TSG Hoffenheim ihre Pflichtaufgabe beim Champions-League-Debüt eindrucksvoll gemeistert. Nun steht für das Team von Trainer Gabor Gallai das erste Auswärtsspiel in der Königinnenklasse an. Am Donnerstag (21 Uhr/DAZN) gastiert die TSG beim Arsenal Women FC. Hoffenews wirft einen Blick auf den renommiertesten Frauenfußballklub Englands.

Gründer, Trainer, Manager: Die Ära Akers

60 Trophäen, darunter 15 Meisterschaften – die Bilanz der Arsenal Women kann sich zweifelsohne sehen lassen. Damit sind sie das erfolgreichste Team auf der Insel.

Eng verbunden mit diesen Erfolgen ist der Name Vic Akers. Der frühere Außenverteidiger, der u.a. für den FC Watford spielte, wurde 1986 „Head of Arsenal’s community section“, um Gemeinschaftsprojekte der „Gunners“ aufzubauen. Dadurch sollte die Verbindung zwischen dem Klub und dem Umfeld rund um den Norden Londons gestärkt werden.

Akers gründete 1987 im Rahmen der zahlreichen sozialen Initiativen die Arsenal Ladies, die aus dem örtlichen Frauenteam aus Aylesbury hervorgingen. Er übernahm sowohl den Posten des Trainers als auch des Managers. Nebenbei war Akers auch Zeugwart der ersten Herrenmannschaft des FC Arsenal und führte dieses Amt bis 2018 aus.

Sein Steckenpferd war allerdings immer der Aufbau und die Entwicklung der Arsenal Ladies. Um Spielerinnen zu überzeugen, besorgte Akers ihnen Jobs und Praktika im Verein. Er formte im Verlaufe der Jahre ein Team, das sich in die Geschichtsbücher des englischen Fußballs spielte. Unter seiner Ägide gewann Arsenal 1992 mit dem „FA Women’s Premier League Cup“ die erste Trophäe. Und es kam noch besser: Ein Jahr später holten die „Gunners“ erstmals das nationale Triple aus Meisterschaft, Pokal und Ligapokal. Dieses Kunststück gelang dem Akers-Team zudem im Jahr 2001.

Meisterschaft, Pokal, Ligapokal, Women’s Cup: Das historische Quadruple

Gründete die Arsenal Ladies und gewann 33 Titel: Vic Akers mit der Trophäe des „FA Women‘ Cup“. (Foto: Ross Kinnaird/Getty Images)

2007 erreichte die Erfolgsgeschichte schließlich ihren Höhepunkt: Neben dem dritten nationalen Triple unter Akers gewannen die Arsenal Ladies als erstes und bisher einziges britisches Team den UEFA Women’s Cup, dem Vorgänger der Women’s Champions League. Nachdem die „Gunners“ bereits all ihre 22 Ligaspiele gewonnen hatten, besiegten sie im Finale den schwedischen Meister Umeå IK mit 1:0 über Hin- und Rückspiel.

Alex Scott war bereits beim ersten Aufeinandertreffen in Schweden die Matchwinnerin. Die frühere Verteidigerin steht wie kaum eine andere für Akers‘ professionelles Scouting. Der Coach entdeckte Scott bei einem U10-Turnier und formte sie zu einer der erfolgreichsten Spielerinnen auf der Insel. Seit ihrem Karriereende ist sie als Moderatorin und Expertin für die BBC tätig.

Im Jahr 2009 endete die Ära Akers nach über zwei Dekaden. Er verabschiedete sich mit dem Double aus Meisterschaft und Ligapokal und erweiterte sein Trophäenkabinett auf 33 Titel.

Mehr Konkurrenz in der „Women’s Super League“

In den Jahren danach nahm die Dominanz zwar etwas ab, die „Gunners“ blieben jedoch immer im Kandidatenkreis auf alle nationalen Titel. 2011 gehörte Arsenal zu den Gründungsmitgliedern der „FA Women’s Super League“, der neuen höchsten Spielklasse Englands. Die Nordlondonerinnen krönten sich unter Trainerin Laura Harvey zu den ersten Titelträgerinnen des Wettbewerbs und verteidigten die Meisterschaft ein Jahr später.

Erst im Jahr 2019 konnten die „Gunners“ – inzwischen in Arsenal Women FC umbenannt – diesen Triumph unter Trainer Joe Montemurro wiederholen. Die kleine Durststrecke hat Gründe: Denn im Verlaufe der letzten Jahre professionalisierte sich die Liga. Vor allem mit dem FC Chelsea und Manchester City traten in den vergangenen Jahren zwei ernsthafte Konkurrentinnen auf den Plan.

Mit der diesjährigen Einführung der Champions-League-Gruppenphase konnte sich Arsenal trotz des dritten Platzes in der Liga für den internationalen Wettbewerb qualifizieren. Dafür gingen sie einen ähnlichen Weg wie die TSG Hoffenheim. In den Qualifikationsspielen besiegten die „Gunners“ Okzhetpes (4:0), die PSV Eindhoven (3:1) und Slavia Prag (3:0, 4:0).

Eidevall, Miedema, Iwabuchi: Arsenal sorgt für Furore

Traf auch im Spitzenspiel gegen Chelsea: Topstürmerin Vivianne Miedema (Nr. 11). (Foto: Catherine Ivill/Getty Images)

Ohnehin schwimmt Arsenal derzeit auf einer Erfolgswelle: Neu-Trainer Jonas Eidevall, der im Sommer vom FC Rosengård nach Islington (Nordlondon) wechselte, macht gerade in der Liga auf sich aufmerksam. Mit der makellosen Bilanz von fünf Siegen aus fünf Partien rangiert Arsenal mal wieder an der Tabellenspitze.

Die Hauptstädterinnen setzten mit einem 3:2 im Emirates Stadium gegen die Titelverteidigerinnen und Champions-League-Finalistinnen des FC Chelsea ein Ausrufezeichen. Darüber hinaus gewann das Eidevall-Team zehn von elf Duellen in dieser Saison. Lediglich beim alles überragenden FC Barcelona setzte es in der vergangenen Woche ein 1:4.

Dass Arsenal in dieser Saison wieder großartig aufspielt, kommt nicht von ungefähr. Topstürmerin Vivianne Miedema blieb dem Team erhalten. Die Niederländerin wurde in den Spielzeiten 18/19 und 19/20 Torschützenkönigin mit 22 respektive 16 Saisontreffern. In der letzten Saison landete sie mit 18 Ligatoren auf dem zweiten Platz hinter Samantha Kerr (FC Chelsea). Neben Miedema haben die „Gunners“ mit Lotte Wubben-Moy, Leah Williamson, Beth Mead und Nikita Parris zudem vier nominierte englische Nationalspielerinnen in ihren Reihen.

Im Sommer verstärkten sie sich qualitativ und quantitativ. Tobin Heath kam als amerikanische Nationalspielerin, Simone Boye Sørensen vom FC Bayern und Nikita Parris für 80.000 Euro von Olympique Lyon. In Angreiferin Mana Iwabuchi verpflichtete Arsenal sogar eine ehemalige Hoffenheimerin, die mit der TSG im Jahr 2013 den Sprung ins Oberhaus schaffte und beim 1:0 gegen den VfL Sindelfingen das erste Bundesliga-Tor für die Kraichgauerinnen erzielte. 2014 wechselte sie zum FC Bayern und landete über Aston Villa nun beim Arsenal WFC.

Vorfreude auf London

Am Donnerstag kommt es im Meadow Park (Borehamwood) also auch zu einem Wiedersehen zwischen TSG-Torfrau Martina Tufekovic und Iwabuchi, die gemeinsam am damaligen Aufstieg der Hoffenheimerinnen beteiligt waren. Die Favoritenrolle ist in diesem Spiel jedoch verteilt: Arsenal verfügt mit 26 Spielerinnen über einen breiten Kader und strebt in der Gruppe C den zweiten Platz hinter den übermächtigen Titelverteidigerinnen aus Barcelona an.

Die TSG um Coach Gabor Gallai fiebert der Partie derweil entgegen. „Das wird wieder ein tolles Abenteuer, wir freuen uns, dass wir uns in diesem Wettbewerb mit Teams wie dem englischen Tabellenführer messen können. Die Champions League ist einfach etwas Besonderes“, wird der Chef-Trainer auf der vereinseigenen Homepage zitiert.

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